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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Archive for the 'Politik angeklickt' Category

Bad Bank – Good Bank ?

Freitag, 15. Mai 2009

Nun also soll sie kommen – die Bad Bank.

Herrlich – alles in Denglisch! Denglisch ist gut – verschleiert so schön die rüde Wirklichkeit.

By the way: Kriegt die Bad Bank denn auch Banker? Und wie heissen diese Leute dann: Bad Banker oder Badbanker? Will denn heutzutage überhaupt noch jemand den Bad Banker geben – oder gar einer werden?

Aber ist die neue Bad Bank nicht eigentlich eine Good Bank – soll sie doch die Banken von ihren Schrottpapieren befreien; und wenn sich jene Banken Schrottpapiere hingelegt haben, so sind sie doch im wahren Sinne die eigentlichen Bad Banks!

Ergo: Die neue Bank heisst Good Bank und rettet die alten Bad Banks. All right?

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Bad Bank (Foto: Kurt F. Domnik /pixelio.de)

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Good Bank (Foto: Gabriele Planthaber /pixelio.de)

Was für eine Begriffsverwirrung! Schade, dass das nicht mehr ein Karl Valentin oder ein Ernst Jandl erleben konnten – was hätten die beiden ihre Freude gehabt!

Bundeskartellamt sichert Informationsfreiheit

Donnerstag, 14. August 2008

Einem Missverständnis gilt es vorzubeugen: Dass wir etwa “Jung-Millionären in kurzen Hosen” (Rainer Wendt, Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft) das Wort redeten. Das wäre nun wirklich das Allerletzte, was uns einfiele.

Aber um die Interessen derjenigen breiten Bevölkerungskreise geht es, die sich gerne über die Spiele der Fussballbundesliga am Samstag in Wort und Bild und in angemessenem Zeitabstand informieren möchten, ohne dass sie dazu in ein teures Abonnement eines übermächtigen milliardenschweren Vermarktungskartells der Deutschen Fussball Liga mit dem aus dem Bankerott wieder auferstandenen, offenbar nimmer müde werdenden Kirch-Clan gezwungen werden.

Das Bundeskartellamt schob dem Vorhaben unlängst mit seiner weisen Rechtsauffassung den Riegel vor: Das Publikum hat einen Anspruch darauf, eine unverschlüsselt ausgestrahlte Zusammenfassung des Spielgeschehens am Samstag im frei empfangbaren Fernsehen vor 20 Uhr wahrnehmen zu können.

Dass Kirch & Co und diesen Kräften Nahestehende vor allem in der einschlägigen Wirtschaftspresse dagegen polemisieren, liegt auf der Hand und kann niemanden verwundern. Wir aber können nur zustimmen, dass im Widerstreit zwischen Kartellprofitinteressen einiger Weniger und der Informationsfreiheit aller letztere stets obsiegen möge.

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Kein “Jung-Millionär in kurzen Hosen”, aber ein begeisteter Fussballspieler: Kleiner Junge aus Jakarta mit einem zerschlissenen Fussball in den Händen

(Bildnachweis: Jonathan McIntosh; wikimedia commons CC)

Bundesverkehrsminister Tiefensee will den “Schilderwald” lichten und übersieht das Notwendige

Dienstag, 29. Juli 2008

Den “Schilderwald” im bundesdeutschen Strassenverkehr lichten – das klänge wahrhaftig nach einer herkulischen Heldentat, dem Ausmisten des Augiasstalls gleichzusetzen, fiele diese Meldung nicht in das berüchtigte “Sommerloch” der Politik und machte sie sich nicht bereits dadurch verdächtig.

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(Schilderwald-Schwachsinn in Passau; Foto: Bernd Sluka)

Bei näherer Betrachtung der Meldungen aus dem Ministerium aber erkennt man: Wolfgang Tiefensee will gar nicht solche Irrsinnszustände wie oben abgebildet bereinigen (auf kürzester Strecke 7 Halteverbots- mit 10 Zusatzschildern!), sondern eher nützliche, sogar sicherheitsrelevante Warn- und Hinweiszeichen abschaffen:

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Verkehrspolitiker von CSU und FDP meldeten zu Recht Bedenken und Proteste an.

Nein, es riecht nach reinem Aktionismus des bis dato weithin blassen und glücklos operierenden Ministers. Ein durchschaubar vordergründiger Aktionismus, der davon ablenken soll, dass es dem Minister ganz und gar nicht gelingen will, die eigentlichen Probleme des Strassenverkehrs auch nur ansatzweise in den Griff zu bekommen.

Ein Hauptproblem: die “LKW-Wand” auf vielen Autobahnen! Das werktägliche Chaos mit verunfallten LKW, die nicht selten rollenden Schrottplätzen gleichen, ganz zu schweigen von den zahlreicher werdenden Havarien von Gefahrguttransportern. Hören Sie nur einmal über einen Tag hinweg die Verkehrsfunkmeldungen!

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(Der werktägliche LKW-Wahnsinn auf Autobahnen; Fotos: Uwe Steinbrich pixelio.de)

Überforderte und übermüdete, von skrupellosen Spediteuren gehetzte LKW-Fahrer verursachen immer wieder Unfälle mit kilometerlangen Staus und stundenlangen Wartezeiten der anderen, sich verkehrsgerecht verhaltenden Reisenden. Wer errechnet endlich einmal den damit verbundenen staubedingten volkswirtschaftlichen Schaden?

Und: Speditionen sowie Liefer- wie Herstellerbetriebe missbrauchen ganz offensichtlich die Fernverkehrsstrassen mit ihrer – wie sie selbst einräumen – “rollenden Lagerhaltung”! Was aber sagt Tiefensee dazu?

Hier hätte Tiefensee ein wirklich sinnstiftendes Betätigungsfeld! Nun hat er zwar unlängst einige erste vernünftige und notwendige Massnahmen vorgeschlagen, vor allem mehr Überholverbote für LKW auf den Autobahnen und eine Staffelung der LKW-Maut in ihrer Höhe nach der Uhrzeit. Allein uns fehlt der Glaube an die Durchsetzungsfähigkeit des Ministers: fielen doch bisher seine Kollegen und Vorgänger in Bund und Ländern vor der schier übermächtigen LKW- und Speditionslobby zumeist schlicht und einfach um.

Claudius Seidl und die Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen

Freitag, 27. Juni 2008

“… angesichts des Umstands, dass erstmals hoheitliche Aufgaben wie Post, Bahn, Fernmeldewesen zum Nutzen des Kunden privatisiert worden sind … ” meint Claudius Seidl, Feuilletonchef der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, in deren Ausgabe vom 15. Juni 2008 schreiben zu müssen.

Nur drei Tatsachen:

Erstens: Seidl war offensichtlich nie in Grossbritannien, oder er hat sich dort mit dem Taxi zwischen Portsmouth und Edinburgh chauffieren lassen. Die europaweit bekannte desaströse Entwicklung der britischen Eisenbahnen nach deren Privatisierung (zahlreiche Unfälle, Streckenstilllegungen, marode Gleise und Züge, Verspätungen an der Tagesordnung, total verschmutzte Personenwagen, undiskutabler “Service” usw.) wären ihm sonst nicht entgangen. Sollte man jedenfalls annehmen.

Hoffentlich bleibt uns, über weitere Streckenstilllegungen und verlotterte, weil privatisiert-personalfreie Bahnhöfe hinaus eine derartige negative Entwicklung in Deutschland erspart.

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(Foto: Stihl024 pixelio.de)

Zweitens: Seit der angeblich so segensreichen “Privatisierung” der Post in Deutschland ist – allein in unserem grossen Stadtteil – festzustellen: Schliessung des Postamts; Abbau mehrerer in unserem Wohnbezirk gelegener Briefkästen; Austrag der Sendungen über Jahre hinweg durch ständig wechselnde, natürlich schlecht bezahlte und deshalb unmotivierte Zusteller, mitunter auch durch mutmassliche Analphabeten (mit der Folge: wir trugen die bei uns eingeworfene Post zu den Nachbarn, diese legten wiederum die für uns bestimmte in unseren Briefkasten, nette Bekanntschaften sind dadurch entstanden).

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(Erinnerung an vergangene Zeiten der Solidität und Zuverlässigkeit)

Drittens: Privatisiert-Telefonieren in Deutschland? Die zeitliche Dauer der nervtötenden Suche nach ebenfalls ständig wechselnden, in dümmlichstem “Denglisch” angepriesenen Tarifen übertrifft die des eigentlichen Telefonats um ein Vielfaches. Und dazu ist uns das Leben zu kurz.

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Spass beiseite: “Zum Nutzen des Kunden”? Der blanke Hohn! Aber Tatsachen stören bekanntlich.

Cornelius I.

Montag, 21. April 2008

Cornelius I. ist ein Spitzmaulnashorn, geboren im Granby Zoo in Granby, Québec, östlich von Montreal. Zwischen 1965 und 1993 war es der designierte Vorsitzende der Rhinoceros Party of Canada, die – als Satire gemeint – gleichwohl eine bemerkenswerte Anzahl von Stimmen bei Wahlen bekam. In manchen Wahlbezirken erreichte die Partei den zweiten Platz und errang bei den Unterhauswahlen 1980 landesweit über 1 Prozent der Stimmen, konnte aber nie einen Kandidaten ins Unterhaus entsenden.

Der Gründer der Partei im Jahre 1963, Jacques Ferron, ein Arzt und Autor aus Québec, der auf seinen Parteivorsitz zugunsten von Cornelius verzichten musste, befand Gemeinsamkeiten zwischen Nashörnern und Politikern: sie seien gleichermassen dickhäutig, gemächlich, trübsinnig, bei Gefahr schnell wie der Teufel und hätten grosse, haarige Hörner mitten im Gesicht.

Aus: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie vom 21. April 2008: “Schon gewusst?”

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Albrecht Dürer, Rhinoceros, 1515, Holzschnitt