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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Douglas Gordon im Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main (1)

13. Januar 2012

Der Künstler vor seiner Installation Straight to Hell

MMK: “Douglas Gordon”

Er zählt zu den wichtigsten und einflussreichsten Künstlern seiner Generation, schreibt das MMK zur Eröffnung seiner grossen Ausstellung “Douglas Gordon” – und dem ist nichts hinzuzufügen. Im Gegenteil: Der Name des bekannten Städelschul-Professors ist schon per se Programm. Das MMK hat dem Künstler fast die gesamte erste und die beiden grossen Ausstellungsflächen der zweiten Ebene gewidmet. Zu sehen sind zum einen seine grossen Film- und Videoinstallationen “Play Dead; Real Time” aus dem Sammlungsbestand des Hauses, “k.364″, benannt nach Wolfgang Amadeus Mozarts Sinfonia Concertante, Köchel-Verzeichnis 364, “Zidane: A 21st Century Portrait” (in Zusammenarbeit mit Philippe Parreno) und “Henry Rebel” (in Zusammenarbeit mit James Franco und Henry Hopper). In Ebene 1 überrascht eine über 600 Fotografien, Drucke und Objekte umfassende Installation “Straight to Hell”. Ferner sind dort die Installation “No Way Back” und eine Anzahl von Arbeiten aus der Spiegel-Serie “Self-Portrait of You + Me” zu sehen. Eine Reihe weiterer Video-, Wand- und Spiegelarbeiten runden die Präsentation ab.


Self-Portrait of You + Me (four Jackies), 2008 (eingespiegelt: Once upon a time…, 2009 [Wandtext]), Installationsansicht

Self-Portrait of You + Me (six Marilyns), 2008 (eingespiegelt: Self-Portrait of You + Me [four Andys], 2008), Installationsansicht

Self-Portrait of You + Me (Elvis Pelvis), 2007 (eingespiegelt: Self-Portrait of You + Me [Elvis head and feet], 2007, Betrachter), Installationsansicht

Douglas Gordon – wir berichteten in anderem Zusammenhang über den Künstler-Professor – geht es in der Serie “Self-Portrait of You + Me” oder in der Installation “Straight to Hell” – wie prinzipiell auch in seinen anderen Arbeiten – um grundsätzliche Fragen der Wahrnehmung. Er bedient sich dabei der Spiegelungen und Doppelungen, der Fragmentierung und Zersplitterung mit dem Ziel der Selbstwahrnehmung und Selbsterkenntnis.

Es war eine der wesentlichen – und dramatischen – Erfahrungen der Ur-Menschheit, sich selbst in einem Spiegelbild (in einer reflektierenden Wasserfläche etwa) zu erkennen, das eigene physische Ich zu erblicken und zu verstehen, sich selbst mit den eigenen Augen anblicken zu können – als eine Voraussetzung auch für die Erkenntnis der eigenen Innerlichkeit, der eigenen Psyche. Sobald sie dazu technisch in der Lage waren, stellten die Menschen später spiegelnde Oberflächen her, Spiegel aller Art wurden zu einem wesentlichen Gegenstand menschlicher Kultur. Dem Spiegelbild folgte das – vor allem künstlerische – Bedürfnis einer bewussten Selbstdarstellung, im weitverbreiteten Selbstporträt der Zeichner, Maler und Bildhauer. Es liegt auf der Hand, dass sich in diesem Prozess Fragen nach dem Wesen der Spiegelung, der Doppelung wie auch der Wiederholung und Wiederholbarkeit stellen.

Nicht von ungefähr also bedient sich Gordon in seinen Arbeiten der auch und gerade in der US-amerikanischen Pop Art massenhaft verbreiteten Bilder prominenter Idole wie eines Elvis Presley, einer Jackie Kennedy oder Marilyn Monroe, gar des Künstlers Andy Warhol selbst. Er verändert und verstümmelt diese Bilder mit Verbrennungen und appliziert die Fragmente auf Spiegel, die nun das Umfeld abbilden und in denen sich auch der jeweilige Betrachter abgebildet sieht. Er kann sich auf diese Weise in einem neuen Kontext auch zur Kultur- und zur Kunstgeschichte mit seinem Selbstbild auseinandersetzen.

Self-Portrait of You + Me (four Andys), 2008 (eingespiegelt: Self-Portrait of You + Me [six Marilyns], 2008), Installationsansicht

Straight to Hell, 2011 (Installationsansicht)

In der Installation “Straight to Hell” konfrontiert Gordon den Betrachter mit über 600 sorgsam gerahmten Bildern und Objekten, von denen angenommen werden kann, dass sie – wiewohl ungeordnet und ohne erkennbares System präsentiert – alle im Leben des Künstlers eine Rolle gespielt haben. Auch eine Reihe kleiner und kleinster Spiegel befindet sich in diesem Konvolut. Auf diese Weise entsteht ebenso ein “Spiegelbild”, ein “Selbstporträt” des Künstlers, wie es in anderer und konventioneller Form ein Maler auf seine Leinwand bringt. Auch der Betrachter wird angesichts der verschiedenen Motive und im Prozess der Auseinandersetzung mit ihnen zu einer Erinnerung seiner selbst und damit im Hier und Heute zu seinem imaginierten wie realen “Selbst” finden können.

Straight to Hell, 2011 (Installationsansicht, Detail)

MMK-Direktorin Susanne Gaensheimer, MMK-Kurator Klaus Görner und Städelschul-Rektor Nikolaus Hirsch in der Pressekonferenz am 17. November 2011

(Fotos: FeuilletonFrankfurt)

– Teil 2 folgt -

Uta Mallin im Frankfurter Bilderhaus

10. Januar 2012

Im Frankfurter Nordend gibt es eine kleine wie feine Galerie, sie nennt sich Das Bilderhaus. Nun klingt der Name zwar ein bisschen niedlich, ist nicht aber unbedingt Programm. Denn zu sehen gibt es dort nicht bunte Bilderchen, sondern ebenfalls Kleines wie Feines, sich in seiner Werthaltigkeit mitunter erst auf den zweiten, stilleren, genaueren Blick Erschliessendes: abseits aller das rechte Gefühl vermitteln wollender, kitschig-amateurhafter Kunsthandels-Kunst, abseits auch aller lärmend-schriller Kunstbetriebs-Kunst der Messen und mancher Galerien mit den riesigen Schaufenstern.

Heuer finden wir dort Zeichnungen und Gemälde von Uta Mallin. Wir entdeckten die Künstlerin vor längerem in der Rödelheimer “Fabrik”, aus der sie ausgezogen ist, und trafen sie später im Rahmen einer Einzelausstellung “Alles fliesst” im benachbarten Bad Vilbel. Wir gewannen dort einen Einblick der anderen Art in das “Wesen” des Wassers.

“Ich sehe Strukturen, Linien, Farben und fühle mich eingebunden in unentzifferbare Schrift und Sprache. Es gibt kein Bedürfnis, da etwas zu entziffern, was ein unerreichbares Unterfangen wäre, sondern die Sehnsucht nach einem Mitreden.”

Uta Mallin hat diesen Satz geschrieben, und er steht für ihre Kunst. Er steht für ihr Hinaus- oder besser gesagt Hineingehen in das, was wir normalerweise, recht oberflächlich, Natur nennen; in die “Gänze, die draussen anklingt und ihr Wesen treibt”, wie die Künstlerin es formuliert.

Wir kennen ihre wundervollen Bilder vom Wasser. Einige sind jetzt auch im Bilderhaus zu sehen. Dazu eine Reihe feiner Zeichnungen: mit Graphit, Tusche oder Filzstift. Dann Malerei in Öl und Acryl auf Leinwand, mit Titeln wie Wald, Dickicht, Grün, Herbst oder Tauwetter.

Bucht, 2008, Federzeichnung, Tusche, 30 x 23 cm

Weite Räume öffnen uns die Zeichnungen der Künstlerin: mit wenigen differenzierten Strichen, mit behutsamer Lavur nimmt sie uns mit auf imaginäre Wege, wir folgen dem geschwungenen Ufersaum eines Sees, vielleicht eines stillen Meeres, schreiten wiegenden Schrittes, eine leise Melodie im Kopf, einen Weg entlang durch eine winterliche Landschaft, karges Gesträuch wechselt mit höherem Gehölz und Bäumen, im Hintergrund erheben sich leichte Hügel. Dichtes Buschwerk birgt Raum und Schutz für Geheimnisse, die ihm zu entnehmen wir nicht befugt sind. Es ist eine Stille, eine Ruhe in diesen Bildern. Und doch lassen sie uns wissen, dass diese Ruhe eine Kraft umschliesst, die sich im Wechsel der Jahreszeit zu lebendiger Bewegung, zu üppigem Wuchs entfalten wird.

Weg, 2010, Federzeichnung, Tusche, 30 x 23 cm

Gebüsch, 2011, Filzstift, laviert, 30 x 23 cm

Uta Mallin bildet nicht ab, sie setzt uns nichts vor, denn ein “Abmalen” der “Natur” wäre Täuschung. Bilder, so vergewissern wir uns, sind parallele Wirklichkeiten zur Wirklichkeit der Welt, niemals die Abbildung der Welt. Die Malerin und Zeichnerin öffnet uns mit ihrer Kunst Möglichkeiten und Visionen, Erinnerungen an Gefühltes und Erlebtes, eine Sehnsucht nach fernem Unbekanntem und Aufbruch, wenn wir dem Lauf der Bucht und den Biegungen des Weges folgen, uns dem Geheimnis bergenden Gebüsch nur nähern, niemals in es eindringen.

Dann aber die sich entfaltende elementare, leidenschaftliche Wucht des Grüns: Das, was wir Natur und was die Künstlerin “die Gänze” nennt, drängt hervor zum Licht, zum Leben. Es klingt in uns wie der mächtige C-Dur-Schlusssatz der Fünften der Beethovenschen Sinfonien. Es wächst und wuchert und bricht sich allerorten Bahn. Doch zugleich erfüllt verhaltener Sonnenschein Lichtungen im Wald, schenkt Freiraum und Heiterkeit, treiben wechselndes Licht und wandernde Schatten ein fröhliches Spiel.

Dickicht, 2009, Öl auf Leinwand, 90 x 65 cm

Wald, 2007, Acryl auf Leinwand, 110 x 100 cm

Gewächs und Wurzelwerk durchdringen sich und verschmelzen, es ist die “Gänze”, die “ihr Wesen treibt” – wir erinnern an Uta Mallins eingangs zitierte Worte. Der Blick des Betrachters geht gleichsam wie durch einen Tunnel in das Geheimnis des Werdens und Lebens: Mannigfache Assoziationen können sich einstellen – warum nicht auch an Weiblichkeit und Geburtsweg? Diese neuere Arbeit aus dem vergangenen Jahr scheint uns – wie auch immer – ein “Schlüsselwerk” der Ausstellung zu sein.

In den Wald hinein, 2011, Tusche und Acryl auf Leinwand, 140 x 110 cm

Abschliessend ein Blick auf ein Detail, zugleich auf die Kunstfertigkeit der Zeichnerin Uta Mallin: Feinste Verästelungen vegetativer Komplexe – sind es wuchernde und schlingende Pflanzen, sind es arterielle und venöse Gebilde, sind es kleinste Strukturen von Alveolen, in denen der lebenspendende Gasaustausch mit dem Blut stattfindet?

o. T. (Detail), 2011, Tusche, Feder, laviert, 26 x 26 cm

Uta Mallin präsentierte ihre Arbeiten vielfach in Gruppen- und Einzelausstellungen in Frankfurt und im Rhein-Main-Gebiet, unter anderem in der Frankfurter Volksbank Bad Vilbel, der ehemaligen Galerie Wildwechsel, im ATELIERFRANKFURT und zuletzt in der Ateliergemeinschaft Borsig 37.

Uta Mallin: Moment Natur, Galerie Das Bilderhaus, bis 27. Januar 2012

(Fotos: © Sabine Lippert)

 

Die Künstlerin als Kuratorin: Corinna Mayer und ihr “Gästezimmer”

5. Januar 2012

Es ist eine schöne Geste: Künstlerinnen und Künstler des ATELIERFRANKFURT laden auswärtige Künstlerkolleginnen und -kollegen zu einer Gemeinschaftsausstellung in den grossen Ausstellungssaal “ihres” Hauses in der Hohenstaufenstrasse ein. Nun muss jemand ein solch komplexes Unterfangen – es handelt sich, wenn wir uns nicht verzählt haben, um immerhin 57 Gastkünstlerinnen und -künstler – organisieren, koordinieren und – natürlich – kuratieren: eine Linie in das Ganze hineinbringen, Diskussionen über Auswahl, Platzierung und Hängung zu einem wenn möglich alle überzeugenden Ergebnis bringen. Die Malerin und Zeichnerin Corinna Mayer, die allein 21 der 57 Beteiligten eingeladen hat, hat sich dieser Aufgabe angenommen – und sie nach allem Augenschein hervorragend bewältigt.

Malgorzata Sztremer (eingeladen von Sabine Kuehnle), Shining brow, 2011, Öl auf Leinwand, 80 x 60 cm

Julia Jansen (eingeladen von Hans Petri), Torso 6, 2011, Öl auf Nessel, 70 x 60 cm

Es überwiegen malerische Positionen, aber auch Skulptur und Installation kommen zu ihrem Recht. Freunde des Tafelbilds werden erneut feststellen, das sich das vielfach totgesagte bester Lebenskraft erfreut, auf welchem Malgrund und in welcher Maltechnik auch immer. Die Ausstellung beweist ferner den ungebrochenen Reiz des mittleren und kleinen Formats, zumal es sich in beschränkten Wohnräumen normal Sterblicher sehr viel leichter respektive überhaupt nur unterbringen lässt. In Zeiten einer gewissen Zurückhaltung der – vor allem institutionellen – Sammler und auch der Galeristen tut sich das grosse Format in der Tat durchaus schwerer.

Rafael Penke (eingeladen von Hans Petri), Ohne Titel, 2008, Acryl auf Holz, 34 x 61 cm

Ralf Münz (eingeladen von Julia Nuss), Ohne Titel, Papiercollage auf Leinwand, 150 x 100 cm

Monika Romstein (eingeladen von Corinna Mayer), Superfountain, 2009, Öl auf Hartfaser, 50 x 43 cm

Lionel Röhrscheid (eingeladen von Corinna Mayer), Ohne Titel, 2011, 70 x 60 cm

Eva Schwab (eingeladen von Hans Petri), Damen mit Hut, 2009, Enkaustik / Öl auf Nessel, 45 x 45 cm

Birgit Brinkmann (eingeladen von Corinna Mayer), Rosa High-Heels Podest (klein), 2010, Epoxydharz auf Styroporkern, 80 x 80 x 40 cm

Bernd Metz (eingeladen von Eun-Joo Shin), Ohne Titel (aus: Stadtzeichnungen), 2010/2011, 21 x 30 cm

Kirsten Herold (eingeladen von Raman Zaya), Kalisto, 2007, Kunstharz Guss, 150 x 100 x 38 cm

Daniel Man (eingeladen von Il-Jin Choi), Begegnung der letzten Art, 2011, Lackspray auf Vollholzplatte, gefräst, 66 x 40 cm

Die Ausstellung “Gästezimmer” spiegelt ein ausserordentlich grosses Spektrum künstlerischer Positionen von der Figuration bis zur Abstraktion und eine hohe künstlerische Qualität wie auch Originalität wider. Im Rahmen unserer Publikation eine auch nur dem Anschein nach gerechte Auswahl zu treffen wäre ein Ding der Unmöglichkeit, sondern die Aufgabe eines Katalogs. Es brauchte ja nicht unbedingt ein gedruckter zu sein, eine online gestellte Fotodokumentation wäre schon des Schweisses eines oder einer Edlen wert. Von Corinna Mayer wäre dies nicht mehr zu leisten gewesen – ihr gebührt Dank allein schon dafür, überhaupt Arbeiten von 57 Künstlerinnen und Künstlern in einem Raum und in einer ausgewogenen Gesamtschau zusammenzubringen.

Blick in das “Gästezimmer” (Foto: Corinna Mayer)

Die weiteren an der Ausstellung beteiligten Künstlerinnen und Künstler:

Heather Allen, Acci Baba, Fides Becker, Vesna Bilic, Giorgio Capogrossi, Tatjana Defraine, Heide Deigert, Mathias Deutsch, Oliver Dignal, Nikola Fahlbusch, Oriana Fendwick, Angelika Gilberg, Andrea Hartinger, Konrad Hasse, Till Jürgens, Anne Kaminsky, Margarethe Kollmer, Kerstin Krone Bayer, Carolin Kropff, Gerhard Kurtz, Marko Lehanka, Mirek Macke, Sandra Mann, Denise Mawila, Christina Morhardt, Hanna Rut Neidhardt, Martin Neumaier, Jutta Pfeiffer, Sabine Rak, Achim Sakic, Edwin Schäfer, Anne Katrin Schreiner, Bettina Sellmann, Marcus Sendlinger, Kenneth Bryan Smith, Young-Wha Song, Valentina Stanojev, Manfred Stumpf, Dagmar Tränkle, Stefanie Trojan, Michaela Tröscher, Mathias Völcker, Bronislava von Podewils, Suzanne Wild, Albrecht Wild, Daniel Wind, Peter Wolf, Günter Zehetner, Paul Zita

Die Ausstellung “Gästezimmer”, die keinesfalls versäumen sollte, wer sich einen Überblick über aktuelles Kunstgeschehen in Frankfurt am Main und Umgebung verschaffen will, läuft bis zum 26. Januar 2012.

ATELIERFRANKFURT, Hohenstaufenstraße 13-25, 60327 Frankfurt am Main. Öffnung im Januar nach Vereinbarung unter folgenden Telefon-Nummern:

ATELIERFRANKFURT: 069 / 7430 3771, Mobil 0163 / 881 42 29 und Corinna Mayer: 0178 / 478 89 71.

(abgebildete Werke © jeweilige Künstler; Fotos, soweit nicht anders bezeichnet: FeuilletonFrankfurt)

 

Ein Bild für Krakau

4. Januar 2012

Eine Fotografie der Frankfurter Künstlerin Monika Müller-Löwenberg – eine Skulptur auf dem Grab einer jungen Russin, der Friedhof liegt am Berg über dem südfranzösischen Küstenstädtchen Menton.

Am Körper der Skulptur entlang und am Bildrand aufsteigend steht in Versalien: “Immer wenn Du meinst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her, dass Du es noch einmal wieder zwingst und von Sonnenschein und Freude singst, leichter geht des Alltags harte Last, und wieder Kraft und Mut zum Glauben hast. – Anonymus -”

In der rechten Bildhälfte übereinander die Buchstaben W, H und T:

W (zum Thema Wünsche) “Bewusst gesund alt werden”
H (zum Thema Hoffnung) “Lieben und geliebt werden”
T (zum Thema Träume) “Lange noch in den blauen Himmel und das blaue Meer zu blicken, wie die Statue einer jungen russischen Frau hoch über der Côte d`Azur”

Ihre Fotografie hat die Künstlerin handbeschrieben und handkoloriert.

Monika Müller-Löwenberg, so schrieb die Frankfurter Neue Presse, “betrachtet das Alter philosophisch: Sie interpretiert eine russische Mädchenskulptur in Menton (Côte d’Azur) als Engel, der eine Vision des Friedens und der Welt nach dem Sterben verkündet”.

Das Werk war Teil der Ausstellung “Ihr Bild für Krakau” im Rahmen eines Malwettbewerbs für ältere Menschen ab 60 Jahren zu dem Thema “Älterwerden – Wünsche, Hoffnung, Träume”, im vergangenen Jahr veranstaltet von der Stadt Frankfurt am Main und ihrer polnischen Partnerstadt Krakau in Kooperation mit dem Frankfurter Verband für Alten- und Behindertenhilfe. Von den 102 eingereichten Arbeiten reisten nach der Ausstellung in Frankfurt 25 prämierte Bilder – darunter als einzige unter den Fotografien diejenige von Müller-Löwenberg – zu der anschliessenden Parallelausstellung nach Krakau (umgekehrt wurde eine Auswahl von Arbeiten polnischer älterer Künstlerinnen und Künstler in Frankfurt gezeigt).

 

Frankfurter Presseclub: Standortwechsel nach Jahreswechsel

3. Januar 2012


Abschieds-Ode
auf ein ehrenwertes Haus

vorgetragen beim Weihnachtsessen ( Spanferkel ) des
Frankfurter Presse-Clubs
am 20.12.2011
von

Helmut Herkenroth

Oh, du edles Gemäuer im Herzen der Stadt,
das den Römer und den Dom zu Nachbarn hat;
und die Paulskirche und den eisernen Steg
und die Schirn gleich nebenan auf dem Kaiserkrönungs-Weg.

Aus Beton und aus Holz wardst du geformt,
höchst individuell, kein bißchen genormt.
Als kühn-kecker Anbau am „Schwarzen Stern“
hier, gleich nebenan, also gar nicht so fern.

Rekonstruiert ganz genau am historischen Orte
( manche lästern: Ach, wie aus der Retorte )
ist der „Schwarze Stern“ aus Ruinen entstanden,
und zwar schöner denn je, wie viele fanden.

Zwei Baumeistern, zwei ehrenwerten Herrn,
Henrici und Geiger, wir lobpreisen sie gern
gelang diese Tat, doch es half auch famos,
der Walter Wallmann, vom Römer der Boss.

Er hatte Frankfurts Presse-Club versprochen
( und diese Zusage, obwohl Politiker , nicht gebrochen! )
im Anbau des Restaurants „Stern“, des neuen alten,
dort könne der Club sich fortan entfalten.

Der Presse-Club, damals vier Jahre jung,
bezog seine Räume mit Eifer und Schwung.
Nicht mehr in immer wechselnden Sälen
mußten sich Redner und Zuhörer quälen.

Fortan, also seit 28 Jahren,
kommt Welt- und Lokalprominenz nach Frankfurt gefahren,
um sich im Presse-Club zu präsentieren,
zu diskutieren und – ganz selten – zu blamieren.

Mahagoni-verkleidet und messing-verziert.
Der Clubsaal, in dem jeder spürt:
Wir haben etwas Eigenes zwischen Römer und Dom,
mindestens so nützlich wie’n Jodel-Diplom!

Doch was wär’ das Club-Haus ohne die BAR!
Erst DIE macht die wahre Bedeutung wahr.
Bei sieben, acht Bier bleibt mancher dort kleben,
während wir die Welt aus den Angeln heben.

Ein Stockwerk höher, dank heißer Informationen
die Ohren zu spitzen würde sich lohnen!
Doch leider mit Sperrfrist, die stets blöd im Wege.
Es grinst sich einen an der Bar der Kollege!

Der erste Redner am FPC-Mikrofon
war Professor Benda; in gehobener Position,
Präsident am Bundes-Verfassungs-Gericht.
Er sprach juristisch, mit ernstem Gesicht:

Über „Presse und Justiz“, das Verhältnis sei schwierig.
Die Club-Journalisten, sie lauschten begierig -
am 2. Februar neunzehn vier-und-achtzig
DPA meldete prompt: „Der Presseclub macht sich!“

Anschließend gab’s Meerrettich Klöße mit Lachs,
Kalbs-Medaillons, von roter Grütze ‘nen Klacks.

Vier Jahre zuvor, bei der Gründung des Clubs,
wer gab der Sache den entscheidenden Schubs?
Joachim Peter, Stadt-Pressechef, war der Täter
und wohl der aktivste der Gründungsväter!

Er ließ siebzehn Frankfurter Pressefritzen
zur Unterzeichnung der Gründung niedersitzen.
Rundschau-Mann Werner Holzer wurde erster Präsident;
Max Erhardt, von Esso, man zum Geschäftsführer ernennt.

Lange genossen sie der Mitglieder Huld.
Doch genug jetzt mit diesem Personenkult.
Am 1. Jahresende auf den Mitglieder-Listen
schon 250 männliche und weibliche Journalisten.

So viel zur Historie, wir woll’n ja nicht lästern;
Nichts ist ja älter als ‘ne Zeitung von gestern.
Reden wir lieber vom Gemäuer, von diesem Haus!
Sieht’s noch immer schick wie Anno Dazumal aus?

Gebrannt hat’s wohl nie, da hatten wir Glück,
doch blicken wir kritisch ein paar Jahre zurück:
Es erlitt mal ‘nen kräftigen Wasserschaden,
vieles pitschnass, zu niedrig aber, darin zu baden.

Stets ohne Stocken floß immer das Bier,
Zunächst, stimmts? – kostenlos, jetzt mit Gebühr.
Niemand verdurstet in all den Zeiten,
nichts auch bekannt von Handgreiflichkeiten.

Doch ist unser Kleinod ein HAUS zu nennen?
Mit Fundament und Dach, wie wir Häuser kennen?
Die Club-Zentrale, genau betrachtet,
so schön sie ist, so hochgeachtet.

Sie ist vom ganzen Haus nur’n Drittel,
Fehlten da wieder mal die Mittel?
Kein großes Portal, kein goldenes Dach,
kein Pförtner livriert, nur selten mal Krach …

Und du Eingang erst im ersten Stock …
Wer überwindet schon so einen Schock!
Geheime Papiere, erst jüngst entdeckt,
haben die Menschheit ganz heftig erschreckt.

War es der Spiegel, die Rundschau, der Stern,
DPA, FAZ oder BILD, man liest’s gern,
die Presse, die Neue, oder irgendwas „online“,
Also, es wird allemal schon was dran sein …

Die Architekten, auf Sparsamkeit versessen,
hatten außer dem Parterre noch so manches vergessen,
Die zwei schicken Erker dort drüben erregten Verdacht,
weil sie für ‘was ganz anderes gemacht.

Bei alten Burgen sieht man’s genau,
solche Erker dienten für Mann und für Frau
einst als Donnerbalken. Nach unten offen!
Für sanitäre Zwecke! War’n die besoffen?

Es entstanden dann doch noch Toiletten,
das Club-Ansehen ganz knapp nur zu retten.
Die Bauaufsicht schritt endlich ein,
hielt unten die Saalgasse, Gott sei Dank, rein.

Jetzt sind die Erker gemütliche Ecken
zum Lesen, zum Dösen, um sich zu verstecken.
Noch was and’res brachte viele in Rage:
Wie kommt man gesund in die erste Etage?

Wollte der Presse-Club sich wehren,
gegen Gegendarstellungs- und andere Begehren,
Oder – es wäre ja wirklich zum Wiehern,
vor einer Flut von Gerichtsvollziehern!?

Eine Treppe schwang sich alsbald nach oben!
Kein Stabhochspringer mußte sich austoben!
Doch ach, die Treppe – schon wieder zerronnen,
wie seid ihr denn alle hier raufgekommen?

Von Baulärm und Staub werden wir vertrieben,
aber so wurde es halt mal entschieden …
Kein schlauer Vortrag mehr von’m Promi-Star,
Kein dummes Geschwätz mehr an der Presse-Club-Bar …

So leb denn wohl, du ehrenwertes Haus,
wir ziehen leider, leider, heut’ noch aus.
Doch unsere Trauer läßt sich ertragen,
denn schon seit einer Reihe von Tagen

zieht würzige Stall-Luft durch uns’re Nüstern.
Und unter Ulmen hören wir’s flüstern …
Aus Richtung Westend samt Getrappel von Rössern,
Von einem Haus, vergleichbar mit Schlössern …

Ja, wir habens vernommen:
PFERDESTALL, WIR KOMMEN !!!

Livingston’scher Pferdestall im Frankfurter Westend, erbaut 1880, das neue Domizil des Frankfurter Presseclubs (Fotos: FeuilletonFrankfurt)

⇒ ⇒ ⇒ Knecht Ruprecht besucht den Frankfurter Presse Club