Wir haben längere Zeit nichts mehr aus Stenkelfeld gehört. Hier nun eine spannende Reportage aus der berühmten Stenkelfelder Grossküche:
Angestellter:
Wo soll der Fugenmörtel hin, Chef?
Sönkel-Pörthagen:
In die Nachspeise, du Tölpel!
Reporter:
Die Grossküche Stenkelfeld ist mittlerweile Europas bedeutendster Zulieferer für Kantinen und Fluggesellschaften. Wir stehen hier unmittelbar neben der neuen Rouladenwalze, neben mir der Geschäftsführer der Grossküche Stenkelfeld, Helmut Sönkel-Pörthagen. Worauf führen sie denn diesen grossartigen Erfolg zurück?
Sönkel-Pörthagen:
Nun, äh, unser Erfolg liegt im Überraschungsmoment, das heisst wir bieten immer wieder Gerichte an, äh, die so keiner kennt, und gehen auch in der Kombination der Zutaten neue Wege.
Reporter:
Können Sie uns da ein Beispiel geben?
Sönkel-Pörthagen:
Ja, äh, nehmen wir doch gleich mal hier das Menü an der Fertigungsstrasse 2. Das ist unsere Büsumer Grützpfanne Tischlerin Art. Es handelt sich dabei um einen ausgehöhlten, ganzen Milzrettich, gefüllt mit pürierten Innereien vom Kanalaal, dem wir gepfefferte Backpflaumenkerne unterjubeln. Eins von zahlreichen Gerichten, um die man sich im häuslichen Bereich ja gerne herumdrückt.
Reporter:
Ja, das scheint mir auch eher ein Menü für besondere Anlässe zu sein. Aber wie steht’s denn mit der bewährten alten Hausmannskost, die ja auch von Ihnen zubereitet wird, ich sehe hier zum Beispiel einen Topf mit so einer bräunliche Sosse.
Sönkel-Pörthagen:
Ja, äh, das ist der Bottich mit dem Grünkohl, äh, der wird bei uns erntefrisch zubereitet, das heisst er kocht seit der Ernte, dat ist jetzt anderthalb Wochen her, der wird übermorgen noch durch ein Feinsieb gepresst, nur so lassen sich zuverlässig alle Geschmacksstoffe herausziehen. Ein umgekehrtes Verfahren gilt für die Kartoffeln, die wir bis zur ersten Auskeimung bei 42 Grad vorschrumpeln lassen und denn bei 500 Grad schockerhitzen, so dass unter einer mehlig-bröckelnden Oberfläche ein angenehm kühler Knusperkern für Furore sorgt.
Reporter:
Also, man kann sagen, modernste Zubereitungsverfahren. Was sind denn aus Ihrer Sicht die entscheidenden Fortschritte bei der Herstellung von Massenverpflegung?
Sönkel-Pörthagen:
Unser Firmengründer, der alte Sönkel, hat hier ja damals mit drei Bunsenbrennern angefangen, nich, da brauchten Sie bis zu drei Wochen, bis sich Nudeln so richtig zersetzt hatten oder Gemüse den Biss verlor. Oder ein anderes Beispiel: Um Fisch zum Riechen zu bringen, mussten Sie den damals noch tagelang in die Sonne legen und dann noch von Hand mit Dorschgalle beträufeln, nee. Heute holen wir den vorgefault aus dem Tropensilo, und was den Rest betrifft, Nudeln, Kartoffeln, Fleisch oder wat Sie wollen, dat wird bei uns alles zu einer fettigen, geschmacklosen, breiigen Einheitspampe zusammengefiedelt, so wie es die Kantinen lieben.
Reporter:
Ja, ist denn da niemand…
Sönkel-Pörthagen:
Und den Rest, den keiner mehr will, den verschweissen wir aufbruchsicher in Spezialplastik und verscherbeln das an die Fluglinien in aller Welt.
Reporter:
Aber wenn doch mal einer diese Packungen aufkriegt, da bleibt doch auch immer was übrig?
Sönkel-Pörthagen:
Und sehen Sie, dat ist dann ein gefundenes Fressen für die Speisewagen der Deutschen Bahn. Die stehen am Ende der Nahrungskette!
Reporter:
Ehrliche Worte von Helmut Sönkel-Pörthagen aus der Grossküche Stenkelfeld. Und damit zurück ins Funkhaus!
Sönkel-Pörthagen:
Sie können ruhig zum Essen bleiben!
Reporter:
Och, danke, ich bin noch satt.

(Nachweis: ndr2; Foto:っ/wikimedia commons GFDL)