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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Friaul – Julisch Venetien (1)

30. Juli 2015

Dolce Vita in Oberitalien

Von Elke Backert

Friaul Innenhof Restauranttische-600

Restaurants – Eßtisch-Idyll

Friaul Esstisch-Idyll

Wein einschenken-600

Salute! Wein gehört in Italien dazu, auch in Friaul – Julisch Venetien

Friaul Weinberg

Zur Begrüßung kriegt der Neuankömmling im Hotel ein Glas Frizzante (Sekt) in die Hand gedrückt und ein spitzes Papiertütchen. Der Inhalt entpuppt sich als “Acquadelle”, frittiertes Meeresgetier, winzige Krabben und Fische, die man mit Kopf, Augen und “Barthaaren” verzehrt und die total lecker schmecken.

Grado Hafen

Grado – Idyllisch ist die ganze Region: der Hafen, eine Treppe, das Alte Musikhaus

Friaul Grado Treppenidyll

Grado, altes Musikhaus 1

Friaul enge Gasse

Friaul: enge Gassen, Blumenfenster

Friaul Blumenfenster

Lignano heißt das Ferienparadies an der Adria. Es liegt zwischen Triest und Venedig in der Provinz Udine und ist in Friaul – Julisch Venetien neben Grado das bedeutsamste Tourismuszentrum, das Hemingway “italienisches Florida” nannte. Kein Wunder, wo meist die Sonne scheint und Tausende edle Jachten in acht Häfen anlegen und die Gäste in einer Villa mit Bootssteg an der romantischen Lagune wohnen können. Dem Schriftsteller sind in Lignano der Parco Hemingway sowie ein renommierter Journalismus- und Literaturpreis gewidmet.

Friaul Lignano Strand

Am goldgelben langen Sandstrand von Lignano Sabbiadoro

Drei Ortsteile erfüllen die Gästewünsche: Sabbiadoro ist die goldene Sandkiste, 80 bis 150 Meter breit und acht Kilometer lang, die Strandpromenade teils autofrei, die Geschäfts- und Gourmetmeile Via Italia abends den Bummlern vorbehalten. Shoppen bis 23 Uhr! Groß und Klein begeistern im Sommer die zwölf Rutschen im “Aquasplash” und das Aquarium im “Gulliverlandia”. Man spaziert trockenen Hauptes zwischen den Haien hindurch – ein gläserner Tunnel macht’s möglich. In die elegante Gartenstadt Pineta kommen Golfer wegen des exklusiven 18-Loch-Platzes, und der gepflegte Zoo erfreut Jung und Alt.

In Lignano-Riviera reicht der Pinienwald bis an die Adria und die Ufer des Tagliamento, der Hemingway zu einem Roman inspirierte. Auch der Campingplatz liegt am Meer. Riviera lockt mit einer schicken Therme, in der man sich ganzjährig verschönen und verwöhnen, mit Thalasso-Therapie und im Sommer mit dem berühmten Sandbad bei Rheuma und Gelenkerkrankungen behandeln lassen kann. Tief eingebuddelt in 60 Grad heißem Sand ruht man 15 kostbare Minuten und steigt wie neugeboren heraus.

Friaul Lignano Sandbad

Die Autorin bestätigt: Tief eingebuddelt im heißem Sand von Lignano oder Grado ruht man 15 kostbare Minuten und steigt wie neugeboren heraus

Inselchen sprenkeln den Meeressaum. Am Meer ist auch in der Schwüle einer Sommernacht gut flanieren, weil der Strand angestrahlt und überwacht wird. Für Romanzen gibt es immer noch genug dunkle Ecken. Heiße Flirts erlebt man in den Diskos. Im “Miró” tummeln sich Nacht für Nacht auf sieben Tanzflächen 5.000 Szenegänger, jung, jünger, am jüngsten. Mit Älteren füllt sich das “Venus”, klein, aber oho.

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Die Palmenallee in Lignano

Schiffe bringen Ausflügler über die Lagune nach Marano, ein zauberhaftes Fischerdorf, dessen Wahrzeichen ein Turm aus dem 13. Jahrhundert ist. Hinter Tamarisken und Pappeln taucht eine Fischerhütte auf, mit ihrem steilen Schilfdach und der luftigen Veranda könnte sie genau so gut auf einer Südseeinsel stehen. Abseits vom Strandleben breitet sich hier eine ganz eigene, verzauberte Landschaft aus. Diese Fischerhütten sind heute komfortabel und zu mieten.

Udine Dom

Gigantisch: der Dom von Udine, unten das Portal

Udine Domportal

Bezaubernd sind auch die Städte im von Rebhängen und Bergen geprägten Hinterland. In Udine im Herzen der Region Friaul – Julisch Venetien gibt es viel zu sehen: malerische Laubengänge, die längsten überhaupt sollen es sein, Loggien, Brunnen, Säulen, Statuen, Kirchen und Gemälde des berühmten Italieners Giambattista Tiepolo (1696-1770).

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Die Hauptstadt Udine soll die längsten Laubengänge haben; unten die Piazza della Libertà

Friaul Udine Piazza della Liberta

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Der schlichte Dom von Cividale del Friuli birgt reichen Schatz

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Nicht zuletzt fasziniert Cividale del Friuli, ein kleiner Ort mit großem Architektur-Reichtum. Da imponiert der schlichte Dom mit schmuckvollem Taufbecken (um 740), der Stuck und Relief verzierte Langobarden-Tempel und die Teufelsbrücke über den Natisone-Fluss. Unvergessliche Anblicke bieten überall die engen Seitengassen und unvergessliche Gaumenfreuden der Wein aus dem Friaul und “gubana”, ein mit Grappa beträufelter Rosinenkuchen.

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Ein Kleinod in der Region Friaul – Julisch Venetien: Cividale del Friuli mit Rathaus und Teufelsbrücke

Friaul Cividale del Friuli Teufelsbruecke

Fotos: Elke Backert

- wird fortgesetzt -

 

Steinbildhauerin Anna Kubach-Wilmsen auf dem Campus Riedberg der Frankfurter Goethe-Universität (5)

28. Juli 2015

Die Land Art-Stelenreihe der Steinbildhauerin Anna Kubach-Wilmsen ist vollendet – die Arbeit trägt den Titel “Steinfuge” und führt hin zum “Wissenschaftsgarten” der Goethe-Universität auf dem Campus Riedberg. Dort – und auch vor dem nahe gelegenen Otto-Stern-Zentrum – erwarten uns die Steinernen Bücher der Künstlerin.

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Die feingeschliffenen Stelenköpfe “verwandeln” sich je nach Lichteinfall und Betrachtungsrichtung – die für Momente sonnenbeschienene “Steinfuge” weist vor dramatisch heraufziehenden tiefdunklen Schauerwolken den Blick in die sommerliche Landschaft am Riedberg

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Steinfuge, 2014, Granit, 38 Stelen konkav – konvex, 5700 x 140 x 40 cm Weiterlesen

Kornelius Wilkens: “Mythen Räume Visionen” im Kunstforum Mainturm

27. Juli 2015

Von Brigitta Amalia Gonser
Kunstwissenschaftlerin, Kuratorin

Das Kunstforum Mainturm in Flörsheim am Main zeigt die retrospektive Ausstellung von Kornelius Wilkens “Mythen Räume Visionen”, die mit Malerei und Objekten der letzten fünfundzwanzig Jahre Kontinuitäten in seinem Werk verfolgt.

Der narrative Diskurs des Künstlers Kornelius Wilkens offenbart in visionären, miteinander verwobenen Räumen eine mythische Sicht der Wirklichkeit. “Der Mythos ist die Matrix des Weltbildes – [er] erstellt ein Bild von der Welt und umstellt die Welt mit Bildern” erläutert Norbert Bolz in seiner kurzen Geschichte des Scheins.¹

1- Wilkens ImAltenNachNeuem

ImAltenNachNeuem,1998, Acryl, Tusche auf Leinwand, 160 x 200 cm

Mythen haben im Zeitalter des New Age, der Wendezeit, Hochkonjunktur, besonders in Massenmedien finden sich mythologische Konstruktionen. Die Alltagsmythen sind emotional hoch besetzt und erklären dem Einzelnen die Welt und ermöglichen Antworten auf die komplizierten Lebensfragen einer postmodernen Gesellschaft. Der Franzose Roland Barthes hat diese Alltagsmythen analysiert, indem er in seiner strukturalistischen Methode der Semiologie nach Ferdinand de Saussure zwischen Sinn und Form der Aussage unterscheidet. Während der Verbraucher des Mythos dessen Bedeutung als ein System von Fakten auffasst und den Mythos als unentwirrbares reales und zugleich irreales Ganzes auf sich wirken lässt. Dabei zeigt es sich, dass jeder Gegenstand zum Mythos werden kann. Was Kornelius Wilkens kreativ aufgreift Weiterlesen

Benefiz-Konzert mit Johannes Kiem im Kunstverein Familie Montez

24. Juli 2015

Es war ein denkwürdiger 18. Juli 2015, ein Samstag: Fleissige Hände hatten den einen der beiden Gewölberäume unter der Honsellbrücke, der neuen Heimstatt des Frankfurter Kunstvereins Familie Montez, in einen Konzertsaal verwandelt. Gepolsterte, mit dunkelrotem Stoff bezogene Stühle standen im Halbkreis um einen auf Hochglanz polierten Flügel der Marke Steinway & Sons. Mehrere mit Honigwaben veredelte Lampen strahlten ein warmes Licht aus, getrocknete Gräser und Sträucherzweige drapierten den Raum. Die festliche Szenerie spielte vor der Kulisse der imposanten Ausstellung des Salon Hansa, zu Gast aus Berlin. Wer hier eintrat, traute kaum mehr seinen Augen.

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Der Kunstverein wird zum Konzertsaal: Foto Copyright Ultimafilm, Frankfurt am Main

Ein Benefiz-Konzert zugunsten des Kunstvereins Familie Montez war angesagt, unter der Schirmherrschaft des Frankfurter Kunstkenners und Kunstförderers Konrad von Bethmann. Dessen Engagement ermöglichte die festliche Ausstattung dieses Abends. Das königliche Instrument bediente kein anderer als Johannes Kiem, ein für seine Konzerte der besonderen Art weit über Frankfurt hinaus bekannter Pianist. Weiterlesen

Luxemburg – eine Festungs- und Museenstadt

22. Juli 2015

Wer Kinder frühzeitig mit Freude und Spaß an Museen heranführen möchte, könnte nach Luxemburg reisen. Jung und Alt werden gleichermaßen begeistert sein

Von Elke Backert

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Der rote Löwe mit dem doppelten Schwanz, das luxemburgische Wappen

Die weltoffene Stadt Luxemburg im gleichnamigen Großherzogtum, auf französisch Grand-Duché de Luxembourg, auf luxemburgisch Groussherzogtum Lëtzebuerg, übrigens das letzte von ehemals neun, empfängt fröhlich ihre Gäste aller Nationen. Neben Luxemburgisch, einer Mischung aus Deutsch und Französisch, die mancher, liest er das geschriebene Wort, leicht übersetzen kann, sprechen die rund 100.000 Einwohner Deutsch, Französisch und Englisch. Was wohl auch daher rührt, dass hier auf kleinem Raum 150 Nationalitäten anzutreffen sind. Allein gleich viele Ausländer wie Einwohner arbeiten in der Stadt. Sogar die Zeitung, etwa das “Luxemburger Wort”, ist auf Deutsch geschrieben, nur Todesanzeigen auf Luxemburgisch. Die Straßenschilder sind jedoch meist zweisprachig, französisch und luxemburgisch. Der deutsche Besucher schlägt sich also perfekt durch Weiterlesen