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Das Internet-Magazin von Erhard Metz

Archive for the 'Schlüsseltexte' Category

Schlüsseltexte – Stufen

Sonntag, 17. Juni 2007

HERMANN HESSE

STUFEN

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!


Schlüsseltexte – Apfelbäumchen

Dienstag, 3. Juli 2007

MARTIN LUTHER

Und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge,

so würde ich doch heute mein Apfelbäumchen pflanzen.


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(Foto: Grace Winter /pixelio.de)

Schlüsseltexte – Der Fuchs

Mittwoch, 6. Juni 2007

ANTOINE DE SAINT-EXUPÉRY

DER KLEINE PRINZ


Adieu, sagte der Fuchs. Hier mein Geheimnis:

Es ist ganz einfach: man sieht nur mit dem Herzen gut.
Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar . . .

Die Zeit, die du für deine Rose verloren hast, sie macht
deine Rose so wichtig.


Schlüsseltexte – Das Grosse und das Kleine

Montag, 25. Mai 2009


Bertolt Brecht

Das Lied von der Moldau

aus: Schweyk im zweiten Weltkrieg


Am Grunde der Moldau wandern die Steine,
es liegen drei Kaiser begraben in Prag.
Das Grosse bleibt gross nicht und klein nicht das Kleine.
Die Nacht hat zwölf Stunden, dann kommt schon der Tag.

Es wechseln die Zeiten. Die riesigen Pläne
der Mächtigen kommen am Ende zum Halt.
Und gehn sie einher auch wie blutige Hähne,
es wechseln die Zeiten, da hilft kein Gewalt.

Am Grunde der Moldau wandern die Steine,
es liegen drei Kaiser begraben in Prag.
Das Grosse bleibt gross nicht und klein nicht das Kleine.
Die Nacht hat zwölf Stunden, dann kommt schon der Tag.

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(Moldau, Bildnachweis: Chmee2´s family / wikimedia commons GFDL)


Schlüsseltexte – Es ist, was es ist

Freitag, 18. Januar 2008

Was es ist

Es ist Unsinn,
sagt die Vernunft.
Es ist, was es ist,
sagt die Liebe.

Es ist ein Unglück,
sagt die Berechnung.
Es ist nichts als Schmerz,
sagt die Angst.
Es ist aussichtslos,
sagt die Einsicht.
Es ist, was es ist,
sagt die Liebe.

Es ist lächerlich,
sagt der Stolz.
Es ist leichtsinnig.
sagt die Vorsicht.
Es ist unmöglich,
sagt die Erfahrung.
Es ist, was es ist,
sagt die Liebe.

Erich Fried

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(Foto: psychodoc / pixelio.de)