home

FeuilletonFrankfurt



Erhard MetzHerzlich willkommen!
Das Internet-Magazin von Erhard Metz

Jahr der Stille 2010: August

28. August 2010

Über allen Gipfeln
Ist Ruh,
In allen Wipfeln
Spürest du
Kaum einen Hauch;
Die Vögelein schweigen im Walde.
Warte nur, balde
Ruhest du auch.

Wandrers Nachtlied, Johann Wolfgang Goethe * 28. August 1749

Florence_Lake-430

(Bildnachweis: D. Gordon E. Robertson/wikimedia commons cc)

Das “Jahr der Stille 2010″ lädt dazu ein, Stille begleitend in den Jahreslauf zu integrieren. Es will Aufmerksamkeit schaffen für einen Wert, dessen Wichtigkeit wir alle betonen – dessen konkrete Praxis wir aber oft vernachlässigen. Getragen wird das “Jahr der Stille 2010″ von über fünfzig Partnern – christlichen Bewegungen, Kirchen, Verbänden, Verlagen, Organisationen und Werken unterschiedlicher konfessioneller Prägung, die das Anliegen eint, das Thema Stille bewusst in ihre Aktivitäten einfliessen zu lassen.

FeuilletonFrankfurt wird das “Jahr der Stille” mit einem Beitrag zur Mitte eines jeden Monats begleiten.

Bosheiten / 11

27. August 2010

Wer heiratet, kann die Sorgen teilen, die er vorher nicht hatte.

(Autor unbekannt)

PICT0028-dieter-schuetz

(Bildnachweis: Dieter Schütz/pixelio.de)


Pisa von innen (4)

26. August 2010

L1060027A-Titel-db-250

Pisa von innen
Eine authentische Erzählung

von © Salias I.

(4)

3. + 4. Stunde: 10 BFS X2

Immer noch vorstrapaziert von den Elektrikern rüste ich mich innerlich für die nächste Doppelstunde in meiner „bösen“ 10 X2. Das einzige, was dort einigermaßen funktioniert, ist das Diskutieren – wenn die Schüler am Thema interessiert sind. Immerhin können wir das im Fach PoWi gebrauchen und die Themen hin und wieder nach den Vorlieben der Schüler ausrichten. Weil aber im letzten Halbjahr u.a. die miesen Ergebnisse der Klassenarbeit die Noten runterzogen, habe ich auch hier für jeden ein Referat verpflichtend gemacht; heute sind zwei Schüler dran, von denen keiner bereit ist, vorzutragen. Ich muss aber erst die Zeugnisse ausgeben, und dann landen etliche Entschuldigungen auf meinem Pult, die ich später bearbeite, beim Verteilen der Zeugnisse bekomme ich andere Zeugnisse von Schülern zurück, die reklamieren, dass dort unentschuldigte Fehltage vermerkt sind, wie sollten sie sich denn damit bewerben?! Sie hätten ja nie unentschuldigt gefehlt, ich sollte ihnen die Zeugnisse korrigieren. Ich erwidere, sie sollten nach der Stunde zu mir kommen, damit wir das anhand der Anwesenheitslisten im Klassenordner prüfen können.
Dann frage ich die zwei eingeplanten Referenten nacheinander, wieso, warum bist du nicht bereit?! Der G ist hoffnungslos; J deutet an, dass er vorbereitet sei, aber keine Gliederung hat; wenn wir ihm Fragen stellten, könnte er versuchen zu antworten. – Also gut, besser als eine 6 wird es wohl werden. – Es reicht aber nicht, dass ich ihm das gewähre, J ziert sich, seine Kameraden müssen ihm zureden, bis er endlich einwilligt, aber dann will er lieber nicht nach vorne gehen, ich sage, wenn schon denn schon, du musst nach vorn, und nach weiterem Gezier und Nachhilfe der Kameraden stellt sich J vorn hin und wartet ab, ob etwas passiert.

[more...]

Das Krokodil / 8

25. August 2010

Das Sportler-Krokodil

Ein Krokodil, das liebte Sport
- es hielt dies keineswegs für Mord!

Es mochte viele Disziplinen
- auch Fallschirmspringen unter ihnen:

So stürzt es sich, allzeit bereit
in atemberaubender Geschwindigkeit

echse_0081

mit seinem Fallschirm aus dem Flieger
und schnell war klar: es wurde Sieger!

Und später, auf dem Tennisplatz
vollführt es dann ‘ne Bälle-Hatz;

kurz drauf performt es dann
auf der Aschenbahn
im Hürdenlauf den hellen Wahn!


Es fährt auch gerne Wasserski
- durchpflügt die Wellen wie noch nie!

echse_0088

Im Winter, vor dem Abfahrtslauf,
fährt es im Skilift erst hinauf.
echse_0079

Radfahren, Schwimmen, Marathon
- begeistert ist ‘s vom Triathlon !
echse_0085

Das Grüne ist kaum mehr zu bremsen
und tut es auch noch gleich den Gämsen,

die die Steilwand tun bezwingen
- dem ist Bewund’rung abzuringen!

echse_0082

Als wär’ all das noch nicht genuch
unternimmt ‘s sodann ’nen Tauchversuch!

echse_0093

Vor unserer Nase taucht ‘s dann ab -
nur macht ‘s deshalb noch lang’ nicht schlapp!

Wir freuen uns auf ein Wiedersehen
- dann wird die Story weitergehen!

© Gabi Wucher

(Bildnachweis: jeweils gif-paradies.de)


Pisa von innen (3)

24. August 2010

L1060027A-Titel-db-250

Pisa von innen
Eine authentische Erzählung

von © Salias I.

(3)

Dienstag, 4.3.8

Halb betäubt würge ich den Wecker ab, schalte die Nachtlampe ein, bei schalem Licht versuche ich, die Augen offen zu halten, mich zu orientieren: Die Kopfschmerzen sind weg, das ist gut, heute acht Stunden Unterricht: sehr schlimm!
Du bist doch krank, raunt mir meine Frau zu; obwohl schlaftrunken sorgt sie sich: Ich solle nicht gehen! – Doch doch, es geht doch, ich muss gehen, murmle ich, ich bin ja wieder gesund. Den schlimmsten Tag der Woche habe ich hinter mir.

Am schlimmsten heute: die 10 X2 (da bin ich Klassenlehrer). Kollege B, der Stellvertretende Schulleiter, nannte meine Klasse beim Elternabend „die böseste Klasse, die wir seit Jahren hatten“. – Ja, das könne man doch nicht so hinnehmen, meinte eine der entsetzten Mütter. – „Da bleibt uns gar nichts anderes übrig“, sagte Herr B, „solche Klassen finden Sie an jeder Schule.“
Dass die Klasse besonders böse sei, stimmt nicht so ganz: Erstens haben wir jedes Jahr ähnliche Klassen, zweitens ist die Klasse ebenso wenig „böse“ wie ihre Schüler; man kann sie, wenn sie vereinzelt auftreten, sogar gern haben, ein jeder mit seinen Schwächen und Macken: Der A, der so Macho ist, dass er bei jeder kleinen Kritik, und sei sie noch so berechtigt, aufbraust, weil er von sich selbst nur die netten Teile wahrnimmt; der R, der noch stärker darin ist, seine provozierenden Bemerkungen gegen die Kameraden vor sich selbst zu verleugnen, und der K, der so von sich überzeugt ist, dass er jedem ins Wort fällt, der daran Zweifel aufkommen lässt und meint, sich an keine Regel halten zu müssen, wenn er sie nicht billigt. Und die vielen anderen Trittbrettfahrer der Selbstgerechtigkeit, die die narzisstischen Proteste dazu nutzen, ihren Beitrag dazu zu leisten, um das Chaos perfekt werden zu lassen – und so können dann der A und der K und der R auf die anderen zeigen und von sich ablenken. Diese negativen sozialen Synergie-Effekte sind es, die der Kollege B als „böse“ zusammenfasst. Dazu kommt der notorische Unwille gegen das Arbeiten. Weder in der Schule noch zu Hause wird gelernt. Sogar die Werkstattlehrer haben noch nie so viele Fünfer verteilt: Sobald sie der Gruppe den Rücken kehren, fallen die Werkzeuge aus den Händen. Natürlich sind an allem die Lehrer schuld: Wir leisten keine Einzelbetreuung, wir verlangen, dass ein Schüler sich selbständig bemüht, Arbeitsaufträge auszuführen oder zumindest beim Lehrer nachzufragen, wenn etwas nicht verstanden wird. Sie fragen nicht mal nach. Anfangs ist es mir passiert, dass ich eine halbe Stunde Gruppenarbeit angeordnet hatte, bis ich die Ursache des wachsenden Chaos herausfand: Mit dem Auftrag „Gruppenarbeit“ verbanden die Schüler offensichtlich Stammtischzeit. Keine bessere Erfahrung habe ich mit Einzelarbeit gemacht: Obwohl ich ankündigte, dass ich die schriftlich zu erbringende Leistung einsammeln und benoten würde, haben viele Schüler nur Unfug getrieben, und wen ich darauf ansprach, gab mir die Schuld: Ich hätte nicht erklärt, was sie machen sollen! In der Tat habe ich es nicht jedem Schüler einzeln erklärt, und wenn ich der ganzen Klasse etwas erkläre, fühlen sich viele Schüler gar nicht angesprochen – man kann ihnen nichts vorwerfen: Sie kriegen wirklich nichts mit! Und ein schriftlicher Arbeitsauftrag? Kein Ausweg, da bei vielen kein Textverständnis oder kein Wille dazu vorhanden …

[more...]