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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Archive for the 'Reisen' Category

Römische Impressionen

Dienstag, 8. Juli 2008

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Römische Impressionen vom Juni 2008

(Fotografien: © Jürgen und Rea Reinwald)

Reisen: Apulien

Mittwoch, 17. August 2011

Apulien – Eine Bahnreise in den Stiefelstöckelabsatz

Text: © Juliane Adameit

Bitte einsteigen, die Fahrt geht ’gen Süden immer geradeaus.

Per Bahn führt der Weg ab Frankfurt am Main quer durch Bella Italia. Zunächst geht es mit Umsteigen über Basel oder Zürich über die Alpen durch die Schweiz. Die Durchreise dauert nicht lange. In Eile, aber mit Weile fährt der Zug bei Chiasso dann schliesslich nach Italien ein. Zuerst kommt Como, dann aber gleich Mailand, die italienische Partnerstadt von Frankfurt. Nach den grünen Weiden, der Alpenidylle und den vielen Seen entlang der Zugstrecke durch die Schweiz ist man nun wieder mitten in der Stadt. Der erst kürzlich umfassend renovierte Bahnhof von Mailand erwartet den Reisenden geschäftig, umtriebig und hastig. Viele Menschen rennen noch dem Zug hinterher oder man trifft sich rasch auf einen Kaffee in der Bar. Am Kiosk wird noch schnell eine Zeitung mitgenommen. Dann geht es aber auch schon weiter. Die Verbindungen sind für die Reisenden ab Mailand in andere italienische Städte und Regionen sehr gut, weshalb die Weiterfahrt per Bahn wirklich empfehlenswert ist. Noch viel mehr lässt sich sagen: nichts scheint nach den vielen Erfahrungen auf Reisen durch Italien besser zu sein als der Zug. Trenitalia ist ein perfekter Partner für die Touren durch das Stiefelland. So fährt der italienische Eurostar-Zug klimatisiert in etwa neun Stunden von Mailand direkt bis nach Lecce. Am besten fährt es sich in der Nebensaison, wenn nicht viele Reisende unterwegs sind. Die Monate Juli und August sollte man meiden – wenn man es kann. Denn so ist es im Zug bequemer, gemütlicher und ruhiger. Aber nicht nur das, auch vor Ort in Apulien ist es dann ebenfalls gemütlich, ruhig und idyllisch.

Die Reise geht der Länge nach durch Italien, vorbei an Bologna, Ancona und dann immer weiter nach Foggia, Barletta, Bari, Brindisi bis nach Lecce. Überall kann man aussteigen und einen Kurzbesuch machen. Ab Ancona geht der Blick durchs Zugfenster immer auf die Adria, denn der Zug fährt auf der Strecke bis nach Lecce etwa fünf bis sechs Stunden immer am Meer und vor allem am Sandstrand entlang. Bei Sonnenschein schillert hier die Adria in allen Türkistönen. Atemberaubend ist es, das Farbspiel zwischen Meer und Himmel aus dem Zugfenster zu beobachten. Es lässt einen nicht mehr los. Es geht durch Tunnel, an den Trabucchi (traditionelle, ins Meer gebaute Fischerhäuschen aus Holz) vorbei, bis links vom Zug die ersten Hügel des Gargano sichtbar werden. Apulien ist erreicht.

Foto: © Caroli Hotels, Caroli House & Boat

Foggia ist der erste Halt in Apulien. Die Stadt ist sozusagen im Norden das Tor in diese landschaftlich, kulturhistorisch sowie kulinarisch spannende Südregion von Bella Italia. Ab Foggia verfärbt sich die Erde in den Farben braun, rot, rötlich und terracotta. Man sieht immer mehr Olivenbäume. Mit ihren bizarren Formen sind die Jahrhunderte alten Bäume besonders fotogen. Die Olivenbäume reihen sich wie an einer Schnur auf, die von Foggia bis nach Santa Maria di Leuca reicht. Auf etwa 60 Millionen schätzt man ihre Zahl. 60 Millionen Einwohner zählt auch ganz Italien. Hat damit jeder Italiener einen Olivenbaum? Selbst Patenschaften können für Olivenbäume vereinbart werden. So etwas ist wohl weltweit einzigartig.

Im Fürstengarten der Familie Duca Guarini; Foto: © Juliane Adameit

Zu den Schätzen der Region gehört deshalb auch das Olivenöl. Man nennt es das Gold der Region. Und es gibt so viele und exzellente Olivenöle. Auf der Suche nach dem “Gold von Apulien” erwarten den Reisenden in dieser Region mehrere “Olivenölstrassen” (Strade dell’Olio). Einer der ältesten Hersteller in der Region ist die Fürstenfamilie des Duca Carlo Guarini von Scorrano im Salento, der seit dem 11. Jahrhundert für seine Olivenöle bekannt ist.

Foto: © Juliane Adameit

Die Palastgärten duften nach mediterranen Kräutern: alles Ingredienzen dieser so wahrlich wohltuenden salentinischen oder apulischen Küche. Salzige Highlights sind für zwischendurch das Rustico (Blätterteigtasche mit Mozzarella und Tomaten gefüllt) sowie Calzone (Pizzateigtasche unterschiedlich gefüllt), ferner Arancino (Reisbällchen mit Mozzarella und Tomaten frittiert). Zu den süssen Spezialitäten zählt morgens das Cornetto (Hörnchen mit warmer Schokoladen- oder Vanillencreme) oder der Pasticiotto (eine salentinische Spezialität, auch mit Creme gefüllt). Und gehen Sie an keiner Eisdiele vorbei! Hier schmeckt das Gelato, noch in eigener Herstellung, cremig, milchig und nach reiner Frucht oder Schokolade. Als Dessert oder auch zum Nachmittagskaffee gibt es eine Crostata, die Torte mit Fruchtkonfitüre von Feigen, Trauben oder auch Zitrusfrüchten an Mürbeteig, wahrlich ein genussvolles Erlebnis.

Foto: © Juliane Adameit

Beispiellos gut ist hier im Süden auch der Cappuccino. Der Kaffeeduft hüllt ein, sobald man eine der unzählig vielen Cafebars an der Piazza betritt. Ein Tipp hierfür ist das Caffe Alvino mitten in Lecce. Für den kleinen Hunger bestellt man sich am besten in der Bar einen Crodino. Im Neobarock lässt sich das Menü bei Donna Lisa (Maglie) oder im historischen Palazzo bei Li Jalantuumene (Monte Sant’Angelo) geniessen. Gereicht bekommt der Reisende dabei ein Aperitifgetränk wie den San Bitter und dazu eine kleine Platte mit allen kulinarischen Spezialitäten im Miniformat. Dazu gehören auch Oliven und Nüsse. Und das Menü besteht natürlich aus Pasta.

Donna Lisa, Maglie; Foto: © Juliane Adameit

Regional sind die Orecchiette (Öhrchennudeln) der ganze Pastastolz der Region. Apulien ohne Orecchiette wäre nicht vorstellbar. Gerade in Apulien bieten viele Restaurants frische Pasta: eine echte Delikatesse. Einen Namen unter den Herstellern hat sich vor allem die Pasta von Benedetto Cavalieri aus Maglie, auch Geburtsort von Aldo Moro, gemacht. In seiner historischen Manufaktur in der Altstadt wird seit mehreren Generationen die Pasta mit viel Passion produziert. Nichts kann schöner sein, als sich genau hier in Italien zeigen zu lassen, wie nach alter Tradition die Pasta hergestellt wird. Und 1875 begann in Maglie auch die Schokoladengeschichte von Maglio Arte Dolciaria, die heute international ein Geheimtipp in anspruchsvollen Schoko-Insider- und Genusskreisen ist.

Foto: © Juliane Adameit

In traditionsreichen Familienunternehmen produziert man teils schon über die Jahrhunderte, hält man Rezepturen als Geheimnis, erhält man Auszeichnungen und zeigt sich heute mit Markenbewusstsein auf den internationalen Märkten, Messen und in den Medien. Viele Produzenten sind Mitglieder der Slow Food-Bewegung, und so finden die kulinarischen Spezialitäten von Apulien zu einem neuen Image.

So ist jährlich Anfang August in Maglie der “Mercatino del Gusto”, das Genussfestival, immer ein besonderes Ereignis. Handgemacht, in kleinen Manufakturen hergestellt oder gar gekocht wie zuhause bei Mamma sind Produkte aus Apulien ein Glückserlebnis für Gourmets. Das kann man schon vor Ort testen. Vielerorts können die Produkte direkt beim Hersteller gekauft werden. Schnell verliebt sich das Gourmetherz und bald füllen Flaschen, Gläser und Schachteln den Koffer für die Rückreise. Dabei erweist sich erneut: eine Zugreise kann dafür mitunter sehr praktisch sein. Sollte ein Koffer nicht reichen, kann man bestenfalls auch einen Karton mitnehmen. Dies ist bei Flugreisen undenkbar.

Foto: © Juliane Adameit

An den Hügeln und in der Ebene wechseln sich Olivenbäume und Weinreben ab. Berühmt ist nämlich auch der Wein aus Apulien. Voller Aromen von lieblich, fruchtig bis herb und trocken sind die verschiedenen Sorten. Berühmt sind die Rotweinsorten Primitivo di Manduria, Negroamaro und der Salice Salentino von Due Palme (Cellino San Marco / Bari), Conti Zecca (Leverano / Lecce) oder Il Falcone (Barletta). Rundreisen auf den sogenannten “Weinstrassen” (Strade del Vino) sind ein besonderes Erlebnis in Apulien. Das Weinfest “Cantine Aperte” findet am letzten Sonntag im Mai, nicht nur in ganz Apulien, sondern auch italienweit, in Kooperation mit den Weinkellereien statt. Jährlich kommen tausende Besucher von nah und fern.

Doch die Region hat noch viel mehr zu bieten. Apulien gehört zu den grössten italienischen Regionen und kann sich dabei über mehr als 800 Küstenkilometer freuen. Erholung pur tut sich hier an Sandstrand oder Felsküste auf.

Foto: © Caroli Hotels, Caroli House & Boat

Die Region gleicht mit ihren Naturschutzparks, Thermalquellen, Fahrradwegen und endlosen Stränden einem Wellness-Areal. Möglichkeiten, die Region und das Reiseziel zu geniessen, gibt es unzählig viele. Zunehmend hat sich die Region in den letzten zwanzig Jahren dafür mit viel Liebe zum Detail stilvolle und interessante Ideen einfallen lassen. Übernachtungen beispielsweise über die Caroli Hotels (in Südapulien zwischen Bari, Gallipoli, Santa Maria di Leuca) im Leuchtturm, Kloster oder Trullo sind eine besonders schöne Idee. Weiter typisch für die Region ist ein Urlaub auf dem Land in einer “Dimora Storica”, einem historischen Gutshaus, der “Masseria” wie der Masseria Alchimia (Fasano), Masseria Panareo (Otranto) oder einem Stadtpalazzo à la Corte dei Francesi (Maglie). Lifestyle, Luxus und Schönheit sind hier im Trend. Kochkurse, Trekkingausflüge, Nachtwanderungen oder Radtouren bieten jede Menge Abwechslung.

Und in Sachen Mode, Design sowie Stil hat Apulien einige echte Knüller zu bieten. Natürlich ist alles immer Geschmackssache. Den besten Rat bekommt man direkt von den Italienern vor Ort. Namhafte Adressen sind dafdesign (Lecce / Taschen), Filanto (Casarano / Schuhe), Lopardo (Maglie / Accessoires) oder Fondazione Le Costantine (bei Otranto / Stoffe, Textilien). Das schönste Kaufhaus für Haute Couture in Apulien ist aber doch das traditionsreiche Candido in Maglie, welches hier als Familienunternehmen seit 1859 in einem prachtvollen Altstadtpalazzo mitten an der Piazza liegt.

Foto: © Juliane Adameit

Schon länger ist Apulien deshalb kein Geheimtipp mehr. Für Italiener ist die Region mittlerweile eines der führenden Reiseziele im eigenen Land. Wer wenig Zeit hat und schnell in die Sonne möchte, der nimmt einfach das Flugzeug und dann am besten einen Mietwagen für die Weiterfahrt aufs Land. Von Deutschland aus ist Apulien per Flugzeug über die Flughäfen in Bari und Brindisi verbunden. Die Sehenswürdigkeiten und Traumbuchten liegen in unmittelbarer Nähe. Doch Zugreisende sehen mehr von der Schönheit der Region. Nirgendwo ist der Olivenbaum in Italien so präsent am Wegesrand wie auf der Fahrt ab Foggia nach Süden.

Dabei führen alle Wege, seien es die Weinstrassen, Olivenölstrassen oder Küstenrouten, stets an den Sehenswürdigkeiten dieser Region vorbei. Im Norden erwartet den Reisenden das berühmte Castel del Monte des Staufenkaisers Friedrich II. Weiter südlich liegt Alberobello, die Hauptstadt der Trulli oder auch weissen Zipfelmützenhäuser. Grossstadtflair bieten Foggia, Bari und Brindisi. Lecce ist mit seinen Palästen und Kirchen das Barockjuwel der Region. Otranto an der Adria, vor allem durch seine Kathedrale und den prächtigen Steinmosaikfussboden berühmt, sollte auch auf der Reiseroute liegen. Viele kleine Ortschaften auf dem Land oder an der Küste haben Burgen, Schlösser, Festungsmauern und vor allem eine lange, lange Geschichte. Endstation der Reise ist Santa Maria di Leuca. Hier ist Italien wirklich zuende. Ein Leuchtturm und eine Wallfahrtskapelle sowie bezaubernd schöne Villen an der Uferpromenade runden das Bild ab.

Villa La Meridiana; Foto: © Caroli Hotels, Caroli House & Boat

Die Villa La Meridiana in pompeijanisch gelb-rot sollte man sich unbedingt anschauen und dabei eine Verköstigung mit La Dispensa di Caroli geniessen. Sehenswert sind hier ausserdem die Ausflugsangebote zu den zahlreichen Grotten von Santa Maria di Leuca.

Santa Maria di Leuca; Foto: © Caroli Hotels, Caroli House & Boat

Das Endziel der Bahnreise ist erreicht. Und der Blick geht dabei endlos weit aufs Meer – hier, wo ionisches Meer und die Adria zusammenfliessen.


Bucht von Otranto; Foto: © Juliane Adameit

 

Reisen: Myanmar / 1

Samstag, 22. Januar 2011

Eine Reise durch Myanmar / 1

Text und Fotos: © Ingrid Malhotra

Es ist schon ein paar Jahre her, seit ich in Burma war. Aber nach allem, was man liest und hört, hat sich nichts verändert. Noch immer ist Burma ein reiches Land mit einer bettelarmen Bevölkerung. Noch immer herrscht die Militärjunta mit eiserner Hand und unterdrückt jedes noch so kleine Aufflammen des Wunsches nach Freiheit und Selbstbestimmung mit brutaler Gewalt. Noch immer wird gegen sämtliche Menschenrechte verstossen.

Aber auch: Noch immer ist Burma ein wunderschönes Land. Und noch immer sind seine Menschen die liebenswertesten und hilfsbereitesten, die man sich vorstellen kann. Es ist schwer begreiflich, dass ein solches Volk eine solche Regierung hervorgebracht hat.

Hier herrscht ja leider oft die Meinung, man solle nicht nach Burma reisen, da man damit nur der Regierung die erwünschten Devisen beschaffe. Das stimmt leider. Aber trotzdem halte ich diese Einstellung für falsch. Denn die Menschen in Burma hungern nach Kontakten mit der Aussenwelt, nach Berichten über ein völlig anderes Leben. Und ich könnte mir vorstellen, dass jeder Besuch, jedes Gespräch über andere Regierungsformen sie langsam, aber sicher, stärkt.

Diese Einschätzung wird übrigens von den politisch interessierten Burmesen, allen voran Aung San Suu Kyi, geteilt.

Noch eine Anmerkung: Burma hatte im Laufe seiner Geschichte viele Namen; zur Zeit heisst das Land, auf Wunsch seiner Regierung, Myanmar. Aber die Menschen, die ich dort kennengelernt habe, wiesen immer wieder darauf hin, dass sie den Namen Burma vorziehen. Bei der Bezeichnung für ihre Hauptstadt war das Urteil nicht so eindeutig – ob Rangoon oder Yangon schien ziemlich gleichgültig zu sein.

Also bleiben wir bei Yangon.

International Airport Yangon

Ich war ja eigentlich darauf vorbereitet, in Burma kein sehr komfortables Lebens zu führen, und hatte mich deshalb erst einmal in Bangkok in meinem Lieblingshotel seelisch vorbereitet – mit viel Komfort, gutem Essen, ein bisschen Luxus halt, von dem ich glaubte, dass er in Burma nicht anzutreffen sei.

Man lernt natürlich nie aus …

Das Kandawgyyi-Hotel in Yangon lässt absolut nichts zu wünschen übrig: ein wunderschöner Bau im traditionellen Stil, viel dunkles Holz, viele Schnitzereien, darum herum prachtvolle Parkanlagen mit Skulpturen (merkwürdigerweise von Sauriern),

Hotelgarten in Yangon

einem See, Tieren und Pflanzen, die wir nur aus dem Zoo und dem Blumentopf kennen. Komfortable Zimmer, phantastische Küche – tja, wenn es so weiter gegangen wäre. Von meinem Zimmer hatte ich Aussicht auf den Karaweik, eine riesige, ehemals königliche Barke in Gold- und Grüntönen. Heute ist die Barke fest im See verankert und dient als Restaurant.

Karaweik

Aber so schön es hier auch war, zunächst einmal wurde die Hauptstadt erkundet. Scott‘s Market ist mir am lebhaftesten in Erinnerung. Hier werden viele der Edelsteine angeboten, die man in Burma findet, aber auch wunderschöne Handarbeiten – und alles zu sehr erfreulichen Preisen und in überaus freundschaftlicher Verhandlungsatmosphäre. Man lässt sich nieder, man trinkt Tee, man schaut , was es so alles gibt, guckt auch mal bei den Nachbarn vorbei.

Scott’s Market

Und zum Schluss kauft man dies oder jenes, bis zum nächsten Tag ist der Stein gefasst. Erstaunlicherweise kann man hier sicher sein, dass Gold drin ist, wenn Gold drauf steht. Das ist nicht wirklich die Norm in Asien, schon gar nicht in dieser Art von Märkten.

Spass macht auch der “High Tea” im kolonialen Hotel The Strand, auf dem die Führerin bestand. Alles war “very British”. Allerdings fehlte dem Kellner ein wenig die Übung – er musste mit sanfter Gewalt dazu gezwungen werden, eine kleine Etagere mit Gebäck zu bringen. Aber meine Führerin kannte keine Gnade – sie wollte zeigen, wie British man in Yangon sein kann.

Ja, und dann natürlich die unübersehbaren Zeugnisse des Buddhismus: Shwedagon- und Sule-Pagoden,

Shwedagon

ein überdimensionaler Buddha und vieles, vieles, was diese Reportage sprengen würde. Eigentlich kann man kaum einen Schritt machen, ohne vor einer Pagode oder einem Buddha zu stehen.

Buddhas überall

Und fast immer sind sie dick mit Blattgold belegt, das die Einheimischen unaufhörlich anbringen, um ihre Verehrung zu beweisen.


Rund um Shwedagon

Die Shwedagon-Pagode war ja zur Zeit meines Besuchs leider eingerüstet, aber rundherum glänzte und schimmerte so viel Gold im Sonnenuntergang, dass ich ohnehin völlig geblendet war. Der gewaltige liegende Buddha war nicht mit Blattgold überzogen, nur da, wo es passte, also Gewand und Schmuck, aber er ruhte auch hinter einer Absperrung …

Der Grosse Buddha; die Füsse

Aber mal abgesehen von dem vielen Gold schien mir das Leben hier ziemlich normal – gut, es gab keinen Internet-Anschluss im Hotelzimmer und gelegentlich wurde man informiert, dass man über einen Einkauf oder über eine Äusserung Stillschweigen bewahren sollte, aber die Leute wirkten nicht sonderlich ängstlich, alle meckerten über die Regierung und die Beamten, genau wie wir, und alle telefonierten pausenlos mit ihren Handys.

Ich war fast ein bisschen enttäuscht.

Aber dann ging es weiter nach Taunggyi, einem Zwischenstop auf dem Weg zum Inle-See. Zuerst der Flug nach Heho und dann eine zweistündige Fahrt. Und schon unterwegs merkte ich, dass alle Handys weggepackt wurden – ein Handynetz gibt es nur und ausschliesslich nur in der Hauptstadt, sagte man mir.

Und dann erreichte ich Taunggyi, eine Kleinstadt im Landesinneren.

Auch hier lag das Hotel inmitten prachtvoller Parkanlagen, in denen unsere beliebtesten Topfpflanzen die Grösse von ausgewachsenen Bäumen erreichten.

Aber das Hotel! Oh, mein Gott, was für ein Dreckloch. Alles schmutzig, alles kaputt, extrem unfreundliches Personal, der Speisesaal eine grün gestrichene, neonbeleuchtete Katakombe. Und das Essen passte genau dazu!

Im Hotelpark in Taunggyi

Ich warf einen verdutzten Blick auf meine Hotelliste, hm, alle “superior”. Wie konnte das möglich sein? Ich fragte meine lokale Führerin, und sie erklärte mir, dass dies ein beliebtes Hotel sei für Sauftouren der hiesigen Politiker und der höheren Beamten und dass die leider nicht viel Alkohol vertrügen und auch nicht so recht wüssten, wie eine gepflegte Einrichtung auszusehen habe.

Aha!

Ich war jedenfalls heilfroh, dass ich meinen einstmals in Vietnam preisgünstig erworbenen Seidenschlafsack dabei hatte …

Im Ort selbst gab es keine grösseren Sehenswürdigkeiten, die eine oder andere Pagode natürlich, ein paar Geschäfte mit knallbunten Plastikartikeln. Ach ja, ein Golfplatz war im Bau, dort sollte man dann auch bald besser wohnen können. Ausserdem gab es einen farbenprächtigen Markt, an dem ich mich gar nicht sattsehen konnte. Meine Führerin meinte, der wäre nichts Besonderes, da kämen noch ganz andere Sachen, aber für mich war es der erste solche Markt in Burma, und ich fand ihn wunderschön!

Markt in Taunggyi

Nicht ganz so schön, aber interessant war die Fabrik, in der Cheroots hergestellt werden. Cheroots sind burmesische Zigarren, der Tabak besteht aus gebrochenen Blättern von Cheroot–Bäumen, vermischt mit dem Holz des Baumes und geheimen Zusätzen. Das Deckblatt besteht aus einem Blatt des Cheroot–Baumes, in welches eine Handvoll dieses Tabaks eingerollt wird. Das Gebilde wird mit einem Filter aus Maisblättern versehen, der nach dem Rollen beschnitten wird. Ein langgestreckter Betonbau, schlecht beleuchtet, in dem ein paar Dutzend Frauen auf dem harten Fussboden sassen und diese Zigarren fabrizierten. Sie schmecken nicht einmal schlecht – die Zigarren, nicht die Frauen.

Cheroot-Fabrik

Alle Frauen hier auf dem Land haben ihre Wangen mit einer gelblichen Paste eingeschmiert. Sie soll grösstenteils aus Kurkuma bestehen und für eine schöne Haut sorgen. Aber die Tradition gibt es schon so lange, dass gelb schimmernde Wangen scheinbar schon fast selbst als Schönheitsideal gelten …

Am nächsten Morgen (die Nacht war unruhig, weil ich so viel Angst hatte, die Bettwäsche zu berühren …), nach einem lieblosen Frühstück ging es weiter, mit dem PKW zum Inle-See.

Eine hochinteressante Fahrt, aber zunächst hatte ich mit meiner Führerin ein Hühnchen zu rupfen: sie schien ähnlich lieblos mit ihrer Aufgabe umzugehen wie die Leute im Hotel. Ich holte also, noch in Taunggyi – falls es Streit geben sollte – tief Luft und fragte sie, ob sie etwas gegen mich hätte. Sie meinte, das sei nicht der Fall, sie kenne mich ja noch kaum. Ob ihr das Führen von Touristen generell keinen Spass mache? Naja, ihr Traumberuf sei es nicht, aber es sei der einzige halbwegs interessante Besuch, der sich angeboten habe, und sie müsse Geld verdienen.

Wir haben dann ein Weilchen darüber gesprochen, dass wir ja doch einige Zeit miteinander verbringen müssten, und dass das sicher angenehmer sei, wenn wir beide Spass dabei hätten und einfach so täten, als ob wir Freundinnen seien. Es stellte sich dann heraus, dass ihre Erfahrungen mit Touristen nicht immer die angenehmsten waren – es gibt doch erschreckend viele arrogante Menschen, die glauben, sie seien überlegene Wesen, nur weil sie das Geld haben zu reisen. Wie schade! Man hat doch so viel mehr Spass in einem fremden Land, wenn die Menschen, die mit uns unterwegs sind, sich freuen, uns die Schönheiten ihres Landes zu zeigen, statt ungeduldig darauf zu warten, dass sie uns wieder los werden.

Nun, nachdem das geklärt war, änderte sich die Atmosphäre. Sie gehörte zu einer Ethnie, die sehr unter Verfolgung seitens der Regierung zu leiden hatte. Was natürlich immer wieder zu rebellischem Verhalten führte, so dass sie noch mehr zu leiden hatte; verständlich, dass sie etwas misstrauisch war. Aber nachdem sie einmal aufgetaut war, hatten wir enorm viel Spass an unserer Reise.

Unterwegs kamen wir an einer alten Schule vorbei, ganz aus Holz gebaut. Innen paukte unüberhörbar eine Schulklasse, aber ein kleiner Junge hatte wohl das Auto gehört und war nicht vom “Fenster” wegzubringen.

Schule

Wir kamen bei einer Ortschaft an einem riesigen Platz vorbei, der ganz mit überdachten Verkaufstischen vollgestellt war. Hier spiele sich einmal in der Woche der ““Five Day Market” ab, aber heute sei leider der falsche Tag.

Was ist ein Five Day Market? Oh, das heisst, dass die Bauern und Händler fünf Tage lang jeden Tag in einer anderen Ortschaft ihre Waren anbieten, und an den verbleibenden zwei Tagen sorgen sie für Nachschub.

Unterwegs zum Inle-See

Wir sahen viele Fahrzeuge unterwegs, die bei uns überaus schnell aus dem Verkehr gezogen würden, aber in Burma, wie in vielen Ländern Südostasiens, ist man froh, wenn man überhaupt einen fahrbaren Untersatz hat. Ich glaube auch, wenn ich es so recht bedenke, dass es wohl kaum ein Verkehrsmittel gibt, mit dem ich in Burma nicht unterwegs war – vom Ochsenkarren bis zum Düsenjet war so ziemlich alles vertreten, zu Lande, zu Wasser und in der Luft.

Nach langer Fahrt begegnete uns ein Traktor mit einem äusserst merkwürdigen Anhänger: ein grosses goldenes Huhn mit einer goldenen Pagode darauf, in der ein goldener Buddha sass.

Das goldene Huhn und sein Gefolge

Normalerweise gehörte das Huhn auf ein Boot und auf den Inle-See, aber jetzt wurde es für eine Prozession benötigt. Es soll auch eigentlich kein Huhn sein – sieht aber doch sehr danach aus!

Wir waren also nahe am See.

⇒ ⇒ ⇒ Reisen: Myanmar / 2

Reisen: Myanmar / 2

Samstag, 5. März 2011

Eine Reise durch Myanmar / 2

Text und Fotos: © Ingrid Malhotra

Nach der Begegnung mit dem goldenen Huhn war es tatsächlich nicht mehr weit bis zum See. Ich hatte erwartet, dass es auch hier wieder zu einem Hotel gehen würde, hoffentlich am Seeufer und hoffentlich mit einer schönen Aussicht – und hoffentlich sauber!

Aber es war hier alles ein bisschen anders. Nach der Ankunft am Seeufer wurden zuerst die Koffer und dann die Führerin und ich auf eines von unzähligen Langbooten verladen, die dort in einem Seitenarm des Sees vertäut lagen.

Langboote

Die Koffer kamen vorne in den Bug, für uns gab es zwei Stühle in der Mitte des Bootes. Kaum sassen wir, ging es los: der Motor heulte auf, das Boot bäumte sich und jagte dann los, als müsse es vor einer wilden Meute flüchten.

Hat Spass gemacht.

Nach kurzer Zeit erreichten wir den eigentlichen See, der zwar riesig gross ist, aber, wie die meisten Gewässer in Burma, nicht sehr tief.

Als eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten gelten dort die Fischer, weil sie ihre Ruder oder Paddel oder wie immer man die Dinger bezeichnen möchte, nicht mit den Händen führen, sondern mit einem Bein, das sie kunstvoll darum schlingen.

Fischer

Und tatsächlich, jedes Mal, wenn wir uns einem Fischerboot näherten, eilte sich der jeweilige Fischer ganz gewaltig, sein Paddel in die Senkrechte zu bringen und ein Bein drum herum zu wickeln – dem Ruf musste Genüge getan werden.

Und dann kamen wir zum Hotel – also, das war nun wirklich atemberaubend. Eine grosse Anlage im See mit einem stattlichen Haupthaus, wo sich Rezeption und Restaurant befanden und davon ausgehend lange Stege, die zu kleinen Bungalows führten, in denen die Zimmer und Appartements eingerichtet waren. Jedes Haus hatte seinen eigenen kleinen Anlegesteg. Die Zimmer waren wunderschön eingerichtet – hier hätte ich gerade bleiben mögen.

Hotel ⇑  ⇓ Mein Zimmer

Zum Glück war der Aufenthalt am Inle-See verhältnismässig lang, weil es dort enorm viel zu sehen gibt.

Das fängt schon im See selbst an: grosse Dörfer, ganz auf Pfählen errichtet. Unter den Häusern spielen die Kinder auf Plattformen; es gibt Schulen, Rathäuser, Handwerksbetriebe, elektrischen Strom und schwimmende Gärten! Die Gärten schwimmen tatsächlich, es handelt sich um Ansammlungen von alten Wurzeln und Pflanzenresten, die genug Tiefe haben, um darauf Gemüse und Blumen anzubauen – für Obstbäume reicht es nicht so ganz, aber immerhin!

Pfahldorf ⇑   ⇓ Schwimmende Gärten

Die einzelnen Beete sind zwei bis vier Meter breit, stabil genug, um auch Menschen zu tragen; dazwischen fahren Boote – ob es in Unteruhldingen auch so aussah, als dort noch Menschen wohnten?

Hier begegnen mir auch die Kollegen des goldenen Huhns, die auf ihren Festbarken geblieben sind. Meine Führerin erzählt, dass an hohen buddhistischen Feiertagen Bootsprozessionen über den See ziehen.

Goldenes Huhn

Aber zunächst geht es wieder an Land in einen berühmten Tempel, namens Phaungdaw Oo Pagoda. Hier gibt es fünf überaus heilige Buddha-Statuen. Sie sind so heilig, dass man ihre Form nicht mehr annähernd erkennen kann, weil sie so dick mit Blattgold belegt sind – und jeden Tag kommt mehr dazu.

Phaungdaw Oo Pagoda Sehr heilige Buddhas

Aber nur Männer dürfen ihnen Gold anpappen – die Statuen sind nämlich auch so heilig, dass Frauen sie nur aus der Ferne bewundern und anbeten dürfen!

Dann gibt es rund um den See auch viele Handwerksbetriebe, in denen man zuschauen kann, wie auf uralte Art Dinge hergestellt werden: Schmuck, Buddhas und Gebrauchsgegenstände aus Silber, wunderschöne Seidenwebereien, Papier aus alten Stoffresten, Gewebe aus Lotusfasern, Boote.

Papierherstellung ⇑  ⇓ Bootsbau

Und alles wird vor Ort hergestellt: das Garn für die Seidengewebe wird im Betrieb gesponnen und gefärbt, die Bretter für die Boote werden aus Wäldern in der Nähe gewonnen, die Farben für die Papiergegenstände werden aus Pflanzen und Erden in der nahen Umgebung hergestellt – auch die Silberminen sind nicht weit weg.

Ach ja, und es gibt auch noch ein Kloster, wo ein Mönch Katzen dressiert hat, durch einen Reif zu springen – das überwiegend amerikanische und japanische Publikum war hingerissen …

Und am Inle-See war es dann auch, wo ich einen Five Day Market besuchen konnte. Am Ufer drängten sich die Langboote, durchaus nicht nur mit Touristen. Der Markt hat zwar auch eine touristische Ecke, aber in erster Linie dient er der Versorgung der Einheimischen.

Markt

Abends ein wunderbar stimmungsvoller Sonnenuntergang, den ich von meiner Terrasse aus im bequemen Liegestuhl verfolge.

Am nächsten Morgen sitze ich nach dem Frühstück auf meiner Terrasse und geniesse die himmlische Ruhe,

Morgenstimmung

als diese plötzlich durch einen Höllenlärm unterbrochen wird. Ich dachte, irgendetwas wäre passiert und wollte mich gerade auf den Weg zum Haupthaus machen, als ich die Ursache erkannte und mich wieder beruhigt in meinen Liegestuhl sinken liess: es war nur eine Gruppe italienischer Touristen, die ihre Boote bestiegen. Etwas später trieb ein Boot vorüber, in dem ein gelangweilter junger Japaner mit rotgefärbten Haaren sass – ich habe ihn in den folgenden Tagen immer wieder angetroffen, und er wirkte immer gelangweilt …

Dann kam mein Boot, ich stieg ein und es ging los zu einem unvergesslichen Ausflug. Erst ging es mit vollem Karacho quer über den See, dann in einen kleinen Fluss, der den See speiste – hier kreuzten wir zwischen badenden Wasserbüffeln

und Kindern, die gewaltige Wasserschlachten veranstalteten, um schliesslich an einem kleinen Anlegesteg anzukommen. Hier war ein weiterer Platz für den Five Day Market vorbereitet, aber auch hier war es der falsche Tag.

Unser Weg führte jetzt durch einen ausgedehnten Bambushain, zu einer kleinen Staustufe, wo die Kinder der Umgebung ganz klar erkannt hatten, dass dies eine perfekte Wasserrutsche war, während ihre Mütter die Wäsche erledigten.

Bambushain

Ich wusste nicht so recht, was ich erwarten sollte, denn die Führerin hatte sich weitgehend in Schweigen gehüllt. Ich wusste, dass es eine Pagode geben sollte und dass sie etwas ganz Besonderes sei – aber warum? Fürchterlich heilig? Besonders heftig vergoldet? Es ging durch einen überdachten Gang, und am Ende wartete nicht eine Pagode, sondern ein riesiges Pagodenfeld – Pagoden in allen Grössen und in den unterschiedlichsten Stadien des Verfalls. Die Anlage stammt aus dem 13. Jahrhundert, und ich bin stundenlang von Pagode zu Pagode gestolpert – unglaublich!

In einer ganzen Reihe der Pagoden war trotz des äusseren Verfalls das Innere noch erstaunlich gut erhalten. Manchen sah man auch an, dass sie noch gepflegt wurden. Andere sind total windschief und werden allmählich überwuchert. Es gibt hier so vieles zu sehen, was man erst einmal versuchen muss zu verstehen, so dass ich emotional ziemlich erschöpft war, als wir endlich an die Staustufe zurückkehrten und die Wirtin, die sich dort gelegentlicher Gäste annahm, uns einen Imbiss zubereitete.

Jetzt galt es nur noch, ein paar Handwerksbetriebe zu besichtigen und fasziniert zu lauschen, wenn berichtet wurde, wie sozial doch alles ist und dabei die Arbeitsbedingungen vor Augen zu haben – aber andererseits wäre es vielleicht doch falsch, sie mit den Bedingungen hier zu vergleichen: die Frauen und Männer, die dort fröhlich schwatzend für einen Hungerlohn ihre Arbeit verrichteten, waren zufrieden. Sie verdienten genug, um für sich und ihre Familien das anspruchslose Leben zu finanzieren, das sie gewohnt waren, sie arbeiteten gerne und gut, und sie wollten allem Anschein nach nicht mehr als das.

Buddhaproduktion

⇒ ⇒ ⇒ Reisen: Myanmar / 1

⇒ ⇒ ⇒ Reisen: Myanmar / 3

Reisen: Myanmar / 3

Freitag, 18. März 2011

Eine Reise durch Myanmar / 3

Text und Fotos: © Ingrid Malhotra

Nach dem Abendessen dann noch einmal auf die Terrasse und einen unglaublich ruhigen und schönen Sonnenuntergang erleben – dann musste ich wieder mein Köfferchen packen, denn am nächsten Tag sollte es weitergehen nach Mandalay.

Und da es von Heho aus morgens keinen Flug dorthin gab, machten wir noch einen Abstecher nach Pindaya. Davon hatte ich noch nie zuvor gehört und war schon überrascht, als wir auf eine riesenhafte Anlage mit gewaltigen überdachten Treppen und sogar einem gläsernen Turm mit Aufzug zufuhren, der in dieser Umgebung so völlig deplaciert wirkte.

Pindaya

Ich bin natürlich die Treppen hinauf gegangen, denn an jeder Kehre hat man eine neue herrliche Aussicht.

Oben angekommen, fand ich eine riesige Tropfsteinhöhle vor. Allerdings waren Stalaktiten und Stalagmiten fast völlig ausgetrocknet, denn die Höhle war nicht nur randvoll von Touristen, sondern über und über mit Buddhas zugestellt, Buddhas in allen Grössen und Formen. Und natürlich reichlich mit Blattgold bedeckt …

Anschliessend flog ich dann nach Mandalay.

Mandalay – ein Name, der auf der Zunge zergeht. Zum ersten Mal kam ich mit diesem Wort in Berührung, als ich “Rebecca” las, von Daphne du Maurier. Damals fand ich den Namen so zauberhaft und romantisch, dass ich nachforschte, woher er stammte, und herausfand, dass Mandalay die ehemalige Hauptstadt von Birma war. Jetzt war ich natürlich sehr gespannt und fand auch tatsächlich, dass es in Mandalay sehr viel Schönes zu entdecken gab. Allerdings nicht so viele alte Sachen, wie man eigentlich erwarten dürfte. Die Stadt wurde ja erst 1857 gegründet und hervorragend neu geplant, es gab hier vorher keine nennenswerte Siedlung. Sie war allerdings nur 26 Jahre lang Hauptstadt. Dann kamen die Engländer, schickten den König ins Exil und verlegten die Verwaltung nach Rangoon.

Ufer bei Mandalay

Leider gibt es in Mandalay auch sehr häufige Feuersbrünste, so dass nicht mehr viele der älteren Gebäude überlebt haben – fast alle aus Holz! Aber die wenigen, die es noch gibt, sind sehr eindrucksvoll mit ihren prächtigen Schnitzereien. Und Rauchen ist in ihrer Nähe strengstens verboten!

Holzhaus

Auch die Palastanlage ist den Flammen zum Opfer gefallen, aber von meinem Hotelfenster aus konnte ich die alten Strukturen noch teilweise erkennen. Einiges ist wohl auch mehr oder minder originalgetreu wieder aufgebaut worden, aber ich durfte nicht hinein.

Natürlich gibt es auch in Mandalay viele, viele Pagoden. (Man denkt schon manchmal unwillkürlich an die Geschichte der Reiseführerin in Europa, die einer amerikanischen Touristin über die Schulter sah, als diese in ihr Reisetagebuch schrieb “ABC”. Die Führerin erkundigte sich neugierig nach der Bedeutung und erfuhr, dass dort stand “Another Bloody Cathedral”!)

Pagode in Mandalay

Aber die interessantesten und sehenswertesten Pagoden finden sich auf der anderen Seite des Irawaddy, dem bedeutendsten Fluss des Landes.

Interessant ist ja auch schon das An-Bord-Gehen – über eine schmale Planke, aber an die Balanciererei sollte ich mich bald gewöhnen.

Wann immer ich in Burma auf ein Boot oder ein Schiff wollte, dann musste ich über schmale Planken balancieren und brachte die Einheimischen zum Lachen. Am Ufer lagen neben Booten und Fähren auch Unmengen riesiger Flösse, denn hier ist ein wichtiger Umschlagplatz für Tropenhölzer, die in den höher gelegenen Wäldern geschlagen werden. Die Menschen leben auf ihren Dampfern und Flössen.

Der Irawaddy ist ein enorm breiter, aber nicht sonderlich tiefer Fluss. Zur Trockenzeit könnte man eigentlich auch hinüber waten und dabei schauen, was die Bauern auf den gewaltigen Sandbänken in der Mitte des Flusses anbauen. Aber wenn der Monsun kommt …

… sieht das hier völlig anders aus. Da gibt es keine Sandbänke mehr, und die provisorischen Hütten der Bauern und Fischer werden weggeschwemmt. Und nach dem grossen Regen tauchen die Sandbänke an völlig anderer Stelle wieder auf, die Bauern rudern hin, bauen neue Hütten und bald grünt und blüht es wieder auf den Sandbänken.

Aber inzwischen haben wir den Fluss mit dem Boot überquert und sehen oben auf dem Ufer als erstes zwei gewaltige Steinelefanten.

Und hinter denen erhebt sich etwas, das einmal eine Stupa werden sollte. Aber nicht irgendeine Stupa, sondern die grösste Stupa der Welt, 150 m hoch. Dafür, dass sie nie fertig gebaut wurde, gibt es zwei Begründungen: die eine lautet, die Statik habe ganz und gar nicht gestimmt, so dass der Bau wegen Rissbildung abgebrochen werden musste; die andere besagt, dass der Bau abgebrochen wurde, weil dem zuständigen König (Bodawpaya, 18. Jhdt.) geweissagt worden sei, er müsse sterben, sowie die Stupa fertig sei.

Nun, irgendwann ist er sicher trotz des Abbruchs der Bauarbeiten gestorben, so etwas bleibt auch Königen nicht erspart. Aber dass die Statik nicht in Ordnung war, erwies sich im März 1839 bei einem heftigen Erdbeben, das gewaltige Risse verursachte, die sich durch die gesamte Höhe des Bauwerks ziehen.

Auf der Oberfläche sind diese Risse so breit und furchteinflössend, dass ich mich über den grössten nicht zu springen traute. Aber eine Schulklasse bildete eine Art Kette, fasste mich lächelnd an den Händen und half mir hinüber.

Seither grübele ich, was 12- oder 13jährige Schüler hier wohl in vergleichbarer Situation veranstaltet hätten – Spott und Hohn? Wahrscheinlich. Oder gleichgültiges Wegschauen – das können wir ja alle gut.

Aber die Aussicht von dort oben ist es wert, überall hin zu gehen, Risse hin oder her. Man hat einen weiten Blick über das Land mit Unmengen von Pagoden überall, über den Irawaddy und über die benachbarte wunderschöne und strahlend weisse Hsinyume- oder Myatheindan-Pagode, die dem mythischen Berg Meru nachempfunden sein soll.

Beide, Stupa und Pagode, sind nicht nur extrem sehenswert, sondern auch extrem heilig, so dass sich hier alle Burmesen einmal einfinden, um zu schauen und ihre Reverenz zu erweisen.

Buddhistische Nonnen

Es gibt ein Altersheim, in dem alte Frauen, deren Familien schon weggestorben sind, vorbildlich versorgt werden (und es finanziert sich nur aus Spenden!), eine Statue eines besonders verehrungswürdigen Mönchs mit Brille

und natürlich Händler, die Devotionalien (meist Made in China) und höchst interessante Lebensmittel verkaufen.

Fast Food


Fortbewegungsmittel

Wieder zurück in Mandalay war noch eine ganze Menge anzusehen. Denn hier gibt es bei der Kutho Daw Pagode das “grösste Buch der Welt”.

Unzählige kleine Pagoden stehen in Reih und Glied, und jede enthält eine eng beschriebene Steintafel mit den Lehrsätzen des Buddhismus.

Auch die Pagode selbst ist sehenswert – sehr bunt. Übrigens gibt es häufig gleich neben den buddhistischen Tempeln auch welche für die Nats, die alten animistischen Gottheiten. Sie werden auf höchst irdische Weise dargestellt – mit schicken Klamotten, Lippenstift und lackierten Nägeln. Und so gut es eben geht, werden sie in den Buddhismus integriert – man kann ja nie wissen …

Nat

Und es gibt sogar auch noch ein sehenswertes Museum.

Im Museum

Schön und stimmungsvoll war der Blick über die Stadt zum Irawaddy vom Mandalay Hill aus bei Sonnenuntergang. Und am nächsten Tag wollten wir zügig weiter nach Sagaing. Leider hatten wir dann aber erst einmal einen platten Reifen, was beim Fahrer für grosse Aufregung sorgte und mir Gelegenheit gab, frühmorgendliche Strassenszenen zu fotografieren.

Als von irgendwoher ein Ersatzreifen ausgeliehen worden und montiert war, ging es weiter. Da ich wusste, dass die beste Jade aus Burma kommt, bat ich den Fahrer anzuhalten, als wir an einem Jadegeschäft vorbei kamen – ich hätte mir gerne einen Armreif aus apfelgrünem Jadeit gekauft – aber der Laden war fest in chinesischer Hand, und die Verkäuferin hatte solche irren Preisvorstellungen, dass ich den Plan seufzend wieder aufgab.

Zur Entschädigung schauten wir noch bei einem Steinmetz vorbei, der wie alle seine Kollegen in dieser Strasse unbeirrt einen Buddha nach dem anderen aus Marmor schnitt – nichts für Touristen.

Da war der Besuch in der kleinen Werkstatt, in der Blattgold hergestellt wurde, schon ergiebiger. Erst einmal war es interessant zu sehen, wie lange und wie kräftig die schmächtigen Kerlchen ein Klümpchen Gold hämmern mussten, bis es hauchdünn war. Und anschliessend war es durchaus unterhaltsam, den Frauen im nächsten Raum zuzuschauen, wie sie winzige Blattgoldquadrate auf Trägerpapier pappten und Pflanzenblätter mit einer dünnen Goldschicht überzogen.

Herstellung von Blattgold

Aber danach gab es kein Halten mehr. Der Fahrer bestand auf schneller Weiterfahrt, denn vor Sagaing musste er unbedingt noch zu einer Werkstatt, um den kaputten Reifen ausbessern zu lassen – der Ersatzreifen wirkte nicht richtig überzeugend.

Und wie eine burmesische Werkstatt ausschaut, sehen wir in der nächsten Folge.

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