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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Erst Hollein und nun auch Gaensheimer

8. März 2017

Wird die Stadt Frankfurt am Main ihren Ruf als Kunst- und Museumsmetropole behaupten?

Von Erhard Metz

Um es vorwegzunehmen: Mit Philipp Demandt hat Frankfurt am Main – wir erinnern uns noch gut an die Worte von Professor Nikolaus Schweikart, dem Vorsitzenden der Städel-Administration, in der seinerzeitigen Pressekonferenz – zwar keinen „Hollein-Klon“, aber einen brillanten Kenner der Kunst- und Museumsszene in Deutschland gewonnen. „Liefern“ (wie es im Zeitgeistjargon heisst) konnte Demandt naturgemäss noch nicht, weil Ausstellungen einen zeitlichen Vorlauf zwischen ein und drei Jahren bedingen, aber die Art und Weise, wie er sich mit den noch von Hollein in die Wege geleiteten Präsentationen sachlich und emotional auseinandersetzt und identifiziert, beeindruckte von Anfang an.

Liess Schweikhart in besagter Pressekonferenz sozusagen „zwischen den Zeilen“ einen Anklang von „not amused“ über den trotz jahrelanger Gerüchte dann doch allzu abrupt erscheinenden Weggang Holleins durchblicken, tritt Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig aktuellen Pressespekulationen mit der Feststellung entgegen, Gaensheimer habe sie bereits „vor einigen Wochen über ihre Pläne informiert“, nach Düsseldorf zu gehen.

Nun geht auch sie also, die MMK-Direktorin und Professorin Susanne Gaensheimer – zum 1. September 2017 nach Düsseldorf, als Direktorin an die Stiftung Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen mit den drei Häusern „K20“ am Grabbeplatz, einem 1986 eröffneten postmodernen und inzwischen erweiterten Bau, „K21“ im Ständehaus und „F3“ im Schmela-Haus. Die Bestände geniessen den Ruf, zu den international bedeutendsten Sammlungen der klassischen Moderne, der Nachkriegsmoderne und der Gegenwartskunst zu gehören. Vergleichbares kann auch das Frankfurter MMK für sich in Anspruch nehmen, jedenfalls mit einer grossen Zahl an geradezu „Ikonen“ der amerikanischen Pop-Art und des Minimalismus, darunter Werke von Andy Warhol, Claes Oldenburg oder Roy Lichtenstein, um nur einige zu nennen.

Professorin Susanne Gaensheimer; Bildnachweis: MMK, Foto: Frank Blümler

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„Richard Gerstl – Retrospektive“ in der Schirn Kunsthalle Frankfurt

6. März 2017

Vielseitiger Maler-Rebell auf der Suche nach Neuland

Von Hans-Bernd Heier

Richard Gerstl gilt als der „erste österreichische Expressionist“ und ist doch für viele immer noch ein Geheimtipp. Der hoch begabte und talentierte Künstler, der sich häufig selbst im Wege stand, wurde nur 25 Jahre alt. Der 1883 in Wien geborene Maler-Rebell schuf in seinen wenigen Lebensjahren ein aufregendes, heterogenes, wenn auch überschaubares Werk von großer stilistischer Vielfalt – ein Œuvre mit beeindruckenden Höhepunkten und wegweisenden Neuerungen. Es ist das Werk eines spürbar Suchenden, der virtuos Malstile und -techniken wechseln konnte.

Die Schirn Kunsthalle Frankfurt präsentiert bis zum 14. Mai 2017 die erste Retrospektive von Richard Gerstl in Deutschland. Die von Ingrid Pfeiffer sorgfältig kuratierte Schau versammelt von 60 überlieferten Werken Gerstls insgesamt 53, darunter Leihgaben aus führenden Museen Österreichs. Ein großes Konvolut kommt zudem aus der Neuen Galerie in New York, weitere Werke aus wichtigen europäischen und amerikanischen Privatsammlungen.

„Die Schwestern Karoline und Pauline Fey“, März/April 1905, Öl auf Leinwand, 175 x 150 cm; Belvedere, Wien Weiterlesen

Arthur Kostner: „hybrid“ – Skulptur und Malerei in der Frankfurter Westend Galerie

4. März 2017

Von Erhard Metz

Bekanntlich widmet sich die Frankfurter Westend Galerie im Haus der Deutsch-Italienischen Vereinigung der Vermittlung italienischer moderner und zeitgenössischer Kunst in Deutschland – wobei sie Werke nicht allein italienischer Künstlerinnen und Künstler vorstellt, sondern auch deutscher, die in Italien leben und arbeiten. Über Ausstellungen von Arthur Kostner in der Galerie zu berichten, heisst schon fast die sprichwörtlichen „Eulen nach Athen zu tragen“- und dennoch unternehmen wir es ein drittes Mal; was uns, wir gestehen es, durchaus leichtfällt, und in der berechtigten Annahme, dass es den „AK“-Kennern und -Sammlern gleichermassen ergeht, jedenfalls der überaus stattlichen Zahl an „roten Punkten“ in der aktuellen Ausstellung nach zu schliessen.

Es hat schon was, dieses Kostnersche Werk mit seinem Doppelwesen gleichsam als „gemalte Skulptur“ wie auch als „skulpturales Gemälde“ – allen Exponaten, die in der Galerie zu sehen sind, eignet in der Tat beides. Das Geheimnis seines offenkundigen Erfolgs nicht nur beim Galeriepublikum? Auf alle Fälle titelgebend – „hybrid“ – für die neue Werkschau.

Arthur Kostner in der Vernissage Weiterlesen

„Durch die Wüste in den Westen“: Gedächtnisausstellung Karl May und Klaus Dill im Haus der Stadtgeschichte Offenbach

1. März 2017

Von Winfred Kaminski

Die Jubiläumsausstellung zum 175. Geburtstag von Karl May (1842-1912) ist überschrieben „Durch die Wüste in den Westen“ und kann bis zum 19. März 2017 im Haus der Stadtgeschichte Offenbach besichtigt werden. Zugleich, und das macht das besondere dieses Vorhabens aus, ist es eine Ausstellung, die dem Western-Künstler Klaus Dill (1922-2000) gewidmet ist. Dieser hat in den zurückliegenden 80er und 90er Jahren zahlreiche Werke des „Maysters“ illustriert und ihr Gesicht bestimmt.

Zur Eröffnung sprachen Jürgen Eichenauer, Leiter des Hauses der Stadtgeschichte im Bernardbau, und Eberhard Urban, Verwalter des Nachlasses von Klaus Dill. Den künstlerischen Hintergrund der Ausstellung bildet die Sammlung von Skizzen, Entwürfen und Gemälden Klaus Dills, die als Teil seines Nachlasses an das Haus der Stadtgeschichte gekommen sind. Es ist zwar kein „Schatz im Silbersee“, aber doch ein formidabler Fundus. Denn Klaus Dill war einer der hervorragenden Vertreter der „Western-Art“. Er illustrierte z.B. farbenreich und dynamisch diverse Reihen von Wildwestgeschichten des Bastei-Verlages, schuf seit den 50er Jahren mehrere hundert Filmplakate und wurde gegen Ende des 20. Jahrhunderts Karl May-Illustrator.

Jürgen Eichenauer, Leiter des Hauses der Stadtgeschichte (li.), und Eberhard Urban während der Ausstellungseröffnung; Fotos: Winfred Kaminski
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„Corpsing“ – Ed Atkins im Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main

27. Februar 2017

Reales oder fiktives Ich?
Ed Atkins treibt seinen Schabernack mit der Realität, mit der realen und der virtuellen …

Der gerade mal 35-jährige britische Digitalkünstler hat seine teils verstörenden, teils amüsanten Arbeiten bereits in der Tate Britain und im MoMA gezeigt. Nun ist Atkins hochaktuelle Videokunst bis zum 14. Mai im Frankfurter MMK1 zu sehen. Unter dem Titel „Corpsing“ befasst sich Atkins mit dem Einfluss von Digitalisierung und Automatisierung auf individuelle Lebensweisen und Identitätskonzepte heute. Damit passte er auch bestens in das Konzept des alle zwei Jahre stattfindenden Festivals „Frankfurter Positionen“ – eine Initiative der BHF-BANK-Stiftung mit dem Frankfurter Institut für Sozialforschung, das in diesem Jahr die Frage nach der Verfassung des Subjekts in digitalen Zeiten unter das Thema „ICH RELOADED“ stellte.

Von Petra Kammann

Ed Atkins beim Presserundgang am 2. Februar 2017, Foto: Petra Kammann Weiterlesen