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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Archive for the 'Reisen' Category

Bhutan – ein noch ziemlich unbekanntes Land (Folge 4 – Schluss)

Dienstag, 25. November 2008

Ausreise aus Bhutan

Text und Fotografien: © Ingrid Malhotra

Eigentlich war ich fest überzeugt, dass die Maskentänze in Thimphu nicht zu toppen seien (siehe Folge 3). Aber wie es scheint, ist Bhutan immer für eine Überraschung gut – selbst noch an den letzten Tagen, wenn man schon nur noch darüber nachdenkt, was wohl im nächsten Land Erfreuliches wartet.

Erst raubt Bhutan noch einmal den Atem – aber gründlich!

Am Abend des zweiten Maskentanztages ging es weiter in Richtung Paro, eine kleine Stadt nahe dem Flughafen. Dort gab es wieder einmal ein sehr nettes Hotel im Bungalowstil, einfach, aber trotzdem sehr gemütlich, mit netten Mitarbeitern und netten Gästen. Der Anteil an echten Globetrottern war hier für Bhutan ungewöhnlich hoch.

Und am nächsten Morgen fand ich auch heraus, warum: Taktsang. Ich hatte darüber gelesen, hatte auch Fotos gesehen und wunderte mich etwas über den Ruhm, denn in China hatte ich schon viel Vergleichbares gesichtet – dachte ich.

Aber ganz so eng an die Wand gequetscht und ganz so steil und unzugänglich waren die vergleichbaren Klöster in China denn doch nicht!

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Die grosse Frage war nun: wie komme ich da hoch? Nachdem es fast während der ganzen Reise feucht und kühl gewesen war, brannte heute natürlich die Sonne unbarmherzig vom Himmel, aber Karma wusste Rat – er hatte mir ein Reitpferd bestellt.

Hm, na ja, also, nicht, dass ich noch nie auf einem Pferd gesessen hätte. Als Kind hat man mich mal auf einer Seite hochgehoben, weil ich das lernen sollte. Ich bin dann unverzüglich auf der anderen Seite wieder hinunter gefallen, und das war’s so im Wesentlichen. Aber in China habe ich schon hie und da auf einem geführten Pferd gesessen, wenn die Wege gar zu ungemütlich waren – einen Versuch war’s wert. Wenigstens ist das Pferd klein. Aber es hat keinen Sattel! Nur eine Decke und vorne einen Strick, an dem ich mich festhalten soll. Ob das gutgeht?

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Es ging. Bis der Weg richtig steil wurde. Dann stand der Pferderücken nicht mehr waagerecht, und ich rutschte mit Decke, Strick und allem immer wieder nach hinten weg, bis ich aufgab und das Pferd von mir befreite.

Jetzt musste ich also doch hoch kraxeln. Es war steil, es war heiss, aber immer wieder gab es schöne Ausblicke, interessante kleine Rastplätze.

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Es ging eigentlich ganz gut. Bis ich dann oben war und sah, wie man über enge ausgetretene Stufen, schmale rutschige Pfade und eine wacklige Brücke über eine tiefe Schlucht hinüber zu dem Kloster gelangen konnte.

Eigentlich sieht es von hier sicher viel besser aus. Dort drüben steht man mitten drin und hat gar keinen so schönen Gesamteindruck mehr – wenn ich überhaupt in einem Stück dort ankomme!

Also, ich bleibe da, setze mich neben einen Österreicher, dem es wohl auch ein bisschen zu unheimlich war – sollte man gar nicht glauben, wo es doch da so viele Berge gibt! – und fotografiere und lasse mich endlich mal ein bisschen von der Sonne bescheinen.

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Beim Abstieg merkte ich dann, warum man immer Socken in Wanderschuhen tragen sollte. Ein Grossteil des sandigen Weges landete in meinen Schuhen. Arme Füsse …

Auf der Rückfahrt sehe ich dann auch endlich einmal einen schneebedeckten Berg – keinen von den ganz hohen, aber immerhin: Es ist Schnee darauf. Nach so vielen nebelverhangenen und verregneten Tagen wird man ja bescheiden.

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Dann besuchen wir noch einen alten Dzong, der vor Jahrzehnten abgebrannt ist,

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und das Briefmarkenmuseum. Bhutan macht sensationelle Briefmarken! Sogar aus Metall! Leider gab es dort keine davon zu kaufen. Aber schöne Ausblicke über das Paro-Tal

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und über ein idyllisches Dorf mit Chilies, die auf den Hausdächern zum Trocknen ausgebreitet waren, Pferdehändlern,

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einem uralten Räucherofen.

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Das war ja auch nicht schlecht.

Paro selbst stellte sich als eine recht verschlafene kleine Stadt heraus mit sehr hübschen Häusern und einer prächtigen Allee, und natürlich einem gewaltigen Dzong.

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Abends gab es im Hotel eine Überraschung: Wir haben zum Abschied am offenen Feuer gegrillt und uns gegenseitig Volkslieder aus unserer jeweiligen Heimat vorgesungen. Das war sehr romantisch!

Und am nächsten Tag ging es bergab. Zuerst der übliche Stau, weil wir noch ein Stück Richtung Thimphu fahren mussten.

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Aber dann ging es hinunter in ein Tal, hinauf auf den nächsten Bergkamm, vorbei an unzähligen Wasserfällen, und noch ein Tal, und wieder ein Kamm, auf und ab …

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Mittags eine kurze Rast. Ich sass draussen, fotografierte ein bisschen die umliegende Natur, als ein kleiner Junge ankam – sehr ordentlich gekämmt, festlich angezogen – und versuchte, sich mit mir zu unterhalten. Aber wir hatten keine gemeinsame Sprache. Also zeigte er mit Händen, Füssen und Grimassen, dass ich ihn fotografieren solle. Das habe ich natürlich gerne getan, und er hat posiert, als ob dies seit Urzeiten sein Beruf sei.

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Und wenig später ging es richtig bergab. Das sieht nicht nur von unten so aus, als ob der Himalaja wie eine 2000 Meter hohe Wand über Indien steht – das ist so.

Aber eben deshalb wollte ich ja unbedingt mit dem Auto nach Indien weiterreisen. Dort hinunter zu fahren, stellte ich mir enorm spannend vor. Und das war es auch.

Die Wand war steil. Und in jeder Haarnadelkurve lag irgendwo weit unten die nordindische Ebene, mit Flüssen und Städten, Dunst und Hitze.

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Hier oben war es angenehm: reiche Vegetation, klare frische Luft, Ruhe …

Häufig gab es dichte Nebelbänke – kein Wunder bei den Temperaturunterschieden zwischen unten und oben. Oben Nebel, unten diesig – man sah nicht viel, aber immerhin gewann man einen unangenehm deutlichen Eindruck davon, wie hoch und wie steil die Wand war, an der sich das Auto hinunter tastete. Und die zahllosen indischen Lastwagen, die zwar bunt bemalt waren und von vielen Götterbildchen geschützt wurden, sonst aber völlig verkehrsuntauglich waren, haben auch nicht wirklich Mut gemacht. Höchstens bei dem Gedanken: “Wenn die das können, dann können wir das auch!”

Wenigstens war die Strasse nicht so elend schmal wie die von Thimphu nach Osten …

Aber schliesslich waren wir unten, die Häuser sahen jetzt indisch aus, keine Schnitzereien und bemalten Wände mehr, und ein Warnschild liess den Schluss zu, dass die Bhutanesen nicht allzu hoch vom Sauberkeitsempfinden ihrer südlichen Nachbarn denken.

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Wir fuhren nach Phuentsholing hinein, wie die Grenzstadt auf der Bhutan-Seite heisst. Eine hübsche Kleinstadt, zwar mit indischer Architektur, aber sauber und ruhig. Fussgänger auf den Bürgersteigen, Fahrzeuge auf der Fahrbahn. Freundlich lächelnde Menschen. Sehr ordentlich.

Mitten im Ort eine Art Torbogen, durch den wir hindurchfahren mussten, um in den indischen Teil der Stadt namens Jaigaon zu kommen.

Auf der anderen Seite das Pandämonium!

Radau aus unzähligen Lautsprechern und Autohupen. Fussgänger auf der Fahrbahn, Rindviecher auf der Fahrbahn, Müllberge auf der Fahrbahn, Fahrzeuge auch. Und das gleiche Bild auf den unbefestigten, so genannten Bürgersteigen.

Alles starrte vor Schmutz. Bettelkinder drängten sich an die Fenster des Wagens. Auch sie starrten vor Schmutz. Meine Kamera schien ihnen besonders gut zu gefallen. Eigentlich war es zu warm, um die Fenster hochzukurbeln, aber bei dieser Masse gieriger Hände, dem Lärm und dem Gestank war das wirklich das kleinere Übel.

Wenn man nach der Ankunft in Indien das Flughafengebäude verlässt, ist der Kulturschock ja schon immer gewaltig. Aber wenn man aus einem so ruhigen Land wie Bhutan mit seinen ehrlichen, freundlichen und unaufdringlichen Menschen kommt, dann ist die Ankunft in Indien ganz besonders fürchterlich.

Ich will zurück …

Die Grenzformalitäten dauern ewig. Bis die Beamten alle Seiten meines Passes und meines Visums auswendig gelernt hatten, unzählige Stempel in unzählige schmuddelige Bücher geknallt hatten, das dauerte. Sie waren ja nett, aber alle Einträge mussten mehrmals und von Hand vorgenommen werden. Alles musste gestempelt und dann ins Nebenzimmer geschickt werden, damit auch dort noch einmal jemand eine Chance zum Stempeln erhielt.

Aber schliesslich war alles erledigt, ich musste mich von meinen beiden Jungs verabschieden und fuhr mit meinem assamesischen Führer weiter, durch endlose Teeplantagen in Richtung Darjeeling.

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Schluss

( Folge 1Folge 2Folge 3)

Eine Kreuzfahrt, die ist lustig …

Samstag, 20. September 2008

Eine Kreuzfahrt, die ist lustig

Text: Ingrid Malhotra
Buchautorin und Fotografin

Fotografien: Ingrid Malhotra und Marion Toelle (2)

Wirklich?

Auch auf einer schwimmenden Kleinstadt?

Wir machen gerne Kreuzfahrten – wir, das sind vier Freunde, die viel unterwegs sind, mal alleine, mal zu zweit, mal zu viert.

Aber eine Kreuzfahrt auf einem dieser Riesendampfer können wir uns nur sehr schwer vorstellen. Deshalb sind wir ja auch so neugierig. Und deshalb haben wir auch nur die kleinstmögliche Kreuzfahrt gebucht: Southampton – Cork – Southampton.

Länger haben wir uns nicht getraut, denn uns steckt noch die Kreuzfahrt mit einem der Schiffe mit dem Kussmund in Erinnerung. Dort war der Altersdurchschnitt so niedrig, dass wir direkt alt aussahen. Irgendwie ziehen wir amerikanische Schiffe vor; dort ist der Altersdurchschnitt meist so hoch, dass wir uns fast wie die Kinder an Bord fühlen …

Die „Independence of the Seas“ ist ein amerikanisches Schiff.

Aber so gross! Fast 160.000 BRT, über 338 m lang, 1400 Mann Besatzung, Kapazität für 3328 Passagiere, 14 Etagen, hm, nein, Decks …Kann man sich auf einem so grossen Schiff noch wohl fühlen?

Na, mal sehen …

Die Anreise macht auf jeden Fall schon viel Spass: mit dem ICE nach Brüssel, nach (eher weniger spassigem) Check-in wie bei einer Flugreise weiter mit dem Eurostar unter dem Kanal hindurch nach London. Eine hatte Angst, klaustrophobisch zu werden beim Gedanken, dass so viel Wasser über ihrem Haupte fliesst, aber sie hat es einfach verschlafen.

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In London ist der alte Bahnhof St. Pancras gleich bei King’s Cross für den Eurostar wieder in Betrieb genommen worden, und bei dieser phantastischen Mischung aus viktorianischer Prachtarchitektur und modernster Technik stand ich schon mit offenem Munde da und staunte nur noch. Aber der wäre eine eigene Reportage wert – hier geht es um die Kreuzfahrt!

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Southampton, wir stehen am Kai und schauen auf das Schiff; und selbst bei uns vieren kommt das ganze Spektrum an Kommentaren – von “hab ich mir grösser vorgestellt” bis „Mann, was für ein Kasten“.

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An Bord sind wir schnell, nachdem wir ja schon in – sehr – mühevoller Kleinarbeit online eingecheckt hatten (das könnte man sicher besser und praktischer programmieren!), auch unsere Kabinen finden wir überraschend schnell, und dort erwartet uns eine sehr angenehme Überraschung: kaum 12 qm, aber geräumig und grosszügig wirkend, mit richtigen Betten, vielen Spiegeln, einer gemütlichen Sitzecke und einem raffinierten kleinen Duschbad.

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Vom Steward with love …

Gut, später, als wir andere Passagiere sehen, fragen wir uns schon, wie die eine oder andere in die Dusche hineinkommt, aber für uns reicht es. Alles genial durchdacht. Da hatten wir schon auf sehr viel teureren Schiffen sehr viel engere und liebloser eingerichtete Kabinen.

Jetzt noch fix häuslich einrichten und zur ersten Erkundungstour starten.

Kurze Verzögerung durch die obligatorische Seenotrettungsübung, aber dann!

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Seenotrettungsübung

Zunächst geht es zur “Royal Promenade”, einer Einkaufsstrasse, auf die so manche Kleinstadt stolz wäre: Läden, Bars, Restaurants, Friseur, sogar ein richtiger Barbier.

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Royal Promenade

Am anderen Ende gibt es Restaurants der unterschiedlichsten Art und Grösse auf allen Etagen. Wir trinken erst einmal einen Kaffee in einem der Selbstbedienungsrestaurants ganz oben und schauen auf Southampton hinab. Als das langweilig wird, gehen wir nach draussen, um den Pool anzuschauen.

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Für Schwimmer

Pool? Das ist kein Pool! Das sind gewaltige Wasser- und Badelandschaften – so viele Whirlpools habe ich noch nie auf einem Fleck gesehen! Und oben darüber gibt es als Krönung etwas, das nennt sich “Flow Rider”, wo man sich mit einem Board in eine Gegenstromanlage stellt und versucht, nicht ins Wasser zu fallen.

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Wasserlandschaft

Ergänzt wird das Ganze durch mehrere Bars und Imbissstände – nur nicht verhungern! -, durch einen einschüchternd gut ausgestatteten Fitnessraum – mit Aussicht, nicht, wie meistens, irgendwo unten im Bauch des Schiffs versteckt, ein Beauty Parlour, Sauna, und, und, und …

Zwei von uns sind vom Hingucken schon völlig erschöpft und wir lassen uns an der “Royal Promenade” in einen Barsessel sinken, wo wir prompt das Auslaufen des Schiffs verpassen.

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Eine der vielen Bars

Man merkt es nicht, wenn dieses Riesenteil sich in Bewegung setzt. Überhaupt bemerkt man Bewegung nur, wenn etwas Seegang oder eine lange Dünung herrschen. Hier seekrank zu werden, stelle ich mir schon etwas schwieriger vor.

Auf dem Weg zum Abendessen haben wir Gelegenheit, die Fotos anzusehen, die bei der Ankunft von uns gemacht wurden – grauenhaft, breiten wir den Mantel des Vergessens darüber und widmen uns dem Zusammenfinden; das ist gar nicht so einfach, denn man hat uns, obwohl wir gemeinsam reisen, verschiedenen Restaurants zugeteilt, und vor dem Maître d’ wartet ungeduldig eine lange Schlange – wohl mit ähnlichen Problemen. Der Kellner regelt es dann unbürokratisch und setzt uns einfach zusammen, was kein Problem ist, weil man dem jungen Ehepaar, das mit am Tisch sitzt, zwei nicht vorhandene Kinder angedichtet hat – wir kriegen also deren Plätze und sind wieder vereint.

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Ein Häppchen für zwischendurch …

Nach einem opulenten Mahl wollen wir eigentlich noch schauen, was in einem der Theater am anderen Ende des Schiffs aufgeführt wird, merken aber schnell, dass wir ganz allmählich einschlafen, während auf der Bühne jemand singt, und ziehen uns lieber in unsere Kabinen zurück.

Das Programm für den kommenden Tag bietet, ausser der Ankunft in Cobh, dem Hafen der irischen Stadt Cork, überwiegend Verkaufsveranstaltungen – eine gute Gelegenheit zu weiteren Erkundungsgängen. Ich nehme mal meinen Schrittzähler mit und stelle nachmittags doch leicht erstaunt fest, dass ich gut zehn Kilometer gelaufen bin! Wieso nimmt man eigentlich bei Kreuzfahrten immer so viel zu?

Muss wohl am Essen liegen …

Nun, was haben wir noch gefunden? Ein grosses Casino, einen kleinen Golfplatz, eine grosse Kletterwand, einen Sportplatz – man könnte hier wirklich sehr viel trainieren. Könnte …

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Casino

Aber da ist ja noch die Royal Promenade. Heute, auf hoher See, sind die Läden geöffnet. Da muss man doch mal schauen, oder? Aber, na ja, so richtig umwerfend ist das Angebot nicht, finde ich.

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Royal Promenade

Aber richtig umwerfend finde ich die Eisbahn am anderen Ende des Schiffs! Gut, wenn ich Schlittschuhe anschnallen würde, wäre ich wohl tatsächlich schnell umgeworfen, aber schon allein die Tatsache, dass es so etwas an Bord eines Schiffes gibt … Auch wenn sie dort Bingo spielen, als ich hineinschaue …

Auf der Royal Promenade verteilt jemand Karten für eine Eisrevue! Schnell hin, und Glück gehabt: Ich habe noch vier ergattert, allerdings erst für den letzten Tag.

Aber jetzt nähern wir uns der Hafeneinfahrt von Cobh. Viele vorgelagerte Inseln, Raffinerien, alte Befestigungsanlagen und dann ein Hügel voller farbenfroher Häuser, überragt von einer gewaltigen Kirche.

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Cobh (Irland)

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Wir gehen an Land und mieten einen Wagen, fahren nach Cork und schauen uns die Stadt an.

Nett. Interessante Strassenbeleuchtung.

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Strassenbeleuchtung in Cork (Marion Toelle)

Abends gehen wir in Cobh in ein Pub und stellen fest, dass die Klischees über die Iren doch sehr zu stimmen scheinen. So sehr, dass eine aus unserer Gruppe nach einem entsetzten Blick auf die Männer an der Bar das Weite sucht. Am nächsten Tag fahren wir dann zum Rock of Cashel, einer Burganlage, deren Anfänge auf das 4. Jahrhundert zurückgehen. Hier herrschten über Hunderte von Jahren die Könige von Munster, und viele Legenden spinnen sich um die Anlage. Erklärt wurde sie uns von einem Iren, der als einer der Könige auftrat – enorm eindrucksvoll.

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Rock of Cashel (Marion Toelle)

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Rock of Cashel

Ich habe fotografiert wie verrückt – und dann ist der Chip kaputt gegangen! Zum Glück haben die anderen auch fotografiert und helfen gerne aus. Aber ansonsten hilft da alles nichts: ich muss noch einmal hin. Das wird nicht besonders schwerfallen, denn schon aus dem bisschen Irland, das wir gesehen haben, wird klar, dass es ein wunderschönes Land ist, in das man gerne zurückkehrt.An Bord zurück müssen wir uns beeilen, denn heute findet das festliche Abendessen statt, zu dem wir uns doch alle möglichst schön machen wollen – na ja, so schön es halt geht in der Hast und Eile.

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Ein Treppenhaus

Aber wirklich – heute zeigen alle, was sie können, und in Einzelfällen ist das schon beachtlich!

Eigentlich sollte der bedauernswerte Kapitän eine Rede halten und danach für Fotos mit den Passagieren herumstehen. Aber es gab eine Hubschrauberrettungsübung, was ihn – sicher zu seiner grossen Freude – längere Zeit verhindert hat.

Eigenartigerweise erwies es sich am nächsten Tag als gut, dass die Übung stattgefunden hatte, denn es kam zum Ernstfall. Was mich dabei am seltsamsten berührte, war eine Durchsage kurz nach dem Hubschraubereinsatz, dass die Hellsehersitzung und die Séance “aufgrund unvorhergesehener Umstände” ausfallen würden ….

Zufall?

Ansonsten war dies ein ganzer Tag auf See, mit vielen Gelegenheiten, sich gründlicher umzuschauen, sich sportlich zu betätigen oder, ja was wohl, einzukaufen.

Also schauen wir uns um, essen ein wenig, auf Sport habe ich keine Lust, die Geräte im Fitnessraum wirken doch gar zu einschüchternd, zum Schwimmen ist es zu kalt, da esse ich doch lieber noch etwas …

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“Ameryptischer” Salon

Und ich erhalte eine Nachricht vom Zahlmeister über meine Ausgaben – verbunden mit der Aufforderung, schleunigst zu bezahlen, da ich bei dieser Ausgabenhöhe sonst nicht mehr kreditwürdig sei. Das überrascht mich schon ein wenig, denn ich hatte gar nicht so viel ausgegeben. So schlecht kann mein Gedächtnis doch gar nicht sein, dass ich soo viel vergessen habe. Ich wandere also – ziemlich aufgeregt – zum Zahlmeister beziehungsweise seinen Mitarbeiterinnen, wo schon eine lange Schlange steht. Meine Kabinengenossin kommt zum Glück mit. Wirklich ein Glück, denn man hat, während wir ahnungslos in Irland herumfuhren, kurzerhand alle ihre Ausgaben bei ihr storniert und meinem Konto angelastet. Bis das geklärt war und die Mitarbeiterin akzeptiert hatte, dass da ein Fehler vorlag, das dauerte etwas. Es ging weiter damit, dass sie versuchte, von meiner Freundin den Betrag zu kassieren, den sie mir schuldete. Sehr, sehr wirr. Da das Abrechnungssystem ausgefallen war, konnte keine endgültige Abrechnung erstellt werden, und wir warten jetzt in atemloser Spannung darauf, was uns wohl ins Haus flattern wird.

Danach waren meinem Einkaufsdrang enge Grenzen auferlegt, denn noch einmal der Warteschlange und den Rechenkünsten der Besatzung wollte ich mich nicht aussetzen, und man konnte nur mit Schiffskarte einkaufen – jedenfalls an den meisten Stellen.

Mittags kam dann die Eisrevue. Umwerfend! Ganz ohne Übertreibung: umwerfend. Erstklassige Leute, hervorragende Choreographie. Wunderschön!

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Eisrevue

Dieser Höhepunkt nahm mir ein wenig den Wind aus den Segeln. Zu toppen war das nicht, das Schiff dümpelte irgendwo vor der englischen Küste herum, weil ja noch ein ganzer Nachmittag und eine Nacht “totzuschlagen” waren vor der planmässigen Ankunft in Southampton. Gesehen hatte ich eigentlich alles, die anderen waren nicht aufzufinden. Wie, um alles in der Welt, sollte ich die Zeit verbringen – es war immer noch zu kalt, um ins Wasser zu gehen.

Ach ja, war da nicht eine Werbung für Stoffwechselmessungen und Beratung, wie man einen – in meinem Fall eindeutig viel zu lahmen – Stoffwechsel ankurbeln kann? Also, zurück ins Fitnessstudio. Ein sehr junges, schlankes und gut trainiertes Mädchen erklärte mir, dass der Test nur Sinn macht, wenn ich dann gleich für viele hundert Euro Nahrungsmittelergänzungen von ihr erwerbe. Da ich das dringende Gefühl hatte, dass man mich hier für dumm verkaufen wollte, guckte ich skeptisch, was sie zu der Frage veranlasste, ob ich wohl durch ihre fachmännischen Erklärungen „puzzled“ sei. Da war ich denn doch etwas gekränkt und entschwand.

Lief noch ein wenig herum, lachte über die Fotos, die von uns gemacht worden waren, guckte anderen Leuten zu, die auch herumliefen, bestaunte nochmals ausgiebig die unglaubliche Architektur des Schiffes, fuhr ein paar Mal mit den Panorama-Aufzügen auf und ab, traf schliesslich die anderen in einer Bar. Und da blieben wir, bis es Zeit war, sich für das Abendessen umzuziehen.

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Ein weiteres Treppenhaus

Ein letztes opulentes Mahl, ein letzter Versuch, dem Showprogramm etwas abzugewinnen, ein letzter Gang durch das Casino, und dann noch eine letzte Nacht beim sanften, kaum merklichen Wiegen des Schiffes –

und dann ein Höllenlärm!

Erster Gedanke: Titanic

Aber der verschreckte Blick aus dem Fenster zeigt, dass wir nur in Southampton angekommen sind, und es der Besatzung enorm wichtig zu sein scheint, uns schnellstens wach und von Bord zu kriegen.

Ein letztes Frühstück, bei dem wir alle heftig ins Grübeln kommen, warum plötzlich der Service so schlecht ist: waren die Trinkgelder zu gering? Oder haben die Leute ihren Speichervorrat an Freundlichkeit und Aufmerksamkeit in den vier Tagen aufgebraucht und müssen jetzt sparen, damit für die neuen Passagiere noch etwas übrig ist?

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Gulliver im Legoland

Seltsam. Nun, wir werden das Rätsel wohl nie lösen, denn so interessant das Schiff auch ist und so überwältigend das Gebotene – es ist uns einfach viel zu gross …

Eine Reise ins Innere der Mongolei (Folge 1)

Montag, 8. Februar 2010

Eine Reise ins Innere der Mongolei (1)

Text und Fotografien: © Ingrid Malhotra

Vor einiger Zeit hatte ich einmal Gelegenheit, eine Gruppe durch die Innere Mongolei zu begleiten. Nun bin ich nicht gerade der Typ für Gruppenreisen, aber wie war das noch: Einem geschenkten Gaul …

Und es stellte sich doch auch als recht interessant heraus, zu sehen, welche Pflichten ein Reisebegleiter so hat, und die Gruppe zu beobachten. Angefangen bei der Erschöpfung, mit der die Teilnehmer unmittelbar nach der Ankunft mit gewaltigem Jetlag und bei glühender Hitze durch den Sommerpalast und den Himmelstempel stolperten (ich war selbst überrascht, wieviel ich bei meinem ersten Besuch unter ebensolchen Bedingungen nicht gesehen hatte – zumindest dieser Reiseveranstalter mutet das seinen Kunden jetzt nicht mehr zu!), über den Bayern, der auf der Fahrt nach Datong ungeduldig auf die hohen Berge wartete (die leider ganz woanders sind!) bis zu den Damen, die gegen Ende der Reise grosse Mühe hatten, ihre gegenseitigen Abneigungen mit einiger Höflichkeit zu überspielen.

Gruppendynamik ist schon etwas sehr Interessantes!

Aber noch interessanter war die Reise selbst.

Denn die Innere Mongolei steht in totalem Kontrast zum Osten Chinas.

Hier quirliges Leben, Moderne, phantastische Restaurants, Kulturleben, Chic – selbst beim Radfahren tragen die Chinesinnen gerne Hut und die höchsten Absätze der Welt!

Dort, ja, Mao-China wie aus dem Bilderbuch – grauer Städte Mauern, Parolen auf Wänden und Spruchbändern, Lautsprecher auf den Hauptplätzen der Städte, aus denen abwechselnd martialische Musik und martialische Sprüche ertönen, und viele tragen noch immer die Mao-Uniform mit Schlabberhose und Tunika.

Gleichzeitig ist unübersehbar, wieviele Spuren uralter Kultur es hier gibt, und durchaus nicht nur Spuren der Han-Chinesen. Hier haben viele Völker ihren Fingerabdruck hinterlassen …

Aber zurück zur Fahrt. Von Beijing ging es mit einem kleinen Bus zunächst zur Grossen Mauer, wo es regnete und erstaunlichweise fast alle Chinesen mit dem gleichen hellblauen Plastikregencape herumwanderten … Gab ein interessantes Bild.

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Und die Mauer ist auch wirklich sehr fotogen, wie sie Berge hinauf- und hinunterklettert, mit Türmen und Stufen und breiter Mauerkrone und immer wieder Öffnungen, durch die man in die Landschaft und gelegentlich auch auf die Seitenansicht der Mauer selbst schauen kann

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Auch interessante Souvenirs gab es – alles made in China, aber zum Glück nicht alles aus Plastik. Liu, unser Führer, trank Tee, in dem eine Blüte lag, die während des Trinkens aufging – sehr eigenartig.

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Dann ging es weiter, eine lange eintönige Fahrt. Die chinesischen Autobahnen sind gut, aber sie ziehen sich in diesem unendlichen Land. Liu erklärte uns, was wir sehen würden, die Raucher klärten, wie oft es Zigarettenpausen geben würde, der Bayer wurde immer hibbeliger, weil keine grossen Berge in Sicht kamen, nur eine endlose Reihe von grauen, felsigen Hügeln zog sich neben der Autobahn entlang.

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Schliesslich gab es einen willkommenen Aufenthalt in einer Fabrik, in der Schmuck aus Süsswasserperlen hergestellt wurde. Das hat uns Frauen natürlich sehr viel Spass gemacht.

Dann ging es weiter. Auf der Gegenfahrbahn kam ein Kohlenlaster nach dem anderen entgegen. Sie würden sich am Stadtrand von Beijing aufreihen und nach Büroschluss in die Stadt fahren, damit der Energiebedarf für den kommenden Tag gedeckt werden konnte. Unser Fahrer wies schon jetzt darauf hin, dass wir bei der Rückkehr schnell sein müssten, damit wir vor den Kohlenlastern in die Stadt kämen …

Endlich erreichten wir Datong. Regen, Plattenbauten, bedrückende offizielle Gabäude – schon ein Vorgeschmack auf den Westen Chinas.

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Aber Datong ist Ausgangspunkt zu zwei ganz grossen Sehenswürdigkeiten, dem Hängenden Kloster und den Yun-Gang-Grotten. Zunächst fuhren wir über den Huang-Ho,

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den Gelben Fluss, zum Hängenden Kloster.

In einem, dank einer hohen Staumauer hufeisenförmigen Tal quetscht sich dieses äusserst schmale Kloster an eine steile Felswand, die selbst nicht übermässig stabil wirkt.

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Nach dem Aufstieg, der trotz glühender Hitze nicht so anstrengend ist, wie zunächst befürchtet, quetscht man sich durch einen schmalen offenen Gang mit phantastischen Ausblicken, insbesondere auch zur Staumauer, der man sich durch ein weit aufgerissenes Drachenmaul nähern kann,

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vorbei an Altären und engen Zugängen ins, wie ich zunächst erwartete, finstere Innere des Berges – es waren aber nur schmale dunkle Räume auf Stelzen. Altäre gibt es hier nicht nur für den Buddha, sondern auch für Tao-Gottheiten, die in China durchaus noch nicht vergessen sind. Fotografieren ist leider verboten, aber mit den kleinen Digitalkameras kann man trotzdem hie und da unauffällig ein Foto machen. Dann wird man halt von der Aufseherin ein bisschen beschimpft …

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Über unseren Köpfen chinesisch geschwungene Dächer mit Schutzgöttern auf den Ecken.

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Ehe wir wieder in den Bus steigen, noch einmal einen Blick hinauf, zu den Stangen, auf denen dieses fragile Nest ruht.

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Und weiter geht es.

Nach einer Weile entlang der ewig gleichen Hügelkette ändert sich die Landschaft. Wir kommen in einer weiten, leicht welligen Lösslandschaft an, in welche der Regen tiefe Schluchten gegraben hat, und fahren vorbei an von der Moderne weitgehend unberührten Dörfern zur nächsten Zigarettenpause.

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Dort wachsen urplötzlich Männer, Frauen und Kinder aus dem Boden, die sich eifrig bemühen, uns selbstgebastelte Souvenirs zu verkaufen: gestrickte und gehäkelte Figuren, selbstgeschnitzte Buddhafigürchen – ich glaube, keiner von uns geht ohne eine Neuerwerbung in den Bus zurück.

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Wieder geht es durch Datong, wo uns im Vorüberfahren ein überaus heroisches Monument auffällt,

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dann kommen wir zu den Yun-Gang-Grotten.

Wer immer eine China-Rundreise gemacht hat, kennt die Long-Men-Grotten und vielleicht auch die von Dazu; diese hier sind nicht sehr bekannt; aber mir scheinen sie bei weitem die eindrucksvollsten zu sein. Beim Eingang sieht alles noch bescheiden aus: ein troddelgeschmücktes Kamel hier,

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Ballons dort, und wenn man dann auf die Anlage zugeht, sieht man, dass schmale Häuser halb in die Grotten hineingebaut sind. Dort wohnen bis heute buddhistische Mönche. Und dann steht man vor dieser immensen Felswand

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voller Löcher und Höhlen, mal schimmert es bunt aus dem Dämmerlicht des Inneren,

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mal schaut von weit oben ein gewaltiger Buddha auf mich herab.

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In manchen Höhlen findet sich nur eine schlichte Stele, in anderen wimmelt es von Figuren und Reliefs.

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Manche Grotten sind flach und von aussen ganz schlicht, andere haben kunstvolle Säulen vor der Pracht des Inneren. Die Anlage ist riesig und absolut überwältigend …

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Aber es geht schon wieder weiter. Unterwegs besuchen wir einen Bauernhof – darüber fühlte ich mich jetzt natürlich sehr erhaben, aber es half alles nichts. Ich musste mit, und ich durfte auch nicht darüber sprechen, wie stark sich die Ansichten chinesischer Bauern zum Thema Hygiene von den meinen unterscheiden – schliesslich sollte den anderen die Illusion erhalten bleiben, dass dies ein spontanes Intermezzo sei und dass alle Bauern dort gastfeundlich sind und sich gewaltig über den Besuch einer Horde Langnasen freuen.

Naja, ich schäme mich ein bisschen! Die Leute haben sich tatsächlich gefreut, haben erklärt, wie sie ihre Arbeit machen, die Teegläser waren blitzsauber poliert, und das kleine Mädchen, das so bereitwillig für unsere Fotos posierte, war entzückend.

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Folge 2

Eine Reise ins Innere der Mongolei (Folge 2)

Sonntag, 28. Februar 2010

Eine Reise ins Innere der Mongolei (2)

Text und Fotografien: © Ingrid Malhotra

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Und weiter geht es, über Baotou, eine “Kleinstadt”, in der gerade eine überaus wohlgeordnete Demonstration stattfindet,

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und das Lamakloster Wudanshao, das einen sehr tibetischen Eindruck macht,

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zu den Ausläufern der Wüste Gobi, den sogenannten singenden Dünen.

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Hier ist ganz schön was los! Empfangen werden wir, wie meist in Touristenzentren, von Trachtengruppen, die Tänze aufführen und generell exotisch aussehen. Dann geht es per Seilbahn auf die Dünen. Einige von uns – auch ich – müssen mit sanfter Gewalt aus dem Souvenirshop gezerrt werden, weil es dort wunderschöne Kaschmirpullover gibt.

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Jetzt schaukeln wir also über die singenden Dünen – man hört sie zwar, aber nicht singen! Eher Motorgeknatter und Freudengeschrei, denn hier rutschen die Leute mit allem den steilen Sandhang herunter, was man nur für diesen Zweck nutzen kann – mit oder ohne Motor.

Wir hingegen gehen ganz gesittet zu den Kamelen, kriegen jeder eins zugeteilt und sitzen auf. Danach reiten wir zu einer nahegelegenen Oase und fotografieren uns gegenseitig. Ausserdem haben wir Gelegenheit festzustellen, dass Kamele sehr zärtlichkeitsbedürftig sind. Ich streichle meins, und nicht nur kann es gar nicht genug kriegen und verrenkt sich gewaltig für noch mehr Streicheleinheiten, auch die Kamele davor und dahinter rücken heran und wollen etwas abhaben.

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Uns ach so erfahrene Kamelreiter bringt das schon ein wenig in Verlegenheit, aber der Kameltreiber sorgt bald für Ordnung.

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Und danach fahren wir nach Hohhot.

Hohhot? Merkwürdiger Name! Nie gehört! Wo liegt das, und was ist das? Oh, das ist die Hauptstadt des Autonomen Gebietes Innere Mongolei und hat weit über zwei Millionen Einwohner. Hohhot bedeutet “Blaue Stadt” – ich weiss aber nicht warum. Es gibt eine nette kleine Altstadtstrasse mit hochinteressanten Antiquitätenläden und, ja, dann gibt es den Tempel der Fünf Pagoden.

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Sonst hat die Stadt nicht viel zu bieten, höchstens merkwürdige kleine Läden, in denen man erstaunlicherweise hochmodische Kaschmirkleidung kaufen kann, und noch phantastischere Strassenbeleuchtungen, als man sie in China schon gewohnt ist, breite Strassen ohne Verkehr, baulichen Mischmasch,

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aber der Tempel der Fünf Pagoden entschädigt für das alles – sogar für die Lautsprecheranlage auf dem weiten Platz vor dem Hotel, die bis abends martialische Musik durch die Fenster schmetterte. Ein wunderschön harmonisches Bauwerk mit unglaublich feinen Steinmetzarbeiten

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und einer Pergola aus Schlangenkürbissen:

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Darauf sind die Mönche ganz besonders stolz!

Am nächsten Tag geht es weiter. Jetzt kommt das, was ich mir unter der Inneren Mongolei, eigentlich überhaupt unter Mongolei vorgestellt habe. Das Grasland. Hier kann man sich Attila vorstellen und die Reiterhorden des Dschingis Khan. Was sonst soll man hier auch tun als reiten? Eine endlose, leicht gewellte Hochebene voller Gras. Und noch mehr Gras. Gelegentlich wird das Gras unterbrochen von Spuren,

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einem Steinhügel zur Verehrung irgendeines Gottes

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oder einem merkwürdigen Gefährt am Strassenrand.

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Manchmal auch vom Gelben Fluss, einem einsamen Grab oder äusserst spärlichen Resten aus der Anfangszeit der Grossen Mauer.

Und irgendwann kommt das grosse Erlebnis Nummer eins: ein Bauernhof. Früher waren die Mongolen Nomaden und wohnten in Jurten. Das dürfen sie heute nicht mehr. Man hat ihnen bemerkenswert hässliche Betonhäuser hingestellt,

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in denen sie pflichtgemäss leben und ihre Gäste bewirten.

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Daneben stehen noch die Jurten – die dürfen sie während der Saison an Touristen vermieten. Sie sollen bei japanischen Hochzeitspärchen besonders beliebt sein …

Und dann kommt Höhepunkt Nummer zwei: Touristenzentrum, Reiterhof, Gaststätte? Schwer einzuordnen. Jedenfalls wird unser kleiner Bus herzlich begrüsst mit Mongolen und Mongolinnen in bunter Faschingsseide, Schnaps und Pferden.

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Auch hier gibt es Jurten. Sie stehen in Reih und Glied wie eine Reihenhaussiedlung.

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Am Rand stehen die Pferde auf grossen Koppeln. Während wir noch die Pferde begrüssen, kommen ein paar richtig grosse Busse – die werden natürlich sehr viel emphatischer begrüsst: Wilde Reiter sprengen ihnen entgegen und geleiten sie auf den Busparkplatz. Dort stehen auch monglische Touristen herum, die sich höflich lächelnd über das Schauspiel wundern.

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Drinnen im Gasthaus gibt es dann ein grosses Essen – viel Hammel, viel Schnaps – und Musikdarbietungen, die, das muss ich fairerweise zugeben, nicht flüchtig abgespult werden, sondern so dargeboten werden, dass man sich wirklich als willkommener Gast fühlt und nicht als ein Touri von Tausenden …

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Und dann fahren wir zurück nach Beijing und verstehen, warum unser Fahrer schon auf dem Hinweg in düstere Prophezeiungen ausgebrochen ist, was alles sein wird, falls wir nicht vor den Kohlelastern die Stadtgrenze passieren.

Natürlich kommen wir zu spät.

Und natürlich stehen wir bis weit in die Nacht im Kohlenstau!

→   Folge 1

Römische Impressionen

Dienstag, 8. Juli 2008

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Römische Impressionen vom Juni 2008

(Fotografien: © Jürgen und Rea Reinwald)