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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

„Waste of Beauty“ – Arbeiten von Patricia Thoma in der Galerie Christel Wagner

28. September 2016

Der Mainstream im aktuellen akademischen Kunstbetrieb scheint unverändert der konzeptuellen Kunst verpflichtet zu sein, in der die Erklärungsbedürftigkeit von Kunst oder eines oft immateriellen „Werkes“- falls man dann noch von einem solchen sprechen will – in gleicher Weise zunimmt wie die Distanz, gar Verdrossenheit oder Verweigerungshaltung grosser Teile selbst eines grundsätzlich kunstaffinen Publikums. Wo nämlich bleibt dabei, was wir, gemeinsam mit vielen anderen, als der Kunst auch immanent betrachten möchten: das Sinnliche, das Haptische, das vielfach vernachlässigte, gar mancherorts geschmähte Künstlerisch-Handwerkliche?

Im Zuge des Saisonstarts der Frankfurter Galerien haben wir auf der Suche nach solcher Sinnlichkeit mancherlei Entdeckungen gemacht, nur einige können wir in unserem Rahmen herausgreifen: hier eine Schau von wunderbaren Arbeiten der Künstlerin Patricia Thoma in der Galerie Christel Wagner.

Objekte sehen wir dort, „Brautkleider“, ebenso „Kronleuchter“, ferner feinst ausgeführte Zeichnungen auf Papier und Ölmalerei auf Holz.

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Brautkleid VI, 2014, Mülltüten, Nerz, Garn, Perlen, ca. 220 cm

Es sind Arbeiten, die uns faszinieren: die schlank aufragenden, allesamt an die 2,20 Meter an Höhe messenden, auf das Feinste und reich geschmückten und bestickten, in akribischer Arbeit gefertigten „Brautkleider“, für überlebensgrosse „Bräute“, aber wo gibt es denn solche? Und umso mehr erstaunen wir, als wir der Täuschung des ersten Anscheins gewahr werden: All diese vermeintlich textilen, aus Satin und Seide gefertigten Kostbarkeiten bestehen aus – Mülltüten.

Aber nicht nur: Sie sind über die feinen Stickereien hinaus mit Fellen von Nerz und Kaninchen, mit Perlen und Pailletten versehen. Assoziationen an überhöhte, liturgische Paramente, an herrscherliche Gewandungen stellen sich ein; an Gebaren und Demonstration von gesellschaftlich-politischer Macht. Wie auch an Überhöhungen etwa von manchen Marien- bzw. Madonnen-Darstellungen in der christlichen Ikonografie. Die abbildhaften, oft in Untersicht dargestellten Gewandungen überschreiten hier wie dort das physisch-menschliche Mass.

Und dann das: Mülltüten sind es, wie gesagt, aus Plastik, umweltschädigend, Produkte der Petrochemie, wir denken an deren wirtschaftliche und folglich politische Macht. Und natürlich denken wir, nicht nur Trend und Zeitgeist folgend, an Umwelt- und Klimaschutz.

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(li.) Brautkleid IV mit Kaninchenfell, 2013, Mülltüten, Kaninchenfell, Garn, Perlen, ca. 220 cm; (re.) Brautkleid V, 2013, Mülltüten, Garn, Pailletten, Hakem, Ösen, ca. 220 cm

Aber da ist dann doch auch ein anderes: das „Brautkleid“ und seine Bedeutung und Konnotation im weitgehend noch von patriarchalischem Geist und Gedankengut bestimmten gesellschaftlichen Gefüge. Patricia Thoma konterkariert mit der materiellen Überhöhung dieses einzigartigen, allein zu dem einen Anlass im Leben einer Frau getragenen Bekleidungsstücks – nicht auf plakativ-feministische, sondern auf künstlerisch sensible Weise – das traditionelle Bild einer „Braut in Weiss“ – und damit auch als Kritik an überfordernde, kaum einzulösende Normen und Versprechen im heutigen existentiellen Zusammenleben von Frau und Mann.

Aber vielleicht ist da, jenseits aller kritischen Attitüde, doch auch Raum für eine gewisse Ambivalenz, wie ja in jedem verinnerlichten Befund auch dessen Gegenpart angelegt ist: Klingt nicht auch ein klein wenig Schmerz in diesen „Objekten“ an – über Verlorenes, nicht Wiederkehrendes? Oder anders und etwas gewagt formuliert: Wer ausser der Künstlerin selbst könnte in einem solchen Gewand „wohnen“?

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Frau in grünem Kleid, „2005/16“, Öl auf Holz, 40 x 30 cm

Von den „Brautkleidern“ kommend fasziniert uns das kleinformatige Werk „Frau in grünem Kleid“. Nur der Körper vom Hals bis zu den Knien ist dargestellt, die Hände über dem Schoss verschränkt. In traditioneller Technik in Öl gemalt. Nicht auf Leinwand, sondern auf Holz. Malmittel und Malgrund sprechen für sich. Zudem der von Patricia Thoma angegebene, ungewöhnlich langwährende Entstehungszeitraum. Der Kontrast zu den „Brautkleidern“ könnte grösser nicht sein. Und wieder möge uns die Künstlerin verzeihen: in unserer Annahme, dass sie uns, in ihrer Kunst chiffriert, etwas Autobiografisches erahnen lässt. Einen verstehenden Klang im Betrachter erzeugend, sinnlich, authentisch, fernab jedes konzeptuellen Überbaus.

Schliesslich sind es zwei grossformatige Zeichnungen auf Papier, die uns wiederum bewegen und uns unsere Absicht aufgeben lassen, anschliessend noch eine weitere Galerie zu besuchen. Von Sinnlichkeit der Kunst sprachen wir eingangs, und wir kehren dorthin zurück.

Ein Paar im Liebesakt vor einem Zelt, halb von dessen Plane bedeckt. Wer ist der unsichtbare Betrachter links im Bild, fotografiert und entzaubert er die intime Szene? Die rechte Bildhälfte eingenommen von einem in ein dunkles Inneres führenden Eingang, die umgebenden Ziegelsteine mögen den Zugang zu einem schützenden Bunker erkennen lassen, Assoziationen an den weiblichen Körper sind ebenso erlaubt.

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↑ Paar, 2013, Bleistift/Buntstift auf Papier, 150 x 150 cm
↓ Schlafende Frau, 2013, Bleistift/Buntstift auf Papier, 150 x 150 cm

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Die „Schlafende Frau“ in einem trostlosen Verhau, eine nackte Glühbirne an der Decke, zwei Kleiderbügel ohne Funktion hängen an einer Leine über dem kärglichen Lager, im Hintergrund drei Flaschen. In der wiederum rechten Bildhälfte wie in einem Traum ein gebratenes Geflügel. Eine Szene in einem Land, in dem einem, wie es die Redensart will, „die gebratenen Tauben in den Mund fliegen“?

Nicht leicht fällt es uns, in die Realität eines Berichts über eine Ausstellung und damit zur Vita der grossartigen Künstlerin zurückzukehren: Patricia Thoma, 1977 in Müllheim geboren, studierte an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, an der University of Derby, School of Art and Design, sowie am Chelsea College of Art and Design, London, mit dem Abschluss Master of Arts. Stipendien führten sie in die Schweiz und nach Italien, nach Korea und Japan, auf die Philippinen und 2014 nach Taipei/Taiwan. Im chinesischen Bengbu und Hefei nahm sie Lehraufträge wahr. Fast rund um den Globus waren ihre Arbeiten in Ausstellungen vertreten. Ihr zusätzliches Engagement gilt Kunstprojekten mit Kindern und Jugendlichen.

Patricia Thoma: „Waste of Beauty“, Christel Wagner Galerie, bis 8. Oktober 2016

Abgebildete Werke © Patricia Thoma; Fotos: FeuilletonFrankfurt

 

Krakau, April 2016 (Folge III)

26. September 2016

Von Monika Müller-Löwenberg

Für Christa

FOLGE III

Es besuchte uns eine Sprecherin des Deutschen Konsulats in unserem Hotel und berichtete über die Probleme und die Fortschritte in Polen. „Lech Kaczyński spaltete Polen, er schaute rückwärts, womit die Hälfte der Polen nicht einverstanden ist.“

Polen hat eine sehr unterschiedliche politische Vergangenheit. Der Überfall des Deutschen Reichs am Beginn des Zweiten Weltkrieges und dessen Besatzungsherrschaft kostete Millionen Menschen, insbesondere jüdische Polen, das Leben.

Seit Mitte November letzten Jahres regiert die nationalkonservative Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) um Expremier Jarosław Kaczyński in Polen. Sie hat in beiden Parlamentskammern, im Sejm und im Senat, die absolute Mehrheit. Präsident ist Andrzej Duda, Ministerpräsidentin Beata Szydło. Beide gehören der PiS an. Mit ihrer Mehrheit hat die Regierung seither eine Vielzahl von Gesetzen verabschiedet, die unter anderem die Unabhängigkeit des Verfassungsgerichts und der Medien bedrohen.

Ich möchte hier nicht näher darauf eingehen. Es kann sich ein jeder selbst kundig machen und recherchieren. Was ich vermisst habe, war mit polnischen Menschen zusammenzukommen, sie kennenzulernen, wie ich das von einer Städtepartnerschafts-Reise erwartet hätte.

Unsere Führerin schwärmte von den vielen Collegien, den vielen Studenten in der Stadt, besonders Studenten aus Europa. Wir besuchten das Collegium Maius, das Museum der Jagiellonen-Universität. Das älteste Universitätsgebäude in Polen. Zu jeder ungeraden Stunde ertönt ein Glockenspiel mit dem Vorüberzug der Akademiker-Puppen auf einem runden, kleinen Tableau. Krakau hat einhundert Kirchen, gefühlte neunundneunzig haben wir besichtigt.

Wir spazierten durch das Florianstor, sahen ein wenig mehr von der Altstadt, die umgeben ist von einem Grüngürtel, die grünen „Planty“ genannt, parkmäßig angelegt. Sehr gepflegte Blumenbeete, Skulpturen, wir schritten auf den Seitenstraßen des großen Platzes, des „Rynek“, hörten den Turmbläser von der Marienkirche, der jede Stunde aus den Turmfenstern in jede Richtung bläst, immer mit viel Applaus bedacht von der Menge, die auf ihn wartet und ihm zuwinkt.

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Synagoge in Krakau; Foto (chamois verfremdet): Monika Müller-Löwenberg

An zwei Abenden war ich in der Altstadt zum Essen. In der Nähe unseres Hotels war ein bunter großer Markt mit Lebensmittel, Blumen, Käse, Gewürzen aller Art. Hätte ich ein Auto dabei gehabt, ich hätte viele Gewürzpflanzen und Blumenknollen von ungewohnter Schönheit mitgenommen.

Das Lokal, mit polnischer Küche, wurde uns empfohlen: das „Piroggy“ in der Nähe unseres Hotels. Auf der Speisekarte fanden wir Piroggen in allen Variationen mit den unterschiedlichsten Füllungen. Plötzlich ging das Licht aus, ein Donnern und ein großer Feuerschein wurde entzündet von einem Kellner in Tracht. Auf dem Kopf eine Mütze mit einer riesigen langen Feder, über dem weißen Hemd trug er einen Kaftan, bedruckt mit roten und grünen Ornamenten, bis hinunter zu den Knien. Am Nachbartisch wurde flambiert. Zwei italienische Ehepaare. „Buon appetito“ wünschten wir.

Ein weiteres Restaurant lag direkt am Marktplatz – auch polnische Speisen dort, ich muss bemerken, es gibt viel Sauerkraut, aber kein Vergleich zu unserem Sauerkraut. Ich konnte ein wenig schmecken, es fühlte sich mariniert an und war dunkel gefärbt und köstlich. Das Lokal war in hellem Holz gehalten, wir saßen am Fenster, sahen dem Treiben und Flanieren zu. Fiaker, wie in Wien, mit Touristen. Weiße Kutschen mit weißen oder schwarzen Pferden oder auch gemischt ein schwarzes und ein weißes. Von der Decke des Lokals hing eine ungewöhnlich dekorierte Riesenkugel mit rot-weißen Papierteilchen, manche rund, manche herzförmig. Für Christa habe ich natürlich ein Foto gemacht.

Wir konnten uns für den einen oder anderen Ausflug entscheiden. Im Vorfeld hatte ich mit Christa besprochen, wir machen nicht den Ausflug ins ehemalige Salzbergwerk „Weltkulturerbe Wieliczka“. Die Besichtigung beginnt in 65 Meter Tiefe. Sicherlich sehr interessant: Die Bergleute des 13. Jahrhunderts meißelten gute Geister aus dem Salz, die ihnen in der Dunkelheit Trost spendeten. Meisterhafte Salzbildwerke in der Kapelle der Hl. Kinga gehören zu den beeindruckendsten Kunstwerken Polens, allerdings wie gesagt in 65 Metern Tiefe.

Den zweiten Ausflug nach Nowa Huta hatten wir auch nicht geplant, wir wollten weiter die Altstadt erkunden. Aber ich war alleine, ohne Christa, alle Mitreisenden nahmen an den Ausflügen teil. So entschloss ich mich, nach Nowa Huta mitzufahren. Die Arbeiterstadt aus der kommunistischen Nachkriegszeit war kein schöner Ort. Plattenbauten, große betonierte Plätze.

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„Kirche der Mutter Gottes, der Königin von Polen“ („Arche des Herren“) / Kościół Matki Bożej Królowej Polski (Arka Pana), Nowa Huta; Foto: Zygmunt Put/Zetpe0202/ wikimedia commons GFDL

Das einzige, was mich faszinierte, war die „Arche des Herren“ (Arka Pana), die „Kirche der Mutter Gottes, der Königin von Polen“ (Kościół Matki Bożej Królowej Polski). Eine riesige Kirche, gegen den Widerstand des kommunistischen Regimes gebaut wie eine Arche, vom Volk, das sich nicht vorstellen konnte, in dem sozialistischen Stadtteil kein Gotteshaus zu haben. Von außen fast geschlossen oval, fast fensterlos, mit Mauern besetzt mit Tausenden von Kieselsteinen, die die Menschen gesammelt hatten. Im Innenraum dieser mächtigen Kirche hell strahlende, kleine bunte Glasfenster, keine Kreuzigung Jesu an den Wänden, eher Arbeitermotive, die mit Jesus zu tun haben. Das Beeindruckendste war eine große Jesus-Skulptur. Sie könnte aus schwarzem Stahl sein, vielleicht sechs Meter hoch, die nach einer Zeichnung eines KZ-Häftlings angefertigt wurde. Jesus, nicht ans Kreuz genagelt, sondern die Arme und Beine ausgestreckt nach hinten und in die Breite. Auf dem Kopf die Dornenkrone. Allein schon die Größe und die Schatten, die diese Skulptur bei einfallendem Sonnenlicht warf, imponierten, ihre Haltung, die so unendlich schmerzhaft erscheint, das Hohlkreuz, der Körper wie ein Bogen nach vorne gespannt.

Nowa Huta, ein Tag, an dem wir mal zu einem Mittagessen kamen, das erste und einzige gemeinsame dieser Reise. Unsere Führerin Barbara stellte uns ihre Lieblingskneipe vor. „Restauracja Stylowa“ mitten in der ehemaligen „Neuen Stadt“ des Kommunismus mit kleinen Eigentumswohnungen von nur einem Zimmer. Wir bekamen Rote Beete-Suppe mit Piroggen, auf dem Tisch eine kleine Lenin-Statue. Die Suppe war gewöhnungsbedürftig. Einige schmatzten vor sich hin. Rote Beete sollen sehr gesund sein! Zum Essen waren wir von den Veranstaltern eingeladen. Ich nehme an, die Preise waren sehr niedrig. Getränke auf eigene Kosten. „Die Kellnerinnen sehen genauso aus wie damals.“ Barbara erzählte, dass sie selbst bei Lech Wałesa und „Solidarnosc“ mitmarschierte.

– wird fortgesetzt –

→ Krakau, April 2016 (Folge II)
→ Krakau, April 2016 (Folge I)

 

Philipp Demandt Direktor auch der Schirn Kunsthalle Frankfurt

24. September 2016

Philipp Demandt, bis Ende September 2016 Leiter der Alten Nationalgalerie in Berlin und ab 1. Oktober Direktor des Städel Museums und der Liebieghaus Skulpturensammlung, übernimmt zum genannten Datum erwartungsgemäss auch die Direktion der Schirn Kunsthalle Frankfurt und folgt damit in allen drei Positionen Max Hollein, seit Juni dieses Jahres Direktor der Fine Arts Museums of San Francisco. Einen entsprechenden förmlichen Beschluss fasste jetzt die Gesellschafterversammlung der städtischen Schirn Kunsthalle GmbH, bestehend aus den Mitgliedern des Magistrats der Stadt Frankfurt am Main. Sie folgte damit dem gemeinsamen Vorschlag von Oberbürgermeister Peter Feldmann als Vorsitzendem des Aufsichtsrats der Kulturinstitution und der Dezernentin für Kultur und Wissenschaft, Ina Hartwig.

„Philipp Demandt ist ein grosser Gewinn für die Kulturstadt Frankfurt. Seine umfangreichen Erfahrungen als Ausstellungsmacher und Kulturmanager prädestinieren ihn in hervorragender Weise für die Leitung der drei Häuser. Ich bin überzeugt, dass er mit zukunftsweisenden Ideen viele innovative künstlerische Vorhaben umsetzen und die grossen Erfolge von Schirn, Städel und Liebieghaus fortsetzen wird“, erklärte Oberbürgermeister Peter Feldmann. Und Kulturdezernentin Ina Hartwig betonte: „Die Bestellung von Philipp Demandt als Direktor der Schirn Kunsthalle Frankfurt in Verbindung mit der Führung von Städel Museum und Liebieghaus Skulpturensammlung ist eine äusserst erfreuliche Lösung. Ich bin mir sicher, dass wir mit dem renommierten Kunsthistoriker Philipp Demandt und dem ebenso innovativen wie erfahrenen Team aufregende Ausstellungsformate erwarten können. Die Schirn Kunsthalle zeigt mit ihren publikumswirksamen Präsentationen ein unverwechselbares Profil und hat sich als eines der führenden zeitgenössischen Ausstellungshäuser positioniert. Sie korrespondiert auf eine hervorragende Weise mit den Sammlungsschwerpunkten des traditionsreichen Städel zu Alten Meistern und Werken der klassischen Moderne.“

Frankfurt/Main 23.09.2016 Magistrat bestellt neuen GeschŠftsfŸhrer der Schirn Kunsthalle Frankfurt v.l.n.r. : Inka DršgemŸller ( stellv. Direktorin der Schirn ), Peter Feldmann ( OberbŸrgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender der Schirn ), Dr. Philipp Demandt ( Direktor der Schirn ), Dr. Ina Hartwig ( Kulturdezernentin )

„Familienfoto“: (v.l.) Inka Drögemüller (stellvertretende Direktorin/Geschäftsführerin der Schirn Kunsthalle, Oberbürgermeister Peter Feldmann (Vorsitzender des Aufsichtsrats der Schirn Kunsthalle GmbH), Philipp Demandt (Direktor und Geschäftsführer der Schirn Kunsthalle), Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft; Foto: Presse- und Informationsamt Frankfurt am Main, © Alex Kraus Weiterlesen

Schirn Kunsthalle Frankfurt: Der Holzschnitt in Wien um 1900

23. September 2016

Der Holzschnitt im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit in seiner ganzen Vielfalt in der Donaumetropole zwischen 1900 und 1910

Von Petra Kammann

Eines der ältesten Druckverfahren der Welt, der Farbholzschnitt, unter Albrecht Dürer in Europa zu besonderer Blüte gelangt, wurde im späten 19. Jahrhundert wiederentdeckt und bekam, ausgelöst durch die „Kunst für  alle“-Bewegung, eine neue gesellschaftspolitische Dimension, vor allem im Wien des beginnenden 20. Jahrhunderts.

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Blick in die Ausstellung „Kunst für alle“: Präsentation der Holzschnitte in aufwändig-dramatischer Atmosphäre, inszeniert von Theaterregisseur Ulrich Rasche und kuratiert von Tobias G. Natter, Experte für die Kunst um 1900; Fotos: (li., Ausstellungsansicht) Norbert Miguletz, (re. Tobias G. Natter) Petra Kammann

In der Frankfurter Schirn Kunsthalle ist – noch bis zum 3. Oktober 2016 – eine herausragende Ausstellung unter dem Titel „Kunst für alle“ zu sehen, die den Farbholzschnitt in der Wiener Moderne auf ungewöhnliche Weise, nämlich auf schwarzen stürzenden Wänden, in Augenschein nimmt. Die Schau dokumentiert am Beispiel von 240 Werken von 40 Künstlern und Künstlerinnen die Blüte dieser Drucktechnik in den goldenen Jahren des Wiener Jugendstils zwischen 1900 und 1910. Sie macht deutlich, dass der Farbholzschnitt die Entwicklung der modernen Bildsprache des beginnenden 20. Jahrhunderts maßgeblich geprägt hat. Im hochpreisigen Kunsthandel hatte der Farbholzschnitt mit seinen erschwinglichen Preisen den Erwerb von Originaldrucken auch für ein breites Publikum möglich gemacht. Durch seine Reproduzierbarkeit wurde er so zur „Kunst für alle“. Weiterlesen

Krakau, April 2016 (Folge II)

22. September 2016

Von Monika Müller-Löwenberg

Für Christa

FOLGE II

Das Programm wurde vor Ort mehrfach umgestellt. Wir befinden uns im jüdischen Viertel von Krakau. Die Synagoge von außen, eine andere kleine Synagoge, die Remuh-Synagoge, von innen, die heute noch zum Beten genutzt wird. Besuch des jüdischen Friedhofs. An den Gräbern liegen Steinchen vor den Tafeln, einige waren ganz bunt. Ein Grab fiel mir besonders auf: Der Grabstein war verziert mit Blättern und Trauben, in Stein gemeißelt. Zwischen den unterschiedlichen Verzierungen steckten viele kleine Zettelchen und Briefchen. Mir kam sofort die Klagemauer in Jerusalem in den Sinn, ich sah sie vor mir, die Männer auf der einen, die Frauen auf der anderen Seite, wie sie ihre Wünsche auf Zettelchen zwischen die Steine der Klagemauer steckten.

grab-mit-zettel-650 Weiterlesen