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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Archive for the 'Politik angeklickt' Category

Arbeit und Ethik – zum Beispiel Mindestlohn

Donnerstag, 17. Januar 2008

Die Debatte um den Mindestlohn – sie geht an einem wesentlichen Aspekt vorbei, auch bei den beiden politischen Parteien, die sonst gerne das “C” in ihrem Namen herausstellen.

Die Bedeutung der menschlichen Arbeit lediglich auf einen der Produktionsfaktoren in der Wirtschaftsordnung zu reduzieren, wäre zweifellos verwerflich. Arbeit ist auch wesentlich mehr als eine Erwerbstätigkeit zur Sicherung des Lebensunterhalts. Nun muss man heute Arbeit nicht unbedingt als eine sittliche Pflicht und Existenzbedingung des Menschen verstehen. Aber in der Arbeit sollte der Mensch einen Teil seiner Möglichkeiten zu einer angemessenen Selbstverwirklichung erfahren. Arbeit ist – auch – ein Begriff der Ethik.

Menschliche Arbeit ist – viele Politiker scheinen dies vergessen zu haben – Gegenstand der Deklaration der Menschenrechte vom Dezember 1948 und damit nach allgemeinem Verständnis zugleich des sogenannten humanitären Völkerrechts:

In der damaligen Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte heisst es dazu unter anderem:

“Jeder hat das Recht auf Arbeit, . . . auf gerechte und befriedigende Arbeitsbedingungen . . .”
“Jeder, der arbeitet, hat das Recht auf gerechte und befriedigende Entlohnung, die ihm und seiner Familie eine der menschlichen Würde entsprechende Existenz sichert . . .”

Menschen für einen Lohn arbeiten zu lassen, der diesen Wertevorstellungen widerspricht, verstösst gegen Moral und Ethik. Unternehmen, die mit Entlassungen oder Konkurs drohen, wenn sie wenigstens Mindest- statt ihrer Dumpinglöhne zahlen sollen, haben in einer Marktwirtschaft, die sich “soziale” nennt, nichts zu suchen. Dumpinglöhne politisch gegen alternative potentielle Arbeitslosigkeit auszuspielen, ist in durchschaubarer Weise interessenverflochten und haltlos.

Und dass Hungerlöhne von heute die menschenerniedrigende Renten- und Altersarmut von morgen sind, versteht sich von selbst. Jedenfalls für jemanden, der eins und eins zusammenzählen kann.

Auf de’ schwäb’sche Eisebahne …

Montag, 28. November 2011

Schtuagart, Ulm und Biberach, Mekkabeure, Durlesbach …

Nach der Volksabstimmung: hier geht’s zum unvergessenen Willy Reichert

Auf den Spuren von Konrad Adenauer (1): Drei Tage in der Villa la Collina

Dienstag, 16. Juni 2009

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Wir sind am Ziel: Nach wenigen Serpentinen bergan vom Ufer des Comer Sees halten wir vor dem mächtigen schwarzlackierten Tor der Villa La Collina in Cadenabbia. Hoch türmt sich ein üppig mediterran bewachsener Bergpark auf, dominiert von wuchtig aufragenden Zypressen sowie exotisch anmutenden Tannen- und Laubbäumen. Daneben und dazwischen Palmwedel. Wir stehen vor der berühmten Villa La Collina, in der Konrad Adenauer, der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, in den Jahren von 1959 bis 1966 fünfzehn Mal seinen Urlaub verbrachte.

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Über 27.000 Quadratmeter Park, wie der Name besagt auf einem Hügel gelegen, ganz oben die 1899 erbaute “eigentliche” Villa (in Italien heissen exklusive Gebäude samt dem umgebenden Park Villa).

In der beginnenden Dämmerung geht es hinauf, an der 1990 im unteren Teil des Parks errichteten Accademia und an den riesigen, uralten Zypressen vorbei zur Villa …

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Am nächsten Morgen dann das Gebäude im Sonnenschein und der Blick über die Terrassen auf den Comer See …

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Heute ist die Ausstattung des Hauses eine andere als zu Adenauers Zeiten, in denen es dort sehr spartanisch zuging. Die Villa war damals, nach wiederholtem Leerstand, schlecht zu beheizen, Mobiliar, Geschirr und sonst Nützliches bis Notwendiges mussten von einem Hotel in der Nähe herbeigeschafft werden, wenn der hohe Besuch eintraf.

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1977 erwarb die Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. das denkwürdige Anwesen und richtete dort ein internationales Begegnungszentrum für Politik, Wirtschaft und Kunst ein. Zusammen mit der genannten Accademia bietet das Anwesen bis zu 60 Übernachtungsgästen Platz. Rund 50 bis 60 Konferenzen, Seminaren und Tagungen jährlich gibt die Villa ein einzigartiges Ambiente und Gepräge.

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In der Villa finden die Zusammenkünfte der Autorenwerkstatt der Stiftung statt; Künstler und Kunstmanager aller Sparten treffen sich regelmässig zum Gedankenaustausch beispielsweise über Fragen von Kunst, Macht und Politik.

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Überall auf den Wegen und in den Räumen weht uns der Genius loci an. Konrad Adenauer fand hier, obwohl die Villa in den Wochen seiner Anwesenheit zu einer Art Aussenstelle des Bonner Kanzleramts hergerichtet werden musste, ein paar Stunden der Ruhe und Musse. Er liebte die alten Bäume, besonders die himmelwärts aufstrebenden Zypressen. Er traf an diesem Ort wichtige politische Entscheidungen und Weichenstellungen auch für den eigenen persönlichen Lebensweg: So entschied er sich hier in politisch brisant-bewegten Zeiten dafür, entgegen früheren Erwägungen doch nicht für das Amt des Bundespräsidenten zur Verfügung zu stehen, sondern die Kanzlerschaft fortzusetzen. Und nicht zuletzt: Hier verfasste er die ersten Bände seiner “Erinnerungen”.

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Inzwischen steht die Villa La Collina bei rechtzeitiger Voranmeldung auch Gästen für einen kürzeren privaten Urlaub zur Verfügung. Einen entsprechenden Kontakt zur Leitung der Villa finden Sie unter www.kas.de.

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(Fotos: FeuilletonFrankfurt)

Auf den Spuren von Konrad Adenauer (2): Der Bundeskanzler und Cadenabbia

Freitag, 19. Juni 2009

1957 kam Konrad Adenauer erstmals zu einem Urlaub nach Cadenabbia, 1966 zu seinem achtzehnten und letzten Aufenthalt. Seit 1959 verbrachte er seine Ferientage in aller Regel in der Villa La Collina.

Am Ufer des Comer Sees wurde dem Altbundeskanzler und leidenschaftlichen Bocciaspieler ein Denkmal gesetzt:

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Das Bocciaspiel entdeckte Adenauer in seinen Urlaubstagen in Cadenabbia, er pflegte es besonders vor dem Abendessen. Allerdings benutzte er eine Bocciabahn auf einem benachbarten Grundstück; die heute in der Villa La Collina neben der Accademia befindlichen Bahnen wurden erst in jüngerer Zeit eingerichtet. Adenauer erwies sich im Spiel als äusserst geschickt, war aber, wie überliefert ist, kein guter Verlierer. Mitspieler und Mitarbeiter liessen deshalb den alten Herrn, um ihn bei Stimmung zu halten, zumeist gewinnen.

“Politik ist”, wird der Altkanzler zitiert, “wie Boccia, man wird immer wieder mit Überraschungen konfrontiert und muss sich was Neues ausdenken.”

Vom Seeufer mit seinen Villen und Hotels geht es steil bergauf, an Adenauers Urlaubssitz, der Villa La Collina vorbei,  in das Dorf,

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vorbei an kleinen Bürgerhäusern und Plätzen, auf denen zur Siesta-Zeit die Arbeitsgeräte in der Sonne dösen,

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nach rechts in das Centro storico, wo wie so oft in Italien gemauerte Bögen die schmalen Gassen überwölben und die Häuser gegen einen Einsturz bei Erdbeben bewahren sollen.

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In der Mittagshitze schützen die dunklen, engen Gassen vor der Sonne und öffnen um eine Ecke herum manch überraschenden Anblick.

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Zur linken Seite geht es die “Passeggiata Adenauer” weiter hinauf zur Kirche Santi Nabori e Felice, die der Kanzler unter grosser Anteilnahme der Dorfbewohner allsonntäglich besuchte. Trotz seines hohen Alters nahm Adenauer den ansteigenden Weg in aller Regel zu Fuss.

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Adenauer erfreute sich bei den Bürgern Cadenabbias grosser Beliebtheit und Verehrung. Bereits bei seinem ersten Besuch in dem 800-Einwohner-Dorf erhielt er die Ehrenbürgerschaft. Nicht nur über das Bocciaspiel war er mit vielen Bürgern des Ortes freundschaftlich verbunden. Nach Adenauers Tod reisten derart viele Einwohnerinnen und Einwohner von Cadenabbia zur Trauerfeier im Kölner Dom, dass der Bürgermeister dafür eigens einen grossen Reisebus chartern musste.

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Konrad Adenauer, Büste in der Villa La Collina, Cadenabbia

(Fotos: FeuilletonFrankfurt)

Äppelwoi und Europäische Kommission

Sonntag, 4. November 2007

Der Äppelwoi und die Europäische Kommission – eine Lachnummer, wenn es nicht gar zu traurig wäre.

Da gibt es eine Europäische Kommission mit, wie wir wissen, vielen fleissigen Köpfen und Händen, es sind tausende, genauer genommen nach EU-eigenen Angaben rund 24.000 Beamte und Angestellte – uns stockt der Atem im Anblick dieser Zahl. Ja, was machen denn nun eigentlich diese 24.000 Menschen, der Einwohnerzahl einer respektablen mittelgrossen Stadt gleich, so den lieben langen Tag? Nun, man wird darüber nachdenken – ich nehme an pausenlos -, was man etwa noch nicht geregelt haben könnte im grossen weiten Europa. Da ja nun aber schon fast alles geregelt ist, vom Krümmungsgrad der Banane bis zu ebensolchem des Klosettbrillenrandes, ist der Prozess des Nachdenkens anstrengend und zermürbend … aber, potz blitz!, es muss sich doch noch irgend etwas Ungeregeltes finden lassen.

Da kam eines lieben langen EU-Tages irgend einem dieser 24.000 fleissigen Köpfe der Gedankenblitz: Ja, der Frankfodder Äppelwoi, der ist’s, den haben wir noch nicht reglementiert, dem werden wir’s jetzt zeigen, wo der EU-Hammer hängt!

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(Foto: Eva Kröcher/wikimedia commons GFDL)

Was soll nach den blindwütigen Vorstellungen der EU-Kommisssion geschehen? Der Äppelwoi, hochdeutsch Apfelwein, soll künftig nicht mehr so heissen dürfen, damit die dummen EU-Bürger ihn nicht mehr mit “richtigem” Wein , also den aus den Weintrauben, verstehen Sie, verwechseln können. Nach den Gedankenblähungen der Kommission scheint dies, also diese Verwechselung, tagtäglich hunderttausendfach zu geschehen – ist Ihnen, geneigte Leserinnen und Leser, räumen Sie es hinter vorgehaltener Hand ruhig ein, doch auch oft schon passiert? -, so dass diesem Übelstand zum Wohle der EU-Bürger dringlichst abgeholfen werden muss. Per Richtlinie, Verordnung, Untersagung, verstehen Sie, wegen der vermeintlichen Tumbheit ebenjener Bürger.

Da hat die Kommission aber die Rechnung ohne den Äppelwoi-Wirt gemacht! Ja, ihr Kommissionistenbürokraten, erst erkunden und denken, dann reden oder gar Regulierungsentwürfe formulieren, das sei auch eure Devise. Es meldeten sich zu berechtigtem spontanen wie heftigen Protest: der hessische Ministerpräsident, der hessische Europaminister, die SPD-Landesvorsitzende und Oppositionsführerin in Hessen, der Bundeslandwirtschaftminister, die Frankfurter Oberbürgermeisterin, das Frankfurter Kulturkommitee, die Grünen, die Linke … und, nicht zu unterschätzen, der Volkszorn! Einhelliger Tenor (ich zitiere): vollkommen unnötig und inakzeptabel; ausserordentlich schädlich; Missachtung hessischer Traditionen; bürokratischer Unsinn; Blödsinn; irritierend für Verbraucherinnen und Verbraucher, die diese Begriffe seit Jahrhunderten kennen.

Dem ist nichts hinzuzufügen. Aber kein Schwachsinn scheint gross genug zu sein, als dass ihn nicht die EU-Bürokratie in eine Richtlinie zu giessen bereit wäre. Deshalb Vorsicht: Dem Ochsen ins Horn gepetzt, sagt ein deutsches Sprichwort. EU-Kommission und EU-Beamtenheerscharen, hab’ t acht, es gibt neue Aufgaben: auch althergebrachte deutsche Redensweisheiten gehören künftig wegreguliert!

PS: Deutschland ist der grösste Netto-Einzahler in die EU-Kasse. Das Land Hessen hat einen gewaltigen Anteil daran. Ist es nicht endlich an der Zeit, diese Tatsache den EU-Bürokraten kräftig auf die Ohren zu geben?