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	<title>erhard-metz.de &#187; Musik</title>
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		<title>&#8220;La Calisto&#8221; von Francesco Cavalli in der Oper Frankfurt</title>
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		<pubDate>Mon, 02 Jan 2012 15:49:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Erhard Metz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gastautorinnen und -autoren]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>

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		<description><![CDATA[Amor, der Taugenichts &#8211; Amor, der Gl&#252;cksbringer Irdische Liebe &#8211; himmlische Liebe von Renate Feyerbacher Feuerrot ist sein Kost&#252;m. Grazil, knabenhaft, befl&#252;gelt, beobachtend, lauernd, mit Fl&#246;te bewaffnet, hockt Amore (Amor) alias Eros, um seine Intrigen zu beginnen. Anna Fusek (Amore), Foto: © Barbara Aum&#252;ller Ein sch&#246;n anzusehender Liebesgott in Gestalt der Musikerin und Schauspielerin Anna [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: large; color: #dc143c;">Amor, der Taugenichts &#8211; Amor, der Gl&#252;cksbringer<br />
Irdische Liebe &#8211; himmlische Liebe<br />
</span></p>
<p><span style="color: #dc143c;"><strong><span style="font-size: large;"> </span></strong></span></p>
<p><span style="color: #dc143c;"><strong><em><span style="font-size: medium;">von Renate Feyerbacher</span></em></strong></span></p>
<p>Feuerrot ist sein Kost&#252;m. Grazil, knabenhaft, befl&#252;gelt, beobachtend, lauernd, mit Fl&#246;te bewaffnet, hockt Amore (Amor) alias Eros, um seine Intrigen zu beginnen.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-30815" title="la_calisto_06_HQ-380" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/la_calisto_06_HQ-380.jpg" alt="" width="380" height="571" /></p>
<p><em>Anna Fusek (Amore), Foto: © Barbara Aum&#252;ller</em></p>
<p>Ein sch&#246;n anzusehender Liebesgott in Gestalt der Musikerin und Schauspielerin Anna Fusek. Mal listig, mal traurig, mal rabiat, pantomimisch nuanciert, lenkt sie bet&#246;rend die Verwirrspiele mal vom schmalen B&#252;hnensteg aus, mal aus dem Publikum. Sinneslust pur.</p>
<p><span style="color: #dc143c;"><strong>&#8220;Alle sind verrucht,</strong><strong> die an Amor glauben&#8221;</strong></span></p>
<p>Calisto (Kallisto), die Sch&#246;ne, ein Mensch, eine Nymphe im Gefolge der Jagdg&#246;ttin Diana, wird als Erste Amors Opfer sein. Giove (Jupiter) kommt zun&#228;chst als f&#252;rsorglicher Obergott. Er bedauert den Zustand der Welt, den der Krieg zwischen G&#246;ttern und Menschen angerichtet hat, und will helfen. Die Erde ist verbrannt und kahl. Er ersp&#228;ht Calisto. Sie klagt &#252;ber die ausgetrockneten Quellen und gibt Giove die Schuld. Der weibertolle Gott will ihr imponieren und l&#228;sst ad hoc die Quellen sprudeln. Nat&#252;rlich will er nicht nur beeindrucken, sondern naschen.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-30821" title="la_calisto_01_HQ-450" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/la_calisto_01_HQ-450.jpg" alt="" width="450" height="299" /></p>
<p><em>Anna Fusek (Amore) und Christiane Karg (Calisto), Foto: © Barbara Aum&#252;ller</em></p>
<p>Aber Calisto, die Keuschheit schwor, verweigert sich. Gioves Sohn Mercurio (Merkur), Schutzpatron der Kaufleute und des Handels, aber auch der Diebe und L&#252;gner, r&#228;t zur List, zur T&#228;uschung, zur g&#246;ttlichen Metamorphose. Giove verwandelt sich in die Gestalt der G&#246;ttin Diana, der Jagd- und Mondg&#246;ttin, G&#246;ttin der Keuschheit. Wohlgemerkt &#8211; es ist seine Tochter mit Giunone (Juno). Das ist besonders infam von dem verwandlungsge&#252;bten Gott, der oft denen, die er begehrt, als Tier erscheint: bei Europa als Stier, bei Leda als Schwan, bei Ganymed als Adler. Calisto merkt den Betrug nicht und l&#228;sst sich von der vermeintlichen G&#246;ttin k&#252;ssen und noch mehr. Der Gott schw&#228;ngert sie.</p>
<p><span style="color: #dc143c;"><strong>&#8220;Betrogen von Jupiters Liebesglut&#8221;</strong></span></p>
<p>Der r&#246;mische Dichter Ovid (43 v. Chr bis um 17 n. Chr) hat in den &#8220;Metamorphosen&#8221;, seinem 15b&#228;ndigen Meisterwerk, auch die Geschichte von Kallisto erz&#228;hlt. Giovanni Faustini (1615 bis 1651), der Librettist der Oper &#8220;La Calisto&#8221;, verkn&#252;pft zwei antike Mythen miteinander, &#8220;die urspr&#252;nglich nichts miteinander zu tun haben&#8221;, sagt der Librettoforscher Albert Gier. Aber Diana tritt in beiden auf, allerdings in unterschiedlichen Rollen. Calisto gegen&#252;ber ist sie hart und streng und verbannt sie. Sie selbst, die H&#252;terin der Keuschheit, verliebt sich in den sch&#246;nen Hirten Endimione (Endymion). &#8220;Faustini war der Erfinder solcher, in der venezianischen Oper des 17. Jahrhunderts sehr beliebten Doppelintrigen, die den Vorteil haben, vier etwa gleichwertige Hauptrollen zu erm&#246;glichen&#8221; (Albert Gier).</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-30822" title="la_calisto_10_HQ-450" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/la_calisto_10_HQ-450.jpg" alt="" width="450" height="299" /></p>
<p><em>Luca Tittoto (Giove) und Christiane Karg (Calisto), Foto: © Barbara Aum&#252;ller</em></p>
<p>Francesco Cavalli (1602 bis 1676) kleidete dieses Drama in Musik. Er komponierte schnell, auch noch w&#228;hrend Librettist Faustini probte. Die Urauff&#252;hrung war in Venedig und k&#246;nnte im Herbst 1651 oder im Fr&#252;hjahr 1652 gewesen sein. Letzteres Datum entspr&#228;che dem venezianischen Karneval. Als Karnevalsoper wird daher &#8220;La Calisto&#8221; auch bezeichnet. &#8220;Die Freiheit Venedigs billigt alles &#8230; Die ber&#252;hmte Freiheit Venedigs zieht die Fremden haufenweise an, die Lustbarkeiten und die Vergn&#252;gungen halten sie dort fest und ersch&#246;pfen ihre B&#246;rse&#8221; schrieb der Wissenschaftler Alexandre Toussaint de Saint Didier 1680 in &#8220;La ville et la République de Venise&#8221;. Suffisant f&#252;hrt er das Beispiel des Herzogs von Savoyen an, der unter falschem Namen verschwenderischen Aufwand trieb.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-30823" title="la_calisto_15_HQ-450" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/la_calisto_15_HQ-450.jpg" alt="" width="450" height="299" /></p>
<p><em>Luca Tittoto (Giove) und Daniel Schmutzhard (Mercurio), Foto: © Barbara Aum&#252;ller</em></p>
<p>Cavalli hiess urspr&#252;nglich Giovanni Battista Caletti und war der Sohn eines Domkapellmeisters. Seine sch&#246;ne, vielger&#252;hmte Knabenstimme faszinierte den Statthalter von Venedig Federico Cavalli, der den Vierzehnj&#228;hrigen mit in die Lagunenstadt nahm. Dort erhielt er die beste musikalische Ausbildung und war Sch&#252;ler von Claudio Monteverdi. Er dankte seinem F&#246;rderer, indem er seinen Namen annahm und bis zum Lebensende San Marco als Tenors&#228;nger, Organist, Kapellmeister und Komponist verpflichtet blieb.</p>
<p><span style="color: #dc143c;"><strong>&#8220;Alle M&#228;nner sind verr&#252;ckt&#8221;</strong></span></p>
<p>Das K&#252;nstler-Gespann Faustini-Cavalli konzentrierte sich auf die Liebesintrige, auf die Paare Diana &#8211; Endimione und Giove &#8211; Calisto. Und es geht ihnen um zwei verschiedene Spielarten der Liebe. Beim ersten Paar ist es himmlische Liebe, die sich in K&#252;ssen und Tr&#228;umen ersch&#246;pft, beim zweiten Paar geht es um irdische Liebe, die im Geschlechtsakt endet. Beide n&#228;hern sich jedoch an, beziehungsweise ihre Liebe unterliegt auch einer Metamorphose: Mondg&#246;ttin Diana muss vom Sternenhimmel steigen, um ihrem keuschen Geliebten, den sie in ewigen Schlaf versenkte, nahe zu sein. Sie gibt sich also irdischer Liebe hin, Calisto wird zum Sternbild und ist so dem Geliebten nahe. So wird die Liebe himmlisch.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-30826" title="la_calisto_16_HQ-380" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/la_calisto_16_HQ-380.jpg" alt="" width="380" height="571" /></p>
<p><em>Brenda Rae (Giunone), Foto: © Barbara Aum&#252;ller</em></p>
<p>Wie kommt es dazu? Giunone (Juno), Jupiters Gemahlin, hat nat&#252;rlich den Betrug ihres Mannes schnell erkannt. Aber nicht ihn straft sie, sondern Calisto. Und das sehr hart, obwohl die junge, unschuldige Nymphe betrogen wurde, einer Vergewaltigung zum Opfer fiel. Sie l&#228;sst Calisto durch die Furien qu&#228;len und verwandelt sie in eine B&#228;rin. Daraufhin verspricht Giove ihr eine weitere Metamorphose: als Sternbild wird sie neben ihm G&#246;ttlichkeit erlangen.</p>
<p><span style="color: #dc143c;"><strong>&#8220;Alle Frauen sind verr&#252;ckt&#8221;</strong></span></p>
<p>&#8220;Rollen- und Partnertausch, aber mit R&#252;ckverwandlungsgarantie, f&#252;r zwei Wochen, eine Nacht, eine Stunde, einen Rausch: her damit &#8211; nur bitte danach weiter wie  bisher, um eine Erfahrung reicher, ein bisschen Krise als Chance&#8221; &#8211; das schrieb Jan Bosse im Programmheft zur Baseler Inszenierung von &#8220;La Calisto&#8221; 2010.</p>
<p>Jan Bosse (1969 geboren), Hausregisseur am Berliner Maxim Gorki-Theater, aktiv an Z&#252;richer und Basler Theatern, inszenierte in Frankfurt w&#228;hrend der Intendanz von Elisabeth Schweeger Werner Schwabs sogenanntes F&#228;kaliendrama &#8220;Die Pr&#228;sidentinnen&#8221; mit Karin Neuh&#228;user. Eine grandiose Inszenierung.</p>
<p>Nach &#8220;L’Orfeo&#8221; von Monteverdi ist &#8220;La Calisto&#8221; von Cavalli nun seine zweite Operninszenierung, zun&#228;chst am Theater Basel und nun an der Oper Frankfurt, genauer im Bockenheimer Depot. Sie wurde neu einstudiert im B&#252;hnenraum von Stéphane Laimé, der seit 14 Jahren f&#252;r Bosse entwirft (und 2011 &#8220;B&#252;hnenbildner des Jahres&#8221; wurde) sowie in den Kost&#252;men von Kathrin Plath. Grandios Laimés Idee mit den Wasservorh&#228;ngen, auf denen erotische Videoinstallationen projiziert werden.</p>
<p>Mitgebracht hat Bosse aus Basel Anna Fusek als Amore,  Luca Tittoto als Giove und Flavio Ferri-Benedetti als Linfea.</p>
<p><span style="color: #dc143c;"><strong>&#8220;Ich m&#246;chte vernascht werden&#8221;</strong></span></p>
<p>Die Spielst&#228;tte Bockenheimer Depot ist ideal f&#252;r dieses frivole, sinnliche Verwirrspiel. M&#228;nner und Frauen sitzen sich in zwei Zuschauerbl&#246;cken gegen&#252;ber, strikt getrennt durch den B&#252;hnensteg. Und die Protagonisten tummeln sich, je nach Gel&#252;sten, mal in dem einen, mal im anderen Block.</p>
<p>Linfea (Lynfea), zum keuschen Gefolge Dianas geh&#246;rend, dreht pl&#246;tzlich durch, entledigt sich ihres weissen, wallenden Gewandes, st&#252;rzt sich im kurzen Leopardenkost&#252;m auf die Trib&#252;ne der M&#228;nner und sucht und findet einen m&#228;nnlichen Schoss. &#8220;Ich m&#246;chte vernascht werden.&#8221;</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-30827" title="Turandot" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/la_calisto_14_HQ-380.jpg" alt="" width="380" height="571" /></p>
<p><em>Flavio Ferri-Benedetti (Linfea) und Christopher Robson (Satirino), Foto: © Barbara Aum&#252;ller</em></p>
<p>Amore leistet tolle Arbeit. Sie hetzt den kleinen Satyr, ein Mischwesen aus Mensch und Tier, auf Linfea, die nat&#252;rlich angewidert ist.</p>
<p>Das Publikum kommt aus dem Staunen nicht heraus, auch wenn man bedenkt, wie alt diese Geschichte beziehungsweise dieser Text ist und &#8211; wie modern. Jacques Offenbach k&#246;nnte sich hier Ideen geholt haben und auch Mozart: das Duo Jupiter und Merkur erinnert an Don Giovanni und Leporello.</p>
<p>Ein Heidenspass, der dank einer gl&#228;nzenden Regie nichts mit Klamotte zu tun hat.</p>
<p><span style="color: #dc143c;"><strong>Die Musik: eine Entdeckung</strong></span></p>
<p>Francesco Cavalli, der mehr als 30 Opern schrieb, war damals der f&#252;hrende Opernkomponist Italiens und damit Europas. Selbst seinen Lehrer Monteverdi &#252;bertraf er mit seinen musikalisch-durchstrukturierten Formen. &#8220;Welche Oper stellt so offen wie diese Sinnlichkeit und Sexualit&#228;t in den mannigfaltigsten Formen dar?&#8221; fragt Dirigent René Jacobs im CD-Booklet von &#8220;La Calisto&#8221; (2005).</p>
<p>Cavalli begeistert durch Nuancenreichtum der Stimmen: da ist der leidenschaftlich-verzweifelte Sopran der Calisto, der dramatische von Diana und der fast hysterische, in Koloratur sich steigernde von Giunone.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-30828" title="la_calisto_13_HQ-450" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/la_calisto_13_HQ-450.jpg" alt="" width="450" height="299" /></p>
<p><em>Jenny Carlstedt (Diana), Foto: © Barbara Aum&#252;ller</em></p>
<p>Nymphomanin Linfea wird von einem Countertenor gesungen, der sich auf  Travestierollen spezialisiert hat. Der kleine Satyr  ist auch ein Countertenor mit hoher Stimmlage. Das Mischwesen Pane (Pan), der  Hirtengott, singt manchmal &#252;berdreht in seiner Tenorstimmlage. Weich, zart, poetisch-tr&#228;umerisch ist die  Stimme von Endimione, Dianas Liebhaber, &#8220;des m&#228;nnlichen Altisten&#8221; (René Jacobs). Zwei Basspartien  sind dabei: Panes Begleiter Silvano imponiert mit ruppigem Bass. Gioves  Klangfarbe ist dagegen locker, verf&#252;hrerisch und steigert sich als Diana ins  Falsett. Sein Helfershelfer, Sohn Mercurio, ist ein kecker Bariton wie  Leporello. Selten ist so viel stimmliche Vielfalt zu h&#246;ren.</p>
<p>Nur Amore, Anna Fusek, singt nicht, spielt Fl&#246;te und Geige und eilt beweglich durch alle turbulenten Liebesspiele, die er entfachte, und die ein grandioses S&#228;ngerinnen- und S&#228;ngerteam spielfreudig realisiert: allen voran Christiane Karg als Calisto, Luca Tittoto als Giove, ein italienischer Casanova, Daniel Schmutzhard als Mercurio, Jenny Carlstedt als Diana, Brenda Rae als Giunone, Valer Barna-Sabadus als Endimione, Flavio Ferri-Benedetti als Linfea, Martin Mitterrutzner als Pane, Florian Plock als Silvano, Christopher Robson als Satirino und als Chor das Ensemble Barock vokal der Hochschule f&#252;r Musik in Mainz.</p>
<p>Last not least dirigiert &#8211; sehr einf&#252;hlsam, spritzig und fein &#8211; der englische Barockspezialist Christian Curnyn die wenigen Musiker  des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters vom Cembalo aus.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-30829" title="la_calisto_22_HQ-450" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/la_calisto_22_HQ-450.jpg" alt="" width="450" height="299" /></p>
<p><em>Anna Fusek (Amore), Foto: © Barbara Aum&#252;ller</em></p>
<p>Selten besinnt sich Amore und h&#228;lt inne.</p>
<p>Den Sternenhimmel am Ende produziert das Publikum mit kleinen, in der Pause verteilten Lampen.</p>
<p>Weitere Vorstellungen der Oper Frankfurt am 2., 4., 6. und 7. Januar 2012. Ort des Geschehens: das Bockenheimer Depot, jeweils um 19.30 Uhr.</p>
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		<title>&#8220;Adriana Lecouvreur&#8221; von Francesco Cilea in der Oper Frankfurt</title>
		<link>http://erhard-metz.de/2012/03/08/adriana-lecouvreur-von-francesco-cilea-in-der-oper-frankfurt/</link>
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		<pubDate>Thu, 08 Mar 2012 15:40:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Erhard Metz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gastautorinnen und -autoren]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>

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		<description><![CDATA[Oberfl&#228;chliche Liebesschw&#252;re &#8211; furioses Duell der Rivalinnen Text: Renate Feyerbacher Fotos: © Wolfgang Runkel / Oper Frankfurt Theater, B&#252;hnenwirklichkeit konfrontiert mit der Realit&#228;t, so l&#228;sst sich das Melodrama, die neue Opernkreation in Frankfurt, auf den Punkt bringen. Micaela Carosi (Adriana Lecouvreur) Staunen, als der rote Theatervorhang langsam nach oben schwebt und das B&#252;hnenbild sichtbar wird. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: x-large;">Oberfl&#228;chliche Liebesschw&#252;re &#8211; furioses Duell der Rivalinnen</span></p>
<p><span style="font-size: large;"> </span></p>
<p><em><span style="font-size: large;">Text: Renate Feyerbacher<br />
Fotos: © Wolfgang Runkel / Oper Frankfurt</span></em></p>
<p>Theater, B&#252;hnenwirklichkeit konfrontiert mit der Realit&#228;t, so l&#228;sst sich das Melodrama, die neue Opernkreation in Frankfurt, auf den Punkt bringen.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-32244" title="adriana_lecouvreuer_02_HQ-350" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/adriana_lecouvreuer_02_HQ-350.jpg" alt="" width="350" height="525" /></p>
<p><em>Micaela Carosi (Adriana Lecouvreur)</em></p>
<p>Staunen, als der rote Theatervorhang langsam nach oben schwebt und das B&#252;hnenbild sichtbar wird. Ein B&#252;hnenbild im B&#252;hnenbild. Der Ort: die Comédie-Française, beziehungsweise die B&#252;hnenkulissen mit Einblick in die dahinter liegenden Garderoben der Schauspielerinnen und Schauspieler. Hinten das Portrait von Jean-Baptiste Poquelin, alias Molière (1622 bis 1673), der eng mit diesem Theater verbunden war. Es wird auch &#8220;Maison de Molière&#8221; genannt. Per Dekret hatte K&#246;nig Ludwig XIV. im Jahr 1680 die beiden Pariser Schauspieltruppen in diesem Theater vereinigt.</p>
<p>Sp&#228;ter verschwindet Molières Bild und ein Spiegel erweitert das Geschehen.</p>
<p>Opulent die grandiosen Kost&#252;me der damaligen Zeit und wie sie sich gekonnt darin bewegen: die Schauspiel-S&#228;ngerinnen und -S&#228;nger der Oper Frankfurt. Nerv&#246;s hin und her eilend, aus Jean Baptiste Racines (1639 bis 1699) Trag&#246;die &#8220;Bajazet&#8221; rezitierend. Dazwischen sind S&#228;tze zu h&#246;ren, die Intrigen offenbaren und spannend auf das Operndrama vorbereiten, das folgt.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-32243" title="adriana_lecouvreuer_15_HQ-550" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/adriana_lecouvreuer_15_HQ-550.jpg" alt="" width="550" height="367" /></p>
<p><em>Peter Marsh (Abbé von Chazeuil), Maren Favela (Fr&#228;ulein Dangeville; verdeckt), Julian Prégardien (Poisson), Micaela Carosi (Adriana Lecouvreur), Davide Damiani (Michonnet), Anna Ryberg (Fr&#228;ulein Jouvenot), Florian Plock (Quinault) und Federico Sacchi (F&#252;rst von Bouillon)</em></p>
<p><strong>Historische Figuren</strong></p>
<p>Die Oper spielt im Jahr 1730. Es ist das Todesjahr der ber&#252;hmten Schauspielerin Adrienne Couvreur genannt Lecouvreur, die 1692 in der Champagne zur Welt kam. Eine historische Figur, eine gefeierte Schauspielerin, die mit 37 Jahren starb und buchst&#228;blich in einer Nacht- und Nebelaktion am Ufer der Seine verscharrt wurde, in nicht geweihter Erde. So wollten es die Bestimmungen der katholischen Kirche f&#252;r Schauspieler im 18.Jahrhundert.</p>
<p>Vorgeworfen wurde den Darstellern, dass sie die Wirklichkeit f&#228;lschten, zum destruktiven Zeitvertreib verleiteten, die Jugend und die Frauen durch &#246;ffentliche Darstellung von Liebe und Leidenschaft gef&#228;hrdeten und per se unsittlich in ihrem Lebenswandel seien. Sie wurden der Prostitution verd&#228;chtigt.</p>
<p>Lecouvreurs Freund, der Schriftsteller Voltaire (1694 bis 1778), schrieb in seinem Wort-Epitaph: &#8220;Und die Lecouvreur h&#228;tte in London ein Grabmal neben den Geistesgr&#246;ssen, den K&#246;nigen und Helden bekommen &#8230; G&#246;tter! Warum ist mein Land nicht mehr das Vaterland des Ruhmes und der grossen Geister?“ (aus: &#8220;Der Tod von Mademoiselle Lecouvreur, der ber&#252;hmten K&#252;nstlerin&#8221;, 1730, zitiert aus dem Programmheft).</p>
<p>Makaber, dass der Wohlfahrtsausschuss (Comité de salut public), der w&#228;hrend der Franz&#246;sischen Revolution vom Nationalkonvent eingerichtet wurde, die Comédie-Française 1793 schliessen und die Schauspieler verhaften liess. Sie wurde erst sechs Jahre sp&#228;ter wiederer&#246;ffnet. Welche Gemeinsamkeiten!</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-32240" title="Adrienne_lecouvreur_dans_cornlie" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/Adrienne_lecouvreur_dans_cornlie.jpg" alt="" width="223" height="258" /></p>
<p><em>Charles-Antoine Coypel (1694 bis 1752), Adrienne Lecouvreur als Cornelia in Pierre Corneilles Drama La Mort de Pompée (wikimedia commons, Foto: Vichy-Enchères)</em></p>
<p>Dabei bleibt die Schauspielerin Adrienne Lecouvreur in historisch guter Erinnerung. Sie war bescheiden und beschrieb sich als Dienerin der Kunst, die das &#8220;Verdienst meines Spiels in seiner Nat&#252;rlichkeit&#8221; sah.</p>
<p>Die Familie war aus wirtschaftlichen Gr&#252;nden, der Vater war Hutmacher, nach Paris gezogen in unmittelbare Nachbarschaft zum ber&#252;hmten Theater, an dem sie sp&#228;ter ihre grossen Rollen spielte. Fr&#252;h wurden Theaterleute auf ihr Talent aufmerksam. Mit 18 Jahren war sie bereits am Theater in Lille engagiert, es folgten Gastspiele in Flandern, Lothringen und im Elsass. In Stra&#223;burg wurde sie ans Hoftheater des Herzogs verpflichtet. &#8220;Sie verkehrte  als angesehener Gast in den ersten Kreisen dieser weltoffenen Stadt &#8211; ein f&#252;r die damalige Zeit erstaunlicher Vorgang. Denn Theaterleute galten w&#228;hrend des Ancien Régime als nicht gesellschaftsf&#228;hig&#8221;, schreibt Hans-Georg Uhl im Programmheft-Beitrag &#8220;Gesellschaftsskandal um eine grosse Trag&#246;din&#8221; (aus &#8220;Ein Libretto sch&#246;pft aus dem Leben&#8221;, M&#252;nchen 1984). Sie brachte es fertig, die sozialen Schranken zwischen dem Schauspielberuf, der einen niederen Status hatte, und der sogenannten besseren Gesellschaft zu &#252;berwinden.</p>
<p>Schlichtes Auftreten, kein pathetisches Gehabe, sondern kluge Nat&#252;rlichkeit auf der B&#252;hne und im pers&#246;nlichen Umgang, hohe Intelligenz, literarisches Talent und sittliches Verhalten, und das in der verf&#252;hrerischen Barockzeit, werden ihr nachgesagt. Ihre besondere Ausstrahlung und ihre F&#228;higkeit, die Herzen der Menschen zu r&#252;hren, begeisterten.</p>
<p>Sie war 25 Jahre als, als sie nach Paris verpflichtet wurde. Es beginnt die Zeit ihrer gr&#246;ssten Theatertriumphe. In den Logen gaben sich die F&#252;rsten die Klinke in die Hand. Und auch die Pariser B&#252;rger lagen ihr zu F&#252;ssen. Sie gewann mit den klassischen Rollen in Corneilles und Racines Dramen ein B&#252;hnenformat, das sp&#228;ter nur mit dem von Sarah Bernhardt (1844 bis 1923) verglichen wird, die 1862 mit 18 Jahren an der Comédie-Française mit Iphigenie von Jean Racine deb&#252;tierte. Sie verehrte die Vorg&#228;ngerin, war allerdings im Privaten mehr oder weniger das Gegenteil. Sie schl&#252;pfte in dem St&#252;ck, das sie schrieb, in die Rolle der Adrienne Lecouvreur.</p>
<p><strong>Opernhandlung</strong></p>
<p>Der italienische Komponist Franceso Cilea (1866 bis 1950) entschied sich 1899, das Drama von Eugène Scribe und Ernest Legouvé  &#8220;Adrienne Lacouvreur&#8221;, zum Libretto umgeschrieben von Arturo Colautti, zu vertonen. Er begeisterte sich f&#252;r die verschiedenen Charaktere, von denen er berechtigt B&#252;hnenwirksamkeit erhoffte. Die Paare Lecouvreur &#8211; Maurizio und F&#252;rst und F&#252;rstin von Bouillon bieten sie, ebenso das glamour&#246;se Theaterleben der Barockzeit.</p>
<p>Fast authentisch haben die Herren Scribe und Legouvé die Figur der historischen Schauspieler-Pers&#246;nlichkeit gezeichnet. Ob sie allerdings durch den Duft eines vergifteten Veilchenstrausses starb, wird bezweifelt. Adriennes Arzt, der wie Voltaire bei der Sterbenden war, konnte die Todesursache nicht kl&#228;ren. Tats&#228;chlich soll die K&#252;nstlerin an Lungenschwindsucht gelitten haben.</p>
<p>Maurizio heisst ihr Geliebter in Cileas Oper &#8220;Adriana Lecouvreur&#8221;. Hinter der Figur verbirgt sich der historische Hermann Moritz Graf von Sachsen (1696 bis 1750), illegitimer Sohn von August dem Starken. Ein Meister deutscher Kriegskunst in franz&#246;sischen Diensten (Maréchal de Saxe). Ber&#252;chtigt war er wegen seiner Ausschweifungen. Adriennes Briefe an den Grafen bezeugen dagegen ihre Treue.</p>
<p>In der Oper, die 1902 in Mailand uraufgef&#252;hrt wurde (mit Angelica Pandolfini in der Titelrolle und Enrico Caruso als Maurizio), tritt der Graf zun&#228;chst als untadeliger Held, als gl&#252;hender, ehrlicher Liebhaber auf. Allerdings weiss Adriana nicht, dass er der Graf von Sachsen ist und nicht ein F&#228;hnrich aus dessen Regiment, wie er vorgibt.</p>
<p>Schon kurz nach dem mit Treueschw&#252;ren vollgepackten Duett verschwindet er, um sich mit Adrianas sp&#228;terer Gegenspielerin zu treffen, der F&#252;rstin von Bouillon. &#8220;Er verspricht viel, h&#228;lt wenig&#8221;, best&#228;tigt er von sich selbst.</p>
<p>Im  Zweiten Akt ein neues B&#252;hnenbild: eine halbkreisf&#246;rmige Wand, die zu einzigartigem Schattenspiel anregt. Nur ein Stuhl steht einsam herum.</p>
<p>Modern die Kost&#252;me. Die F&#252;rstin in einem sportlich-eleganten Satinmantel, unter dem sie d&#252;rftig bekleidet ist. Sie will Maurizio, den sie leidenschaftlich liebt, verf&#252;hren, wieder an sich binden. Der aber bleibt k&#252;hl und distanziert. Daraufhin will sie den Namen ihrer Rivalin wissen. &#220;berraschend wird der F&#252;rst, ihr Gatte, angek&#252;ndigt, und eilig muss sie sich verstecken.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-32245" title="adriana_lecouvreuer_07_HQ-350" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/adriana_lecouvreuer_07_HQ-350.jpg" alt="" width="350" height="525" /></p>
<p><em>Frank van Aken (Maurizio), Tanja Ariane Baumgartner (F&#252;rstin von Bouillon) und Micaela Carosi (Adriana Lecouvreur)</em></p>
<p>Die Intrigenspiele sind verworren: Der F&#252;rst, glaubt, dass seine Maitresse, die  Schauspielerin Mademoiselle Duclos, an Graf Moritz einen Brief schrieb und will die beiden &#252;berf&#252;hren. Dabei erf&#228;hrt Adriana, die auch in der Villa ihrer Schauspielkollegin Duclos erscheint, dass Maurizio der Graf selbst ist, und verd&#228;chtigt ihn, ein Verh&#228;ltnis mit der Duclos zu haben. Er kann sie &#252;berzeugen, dass es nur politische Interessen waren, sich mit einer  hochgestellten Dame hier geheim zu treffen. Adriana, die erkennt, dass diese Dame Maurizio liebt, ist nicht mehr bereit, der F&#252;rstin zur Flucht zu verhelfen, wie sie es Maurizio versprach. Ein H&#246;hepunkt der Oper ist das Duett der beiden Rivalinnen. Der F&#252;rstin gelingt unerkannt die Flucht, ihr Armband bleibt jedoch in Adrianas H&#228;nden zur&#252;ck.</p>
<p>Auf einem Fest, zu dem der F&#252;rst auch Adriana und Michonnet, den Inspizienten der Comédie einlud, kommt es zum Eklat. Die F&#252;rstin erkennt die Stimme der Nebenbuhlerin. Um letzte Gewissheit zu erhalten, tischt sie die Geschichte vom verwundeten Maurizio auf. Adrianas heftige, betroffene Reaktion gibt ihr Gewissheit. Dann erscheint der Graf und protzt mit seinen kriegerischen Taten. Adriana r&#228;cht sich, indem sie das Armband zeigt. Der F&#252;rst erkennt es als Schmuckst&#252;ck seiner Frau und ist pikiert.</p>
<p>Eine schauspielerische Einlage wird verlangt. H&#228;misch fordert die beherrschte F&#252;rstin die Rivalin auf, die Klage der Ariadne, die von Theseus verlassen wurde, zu deklamieren. Der F&#252;rst will dagegen, dass sie aus Racines Ph&#228;dra rezitiert, die eine<br />
zerst&#246;rerische, leidenschaftliche Liebe zu ihrem Stiefsohn n&#228;hrt. &#8220;Mir scheint, diese Gew&#246;lbe, diese Mauern spr&#228;chen, als warteten sie schon, zur Anklage bereit, meinem Gemahl die Wahrheit zu enth&#252;llen“ (Racine &#8220;Ph&#228;dra&#8221;, Akt III, Szene 3).</p>
<p>Dramatisch, wie Cilea diese Szene gestaltet hat. Adriana beginnt im Deklamationsstil, geht &#252;ber in Sprechgesang und endet im Gesang. Das hat Wucht. Kein Wort sprechen Adriana und Maurizio bei diesem Fest miteinander.</p>
<p>Der vierte Akt, der wieder in den Theaterkulissen spielt, die durch  bedr&#252;ckendes Lichtdesign verfremdet sind,  ist dem Vergiftungstod der  Schauspielerin gewidmet. Noch einmal erscheint Maurizio, den der  v&#228;terliche Freund Michonnet (der seine Liebe zu Adriana vergrub) um sein  Kommen bat. Er bittet um Verzeihung und beschw&#246;rt sie, seine Frau zu  werden. Der Giftduft der Blumen wirkt.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-32247" title="adriana_lecouvreuer_11_HQ-550" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/adriana_lecouvreuer_11_HQ-550.jpg" alt="" width="550" height="367" /></p>
<p><em>Davide Damiani (Michonnet) und Micaela Carosi (Adriana Lecouvreur)</em></p>
<p><strong>Der Komponist und seine Oper</strong></p>
<p>Francesco Cilea pr&#228;gte das Musikleben seines Landes um 1900 noch entscheidend mit. Die Kritiker rechneten seine Oper &#8220;Adriana Lecouvreur&#8221; zu den gelungensten Opern der Jahrhundertwende. Triumphal ist es 1902 im Mailander Teatro Lirico zugegangen. Nicht nur in Italien, sondern auch im Ausland &#8211; Paris, London, Mexiko City, St.Peterburg und New York &#8211; wurde das Werk gefeiert. Nur aus Hamburg, wo die deutsche Erstauff&#252;hrung im November 1903 stattfand, gab es kaum Berichte, und nach drei  Auff&#252;hrungen wurde es abgesetzt. Erst 1938 tauchte die Oper wieder in Berlin auf.</p>
<p>Aber es gab eine Zeit, da wurde sie auch nicht mehr in Italien gespielt, und Cilea bearbeitete sie. 1930 erlebte sie ihre erfolgreiche Wiederauff&#252;hrung und geh&#246;rt seitdem in Italien zum Repertoire. Seit einiger Zeit wird &#8220;Adriana Lecouvreur&#8221; auf mehreren deutschen Opernb&#252;hnen gespielt.</p>
<p>Musikspezialisten sprechen von einer &#8220;farbigen, perfekt ausgearbeiteten Instrumentierung&#8221; und bescheinigen der melodischen Form eine stets klare und elegante F&#252;hrung. Grandios wird Maurizios kriegerische Erfolgsarie, die er der Festgesellschaft pr&#228;sentiert, durch Trommeln, H&#246;rner und Trompeten begleitet. Sie steigert die Sensationslust der Anwesenden. Sehr differenziert und fest umrissen sind die Partien der Rivalinnen. Gelungen ist ihr gegenseitiger Schlagabtausch, der schliesslich in der Deklaration der Ph&#228;dra gipfelt.</p>
<p>Francesco Cilea sah seine Hauptaufgabe nicht als Komponist, sondern als Lehrer. Schmal ist sein Œuvre: f&#252;nf Opern, die wenig Beachtung fanden, Kammermusik und Orchesterwerke.</p>
<p><strong>Die Frankfurter Auff&#252;hrung</strong></p>
<p>Der franz&#246;sische Regisseur Vincent Boussard, der an der Comédie-Française gearbeitet hat, bringt das franz&#246;sische Flair gekonnt r&#252;ber. Die Abwesenheit von Maurizio , die gleich am Anfang sichtbar wird, steigert er in der Sterbeszene. Maurizio bringt es nicht fertig, sich der Sterbenden zu n&#228;hern, geschweige sie in die Arme zu nehmen. Was f&#252;r ein Schw&#228;chling. Hart, b&#246;sartig l&#228;sst er die F&#252;rstin agieren, bescheiden, aber selbstbewusst Adriana.</p>
<p>Spektakul&#228;r sind die B&#252;hnenbilder und die Kost&#252;me. Kaspar Glarner, kein Unbekannter an der Oper Frankfurt, ver&#228;ndert sein B&#252;hnenbild raffiniert durch Spiegelelemente, kombiniert im 2. Akt mit einer leeren Wandfl&#228;che, die eindr&#252;cklichen Schattenspielen dient. In der letzten, der Sterbeszene, f&#228;llt eine Kulissenwand um. Auf ihr stirbt Adriana.</p>
<p>Ein weiterer Clou: die Kost&#252;me von Christian Lacroix. Der weltber&#252;hmte Modesch&#246;pfer ist seit &#252;ber 30 Jahren auch bei Opern-, Ballet- und Schauspielproduktionen aktiv. In &#252;ppigen Kost&#252;men beginnt das Theater im Theater. Dann kleidet Lacroix die Protagonisten und den Chor in moderne, elegante Gew&#228;nder. Das hat was.</p>
<p>Eine faszinierende Rolle spielt das Licht, das Beleuchtungsmeister und Lichtdesigner Joachim Klein seit Jahren an der Oper Frankfurt gestaltet.</p>
<p>Cileas Werk stellt hohe Anforderungen an die Hauptfiguren. Die Titelpartie singt Micaela Carosi, eine der bedeutendsten Sopranistinnen Italiens. Sie hat die Rolle bereits gesungen. Eine edel-vornehme Erscheinung. Eine sch&#246;ne Stimme, mit eindr&#252;cklichen Momenten, die gelegentlich aber in leichtes Vibrato abdriften. Nicht immer springt der Funke &#252;ber. Bewegend und einmalig, wie Micaela Carosi die Ph&#228;dra-Szene gestaltet.</p>
<p>Auch Frank van Aken, an der Oper Frankfurt als Siegmund in <a href="http://www.erhard-metz.de/2010/11/25/das-frankfurter-nibelungen-projekt-2010-2012/">&#8220;Die Walk&#252;re&#8221;</a> gefeiert, wird der Rolle als Maurizio nicht immer gerecht. Es gibt gelegentlich Schwankungen in der Intonierung. Er ist kein &#252;berzeugender Liebender im Liebesduett  mit Adriana.</p>
<p>Klangsch&#246;n und klangvoll dagegen durchgehend Tanja Ariane Baumgartner als F&#252;rstin. Ihr durchdringender Mezzosopran gab dieser Figur die &#252;berzeugende Rivalinnen-Gr&#246;sse. Sie wurde zum gefeierten Star des Abends. Zum ersten Mal sang sie diese Partie.</p>
<p>Neu in Frankfurt ist der italienische Bassist Frederico Sacchi. Nicht nur stimmlich, sondern auch schauspielerisch pr&#228;gnant bew&#228;ltigte er sein Rollendeb&#252;t als F&#252;rst von Bouillon. Auch Peter Marsh gefiel als schmieriger Abbé von Chazeuil.</p>
<p>Der Italiener Davide Damiani gastiert erstmals in Frankfurt als Michonnet. Sein ausgewogener Bariton verleiht dem verzichtend Liebenden Glaubw&#252;rigkeit.</p>
<p>Einf&#252;hlsam begleitet das Frankfurter Opern-und Museumsorchester die S&#228;ngerinnen und S&#228;nger und bietet bewegende Momente bei den l&#228;ngeren Zwischenmusiken. Dirigent Carlo Montanaro, auch er ein Italiener, hat ein feines Gesp&#252;r f&#252;r die Musik Francesco Cileas, die es versteht, Melancholie, Rivalit&#228;t, Leidenschaft, aber auch gesellschaftliche Ausgelassenheit in T&#246;ne umzusetzen.</p>
<p>Dieses grosse Opernspektakel sollte man nicht verpassen.</p>
<p><strong><em>Weitere Auff&#252;hrungen am 9., 15., 17., 23. und 30. M&#228;rz, jeweils um 19.30 Uhr, sowie am 25. M&#228;rz um 15.30 Uhr mit kostenloser Kinderbetreuung durch Fachpersonal f&#252;r Kinder von 3 bis 9 Jahren.</em></strong></p>
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		<title>&#8220;Daphne&#8221; von Richard Strauss an der Oper Frankfurt</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Apr 2010 05:47:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Erhard Metz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gastautorinnen und -autoren]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>

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		<description><![CDATA[Erinnerung als Paradies und als Raum erfahrenen Ungl&#252;cks: &#8220;Daphne&#8221; von Richard Strauss an der Oper Frankfurt Eindr&#252;cke von Renate Feyerbacher Eine alte Frau betritt z&#246;gernd die B&#252;hne und schreitet durch die hohen, heruntergekommenen R&#228;ume. Claus Guth, der Opernregisseur, bekannt f&#252;r seine psychologischen Interpretationen, l&#228;sst die gealterte Daphne den Ort ihrer Kindheit und Jugend, wo der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #000080;"><span style="font-family: Arial;"><span style="font-size: large;">Erinnerung als Paradies und als Raum erfahrenen Ungl&#252;cks:</span></span></span></p>
<p><span style="color: #000080;"><span style="font-family: Arial;"><span style="font-size: large;">&#8220;Daphne&#8221; von Richard Strauss an der Oper Frankfurt</span></span></span></p>
<p><span style="color: #000080;"><strong><span style="font-family: Arial;"><span style="font-size: medium;">Eindr&#252;cke von Renate Feyerbacher</span></span></strong></span><strong> </strong></p>
<p><span style="font-family: Arial;">Eine alte Frau betritt z&#246;gernd die B&#252;hne und schreitet durch die hohen, heruntergekommenen R&#228;ume. Claus Guth, der Opernregisseur, bekannt f&#252;r seine psychologischen Interpretationen, l&#228;sst die gealterte Daphne den Ort ihrer Kindheit und Jugend, wo der Missbrauch stattfand, aufsuchen. &#8220;Der Tag, der sie ver&#228;nderte, sie erstarren liess, taucht wiederum vor ihren Augen auf.&#8221; Das Thema besch&#228;ftigt derzeit unsere Gesellschaft landauf, landab. Es sind viele, die zur Zeit aus ihrer Erstarrung aufwachen, sich erinnern und reden wie der Frankfurter Schriftsteller Bodo Kirchhoff: &#8220;Keinem der Betroffenen sieht man an, wie viel in ihm kaputt ist.&#8221;</span></p>
<p><span style="font-family: Arial;">Dieser Gedanke schwebt &#252;ber der Auff&#252;hrung.</span></p>
<p><span style="font-family: Arial;">In der griechischen Mythologie erstarrt Daphne, die Nymphe, zum Lorbeerbaum, als Gott Apollo hinter ihr her ist und nicht von ihr abl&#228;sst. Das Thema hat Schriftsteller (Ovid, Petrarca, Martin Opitz, Sylvia Plath, Sarah Kane &#8211; beide Dichterinnen nahmen sich das Leben &#8211; ), Komponisten (Monteverdi, Gluck, Mozart), Maler, Philosophen und Psychoanalytiker wie Sigmund Freud nicht losgelassen. Freud interpretierte die Geschichte als Deflorationsangst des M&#228;dchens und Feindseligkeit gegen&#252;ber dem Mann, die krankhafte Z&#252;ge annehmen kann.</span></p>
<p><span style="font-family: Arial;"><img title="daphne_06_HQ-430" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/daphne_06_HQ-430.jpg" alt="daphne_06_HQ-430" width="430" height="286" /></span></p>
<p><span style="font-family: Arial;"><em>Lance Ryan (Apollo), Daniel Behle  (Leukippos) und Maria Bengtsson  (Daphne); Bildnachweis: Oper Frankfurt, Foto:	© Barbara Aum&#252;ller</em></span></p>
<p><span style="font-family: Arial;">Richard Strauss war ein Freund Griechenlands. 1892 besuchte er die Insel Naxos, auf der Dionysos, Gott des Weines, geboren und verehrt wurde. Auch Ariadne lebte hier. Richard Strauss schuf zusammen mit Hugo von Hofmannsthal die Oper &#8220;Ariadne auf Naxos&#8221;. Auch diesmal wollte der Komponist mit Hofmannsthal die &#8220;Daphne&#8221; erarbeiten, aber der Freund starb unerwartet 1929. Stefan Zweig &#252;bernahm die Librettistenaufgabe, aber die Nazis liessen dieses B&#252;ndnis von Komponist und Dichter nicht zu. Zweig empfahl Joseph Gregor, einen B&#252;cherwurm, Bibliothekar und Archivar, der die Theatersammlung der &#214;sterreichischen Nationalbibliothek gegr&#252;ndet hatte und sich hin und wieder als Poet bet&#228;tigte. Die Briefe, die Strauss ihm schrieb, zeugen von der m&#252;hsamen Arbeit am Libretto. Er forderte laufend Ver&#228;nderungen und sprach von &#8220;schlecht imitiertem Homerjargon&#8221;. Er liess das Projekt schliesslich zu mit den Worten, &#8220;dass aus dem h&#252;bschen Sujet und manchen h&#252;bschen Details der Bearbeitung nicht doch noch ein netter Einakter werden kann&#8221;. &#8220;Daphne&#8221;, die bukolische Trag&#246;die in einem Akt, wurde am 15. Oktober 1938 in der Semper-Oper in Dresden uraufgef&#252;hrt. Bukolik ist die griechische Hirtendichtung.</span></p>
<p><span style="font-family: Arial;"><img title="daphne_12_HQ-430" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/daphne_12_HQ-430.jpg" alt="daphne_12_HQ-430" width="430" height="286" /></span></p>
<p><span style="font-family: Arial;"><em>Lance Ryan (Apollo) und Maria Bengtsson  (Daphne)</em><em>; Bildnachweis:  Oper Frankfurt, Foto:	© Barbara Aum&#252;ller</em></span></p>
<p><span style="font-family: Arial;">Die Oper beginnt mit den Vorbereitungen auf das Dionysos-Fest. Leukippos, der Jugendfreund, umwirbt Daphne und kommt ihr nah, doch sie schreckt pl&#246;tzlich zur&#252;ck. Mutter Gaea, mythologisch Mutter Erde, ist besorgt. Apollo, verkleidet als Hirte, ist von dem jungen sch&#246;nen M&#228;dchen (Nymphe) angezogen. Daphne ist ber&#252;hrt von seinen Liebesworten, umarmt und k&#252;sst ihn, dann schreckt sie vor Angst zur&#252;ck. Beim Fest erscheint Leukippos als M&#228;dchen verkleidet, um Daphne nahe zu sein. Diese Entweihung des Festes und der Betrug erz&#252;rnen Apollo: Er st&#246;rt mit Donner und Blitz die Festlichkeiten und stellt den jungen Nebenbuhler zur Rede. Daphne muss den doppelten Betrug erkennen. Leukippos befreit sich selbst von den Frauenkleidern, Apollo offenbart sich und fordert die Geliebte auf, mit ihm zu gehen. Als Leukippos ihn einen L&#252;gner nennt und Daphne sich weigert, mitzugehen, kommt es zum Kampf. Apollo t&#246;tet Daphnes Jugendfreund und bittet die G&#246;tter um Vergebung. Daphne m&#246;chte er zur&#252;ck gewinnen – nicht in Menschengestalt, sondern als immer gr&#252;nenden Lorbeerbaum. Daphne verwandelt sich.</span></p>
<p><span style="font-family: Arial;">Der Text dieser musikalisch eindringlichen Oper erscheint manchmal verquast und artifiziell. Man muss sich auf die Musik konzentrieren mit ihren wundersch&#246;nen Momenten: &#8220;Hier sind behutsame Regungen und Stimmungen der Naturverbundenheit in Kl&#228;nge gefasst, die man so leicht nicht vergisst&#8221;, schreibt Ernst Krause (zitiert nach dem Programmheft). Fasziniert ist er, wie Strauss Daphnes Verwandlung in den Lorbeerbaum musikalisch umsetzt, die sich in &#8220;schleierzartem Fis-Dur vollzieht, wie der Klang sich aus dem reinen Holz emporwachsend immer mehr in das viel ver&#228;stelte Farbenflimmern der geteilten Streicher, der Harfe und der &#252;brigen Instrumente aufl&#246;st &#8230; &#8220;, der Klang sich in den &#8220;vogelhaft-zwitschernden Koloraturen des frei schwebenden Soprans&#8221; fortspinnt. Das ist einmalig. Strauss hat mehr als einen netten Einakter geschaffen.</span></p>
<p><span style="font-family: Arial;"><img title="daphne_17_HQ-430" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/daphne_17_HQ-430.jpg" alt="daphne_17_HQ-430" width="430" height="286" /></span></p>
<p><span style="font-family: Arial;"><em>Maria Bengtsson (Daphne)</em><em>; Bildnachweis: Oper Frankfurt, Foto:	©  Barbara Aum&#252;ller</em></span></p>
<p><span style="font-family: Arial;">Claus Guths einleuchtende, psychologisch-durchg&#228;ngige Regiearbeit steht im Einklang mit der musikalischen Realisation.</span></p>
<p><span style="font-family: Arial;">Die Schwedin Maria Bengtsson singt Daphne. Ihr zarter, lyrischer Ton begeistert, ihr Spiel ist eindringlich. Ihr einleitender Monolog &#8220;O bleib, geliebter Tag&#8221; l&#228;sst erahnen, welches Potential diese Stimme birgt, die in der Klage um den toten Freund einen H&#246;hepunkt erreicht. Heldentenor Lance Ryan hat in &#8220;Daphne&#8221; sein Deb&#252;t als Apollo. Trotz gesundheitlicher Probleme am Premierenabend gab der Kanadier einen grandiosen Einstand an der Oper Frankfurt. Er verlieh diesem liebesbesessenen und machtorientierten Gott kraftvolle T&#246;ne, manchmal bewusst etwas schrill. Martin Behle ist Leukippos. Sein jugendlicher, strahlender Tenor, makellos in den H&#246;hen, besticht.</span></p>
<p><span style="font-family: Arial;">Matthew Best als Vater Peneios und Tanja Ariane als Gaea &#252;berzeugen wie auch die anderen S&#228;ngerinnen und S&#228;nger, die als Sch&#228;fer und M&#228;gde agieren.</span></p>
<p><span style="font-family: Arial;">Generalmusikdirektor Sebastian Weigle und das Frankfurter Opern- und Museumsorchester musizieren sehr dynamisch: lebendig beim Fest, einf&#252;hlsam bei den Naturimpressionen.</span></p>
<p><span style="font-family: Arial;">&#8220;Daphne&#8221; &#8211;  ein Opernabend, den man schon wegen Maria Bengtsson nicht verpassen sollte: <a href="http://www.oper-frankfurt.de">Vorstellungen</a> gibt es am 4., 10., 18., 23. und 25. April sowie am 19. und 26. Juni 2010, jeweils um  19.30 Uhr.</span></p>
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		<title>&#8220;Das Rheingold&#8221; an der Berliner Staatsoper</title>
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		<pubDate>Fri, 29 Oct 2010 20:35:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Erhard Metz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#8220;Das Rheingold&#8221; von Richard Wagner an der Berliner Staatsoper Vorabend des B&#252;hnenfestspiels &#8220;Der Ring des Nibelungen&#8221; Natur und Musik im Einklang Betrachtungen von Renate Feyerbacher Die Musik dieses Wagner’schen Grossprojektes im Schillertheater: kann das gut gehen? Die Gr&#246;sse des Geb&#228;udes in der Bismarckstra&#223;e ist nicht zu vergleichen mit dem Staatsopern-Geb&#228;ude Unter den Linden, das nun [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #808080;"><span style="font-family: Arial;"><span style="font-size: large;"><strong>&#8220;</strong><strong>Das Rheingold&#8221;</strong><strong> von Richard Wagner an der Berliner Staatsoper</strong><strong> </strong><br />
<em><strong><span style="font-size: medium;">Vorabend des B&#252;hnenfestspiels &#8220;Der Ring des Nibelungen&#8221;</span></strong></em></span></span></span></p>
<p><span style="color: #808080;"><span style="font-family: Arial;"><span style="font-size: large;"><strong>Natur und Musik im Einklang</strong></span></span></span></p>
<p><span style="color: #808080;"><span style="font-family: Arial;"><span style="font-size: medium;"><strong>Betrachtungen von Renate Feyerbacher</strong></span></span></span></p>
<p><span style="font-family: Arial;">Die  Musik dieses Wagner’schen Grossprojektes im Schillertheater: kann das gut  gehen? Die Gr&#246;sse des Geb&#228;udes in der Bismarckstra&#223;e ist nicht zu  vergleichen mit dem Staatsopern-Geb&#228;ude Unter den Linden, das nun  saniert wird. Ja, es gelang. Daniel Barenboim und  die Staatskapelle  Berlin beweisen es. Die Feinheiten der Musik kommen gesch&#228;rft zur  Geltung. Beinahe jedes Wort des Textes ist zu verstehen. Noch nie habe  sie den Text in einer Wagner-Oper verstanden, heute Abend jedoch &#8211; so war  eine Dame zu vernehmen.</span></p>
<p><span style="font-family: Arial;"><img class="alignnone size-full wp-image-20770" title="FRICKA Ekaterina Gubanova FROH Marco Jentzsch FREIA Anna Samuil DONNER Jan Buchwald T&#228;nzer der Eastman Company LOGE Stephan R&#252;gamer WOTAN Hanno M&#252;ller-Brachmann-450" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/FRICKA-Ekaterina-Gubanova-FROH-Marco-Jentzsch-FREIA-Anna-Samuil-DONNER-Jan-Buchwald-T&#228;nzer-der-Eastman-Company-LOGE-Stephan-R&#252;gamer-WOTAN-Hanno-M&#252;ller-Brachmann-450.jpg" alt="" width="450" height="279" /></span></p>
<p><span style="font-family: Arial;"><em>FRICKA  Ekaterina  Gubanova FROH Marco Jentzsch FREIA Anna Samuil DONNER Jan  Buchwald  T&#228;nzer der Eastman Company  LOGE Stephan R&#252;gamer WOTAN Hanno   M&#252;ller-Brachman; Staatsoper Berlin, Foto: </em></span>©<span style="font-family: Arial;"><em> Monika Rittershaus</em></span></p>
<p><span style="font-family: Arial;">Dennoch  gibt es einen Wermutstropfen in der Koproduktion mit der Mail&#228;nder  Scala: Es war ein Zuviel des Tanzes. Wieso Tanz &#252;berhaupt? Es nervt,  wenn w&#228;hrend der Zwischenmusik getanzt wird. Wenn auch sehr gut getanzt wird, denn  kein Geringerer als der weltber&#252;hmte Sidi Larbi Cherkaoui hat  choreographiert. Packend sind auch die Tanzszenen, wenn sich  Alberich verwandelt: Wie Kn&#228;uel rollen sich die T&#228;nzerinnen und T&#228;nzer  der Eastman Company, die Cherkaoui im Januar 2010 gr&#252;ndete, dann  zusammen, verschlungen sind ihre K&#246;rper, und wenn Wotan den Nibelung  gefangen h&#228;lt, h&#228;ngen sie wie Kletten-Fesseln an ihm.</span></p>
<p style="text-align: center;"><span style="font-family: Arial;"><img class="size-full wp-image-20771 aligncenter" title="ALBERICH Johannes Martin Kraenzle und Taenzerinnen der Eastman Company-400" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/ALBERICH-Johannes-Martin-Kraenzle-und-Taenzerinnen-der-Eastman-Company-400.jpg" alt="" width="400" height="637" /></span></p>
<p><span style="font-family: Arial;"><em>ALBERICH Johannes Martin Kr&#228;nzle und T&#228;nzerinnen der Eastman Company; Staatsoper Berlin, Foto: </em></span>©<span style="font-family: Arial;"><em> Monika Rittershaus</em></span></p>
<p><span style="font-family: Arial;">Den Alberich singt &#8211; wie auch schon an der Mail&#228;nder Scala &#8211; <a href="http://www.erhard-metz.de/2010/03/04/sich-auf-die-suche-machen-begegnung-mit-dem-saenger-johannes-martin-kraenzle/">Johannes Martin Kr&#228;nzle</a>. Sehr differenziert gestaltet er die Rolle, fulminant steigert  er seine baritonale Stimme, und wie immer spielt er fantastisch. Kr&#228;nzle, Ensemblemitglied der Oper  Frankfurt, wurde wegen seiner Interpretation des Beckmesser in &#8220;Die  Meistersinger von N&#252;rnberg&#8221; von Wagner an der Oper K&#246;ln f&#252;r den  Theaterpreis Der FAUST nominiert. Allerdings hat er zwei starke  Konkurrentinnen.</span></p>
<p><span style="font-family: Arial;"><img class="alignnone size-full wp-image-20772" title="ALBERICH Johannes Martin Kr&#228;nzle-450" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/ALBERICH-Johannes-Martin-Kr&#228;nzle-450.jpg" alt="" width="450" height="299" /></span></p>
<p><span style="font-family: Arial;"><em>ALBERICH Johannes Martin Kr&#228;nzle; Staatsoper Berlin, Foto: </em></span>©<span style="font-family: Arial;"><em> Monika Rittershaus</em></span></p>
<p><span style="font-family: Arial;">Stephan  R&#252;gamer gef&#228;llt als lyrischer Loge. Die Russin Ekatarina Gubanova, sie  gab 2009 ihr Debut an der Metropolitan Opera New York, ist eine  selbstbewusste, strahlende Fricka. Diese drei ragen in der ansonsten  guten S&#228;ngerriege heraus.</span></p>
<p style="text-align: center;"><span style="font-family: Arial;"><img class="size-full wp-image-20773 aligncenter" title="FROH Marco Jentzsch FRICKA Ekaterina Gubanova WOTAN Hanno M&#252;ller-Brachmann LOGE Stephan R&#252;gamer-400" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/FROH-Marco-Jentzsch-FRICKA-Ekaterina-Gubanova-WOTAN-Hanno-M&#252;ller-Brachmann-LOGE-Stephan-R&#252;gamer-400.jpg" alt="" width="400" height="621" /></span></p>
<p><span style="font-family: Arial;"><em>FROH Marco Jentzsch FRICKA Ekaterina Gubanova WOTAN Hanno M&#252;ller-Brachmann LOGE Stephan R&#252;gamer; Staatsoper Berlin, Foto: </em></span>©<span style="font-family: Arial;"><em> Monika Rittershaus</em></span></p>
<p><span style="font-family: Arial;">Die  Video-Projektionen zeigen die Naturelemente &#8211; beeindruckend. In der  ersten Szene, dem neckischen Spiel zwischen den Rheint&#246;chtern und  Alberich, steht die B&#252;hne unter Wasser. Eine sch&#246;ne Idee, die aber auch  sehr ablenkt von dem tr&#252;gerischen Spiel des Nibelung und der  Rheint&#246;chter. Es fehlt der erotische Funken.</span></p>
<p><span style="font-family: Arial;">Da FeuilletonFrankfurt mittlerweile auch in Berlin gelesen wird: Nur noch einmal in dieser Spielzeit, am 31. Oktober 2010, wird &#8220;Das Rheingold&#8221; in der <a href="http://www.staatsoper-berlin.org/">Staatsoper Berlin</a> im Schillertheater </span>in der Inszenierung von Guy Cassiers <span style="font-family: Arial;">aufgef&#252;hrt. Und: Mit ICE oder Billigflug ist es von Frankfurt am Main nach Berlin nur ein &#8220;Katzensprung&#8221;.</span><br />
<em><br />
</em></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>&#8220;G&#246;tterd&#228;mmerung&#8221; von Richard Wagner: der Tetralogie letzter Teil an der Oper Frankfurt</title>
		<link>http://erhard-metz.de/2012/02/05/gotterdammerung-von-richard-wagner-der-tetralogie-letzter-teil-an-der-oper-frankfurt/</link>
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		<pubDate>Sun, 05 Feb 2012 16:55:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Erhard Metz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gastautorinnen und -autoren]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>

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		<description><![CDATA[Hoffnung f&#252;r die verst&#252;mmelte Natur von Renate Feyerbacher Der letzte Tag von Richard Wagners vierteiligem B&#252;hnenfestspiel &#8220;Der Ring des Nibelungen&#8221; hatte am 29. Januar 2012 Premiere in der Oper Frankfurt. Vera Nemirova; Foto: Renate Feyerbacher F&#252;nf Jahre, so erz&#228;hlt Regisseurin Vera Nemirova, habe das Team zusammengearbeitet. Sie habe sich an der Frankfurter Oper wohlgef&#252;hlt. Zum [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: large;">Hoffnung f&#252;r die verst&#252;mmelte Natur</span></p>
<p><span style="font-size: medium;"><strong><em>von Renate Feyerbacher</em></strong><br />
</span></p>
<p>Der letzte Tag von Richard Wagners vierteiligem B&#252;hnenfestspiel &#8220;Der Ring des Nibelungen&#8221; hatte am 29. Januar 2012 Premiere in der Oper Frankfurt.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-31544" title="Vera Nemirova (Ring), M.Krasting, Jg. Musiker 22.1" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/Vera-Nemirova-Ring-M.Krasting-Jg.-Musiker-22.1.gif" alt="" width="430" height="620" /></p>
<p><em>Vera Nemirova; Foto: Renate Feyerbacher</em></p>
<p>F&#252;nf Jahre, so erz&#228;hlt Regisseurin Vera Nemirova, habe das Team zusammengearbeitet. Sie habe sich an der Frankfurter Oper wohlgef&#252;hlt. Zum Stammhaus sei sie ihr geworden und &#8220;tolle Leute&#8221; habe sie getroffen. Sehr fruchtbar im doppelten Sinne sei die Produktion gewesen, denn einige Kinder wurden geboren.</p>
<p>Zum Beispiel wurde Malte Krasting, der Dramaturg des Frankfurter Projekts, Vater. Die anderthalbj&#228;hrige Kleine ist bei &#8220;Oper extra&#8221; zu sehen, wie sie tapfer im Foyer heruml&#228;uft. &#8220;Die im Dunkeln sind, sieht man nicht&#8221; hat Brecht gesagt, aber ihre Arbeit ist pr&#228;gend f&#252;r das Gelingen des Wagnerschen Mammutwerks, das Krasting bearbeiten musste.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-31545" title="Vera Nemirova (Ring), M.Krasting, Jg. Musiker 22.1.12 004" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/Vera-Nemirova-Ring-M.Krasting-Jg.-Musiker-22.1.12-004.gif" alt="" width="430" height="573" /></p>
<p><em>Malte Krasting; Foto: Renate Feyerbacher</em></p>
<p>&#220;ber 400 Seiten umfasst das Reclam-Textbuch, das f&#252;r die Zuschauer nachvollziehbar und zeitlich verkraftbar aufbereitet werden muss. Und das ist dem Dramaturg gelungen.</p>
<p>Der weltweit agierende B&#252;hnenbildner Jens Kilian hat sich immer wieder Varianten f&#252;r seine Wagner-Scheibe einfallen lassen, die schliesslich am Ende zur Raum-Zeit-Maschine wird. Aus der Unterwelt im &#8220;Rheingold&#8221; wird die Halle der Gibichungen, die sich an ihrer Bar gerne bedienen. Die Jetztzeit ist angekommen und gemeint.</p>
<p>Fantasievoll hat Kost&#252;mbildnerin Ingeborg Berneth das Personal des Rings eingekleidet. In der &#8220;G&#246;tterd&#228;mmerung&#8221; ist es eine Mischung aus alten und neuen Kost&#252;men.</p>
<p>Wie Kilian hat auch Olaf Winter, Technischer Direktor sowohl an der Oper als am Schauspiel, mit namhaften Regisseuren im In- und Ausland zusammengearbeitet. Er verantwortet das Lichtdesign, mit dem pointiert, behutsam, eindr&#252;cklich umgegangen wird.</p>
<p>Zun&#228;chst war Bibi Abels verantwortlich f&#252;r die Videoprojektionen, jetzt wurde die Regisseurin, unterst&#252;tzt von Katja Gehrke, selbst aktiv.</p>
<p>Nun endlich konnte der Chor brillieren, den Wagner in der &#8220;G&#246;tterd&#228;mmerung&#8221; &#8211; erstmals in der Tetralogie &#8211; auftreten l&#228;sst. Chordirektor Matthias K&#246;hler hat ihn einstudiert. Stimmgewaltig singen diese &#8220;Mannen und Frauen&#8221;.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-31562" title="Chor der Oper Frankfurt" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/chor_der_oper_frankfurt_HQ-550.jpg" alt="" width="550" height="366" /></p>
<p><em>Bildnachweis Chor der Oper Frankfurt: Barbara Aum&#252;ller</em></p>
<p>Last not least: immer dabei ist Generalmusikdirektor Sebastian Weigle, der mit dem Frankfurter Opern- und Museumsorchester &#8211; zum dritten Mal in Folge &#8220;Orchester des Jahres&#8221; &#8211; musikalische Meilensteine gesetzt hat. Am Ende pr&#228;sentieren sich die Musiker mit ihrem Dirigenten und ernten frenetischen Beifall.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-31561" title="frankfurter_opern-_und_museumsorchester_HQ-550" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/frankfurter_opern-_und_museumsorchester_HQ-550.jpg" alt="" width="550" height="366" /></p>
<p><em>Bildnachweis Frankfurter Opern- und Museumsorchester: Barbara Aum&#252;ller</em></p>
<p><strong>Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft</strong></p>
<p>Tr&#252;b-grau, poliert-glatt ist die Scheibe, die Raum-Zeit-Maschine, die im &#8220;Rheingold&#8221; das Blau des Rheins wiedergab, in &#8220;Walk&#252;re&#8221; zum Baumstamm mit Jahresringen und im &#8220;Siegfried&#8221; zur moosgr&#252;nen Wiese im Wald wurde. Es ist Nacht, kalt die Atmosph&#228;re, eisiges Schweigen statt des ausgelassenen, unbek&#252;mmerten Lachens und Herumtollens der drei Rheint&#246;chter zu Beginn des &#8220;Rheingold&#8221;.</p>
<p>Vor sich hinstarrend, hocken nun die drei Schicksal bestimmenden Nornen, die T&#246;chter von Erda, zusammen, ungl&#252;cklich dreinblickend, ihr str&#228;hniges Haar ordnend. Mit dem Messer schneidet jede eine Str&#228;hne ab. D&#252;ster, langsam, mollt&#246;nig die Musik. W&#228;hrend sie mit dem Schicksals-Seil die G&#246;tter-Staffage und die anderen leblosen Figuren, die auf verschiedenen Positionen der B&#252;hne stehen, umgarnen, beginnen sie vom Vergangenen zu erz&#228;hlen und unheilvoll das Ende herauf zu beschw&#246;ren. Dann robbt sich der goldbekleidete Alberich heran und zerschneidet das Seil. Die Nornen entgleiten in die Tiefe &#8220;hinab zur Mutter, hinab!&#8221;.  Ein starker Beginn.</p>
<p>Die zweite Szene des Vorspiels kn&#252;pft wieder an das Ende von &#8220;Siegfried&#8221;. Es ist der Fels, dessen Feuermauer der Held &#252;berwand. Er befreite Br&#252;nnhilde aus ihrem (Dornr&#246;schen-) Schlaf. Ewige Treue schworen sie sich: &#8220;O Siegfried! Dein war ich von jeh!&#8221;  Er: &#8220;Warst du’s von je, so sei es jetzt!&#8221;</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-31563" title="goetterdaemmerung_01_HQ-550" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/goetterdaemmerung_01_HQ-550.jpg" alt="" width="550" height="366" /></p>
<p><em>Lance Ryan (Siegfried) und Susan Bullock (Br&#252;nnhilde); Foto: © Monika Rittershaus</em></p>
<p>Nun steht da eine Badewanne auf dem &#8220;Fels&#8221;-Podest. Hingebungsvoll und verliebt w&#228;scht Br&#252;nnhilde den Helden, den das k&#252;hne Weib dann &#8220;zu neuen Taten, teurer Helde!&#8221; r&#252;stet, ihm ein T&#228;sschen Kaffee reicht, ihr Ross Grane schenkt und sich seiner Treue versichert. Den Ring des Nibelungen, &#8220;Nun wahre Du seine Kraft&#8221;, l&#228;sst er bei ihr.</p>
<p>Dann erster Aufzug &#8211; Ankunft in unserer Gesellschaft. Im Schlauchboot demonstrieren die Rheint&#246;chter, &#8220;Rettet den Rhein&#8221; steht auf ihrem Schild. Die Occupy-Bewegung, die in eisiger K&#228;lte vor Oper und EZB ausharrt, die Demonstrationen gegen Flugl&#228;rm in Frankfurt und Umgebung kommen in den Sinn. Mehr Slapstick denn Ernsthaftigkeit im Auftritt. Sp&#228;ter hat die Demonstrationsszene der Rheint&#246;chter  mehr Tiefe. Da versuchen sie, Siegfried den Ring abzuschw&#228;tzen. Vergebens.</p>
<p>Der macht sich mit dem Schlauchboot auf zur Halle der Gibichungen am Rhein.</p>
<p>Die Bar des Hauses ist gut gef&#252;llt, nur ein weisser Sessel als Inventar. Die Personen: Gunther, der Chef des Hauses, im Strassenanzug, mit Hornbrille, ein schw&#228;chlicher Typ, eine Witzfigur, nichts von einem Helden, von dessen Ruhm Siegfried geh&#246;rt haben will, und Hagen, sein Halbbruder &#8211; ganz in Schwarz.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-31564" title="goetterdaemmerung_03_HQ-550" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/goetterdaemmerung_03_HQ-550.jpg" alt="" width="550" height="366" /></p>
<p><em>Lance Ryan (Siegfried), Gregory Frank (Hagen) und Johannes Martin Kr&#228;nzle (Gunther); Foto: © Monika Rittershaus</em></p>
<p><strong>Verrat und Schuld</strong></p>
<p>In Wagners &#8220;G&#246;tterd&#228;mmerung&#8221; ist Hagen der Sohn des Alberich, dem es trotz Schwur, der Liebe zu entsagen (Rheingold), gelungen ist, ein Kind zu zeugen. Da ist dann noch Gutrune, Gunthers Schwester, die gerade vom Joggen kommt. Die Geschichte ist in der Jetztzeit angekommen. &#8220;Die Gibichungen sind uns &#228;hnlicher, als es uns lieb ist&#8221; begr&#252;ndet Regisseurin Vera Nemirova diese Szene.</p>
<p>Vor Siegfrieds Ankunft am Hofe hatte Hagen von dessen Heldentaten berichtet. Verschlagen, wie er ist, macht er dem unverheirateten Geschwisterpaar den Gedanken an eine Doppelhochzeit schmackhaft: Gunther soll Br&#252;nnhilde freien, Gutrune mit Siegfried verm&#228;hlt werden. Wie k&#246;nnten Siegfried, dieser Held, und Br&#252;nnhilde, die starke Frau, die nur von ihm erobert werden konnte und mit ihm verm&#228;hlt ist, an die beiden am Rhein wohnenden Schw&#228;chlinge gebunden werden?</p>
<p>Nur durch Betrug: mit einem Willkommenstrank, der Siegfrieds Erinnerung an Br&#252;nnhilde ausl&#246;scht und ihn zum Betr&#252;ger werden l&#228;sst, soll das m&#246;glich werden.</p>
<p>Kurz nachdem Gutrune, jetzt im Glitzerkleid mit tiefem Dekolleté, Siegfried den Trank gereicht hat, entfaltet sie ihre Verf&#252;hrungsk&#252;nste. Kopf&#252;ber legt sie sich &#252;ber die Theke der Bar. Mund und Busen sind dem am Boden kauernden Siegfried ganz nah. Und dann schminkt sie sich ihre Lippen. Der, der bis dahin keinen Lippenstift kannte, schaut ganz nah zu. Das knistert.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-31570" title="goetterdaemmerung_04_HQ-550" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/goetterdaemmerung_04_HQ-550.jpg" alt="" width="550" height="366" /></p>
<p><em>Anja Fidelia Ulrich (Gutrune) und Lance Ryan (Siegfried); Foto: © Monika Rittershaus</em></p>
<p>Mit der Tarnkappe, die der Nibelung schuf und die in Siegfrieds Besitz ist, erobert er, in Gestalt von Gunther, f&#252;r Gunther Br&#252;nnhilde, der er Treue schwor. Er entreisst ihr mit Gewalt den Ring vom Finger und entf&#252;hrt sie von ihrem Felsen. Ein infames Unterfangen. &#8220;Ihrem Mann (Gunther) gehorchte Br&#252;nnhild&#8217; eine volle br&#228;utliche Nacht&#8221;, wird Siegfried sp&#228;ter seiner zuk&#252;nftigen Frau Gutrune erz&#228;hlen.</p>
<p>Bevor das geschehen konnte, hatte sich Waltraute, eine Schwester Br&#252;nnhildes, aus der G&#246;tterburg entfernt und war zum Felsen geeilt. Sie warnte und beschwor Br&#252;nnhilde, den Rheint&#246;chtern den Ring zur&#252;ckzugeben. Diese Szene ist dank Claudia Mahnke, die Waltraute singt, beeindruckend.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-31556" title="G&#246;tterd&#228;mmerung 29.1.2012, JMK,Stallmeister,Ryan, Bullock u.a 014" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/G&#246;tterd&#228;mmerung-29.1.2012-JMKStallmeisterRyan-Bullock-u.a-014.gif" alt="" width="430" height="582" /></p>
<p><em>Claudia Mahnke; Foto Renate Feyerbacher</em></p>
<p>Zur&#252;ck in der Halle der Gibichungen: Nur der weisse Sessel, in dem Alberich sitzt und sinnt &#8211; nur d&#252;stere Musik bis Alberich, wieder exzellent Jochen Schmeckenbecher, erscheint und ihn zum Handeln aufruft mit rotem Handschuh, mit dem er bereits im &#8220;Rheingold&#8221; agierte. Es geht um den Ring. Auch diese Szene ist ein H&#246;hepunkt der Inszenierung, wie &#252;berhaupt dieser Zweite Aufzug. Der Ring an Siegfrieds Finger enth&#252;llt den Betrug. Br&#252;nnhilde, Hagen und Gunther beschliessen Siegfrieds Tod.</p>
<p>&#8220;Es w&#228;re zu einfach zu sagen: die B&#246;sewichte. Die Gibichungen sind uns &#228;hnlicher, als es uns lieb ist&#8221; (Vera Nemirova).</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-31565" title="goetterdaemmerung_17_HQ-550" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/goetterdaemmerung_17_HQ-550.jpg" alt="" width="550" height="366" /></p>
<p><em>Johannes Martin Kr&#228;nzle (Gunther) und Lance Ryan (Siegfried); Foto: © Monika Rittershaus</em></p>
<p>Im letzten Moment hat Gunther, der verratene Verr&#228;ter, versucht, den Mord zu verhindern. Zu sp&#228;t. Er weint, er versucht, den Sterbenden zu st&#252;tzen. Gunther ist keine grosse Rolle in der &#8220;G&#246;tterd&#228;mmerung&#8221;. Aber die Regisseurin macht sie in diesem Dritten Aufzug dazu. Schweigend, wie erstarrt, sitzt Gunther lange Zeit, die Beine angewinkelt, dem Publikum zugewandt am Rande der B&#252;hne. Dieser Moment geht unter die Haut, so wie Johannes Martin Kr&#228;nzle ihn darstellt.</p>
<p>Das Ende: Hagen ermordet Gunther beim Kampf um den Ring und st&#252;rzt sich in den Rhein. Die  T&#246;chter ziehen ihn in die Tiefe. Bevor sie sich zusammen mit Siegfrieds Leichnam auf dem Scheiterhaufen verbrennen l&#228;sst, schleudert Br&#252;nnhilde das Feuer &#8211; realisiert durch einen Lichtschock &#8211; ins Publikum, in die G&#246;tterburg Walhall. Der Ring ist  wieder im Besitz der Rheint&#246;chter.</p>
<p>Wotan hat die Natur verst&#252;mmelt. Der Quell der Weisheit ist versiegt, die verdorrte Esche abgeholzt. Die Nornen haben es geklagt und beklagt: &#8220;In langer Zeiten Lauf zehrte die Wunde den Wald; falb fielen die Bl&#228;tter, d&#252;rr darbte der Baum; traurig versiegte des Quelles Trank: tr&#252;ben Sinnes ward mein Sang.&#8221;</p>
<p>Werden die Menschen die Natur wieder befrieden k&#246;nnen? Es sieht d&#252;ster aus. Die vielen Naturkatastrophen zeigen es. Dennoch h&#228;lt Vera Nemirova es f&#252;r falsch, von Weltenbrand zu reden. Zukunft wird es geben.</p>
<p>&#8220;Die Nibelungen wiederum &#8211; tief in der Erde zu Hause, noch unterhalb des Rheins &#8211; sind Sinnbild f&#252;r Bodensch&#228;tze, Edelmetalle, Gold und in letzter Konsequenz: Geld. Und Geld ist Macht.&#8221; Malte Krasting: &#8220;Fertig ist die Musik eigentlich nie“ (Beitrag im Programmheft).</p>
<p><strong>Eindr&#252;cke von der Auff&#252;hrung</strong></p>
<p>Die minimalistische Form der Inszenierung, es gibt kaum Requisiten, wohl aber die Bewegungen der Scheibe, der Raum-Zeit-Maschine, sch&#228;rft die Konzentration und l&#228;sst die Musik voll zum Tragen kommen. Einige leise Buh-Rufe gab es bei der Premiere f&#252;r das Regie-Team. Es gibt Momente, die Vera Nemirova &#252;berzogen hat, aber ihre Gesamtlinie ist konsequent, interessant und spannend.</p>
<p>Eine Dame sprach mich an und fragte nach meiner Meinung. Sie fand den Schluss langweilig. Ihr fehlten am Ende die Aktionen von Wasser, das &#220;bertreten des Rheines &#252;ber die Ufer und das lodernde Feuer wie in &#8220;Walk&#252;re&#8221; und &#8220;Siegfried&#8221;. Nat&#252;rlich h&#228;tten Videoeinspielungen das m&#246;glich gemacht. Aber dieser ruhige, unspektakul&#228;re Schluss, Siegfrieds Beerdigung, macht die Intention  des Komponisten klar. Sie provoziert zum Nachdenken.</p>
<p>Die Kontinuit&#228;t von B&#252;hnenbild und K&#252;nstlern st&#228;rkt die Inszenierungen der Tetralogie und unterstreicht deren Bedeutung als Gesamtkunstwerk.</p>
<p>Als Hauptpersonen sind wieder dabei: Lance Ryan als Siegfried und Susan Bullock als Br&#252;nnhilde. Jochen Schmeckenbecher als Alberich hatte nur einen, allerdings &#252;berzeugenden Auftritt. Die Rheint&#246;chter Britta Stallmeister, Jenny Carlstedt und Katharina Magiera sind wieder genauso spritzig wie im &#8220;Rheingold&#8221;.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-31557" title="G&#246;tterd&#228;mmerung 29.1.2012, JMK,Stallmeister,Ryan, Bullock u.a 007" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/G&#246;tterd&#228;mmerung-29.1.2012-JMKStallmeisterRyan-Bullock-u.a-007.gif" alt="" width="430" height="561" /></p>
<p><em>Britta Stallmeister; Foto Renate Feyerbacher</em></p>
<p>Neu besetzt ist die Rolle der Walk&#252;re Waltraute mit Claudia Mahnke, einmalig. Sie singt auch die 2. der Nornen, die neu in der „G&#246;tterd&#228;mmerung“ vertreten sind. Die 1. Norn verk&#246;rpert Meredith Arwady, sie sang auch die Erda. Ihr Vibrato ist manchmal zu stark. Die 3. Norn realisiert Angel Blue, die nicht nur ihr Rollen-, sondern auch ihr Hausdeb&#252;t an der Frankfurter Oper gibt. Zun&#228;chst war die Amerikanerin Model. Es wurde bei &#8220;Oper extra&#8221; verraten, dass sie einmal Sch&#246;nheitk&#246;nigin war.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-31558" title="G&#246;tterd&#228;mmerung 29.1.2012, JMK,Stallmeister,Ryan, Bullock u.a 018" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/G&#246;tterd&#228;mmerung-29.1.2012-JMKStallmeisterRyan-Bullock-u.a-018.jpg" alt="" width="430" height="574" /></p>
<p><em>Angel Blue; Foto Renate Feyerbacher</em></p>
<p>Neu sind auch die Figuren des Gunther, des Hagen und der Gutrune, Letztere gesungen von Anja Fidelia Ulrich, eine sch&#246;ne Stimme, aber es war f&#252;r die S&#228;ngerin schwer, in dieser Konstellation zu bestehen.</p>
<p><a href="http://www.erhard-metz.de/2010/03/04/sich-auf-die-suche-machen-begegnung-mit-dem-saenger-johannes-martin-kraenzle/">Johannes Martin Kr&#228;nzle</a>, S&#228;nger des Jahres 2011, Tr&#228;ger des K&#246;lner Opernpreises, nominiert f&#252;r den Theaterpreis DER FAUST 2010, Mitglied des Frankfurter Opernensembles seit vielen Jahren, interpretiert Gunther, den zun&#228;chst Schwachen, den von Hagen Abh&#228;ngigen, der seine Schuld erkennt. Gunther ist eine Nebenrolle, wird aber in der Gestaltung des S&#228;ngers zu einer wichtigen Person. Einf&#252;hlsam differenziert er auch schauspielerisch die Wandlung dieses Menschen.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-31546" title="G&#246;tterd&#228;mmerung 29.1.2012, JMK,Stallmeister,Ryan, Bullock u.a 005" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/G&#246;tterd&#228;mmerung-29.1.2012-JMKStallmeisterRyan-Bullock-u.a-005.gif" alt="" width="550" height="398" /></p>
<p><em>Johannes Martin Kr&#228;nzle; Foto Renate Feyerbacher</em></p>
<p>Den Hagen sollte urspr&#252;nglich der d&#228;nische Bass Stephen Milling, eine H&#252;ne von Mann, international unterwegs, singen. Er sagte wegen seines Sohnes, der vor einer Operation stand, ab. Gregory Frank, sieben Jahre Mitglied des Frankfurter Opernensembles, eilte aus den USA herbei, um die Rolle zu &#252;bernehmen. Er intoniert gut, aber &#252;berzeugt nicht ganz im Spiel. Er ist einer, der zwar am Hofe der Gibichungen das Sagen hat, aber durch die psychischen Verletzungen schwach ist und zum B&#246;sewicht wird  &#8211; zuletzt angestachelt durch seinen Vater Alberich. Das arbeitet er nicht so heraus.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-31553" title="G&#246;tterd&#228;mmerung 29.1.2012, JMK,Stallmeister,Ryan, Bullock u.a 012" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/G&#246;tterd&#228;mmerung-29.1.2012-JMKStallmeisterRyan-Bullock-u.a-012.jpg" alt="" width="550" height="405" /></p>
<p><em>Susan Bullock; Foto Renate Feyerbacher</em></p>
<p>Bewundernswert Susan Bullocks Durchhalteverm&#246;gen in dieser Mammut-Rolle der Br&#252;nnhilde. Diese sch&#246;ne Stimme m&#252;sste sich jedoch manchmal in ihrem Volumen noch steigern k&#246;nnen. Bullock vermittelt dieser Figur grosse Reife und Einsicht. Vers&#246;hnlich steht sie am Ende auf der B&#252;hne: verstehend und verzeihend.</p>
<p>Lance Ryan ist auf den Opernb&#252;hnen weltweit der Siegfried vom Dienst.  Sein durchdringender, ausdrucksstarker Tenor reisst das Geschehen mit.  Dennoch fehlt hin und wieder Differenzierung. So unbek&#252;mmert dieser  Naturbursche ist, so unbek&#252;mmert schmettert er gelegentlich drauflos.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-31552" title="G&#246;tterd&#228;mmerung 29.1.2012, JMK,Stallmeister,Ryan, Bullock u.a 016" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/G&#246;tterd&#228;mmerung-29.1.2012-JMKStallmeisterRyan-Bullock-u.a-016.gif" alt="" width="550" height="360" /></p>
<p><em>Lance Ryan und Meredith Arwady; Foto Renate Feyerbacher</em></p>
<p>Sein naturhaftes Wesen, seine Sehnsucht nach Familie, die ihn auch in  die Zwickm&#252;hle bringt, sein Sterben realisiert Lance Ryan &#252;berzeugend.</p>
<p>Br&#252;nnhilde schleudert symbolisch den Ring ins Publikum. &#8220;Wenn die G&#246;tter nicht mehr sind, haben wir es in der Hand&#8221; (Vera Nemirova).</p>
<p>Ein sch&#246;ner Einfall: Alle Agierenden der vier Inszenierungen von &#8220;Der  Ring des Nibelungen&#8221; kommen zum Abschied auf die B&#252;hne. Den Erfolg teilt die Regisseurin mit dem gesamten Team.</p>
<p>Vera Nemirova sitzt bei den  Premieren immer im Publikum zusammen mit ihrer Mutter. Die mittlerweile  ber&#252;hmte Regisseurin, die 1982 aus Bulgarien in die DDR kam, ist  bodenst&#228;ndig geblieben. Freundlich ist sie zu allen, die mit ihr reden  wollen.</p>
<p>Mittlerweile wird sie schon wieder zu ihrer n&#228;chsten Inszenierung aufgebrochen sein und Frankfurt verlassen haben. In Berlin wird sie erwartet, wo der &#8220;Fliegende Holl&#228;nder&#8221; auf dem Spielplan steht. Ob das Herumvagabundieren ihr nicht auch Probleme verursache, wurde sie in einem Interview gefragt. Ja, sagte sie, es habe schon einen etwas bitteren Beigeschmack. Aber mit Ende 30 vermisse sie noch nicht die Festanstellung einer Hausregisseurin. Aber f&#252;r sp&#228;ter w&#252;nsche sie sich das schon.</p>
<p>Weitere Auff&#252;hrungen von &#8220;G&#246;tterd&#228;mmerung&#8221;  am 10., 18. und 26. Februar, 3. M&#228;rz, 17. Juni und 1.Juli.<br />
Termine f&#252;r die kompletten Ring-Zyklen sind im Juni und Juli 2012.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.erhard-metz.de/2010/11/25/das-frankfurter-nibelungen-projekt-2010-2012/">→  Das Rheingold</a><a href="http://www.erhard-metz.de/2010/11/25/das-frankfurter-nibelungen-projekt-2010-2012/"> und Die Walk&#252;re</a><br />
<a href="http://www.erhard-metz.de/2011/11/06/siegfried-von-richard-wagner-an-der-oper-frankfurt/">→  Siegfried</a></p>
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		</item>
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		<title>&#8220;Hoffmanns Erz&#228;hlungen&#8221; in der Oper Frankfurt</title>
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		<pubDate>Tue, 19 Oct 2010 06:05:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Erhard Metz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gastautorinnen und -autoren]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Fantasie ist meine Amme &#8211; &#8220;Hoffmanns Erz&#228;hlungen&#8221; in der Oper Frankfurt Betrachtungen von Renate Feyerbacher Hoffmann und Offenbach: zwei Gleichgesinnte Der Literat, Musiker, Zeichner und Jurist E. T. A. (Ernst Theodor Amadeus) Hoffmann (1776 bis 1822), geb&#252;rtig in K&#246;nigsberg, und der Komponist Jacques Offenbach (1819 bis 1880), in K&#246;ln geboren, haben einiges gemeinsam: Beide [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #0000ff;"><span style="font-size: large;"><strong>Die Fantasie ist meine Amme &#8211; &#8220;Hoffmanns Erz&#228;hlungen&#8221; in der Oper Frankfurt</strong></span></span></p>
<p><span style="color: #0000ff;"><span style="font-size: large;"><strong>Betrachtungen von Renate Feyerbacher</strong></span></span></p>
<p><span style="color: #0000ff;"><strong>Hoffmann und Offenbach: zwei Gleichgesinnte</strong></span></p>
<p>Der Literat, Musiker, Zeichner und Jurist E. T. A. (Ernst Theodor Amadeus) Hoffmann (1776 bis 1822), geb&#252;rtig in K&#246;nigsberg, und der Komponist Jacques Offenbach (1819 bis 1880), in K&#246;ln geboren, haben einiges gemeinsam: Beide arbeiteten nicht um der hehren Kunst willen, sondern um schnell Geld ins S&#228;ckel zu bekommen. Beide hatten einen ausgepr&#228;gten Gesch&#228;ftssinn. Beide wurden von Gl&#228;ubigern verfolgt.</p>
<p>Beide sind sehr gesellig. Der eine streift &#252;ber die Pariser Boulevards, der andere sitzt h&#228;ufig im  Weinhaus Lutter &amp; Wegner, wo er bis morgens erz&#228;hlt und trinkt. Beide sind auf Effekte aus, auf die Wirkung beim Publikum. Beide haben eine Schw&#228;che f&#252;r Fantastisches. Hoffmanns Gespensterwelt, seine Phantasmagorien ziehen den Komponisten in Bann.</p>
<p>14j&#228;hrig geht Offenbach nach Paris, um mit Musik Geld zu verdienen. Da ist in Frankreich bereits die Begeisterung f&#252;r den deutschen Poeten E. T. A. Hoffmann voll entbrannt. Offenbach, der Cello-Virtuose, wird von den franz&#246;sischen Zeitungsleuten mit Hoffmann in Verbindung gebracht: &#8220;Mit seinen langen Haaren, seinem schmalen Wuchs und seiner geistvollen Stirn k&#246;nnte man ihn f&#252;r eine Gestalt aus den fantastischen Erz&#228;hlungen Hoffmanns halten“, hiess es 1843.</p>
<p>Acht Jahre sp&#228;ter erlebt Offenbach die Urauff&#252;hrung des fantastischen Dramas &#8220;Les Contes d’Hoffmann&#8221; (&#8220;Hoffmanns Erz&#228;hlungen&#8221;) der Autoren Michel Carré und Jules Barbier. Es basiert auf Erz&#228;hlungen  des deutschen Poeten. Offenbach ist begeistert. Der Stoff l&#228;sst ihn nicht mehr los.</p>
<p>In der zweiten H&#228;lfte des 19. Jahrhunderts kippt die Stimmung. Die Begeisterung f&#252;r Hoffmanns Werk schl&#228;gt um. Goethe hatte ja schon fr&#252;h gewettert &#8220;krankhafte Werke eines leidenden Mannes&#8221;. Ebenso schwindet Offenbachs Ruhm.  Der &#8220;Abgott der Boulevards&#8221; muss dringend ein  Werk schaffen, das ihn aus der finanziellen Misere holt. Da erinnert er sich an &#8220;Les Contes d’Hoffmann&#8221;, die er 25 Jahre zuvor im Théâtre National de l’Odéon sah. 1877, drei Jahre vor seinem Tod, beginnt der Komponist mit der Oper. Diesmal nimmt er sich Zeit mit der Arbeit. Er hinterl&#228;sst allerdings ein Opern-Fragment. Der Epilog ist nur vorgezeichnet.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-20494" title="hoffmanns_erzaehlungen_03_HQ-430" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/hoffmanns_erzaehlungen_03_HQ-430.jpg" alt="" width="430" height="287" /></p>
<p><em>Alfred Kim (Hoffmann; rechts stehend in blauem Jackett) sowie im Hintergrund v. l. Florian Plock (Peter Schlemihl), Brenda Rae (Olympia), Elza van den Heever (Antonia), Michael MacCown (Cochenille), Claudia Mahnke (Giulietta) und Chor der Oper Frankfurt; Oper Frankfurt, Foto: © Wolfgang Runkel</em></p>
<p><span style="color: #0000ff;"><strong>Hoffmanns Erz&#228;hlungen am Tresen</strong></span></p>
<p>Hoffmann steht mit seinen Trinkkumpanen am Tresen. Vom Alkohol beseelt, erinnert er sich mit Wehmut an Stella, seine unvergessene Jugendliebe, nun eine gefeierte Operns&#228;ngerin. Sie gastiert mit Mozart in der Stadt. (Mozart war Hoffmanns und Offenbachs Lieblingskomponist.) Um seine Sehnsucht nach Stella zu &#252;berwinden, erz&#228;hlt er drei Geschichten &#252;ber seine Liebe zu ihr. In seiner Fantasie teilt er Stella in drei Frauen auf: in Olympia, eine automatisierte Puppe, in die schwinds&#252;chtige  S&#228;ngerin Antonia, die sich buchst&#228;blich zu Tode singt, und in die Kurtisane Giulietta, der er verf&#228;llt, an die er nicht nur sein Herz, sondern auch sein Spiegelbild verliert. Hinter diesen &#8220;drei Frauen in einer einzigen Frau&#8221; sieht der v&#246;llig betrunkene Poet seine Stella, die einzig Geliebte. &#8220;Die Tr&#228;ume sind die einzige Wahrheit in dieser Welt, in der alles falsch ist.&#8221;</p>
<p style="text-align: center;"><img class="alignnone size-full wp-image-20497" title="P1000789-300" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/P1000789-300.jpg" alt="" width="300" height="462" /></p>
<p><em>Regisseur Dale Duesing im Anschluss von &#8220;Oper extra&#8221;; Foto: Renate Feyerbacher</em></p>
<p>Der amerikanische Bariton Dale Duesing hat an allen grossen Opernh&#228;usern der Welt gesungen. <em>Opernwelt</em> k&#252;rte ihn einst zum &#8220;S&#228;nger des Jahres&#8221;. In Frankfurt sang er unter anderem den Wozzeck. Dale Duesing ist aber auch ein erfolgreicher Regisseur. Seine Frankfurter Inszenierung von Rossinis &#8220;Il viaggio a Reims&#8221; begeisterte. Nun hat er &#8220;Hoffmanns Erz&#228;hlungen&#8221; inszeniert. Es geht um Tr&#228;umereien, um Phantasmagorien.</p>
<p>Hoffmann steht auf einer fast leeren B&#252;hne. Weit hinten der Tresen, die Bar – ein grosses Regal gef&#252;llt mit Flaschen. Nichts Gem&#252;tliches ist da, das zu Tr&#228;umereien einladen k&#246;nnte. Hoffmann wirkt verloren auf dieser B&#252;hne, die seine Einsamkeit unterstreichen soll. Befremdlich ist, dass die Akteure, Olympia, Antonia, Giulietta und andere sich bereits anfangs an der Bartheke tummeln. Es fehlt  die Personenf&#252;hrung durch Dale Duesing. Er zeigt einen torkelnden Hoffmann. Seine N&#246;te, seine &#196;ngste, seine Krankhaftigkeit werden nicht wirklich sichtbar.</p>
<p><span style="color: #0000ff;"><strong>Drei Frauen in Stella</strong></span></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-20499" title="hoffmanns_erzaehlungen_14_HQ-430" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/hoffmanns_erzaehlungen_14_HQ-430.jpg" alt="" width="430" height="323" /></p>
<p><em>Peter Marsh (Pitichinaccio), Alfred Kim (Hoffmann) und Brenda Rae (Olympia); Oper Frankfurt, Foto: © Wolfgang Runkel</em></p>
<p>Die Szene mit Olympia, die Bewegungen wie ein Roboter vollzieht, &#252;berzeugt nicht.</p>
<p>Es ist zu turbulent. Der Chor steht zu nah und die Marionetten, die &#252;ber dem Geschehen auch noch kreisen, lenken ab. S&#228;ngerin Brenda Rae beeindruckt jedoch durch ihre Koloraturen und zieht so die ganze Aufmerksamkeit auf sich.</p>
<p>Auch die Szene mit Antonia, die sich nur um den auf der rechten B&#252;hnenseite<span style="color: #ff0000;"> </span>stehenden Fl&#252;gel abspielt, hat wenig Dramatik. Elza van den Heever macht mit ihrem fulminanten Sopran die dramaturgische Einfallslosigkeit vergessen.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-20500" title="hoffmanns_erzaehlungen_05_HQ-430" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/hoffmanns_erzaehlungen_05_HQ-430.jpg" alt="" width="430" height="287" /></p>
<p><em>Alfred Kim (Hoffmann) und Elza van den Heever (Antonia); Oper Frankfurt, Foto: © Wolfgang Runkel</em></p>
<p>Die ber&#252;hmte Barcarole leitet die dritte Erz&#228;hlung ein. Auch hier kommt das Prickelnde der Erotik nicht wirklich zur Geltung. Es springt kein Funke &#252;ber. Es geht ja immerhin um Verf&#252;hrung. Claudia Mahnkes starker Mezzosopran macht auch das vergessen. Wunderbar ihre k&#252;hle &#220;berlegenheit.</p>
<p>Alfred Kim als Hoffmann, eine &#220;berraschung &#8211;  s&#228;ngerisch, weniger darstellerisch.</p>
<p>M&#252;helos erreicht seine tenorale Stimme die H&#246;hen und f&#252;hrt sie zur Entfaltung.</p>
<p>Giorgio Surian gibt die vier B&#246;sewichte in &#8220;Hoffmanns Erz&#228;hlungen&#8221;. Sehr intensiv ist sein Bass, und schauspielerisch &#252;berzeugt er auch. Peter Marsh in seiner Vierfachrolle gef&#228;llt.</p>
<p>Im Epilog f&#252;hrt Jenny Carlstedt als Muse mit sch&#246;ner Altstimme den Dichter zu seiner wahren Bestimmung, n&#228;mlich der Kunst, zur&#252;ck.</p>
<p><span style="color: #0000ff;"><strong>Einfachheit der Offenbach’schen Musik</strong></span></p>
<p>Dirigent der Neuinszenierung ist Roland B&#246;er. Sechs Jahre lang war er Kapellmeister an der Oper Frankfurt. Er h&#228;tte die Musiker des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters manchmal mehr anfeuern k&#246;nnen.</p>
<p>Von der Einfachheit der Mittel, derer sich der Komponist bedient, spricht B&#246;er. &#8220;Die Musik lebt vom Gesang, der schlicht Dur-Moll-kadenziell begleiteten Melodie, ungetr&#252;bt durch Polyphonie oder gar psychologische Kontrapunktik.&#8221;</p>
<p style="text-align: center;"><img class="alignnone size-full wp-image-20498" title="P1000794-300" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/P1000794-300.jpg" alt="" width="300" height="443" /></p>
<p><em>Dirigent Roland B&#246;er im Anschluss von &#8220;Oper extra&#8221;; Foto: Renate Feyerbacher</em></p>
<p>Manchmal sind es nur wenige T&#246;ne, die sich oft wiederholen. Vielleicht ist das das Geheimnis der musikalischen Faszination von Offenbachs Musik. Beim Rausgehen aus dem Opernhaus summen einige Besucher die Barcarole. Das Publikum war zufrieden.</p>
<p>&#8220;Die Fantasie ist meine Amme, meine Z&#252;gel heissen Vergn&#252;gungen. Leicht und frech singe ich meine Lieder, und Trag&#246;dien kenne ich nicht&#8221;, singt Hoffmanns Muse. So leicht und beschwingt wie in seinen Operetten geht es in Jacques Offenbachs fantastischer Oper &#8220;Hoffmanns Erz&#228;hlungen&#8221; nicht zu.</p>
<p>Trotz einiger Einw&#228;nde zur Inszenierung ist das ein gelungener Opernabend. Er lebt vom Gesang.</p>
<p>Weitere Auff&#252;hrungen in franz&#246;sischer Originalsprache mit deutschen &#220;bertiteln in der Oper Frankfurt am 23. und 29. Oktober, am 6. November und noch dreimal im Dezember 2010.<br />
<em><br />
</em></p>
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		<item>
		<title>&#8220;L’Étoile&#8221;: Opéra bouffe von Emmanuel Chabrier an der Oper Frankfurt</title>
		<link>http://erhard-metz.de/2011/10/15/letoile-opera-bouffe-von-emmanuel-chabrier-an-der-oper-frankfurt/</link>
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		<pubDate>Sat, 15 Oct 2011 06:22:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Erhard Metz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gastautorinnen und -autoren]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>

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		<description><![CDATA[Musik: vital, elegant – Libretto: skurril, grotesk, aktuell von Renate Feyerbacher Immer wieder sind St&#252;cke von Emmanuel Chabrier im Radio zu h&#246;ren. Ein franz&#246;sischer Komponist, sch&#246;ne Musik, klassisch-leicht. Wer war dieser Komponist? Die Erstauff&#252;hrung von &#8220;L’Ètoile&#8221; &#8211; Der Stern &#8211; am hiesigen Opernhaus macht ihn bekannt. Ein fleissiger Beamter und genialer Komponist Emmanuel Chabrier (1841 [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: large; color: #000080;">Musik: vital, elegant  –<br />
Libretto: skurril, grotesk, aktuell</span></p>
<p><span style="color: #000080;"><em><span style="font-size: large;">von Renate Feyerbacher</span></em></span></p>
<p><span style="color: #000000;">Immer wieder sind St&#252;cke von Emmanuel Chabrier im Radio zu h&#246;ren. Ein franz&#246;sischer Komponist, sch&#246;ne Musik, klassisch-leicht. Wer war dieser Komponist?</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Die Erstauff&#252;hrung von &#8220;L’Ètoile&#8221; &#8211; </span><span style="color: #000000;">Der Stern</span><span style="color: #000000;"> &#8211; am hiesigen Opernhaus macht ihn bekannt.</span></p>
<p><span style="color: #000080;"><strong>Ein fleissiger Beamter und genialer Komponist</strong></span></p>
<p><span style="color: #000000;">Emmanuel Chabrier (1841 bis 1894) war Jurist und arbeitete bis zu seinem 39. Lebensjahr im franz&#246;sischen Innenministerium. Aber schon fr&#252;h hatte er auch Musik studiert, allerdings nicht am Pariser Konservatorium wie die anderen grossen Komponisten des Landes. Und er spielte gut Klavier, obwohl er kleine, dicke Finger hatte. Er bewunderte Wagners Werke und reiste zu Auff&#252;hrungsorten seiner Opern, auch nach  Bayreuth.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Er war Freund der Impressionisten, die ihn in Gem&#228;lden verewigten (Edouard Manet, Edgar Degas, der Realist Henri Fantin-Latour, Édouard Detaille), nicht weil er sch&#246;n war. Im Gegenteil: Chabrier war klein, beleibt und gedrungen, aber er war witzig, humorvoll. Ein Mensch, der die Aktenberge vergass und im Café zum Mittelpunkt wurde. Ein sogenannter </span><span style="color: #000000;">Bonvivant, ein Lebemann, der Essen und Trinken und sch&#246;ne Frauen sch&#228;tzte.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Seine Komponisten-Kollegen (Claude Debussy, Maurice Ravel, Eric Satie und Francis Poulenc und sogar Igor Strawinsky) huldigten ihm. </span></p>
<p><span style="color: #000000;"><strong> </strong><span style="color: #000080;">&#8220;<strong>L’Étoile&#8221; – nicht nur ein astrologischer Spass</strong></span></span></p>
<p><span style="color: #000000;">Mit dieser Opéra bouffe, die 1877 im Thé</span><span style="color: #000000;">â</span><span style="color: #000000;">tre des Bouffes-Parisiens uraufgef&#252;hrt wurde, in dem auch Offenbachs Operetten gespielt wurden, konnte Chabrier einen ersten grossen Erfolg verbuchen. Da war er noch Justizangestellter. Drei Jahre sp&#228;ter quittierte er den Dienst, verschrieb sich ganz der Musik und verdiente sein Geld als Chordirigent, als Korrepetitor und als Sekret&#228;r einer Konzertgesellschaft.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Dramaturg Zsolt Horpácsy h&#228;lt &#8220;L’Étoile&#8221; f&#252;r &#8220;eines der originellsten Beispiele der Belle Époque&#8221;. Es ist jene Zeit, die nach dem deutsch-franz&#246;sischen Krieg (1870/71) begann. Es herrschte Frieden. Aber die &#8220;Sch&#246;ne Epoche&#8221; in Europa war nat&#252;rlich nur f&#252;r bestimmte Kreise sch&#246;n, f&#252;r das mittlere und gehobene B&#252;rgertum. Die Kultur erlebte einen grossen Aufschwung. In den Cafés, Ateliers, Salons trafen sich die K&#252;nstler. 1914 endete diese Friedenszeit mit den 1. Weltkrieg.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"><img class="alignnone size-full wp-image-28593" title="etoile_01_HQ-600" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/etoile_01_HQ-600.jpg" alt="" width="600" height="400" /></span></p>
<p><span style="color: #000080;"><em>Christophe Mortagne (K&#246;nig Ouf I., auf dem Sessel sitzend) sowie T&#228;nzer und Chor der Oper Frankfurt; Oper Frankfurt, Foto: © Wolfgang Runkel</em></span></p>
<p><span style="color: #000000;"><strong> </strong>Eine Zeit, in der sich der Bonvivant Emmanuel Chabrier gut entfalten konnte. Mit seiner Opéra bouffe traf er den Geschmack der Zeit mehr inhaltlich als musikalisch. Die Textvorlage begeisterte. 47 Vorstellungen gab es in Paris.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Der lebens- und liebeslustige Inhalt befl&#252;gelte die Fantasie der Zuschauer, die in   Moralvorstellungen gefestigt schienen. &#8220;Ist man verliebt, ja hilft es dann, sich den Kopf zu zermartern &#252;ber eine Lapalie namens Ehemann? &#8230; ein Ehemann, der st&#246;rt nicht&#8221; (2. Akt). Seitensprung oder mehrere Liebschaften, c’est la vie.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Auch politisch wird alles ganz locker gehandhabt.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">K&#246;nig Ouf I., ein grausamer Verr&#252;ckter, von denen es auch in der neueren Geschichte einige gab, feiert jedes Jahr seinen Namenstag mit einer Hinrichtung. Aber ein Kandidat fehlt und Ouf begibt sich inkognito unter die B&#252;rger, um ein Opfer zu finden. </span></p>
<p><span style="color: #000000;"><img class="alignnone size-full wp-image-28598" title="etoile_07_HQ-600" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/etoile_07_HQ-600.jpg" alt="" width="600" height="400" /></span></p>
<p><em> </em><span style="color: #000080;"><em>Christophe Mortagne (K&#246;nig Ouf I. </em><em>und Simon Bailey (Siroco; im Hintergrund); </em><em>Oper Frankfurt, Foto: © Wolfgang Runkel</em></span></p>
<p><span style="color: #000000;"><strong> </strong>Er provoziert zun&#228;chst erfolglos, dann ger&#228;t er an den Strassenh&#228;ndler Lazuli. Dieser hat soeben seine grosse Liebe in spe, Prinzessin Laoula, gesichtet, die verkleidet zum Hof des K&#246;nigs reist, um Ouf zu heiraten.  Aber F&#252;rst Hérisson de Porc-Epic trennt das Paar, das sofort turtelt, und gibt Laoula als seine Frau aus.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Stinksauer l&#228;sst Lazuli seine Wut an K&#246;nig Ouf aus, indem er ihn sogar ohrfeigt. Nun hat der Herrscher sein Opfer. Sofort wird Lazuli verhaftet.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Nun kommt das Horoskop ins Spiel, der Stern, der eines jeden Schicksal leiten soll.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Nat&#252;rlich hat Ouf eine astrologische Abteilung, verk&#246;rpert durch Siroco. Der r&#228;t dringend von der Hinrichtung ab, weil Oufs und Lazulis Sterne verbunden sind. Stirbt der eine, so wird ihm der andere einen Tag sp&#228;ter folgen. Und Siroco hat ein Eigeninteresse, den K&#246;nig von der Hinrichtung abzuhalten. Denn er selbst darf nur eine Viertelstunde den K&#246;nig &#252;berleben. So ist es testamentarisch festgelegt.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Aber wie bekannt: Horoskope sind ohne Garantie.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"><img class="alignnone size-full wp-image-28605" title="etoile_14_HQ-600" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/etoile_14_HQ-600.jpg" alt="" width="600" height="400" /></span></p>
<p><span style="color: #000080;"><em>Simon Bailey (Siroco), Paula Murrihy (Lazuli), Juanita Lascarro (Prinzessin Laoula) und Christophe Mortagne (K&#246;nig Ouf I.); </em><em>Oper Frankfurt, Foto: © Wolfgang Runkel</em></span></p>
<p><span style="color: #000080;"><strong>&#8220;</strong><strong>L’Étoile&#8221; &#8211; ein musikalisches Meisterwerk</strong></span></p>
<p><span style="color: #000000;">Chabrier war ein Dilettant in Sachen Komponieren. Manchmal glaubt man Offenbach zu h&#246;ren, aber diese Einsch&#228;tzung vergeht schnell. Seine Musik ist viel komplizierter, weshalb die Orchestermitglieder des Thé</span><span style="color: #000000;">â</span><span style="color: #000000;">tre des Bouffes damals rebellierten. Es war &#252;blich, mit etwa sechs Proben das St&#252;ck im Griff zu haben. Chabrier: &#8220;Ich habe es so einfach gemacht, wie ich konnte&#8221; (zitiert nach Programmheft S. 6).</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Verschiedene Stilelemente, Melodien mit Schwung, poetische, anr&#252;hrende, sentimentale Romanzen bietet die Musik. Dazwischen gibt es, wie in der Operette &#252;blich, Textpartien. Aber allein Lazuli hat vier Soli, in denen er sich vorstellt, seinen Stern besingt, triumphiert, als er Laoula heiraten darf, und schliesslich die Ehem&#228;nner verspottet, die kaum ein Hindernis sind im Liebesduell.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Geradezu anr&#252;hrend das Duett von Siroco und K&#246;nig Ouf, das dem Chartreuse verte huldigt. Denn die Zwei scheinen ja kurz vor ihrem Tod zu stehen, weil Lazuli als tot gilt. Das bedeutet laut Horoskop auch f&#252;r sie: Tod. Die &#252;bergrosse Digitaluhr, die beide, Herrscher und Astrologe, manipuliert haben, tickt unerm&#252;dlich weiter. Nun ja, das Horoskop hat gesponnen, alles wird gut. Nichts geht in Erf&#252;llung, was Siroco vorhersagte.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"><img class="alignnone size-full wp-image-28597" title="etoile_16_HQ-600" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/etoile_16_HQ-600.jpg" alt="" width="600" height="400" /></span></p>
<p><em> </em><span style="color: #000080;"><em>Michael McCown (F&#252;rst Hérisson de Porc-Epic),</em><em> Simon Bailey (Siroco) und Christophe Mortagne (K&#246;nig Ouf I.)</em><em>; Oper Frankfurt, Foto: © Wolfgang Runkel</em></span></p>
<p><span style="color: #000000;"><strong> </strong>Dirigent Henrik Nánási, der zuk&#252;nftige Generalmusikdirektor der Komischen Oper Berlin, hat die &#8220;Ausgelassenheit und Leichtigkeit und auch ihre Frivolit&#228;t&#8221;, wie er die Musik beschreibt, mit dem Frankfurter Opern- und Museumsorchester ironisch fein, gekonnt und vital umgesetzt. Sch&#246;ne Musik konnte entdeckt werden. Und auch dem Chor, den Michael Clark einstudierte, geh&#246;rt volles Lob.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">So verr&#252;ckt im guten Sinne wie der Inhalt ist die Inszenierung. Kein Moment kommt Langeweile auf. Ununterbrochen bietet der amerikanische Regisseur David Alden einen neuen Einfall, der manchmal ausufert, sich aber vom Klamauk fern h&#228;lt. Ideenreich bindet er die witzigen, spritzigen Choreografien von Beate Vollack ein. Das B&#252;hnenbild, das sich sp&#228;ter als Flughafenhalle entpuppt, und die Kost&#252;me von Gideon Davey erfreuen durch Vielfalt. Gelungen das exklusiv eingerichtete Zimmer mit poppigem, wandf&#252;llendem Bild des K&#246;nigs, mit schwarz gekachelter Nasszelle nebst Prunkbett, in dem Ouf noch schnell vor dem Tod ein Kind zeugen will.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">David Alden hat grossartige Interpreten zur Verf&#252;gung: allen voran Christophe Mortagne als J&#246;nig Ouf I. Ein Multitalent, das einmal Mitglied der ber&#252;hmten Comédie Fran</span><span style="color: #000000;">ç</span><span style="color: #000000;">aise war. Der in Paris ausgebildete Tenor deb&#252;tiert im kommenden Fr&#252;hjahr an der Metropolitan Opera New York und wenig sp&#228;ter an der Mail&#228;nder Scala. Quirlig, unglaublich verschlagen ist dieser Typ. </span></p>
<p><span style="color: #000000;"><img class="alignnone size-full wp-image-28596" title="etoile_12_HQ-600" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/etoile_12_HQ-600.jpg" alt="" width="600" height="400" /></span></p>
<p><span style="color: #000080;"><em> Paula Murrihy (Lazuli) und im Hintergrund T&#228;nzerinnen; Oper Frankfurt, Foto: © Wolfgang Runkel</em></span></p>
<p><span style="color: #000000;"><strong> </strong>Die irische Mezzosopranistin Paula Murrihy singt die diffizil ausgearbeitete Hosenrolle, den Lazuli. Lebendig ist ihr Spiel und anmutig ihr Gesang.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Simon Bailey als Siroco ist nicht wiederzuerkennen. Falstaff-&#228;hnlich wurde er ver&#228;ndert. Sein ausgewogener Bariton kommt nur im Chartreuse-Duett zur Geltung. Auch die anderen S&#228;ngerinnen und S&#228;nger gefallen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Die Oper Frankfurt, die erneut zur &#8220;Oper des Jahres&#8221; gek&#252;rt wurde, die das beste Orchester und den &#8220;S&#228;nger des Jahres&#8221; </span>im Ensemble hat<span style="color: #000000;">, n&#228;mlich Johannes Martin Kr&#228;nzle, ist kein Haus f&#252;r Operettenseligkeit. Emmanuel Chabriers &#8220;L’Étoile&#8221; hat damit auch nichts zu tun, insofern geh&#246;rt dieses Werk auch hierher.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"><img class="alignnone size-full wp-image-28604" title="etoile_17_HQ-600" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/etoile_17_HQ-600.jpg" alt="" width="600" height="400" /></span></p>
<p><span style="color: #000080;"><em>Paula Murrihy (Lazuli, links in schwarz-goldenem Morgenmantel)</em><em> sowie T&#228;nzer und Chor der Oper Frankfurt; Oper Frankfurt, Foto: © Wolfgang Runkel</em></span></p>
<p><span style="color: #000000;">Weitere Auff&#252;hrungen am 15., 21., 23. (15 und 20 Uhr), am 9. und 12. November 2011.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>&#8220;Metanoia – &#252;ber das Denken hinaus&#8221;</title>
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		<pubDate>Mon, 27 Dec 2010 13:43:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Erhard Metz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gastautorinnen und -autoren]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>

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		<description><![CDATA[Opernprojekt von Jens Joneleit an der Berliner Staatsoper - Christoph Schlingensiefs letzte Arbeit &#8220;Ich kann heulen, solange es Menschen gibt&#8221; Betrachtungen von Renate Feyerbacher Vorspann: Die Staatsoper unter den Linden hat mit Beginn dieser Spielzeit ein Ausweichquartier bezogen. Es ist das Schiller-Theater, das legend&#228;re Schauspielhaus, an dem Regisseure wie Gustaf Gr&#252;ndgens, Fritz Kortner, Peter Zadek, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong><span style="font-size: large;">Opernprojekt von Jens Joneleit an der Berliner Staatsoper -<br />
Christoph Schlingensiefs letzte Arbeit</span></strong></span></p>
<p><strong>&#8220;</strong><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Ich kann heulen, solange es Menschen gibt&#8221;</strong></span></p>
<p><strong><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><span style="font-size: large;">Betrachtungen von Renate Feyerbacher</span></span></strong></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Vorspann</span><span style="font-family: Arial,sans-serif;">: Die Staatsoper unter den Linden hat mit Beginn dieser Spielzeit ein Ausweichquartier bezogen. Es ist das Schiller-Theater, das legend&#228;re Schauspielhaus, an dem Regisseure wie Gustaf Gr&#252;ndgens, Fritz Kortner, Peter Zadek, George Tabori und Hans Neuenfels unvergessliche Theaterabende schufen. Hier spielten   Bernhard Minetti, Sabine Sinjen, Katharina Thalbach und viele andere Schauspielgr&#246;ssen. Protest gab es, als der Senat die gr&#246;sste deutsche Sprechb&#252;hne aus finanziellen Gr&#252;nden schliessen liess. Das war vor 17 Jahren. Derzeit gibt es den Protest und Kampf beim Deutschen Theater in Hamburg. Drei Jahre lang wird sich die Staatsoper nun im Schiller-Theater einrichten m&#252;ssen. Der sch&#246;ne Bau hat sich aber schon bew&#228;hrt.</span></p>
<p><strong>&#8220;</strong><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Metanoia&#8221; – ein Schlingensief-Projekt &#252;ber mehr als zwei Jahre</strong></span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">An einem Tag im Januar 2008 bekommt <a href="http://www.erhard-metz.de/2010/06/30/biennale-venedig-2011-pressekonferenz-in-absentia-christoph-schlingensief/">Christoph Schlingensief </a>die erste Diagnose: Lungenkrebs. Zuf&#228;llig trifft er noch am gleichen Tag Daniel Barenboim, den Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper. Ihm erz&#228;hlt er als einem der Ersten von  seiner Krankheit. Der Dirigent hatte dem jungen Komponisten Jens Joneleit einen Kompositionsauftrag gegeben. Aber bisher fehlt das Libretto, und Barenboim versucht in diesem intimen Gespr&#228;ch, Schlingensief f&#252;r diese Arbeit zu gewinnen. Dieser sagt nach einigem Z&#246;gern auch zu und entscheidet sich f&#252;r Friedrich Nietzsches Text &#8220;Die Geburt der Trag&#246;die aus dem Geist der Musik&#8221;. Seine Krankheit macht das Schreiben eines Librettos unm&#246;glich. Sein Freund, der 1962  im hessischen Friedberg geborene Dramatiker René Pollesch, schafft die Grundlage f&#252;r ein Libretto: &#8220;Ich habe dann die ersten zwanzig Seiten von dem Nietzsche mit Texten von mir  beballert, ohne aber beim Nietzsche etwas  zu streichen.&#8221; Das Libretto schreiben schliesslich Jens Joneleit und Jens Schroth. Kein leichtes Unterfangen.</span></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-22758" title="IMGP2790-430" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/IMGP2790-4301.jpg" alt="" width="430" height="609" /></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><em>Christoph Schlingensief am 5. Oktober 2009</em><em> </em><em>im   Schauspiel Frankfurt; Foto: © Renate   Feyerbacher</em></span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;"> </span>&#8220;<span style="font-family: Arial,sans-serif;">Die Oper sollte in einer Landschaft aus &#252;berlebensgross nachgebauten menschlichen Organen stattfinden und auch die S&#228;ngerdarsteller sollten K&#246;rperteile, Organe, Zellen, Parasiten, Eindringlinge sein, die in diesem K&#246;rper ein Eigenleben f&#252;hren. Das passte f&#252;r ihn (Schlingensief) zum Libretto, in dem es zum Beispiel heisst: &#8216;Sei doch froh, endlich mal einen K&#246;rper vor dir zu haben, der nicht vom Bewusstsein regiert wird. Hier macht eben jedes Organ, was es will. Das ist Evolution&#8217;.“ So steht es auf dem Zettel, der dem Programmheft beiliegt. Mehr war von der Schlingensiefschen Intention nicht bekannt.</span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">B&#252;hnenbilder werden angefertigt und im M&#228;rz gibt es die erste Stellprobe. Am 21. August 2010 stirbt Christoph Schlingensief, zwei Tage vor dem Probenbeginn in Berlin.</span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Bildung eines &#8220;kopflosen&#8221; Produktionsteams</strong></span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Zu diesem &#8220;kopflosen&#8221; (so nennt es sich selbst) Team  geh&#246;ren unter anderen Aino Laberenz, die Witwe Schlingensiefs, Kost&#252;mbildnerin, die seit 2004 zu seinem Team geh&#246;rte, die S&#228;ngerinnen Annette Dasch, Anna Prohaska, Daniel Barenboim, der Schauspieler Martin Wuttke und der Dramaturg Carl Hegemann. Er war schon an Schlingensiefs &#8220;Parsifal&#8221; in Bayreuth und am &#8220;Fliegenden Holl&#228;nder&#8221; im brasilianischen Urwald, in Manaus, dabei. &#8220;Die Gemeinschaftsarbeit k&#246;nnte als ein Dokument des Fehlens und gleichzeitig auch der Anwesenheit (Schlingensiefs) verstanden werden,&#8221; so schreibt die Gruppe.</span></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-22745" title="1-450" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/1-4501.jpg" alt="" width="450" height="299" /></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><em>SOPRAN Anette Dasch, BASSBARITON Daniel Schmutzhard, CHARAKTERTENOR Graham Clark</em></span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Es  wird kein nachgemachter Schlingensief. Das ist gut so.  Herausgekommen  ist allerdings eine statische Realisierung. Es fehlt  Schlingensiefs  Lebensinput. Man k&#246;nnte sich vorstellen, dass bei ihm die  Mitglieder des  Chores in den B&#252;hnenorganen herumgewuselt w&#228;ren. So  stehen sie in ihren  gelben Ganzk&#246;rperanz&#252;gen nur an der B&#252;hnenrampe,  marschieren im  G&#228;nsemarsch ein und aus.</span></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-22746" title="2-450" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/2-450.jpg" alt="" width="450" height="292" /></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><em>BASS Alfred Reiter,  SCHAUSPIELER Martin Wuttke, SOPRAN Annette Dasch, BASSBARITON Daniel  Schmutzhard, KOLORATURSOPRAN Rinnat Moriah, CHARAKTERTENOR Graham Clark</em></span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Auch  die f&#252;nf S&#228;ngerinnen und S&#228;nger positionieren sich so.  Zwischendurch  mal ein kleiner Gang ins Publikum. Und im Hintergrund  laufen  Video-Produktionen von Schlingensief und Texte. Entstanden ist  quasi  eine konzertante, sich widersprechende Inszenierung, die dem sich   widersprechenden Text manchmal entspricht.</span></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-22747" title="3-430" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/3-430.jpg" alt="" width="430" height="652" /></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><em>SCHAUSPIELER Martin Wuttke</em></span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Die Oper: Text und Musik</strong></span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Metanoia  bedeutet  lateinisch: Busse, Reue (katholischer Aspekt),  griechisch:  Umdenken, Umkehr des Denkens, Sinnes&#228;nderung  (protestantischer Aspekt).</span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Letzteres  ist wohl gemeint. Es gibt keinen Erz&#228;hlstrang, keine fest  umrissenen  Charaktere. Es gibt Standpunkte, &#252;ber die verhandelt,  debattiert wird.</span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">&#8220;Es  geht um Ver&#228;nderung, nicht gleich der Gesellschaft, das w&#228;re  doch  zuviel verlangt, aber doch um Ver&#228;nderung von Wahrnehmungen, von  Sicht-  und H&#246;rweisen, von Verst&#228;ndnis im weitesten Sinn, das mehr oder  weniger  eingefahren ist,&#8221; schreibt Jens Joneleit. &#8220;Es geht um Einheit,  um Leben,  Liebe und den Tod.&#8221;</span></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-22748" title="13-450" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/13-450.jpg" alt="" width="450" height="299" /></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><em>BASS Alfred Reiter, SCHAUSPIELER Martin Wuttke, SOPRAN Annette Dasch,  BASSBARITON Daniel Schmutzhard, KOLORATURSOPRAN Rinnat Moriah,  CHARAKTERTENOR Graham Clark</em></span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Es  wird vom Zuschauer / Zuh&#246;rer viel verlangt. Die Texte sind eben von  Pollesch beballerte Nietzsche-S&#228;tze, die in &#220;bertiteln eingeblendet  werden. Es geht um &#8220;Verdunkelung. Die Geburt. Gegenwart der Trag&#246;die&#8221;.   Philosophievorlesung. Von einem Libretto kann nicht geredet werden. Es  ist eine Aneinanderreihung philosophischer und pseudophilosophischer  Positionen. &#8220;Ich kann heulen, solange es Menschen gibt,&#8221; singen sie.</span></p>
<p style="text-align: center;"><img class="alignnone size-full wp-image-22759" title="Annette Dasch-300" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/Annette-Dasch-300.jpg" alt="" width="300" height="450" /></p>
<p style="text-align: center;"><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><em>Annette Dasch</em></span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Die  Musik von Jens Joneleit, geboren 1968 in Offenbach, mittlerweile  vielfach ausgezeichnet, hat faszinierende Momente. Sie ist eruptiv. Sie  begleitet vorz&#252;glich den Gesang, der durch Annette Dasch, Daniel  Schmutzhard, Graham Clark, Alfred Reiter und Anna Prohaska &#252;berzeugend  &#252;bermittelt wird. Die Textpassagen spricht Martin Wuttke, der an allen  grossen deutschen B&#252;hnen spielt, der zuletzt in Quentin Tarantinos Film  &#8220;Inglorious Bastards&#8221; mitwirkte.</span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Da  gibt es eindrucksvolle instrumentale Solopassagen. Daniel Barenboim  wird am Ende f&#252;r die grossartige Orchesterf&#252;hrung bejubelt, ebenso der  Komponist. Es gef&#228;llt, dass der Generalmusikdirektor alle Musiker beim  Schlussapplaus auf der B&#252;hne um sich schart und sie so der  Orchestergraben-Vergessenheit entreisst.</span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">&#8220;Metanoia&#8221; an der <a href="http://www.staatsoper-berlin.org/">Berliner Staatsoper</a> wird in dieser Spielzeit erst wieder am 2. und 5. Juli 2011 aufgef&#252;hrt.</span></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-22749" title="11-600" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/11-600.jpg" alt="" width="600" height="399" /></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><em>BASS Alfred Reiter, SOPRAN Annette Dasch, BASSBARITION Daniel Schmutzhard, CHARAKTERTENOR Graham Clark, STAATSOPERNCHOR</em></span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Bildnachweis (ausser Schlingensief-Portr&#228;t): Staatsoper im Schiller-Theater Berlin, Fotos © Monika Rittershaus<br />
<em><br />
</em></span></p>
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		<title>&#8220;Siegfried&#8221; von Richard Wagner an der Oper Frankfurt</title>
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		<pubDate>Sun, 06 Nov 2011 20:27:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Erhard Metz</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Musik]]></category>

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		<description><![CDATA[Zweiter Tag des B&#252;hnenfestspiels &#8220;Der Ring des Nibelungen&#8221; Von Renate Feyerbacher Fotos: Monika Rittershaus /Oper Frankfurt und Renate Feyerbacher Wieder ist sie die Nummer 1, die Oper Frankfurt. Mit diesem Auszeichnungsschub im R&#252;cken geht es weiter mit dem Frankfurter Nibelungen-Projekt. &#8220;Siegfried&#8221;, der dritte Teil der Opern -Tetralogie von Richard Wagner (1813 bis 1883), hatte nach [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><span style="font-size: large;">Zweiter Tag des B&#252;hnenfestspiels &#8220;Der Ring des Nibelungen&#8221; </span></strong></p>
<p><strong><em><span style="font-size: medium;">Von Renate Feyerbacher</span></em></strong></p>
<p><em>Fotos: Monika Rittershaus /Oper Frankfurt und Renate Feyerbacher</em></p>
<p>Wieder ist sie die Nummer 1, die Oper Frankfurt.</p>
<p>Mit diesem Auszeichnungsschub im R&#252;cken geht es weiter mit dem <a href="http://www.erhard-metz.de/2010/11/25/das-frankfurter-nibelungen-projekt-2010-2012/">Frankfurter Nibelungen-Projekt</a>.</p>
<p>&#8220;Siegfried&#8221;, der dritte Teil der Opern -Tetralogie von Richard Wagner (1813 bis 1883), hatte nach &#8220;<a href="http://www.erhard-metz.de/2010/11/25/das-frankfurter-nibelungen-projekt-2010-2012/">Das Rheingold</a>&#8221; und &#8220;<a href="http://www.erhard-metz.de/2010/11/25/das-frankfurter-nibelungen-projekt-2010-2012/">Die Walk&#252;re</a>&#8221; Premiere. Die Begeisterung des Publikums ist ungebrochen.</p>
<p>Was war zuletzt los in der &#8220;Walk&#252;re&#8221;?</p>
<p>Siegmund musste auf Wotans Geheiss im Kampf sterben, ebenso Sieglinde, seine Frau und Schwester, nach der Geburt ihres Sohnes Siegfried. Sie vertraut  das Neugeborene Mime an. Er nimmt auch Siegmunds zertr&#252;mmertes Schwert an sich.</p>
<p>Br&#252;nnhilde, Wotans und Erdas Tochter, wird wegen Ungehorsams von ihrem Vater bestraft. Er nimmt ihr die G&#246;ttlichkeit und versetzt sie in tiefen Schlaf. Damit niemand an sie herankommt, l&#228;sst Wotan den Fels von Feuer umgeben. &#8220;Wer meines Speeres Spitze f&#252;rchtet, durchschreite das Feuer nie!&#8221;</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-29297" title="siegfried_02_HQ-400" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/siegfried_02_HQ-400.jpg" alt="" width="400" height="608" /></p>
<p><em>Lance Ryan (Siegfried; vorne) und Peter Marsh (Mime; hinten) © Monika Rittershaus</em></p>
<p>Wenigstens hat Br&#252;nnhilde, seine Lieblingstochter, erreicht, dass es ein Held sein soll, der sie befreit. Da hofft sie schon auf Siegfried.</p>
<p>Wer von den Zuschauern denkt da nicht an Dornr&#246;schen?</p>
<p><strong>Ungest&#252;mes, trauriges Kind </strong></p>
<p>Wotans Enkel, Siegfried, beherrscht fast viereinhalb Stunden das Operngeschehen.</p>
<p>Mime, der hinterlistige Zwerg, will ihm weissmachen, er sei der Vater. Auf Siegfrieds Frage: &#8220;Wo hast du nun, Mime, dein minniges Weibchen, dass ich es Mutter nenne?&#8221; antwortet Mime: &#8220;Ich bin dir Vater und Mutter zugleich.&#8221;</p>
<p>Mime sieht sich schliesslich gezwungen, Siegfrieds Herkunft zu offenbaren. Aber die Fragen, wo komme ich her, wer sind meine Eltern, wie sahen sie aus, besch&#228;ftigen ihn weiterhin.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-29300" title="siegfried_16_HQ-550" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/siegfried_16_HQ-550.jpg" alt="" width="550" height="366" /></p>
<p><em>Lance Ryan (Siegfried) und Susan Bullock (Br&#252;nnhilde) © Monika Rittershaus</em></p>
<p>Im Zweiten Aufzug sinniert der junge Held: &#8220;Ach! M&#246;chte ich Sohn meine Mutter sehn! – Meine – Mutter! Ein Menschenweib!&#8221; Und er fragt bange: &#8220;Sterben die Menschenm&#252;tter an ihren S&#246;hnen alle dahin?&#8221;</p>
<p>Bei der Befreiung von Br&#252;nnhilde im Dritten Aufzug ruft er, als er erkennt, dass es eine Frau ist: &#8220;Wen ruf ich zum Heil, dass er mir helfe?- Mutter!  Mutter!  Gedenke mein&#8217;!&#8221; und sp&#228;ter &#8220;Wie ist mir Feigem? – Ist es das F&#252;rchten? – O Mutter! Mutter Dein mutiges Kind!&#8221;</p>
<p>Dieser ungest&#252;me Held, der selbst Wotan beleidigt, der t&#246;tet, f&#252;hlt sich verlassen. Die Psychologen kennen dieses Verhalten von Kindern, die nicht wissen, wer ihre Eltern sind. Sie leiden darunter oft ein Leben lang. Das ist ein Aspekt, der  in der Inszenierung von Regisseurin Vera Nemirova deutlich wird.</p>
<p>&#220;berhaupt die menschlichen Momente,  die Verhaltensweisen der Agierenden kommen stark zutage. In dem Wanderer Wotan ist nichts G&#246;ttliches zu erkennen.</p>
<p>Wie ein Geck bewegt er sich manchmal &#252;ber die B&#252;hne. Siegfried ist ein jugendlicher Haudegen, ein ungezogener Bursche. Wen wundert es bei diesem hinterh&#228;ltigen, l&#252;gnerischen, nur an seinen Vorteil denkendes Erzieher-Vorbild Mime.</p>
<p>In &#8220;Siegfried&#8221; geht es auch wieder um Macht, um Reichtum und um die Natur: Feuer, Luft, Wasser, Erde.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-29301" title="siegfried_01_HQ-550" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/siegfried_01_HQ-550.jpg" alt="" width="550" height="366" /></p>
<p><em>Lance Ryan (Siegfried) © Monika Rittershaus</em></p>
<p>Siegfried kennt und liebt die Natur, h&#246;rt die Waldv&#246;gel, versteht sogar deren Sprache, als er den &#8211; sp&#228;ter in einen Drachen verwandelten &#8211; Riesen Fafner, der im Besitz des Rheingoldes, der Tarnkappe und des Rings ist, get&#246;tet hatte. M&#246;glich wurde das, als dessen Blut zuf&#228;llig auf seine Zunge geriet.</p>
<p>Siegfried kennt nicht die Machenschaften von Mime, Alberich, Fafner und Wotan.</p>
<p>Mime t&#246;tet er, weil er vom Waldvogel erfuhr, dass dieser ihn vergiften will. Fafner t&#246;tet er, weil Mime es ihm einredete, um an die Sch&#228;tze zu gelangen, deren Wert Siegfried nicht kannte. Er t&#246;tet nicht &#8220;willk&#252;rlich&#8221;.</p>
<p><strong>M&#228;rchen und Mythos</strong></p>
<p>&#8220;Nur, wer das F&#252;rchten nicht erfuhr, schmiedet Nothung neu&#8221;, so hatte der Wanderer, der inkognito umherziehende Gott Wotan, im Gespr&#228;ch mit Mime gesagt.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-29302" title="siegfried_20_HQ-400" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/siegfried_20_HQ-400.jpg" alt="" width="400" height="630" /></p>
<p><em>Terje Stensvold (Der Wanderer; stehend) und Peter Marsh (Mime; sitzend) © Monika Rittershaus</em></p>
<p>Nothung war Siegmunds Schwert, das nur Siegfried, der Furchtlose, neu schmieden kann und mit dem er siegreich sein w&#252;rde. Mime denkt, dass sein Ziehsohn im Kampf mit dem Riesen Fafner das F&#252;rchten lernen w&#252;rde. Was nicht geschieht. Ihm fehlt das Gen, die Angst wahrzunehmen. Nach Siegfrieds eigenem Bekunden hat erst Br&#252;nnhilde ihn das F&#252;rchten gelehrt. &#8220;Im Schlafe liegt eine Frau: &#8211; die hat ihn das F&#252;rchten gelehrt!&#8221;</p>
<p>Man denkt an &#8220;Das M&#228;rchen von einem, der auszog, das F&#252;rchten zu lernen&#8221; aus den Kinder- und Hausm&#228;rchen der Br&#252;der Jacob  und Wilhelm Grimm (1785 bis 1863 bzw. 1786 bis 1859). Der 1. Band erschien 1812, der 2. Band 1815.</p>
<p>Siegfried ist auch so ein M&#228;rchenheld, der auszog.</p>
<p>M&#228;rchen und Mythos gehen in einander &#252;ber. War es der Bruch, der &#220;bergang, den Wagner zun&#228;chst weder textlich noch musikalisch zu realisieren wusste?</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-29303" title="siegfried_11_HQ-550" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/siegfried_11_HQ-550.jpg" alt="" width="550" height="366" /></p>
<p><em>Lance Ryan (Siegfried) und Magnús Baldvinsson (Fafner; liegend) © Monika Rittershaus</em></p>
<p>Warum Richard Wagner die Kompositionsarbeit an &#8220;Siegfried&#8221; unterbrach und sie erst nach zw&#246;lf Jahren wieder aufnahm, ist ungewiss. Er brach sie ab im zweiten Akt. &#8220;Ich habe meinen jungen Siegfried  noch in die sch&#246;ne Waldeinsamkeit geleitet; dort hab ich ihn unter der Linde gelassen&#8221;, schreibt er 1857.</p>
<p>Hat er deshalb resigniert, weil er die Einsicht hatte, dass der dritte Akt, &#8220;der &#220;bergang vom M&#228;rchen zum Mythos, die Vorstellung eines popul&#228;ren und in sich geschlossenen Werkes durchkreuzte&#8221;? Das vermutet Carl Dahlhaus (<em>Richard Wagners Musikdramen, Velber 1971 &#8211; zitiert aus &#8220;Zwischen M&#228;rchen und Mythos&#8221;</em>, Programmheft <em>Siegfried</em> der Oper Frankfurt).</p>
<p>Aus Notizen Wagners geht hervor, dass er ein popul&#228;res Werk schaffen wollte, das schnell die Opernb&#252;hnen eroberte. Tats&#228;chlich wurde &#8220;Siegfried&#8221; niemals so popul&#228;r wie die beiden ersten Teile des &#8220;Rings&#8221;.</p>
<p>Alles in allem hat sich der Komponist 26 Jahre lang mit dem Nibelungenprojekt besch&#228;ftigt.</p>
<p><strong>Streitgespr&#228;che </strong></p>
<p>In &#8220;Siegfried&#8221; geht es nicht so turbulent zu wie in &#8220;Rheingold&#8221; und &#8220;Walk&#252;re&#8221;.</p>
<p>Es werden manchmal lange Gespr&#228;che gef&#252;hrt: zwischen Mime und dem Wanderer (Wotan); nur, wenn Siegfried erscheint, wird es lebendig im Ersten Aufzug.</p>
<p>Im Zweiten begegnet Alberich, der Nibelung, dem Wanderer. Schnell erkennt er in ihm den verhassten Wotan, der ihn um das Rheingold und den Ring erpresste, das er selbst den Rheint&#246;chtern gestohlen hatte.</p>
<p><em><img class="alignnone size-full wp-image-29304" title="siegfried_13_HQ-550" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/siegfried_13_HQ-550.jpg" alt="" width="550" height="366" /></em></p>
<p><em>Jochen Schmeckenbecher (Alberich) und Terje Stensvold (Der Wanderer) © Monika Rittershaus</em></p>
<p>Mime f&#252;hrt Siegfried zur H&#246;hle Fafners. Der junge Haudegen provoziert den Drachen-Riesen so lange, bis dieser seine H&#246;hle verl&#228;sst, und t&#246;tet ihn. Sein Blut brennt Siegfried auf der Hand, die er unwillk&#252;rlich zum Mund f&#252;hrt. Pl&#246;tzlich versteht er die Sprache des Waldvogels, der ihn leitet, vor Mime warnt und schliesslich zu Br&#252;nnhilde f&#252;hren wird.</p>
<p>Packend das Streitgespr&#228;ch der Br&#252;der Mime und Alberich, die sich hassen. Jeder hofft, Siegfried die Beute abzuluchsen. Alberich: &#8220;schlimmer Gesell&#8221; &#8211; Mime: &#8220;verfluchter Bruder&#8221;. Alberich: &#8220;nimmer erringst du R&#252;pel den Herrscherreif&#8221;. Mime: &#8220;Gegen dich ruf‘ ich Siegfried zu Rat und des Recken Schwert: der rasche Held, der richte, Br&#252;derchen, dich!&#8221; Ausgerechnet den will er zu Hilfe rufen.</p>
<p>Kurz darauf n&#228;hert er sich widerlich-zudringlich Siegfried, den er vergiften will. Auf seinem beweglichen K&#252;chenwagen mixt er den Gifttrank. Siegfried, der von dem Anschlag weiss, t&#246;tet ihn.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-29305" title="siegfried_07_HQ-400" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/siegfried_07_HQ-400.jpg" alt="" width="400" height="609" /></p>
<p><em>Meredith Arwady (Erda) und Terje Stensvold (Der Wanderer) © Monika Rittershaus</em></p>
<p>Im Dritten Aufzug sucht Wotan G&#246;ttin Erda auf, die er aus tiefem Schlaf erweckt. Er will wissen, wie er das Schicksal der G&#246;tter wenden kann. In &#8220;Rheingold&#8221; hatte sie ihn beschworen: &#8220;Ein d&#252;strer Tag d&#228;mmert den G&#246;ttern: dir rat ich, meide den Ring!&#8221;</p>
<p>Die G&#246;tterd&#228;mmerung ist nah.</p>
<p>Sie ist unwillig, will ihm nicht raten, weist ihn ab und als sie, die Mutter von Br&#252;nnhilde, h&#246;rt, was er mit der gemeinsamen Tochter gemacht hat, ist sie w&#252;tend und versinkt wieder in Schlaf.</p>
<p>Dann folgt der Dialog zwischen Wotan und Siegfried, der in ihm den Feind seines Vaters w&#228;hnt. Er zerschl&#228;gt ihm den Speer, mit dem er ihm den Weg versperrt hatte. Der Weg zu Br&#252;nnhilde ist frei.</p>
<p>Siegfried &#252;berwindet den Feuerring und erweckt die Schlafende durch einen Kuss, zu dem er sich, der keine Frau kennt, aufraffen muss.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-29296" title="siegfried_03_HQ-550" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/siegfried_03_HQ-550.jpg" alt="" width="550" height="366" /></p>
<p><em>Lance Ryan (Siegfried) und Susan Bullock (Br&#252;nnhilde) © Monika Rittershaus</em></p>
<p>Dann gibt es ein qu&#228;lendes Gespr&#228;ch der beiden. Br&#252;nnhilde: &#8220;Lass, ach lass! Lasse von mir!&#8221;, fleht die Walk&#252;re. Er sp&#228;ter: &#8220;Lebe und lache, s&#252;sseste Lust! Sei mein! Sei mein! Sei mein!&#8221; Schliesslich widersteht sie ihm nicht mehr, die, die sie von jeher sein war.</p>
<p>Und dann ein Happy End mit Einschr&#228;nkung: &#8220;Leuchtende Liebe, lachender Tod&#8221;, singen sie beide, als sie sich in die Arme fallen. Die &#8220;G&#246;tterd&#228;mmerung&#8221; wird folgen.</p>
<p><strong>Bew&#228;hrtes Team &#8211; immer wiederkehrendes B&#252;hnenbild</strong></p>
<p>In der &#8220;Walk&#252;re&#8221; senkte sich der Feuerring um den Fels, auf dem Br&#252;nnhilde liegt. Am Schluss des Dritten Aufzugs entschwebt der Feuerring langsam in den B&#252;hnenhimmel. Das ist wieder beeindruckend.</p>
<p>Es wird auf derselben Scheibe gespielt. Man h&#228;tte sich den B&#252;hnenbildner sparen k&#246;nnen, scherzt Intendant Bernd Loebe auf der Premierenfeier. Keinesfalls. Jens Kilian hat sich neue Variationen der B&#252;hnenscheibe einfallen lassen. Wieder dabei: die Licht-und Videogestalter. Regie, Dramaturgie und Musikalische Leitung sind unver&#228;ndert. Und die meisten der S&#228;ngerinnen und S&#228;nger sind wieder mit von der Partie: Wotan, Alberich, Fafner, Erda, Br&#252;nnhilde. Dieses bew&#228;hrte S&#228;ngerteam st&#228;rkt vor allem die Einheit des Projektes. Die Kontinuit&#228;t hilft dem Zuschauer, der immer dabei sein will, die Zusammenh&#228;nge zu behalten.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-29308" title="Nemirova, Weigle, Kilian, T.Stensvold 30.10.11 003" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/Nemirova-Weigle-Kilian-T.Stensvold-30.10.11-003.jpg" alt="" width="430" height="314" /></p>
<p><strong></strong><em>Vera Nemirova (Regie), Sebastian Weigle (Musikalische Leitung), Jens Kilian (B&#252;hnenbild) bei der Premierenfeier, Foto: Renate Feyerbacher</em></p>
<p>Neu dabei ist Siegfried, der in der &#8220;Walk&#252;re&#8221; noch nicht existiert. Neu besetzt ist Mime mit Peter Marsh, der seit 1998 dem Ensemble angeh&#246;rt und mittlerweile international unterwegs ist. Eine Meisterleistung s&#228;ngerisch wie schauspielerisch.</p>
<p>Heldentenor Lance Ryan deb&#252;tierte in der letzten Saison an der Oper Frankfurt. Der Kanadier ist weltweit gefragt in dieser Rolle, und Intendant Loebe, mit seinem untr&#252;glichen Gesp&#252;r f&#252;r Stimmen, hatte fr&#252;h bei ihm angefragt und ihn als Siegfried engagiert. Die Staatsoper Berlin, die Mail&#228;nder Scala, die M&#252;nchner Staatsoper und die Bayreuther Festspiele, sie alle ziehen erst nach.</p>
<p>Zun&#228;chst singt er fast ruppig, manchmal schreiend, das ist wohl Absicht, ein ungehobelter Bursche, dann steigert er sich nach und nach zum Helden – melodisch und lyrisch. Eine grossartige Leistung.</p>
<p>Bei der Premiere frenetisch gefeiert wurde Terje Stensvold als Wanderer (Wotan).</p>
<p>Zu Recht: er war der Wotan schlechthin, exzellent. Manchmal dachte ich sogar an George London (1920 bis 1985), den ber&#252;hmten Wotan in Bayreuth und auf allen grossen B&#252;hnen der Welt, den ich als Einundzwanzigj&#228;hrige 1962 in dieser Rolle an der Oper K&#246;ln geh&#246;rt hatte.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-29309" title="Nemirova, Weigle, Kilian, T.Stensvold 30.10.11 005" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/Nemirova-Weigle-Kilian-T.Stensvold-30.10.11-005.jpg" alt="" width="400" height="513" /></p>
<p><strong></strong><em>Terje Stensvold bei der Premierenfeier, Foto: Renate Feyerbacher</em></p>
<p>Auch Jochen Schmeckenbecher als Alberich und Magnús Baldvinsson als Fafner (im K&#246;rperwelten-Kost&#252;m) &#252;berzeugen in ihren verschiedenen Bass-Partien.</p>
<p>Susan Bullock als Br&#252;nnhilde, &#252;berzeugend in der &#8220;Walk&#252;re&#8221;<em>,</em> gef&#228;llt nicht immer, und Meredith Arwady als Erda kann ihren Auftritt im &#8220;Rheingold&#8221; nicht wiederholen. Sie ist kaum zu verstehen im seitlichen Rang, was ihrem Langhaarkost&#252;m zu schulden ist.</p>
<p>Psychologisch differenziert gestaltet Regisseurin Vera Nemirova die Figuren. Mime l&#228;sst sie als schmuddeligen, t&#246;lpelhaften, Kapuzenshirt und K&#252;chentuch tragenden, bebrillten, seinen K&#252;chenwagen schiebenden Nibelung auftreten. Hinterh&#228;ltig schleicht er sich an Siegfried heran, der mit blonder Haarm&#228;hne mal im B&#228;renfell, mal im Helden-Outfit, mal im Pelzumhang seines Vaters zun&#228;chst frech, respektlos, gewaltt&#228;tig, sich zum liebenden Helden entwickelt.</p>
<p>Den Waldvogel l&#228;sst sie nicht nur stimmlich (Robin Johannsen) h&#246;ren, sondern in Person von Alan Barnes auftreten. Der ehemalige Forsythe-T&#228;nzer, heute Choreograph, T&#228;nzer und Regieassistent an der Oper, federte &#252;ber die B&#252;hne. Ein h&#252;bscher Einfall, der auch die enge Verbindung Siegfrieds zur Natur symbolisiert.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-29295" title="siegfried_19_HQ-550" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/siegfried_19_HQ-550.jpg" alt="" width="550" height="366" /></p>
<p><em>Alan Barnes (Der Waldvogel) und Lance Ryan (Siegfried) © Monika Rittershaus</em></p>
<p>Ansonsten sind die Aktionen auf der B&#252;hne sparsam. Verschwenderisch werden sie in der Musik nachempfunden. Es ist grandios, was da zu h&#246;ren ist. Die Forti sind hinreissend, die Pianos zart und lyrisch. Generalmusikdirektor Sebastian Weigle leitet das erneut ausgezeichnete Frankfurter Opern- und Museumsorchester (Orchester des Jahres). Und auch S&#228;nger und Orchester harmonisieren eindrucksvoll.</p>
<p>Die n&#228;chsten Auff&#252;hrungen von Richard Wagners &#8220;Siegfried&#8221; an der Oper Frankfurt sind am 11., 19. und 27. November sowie am 2. Dezember 2011. Beginn ist jeweils um 17 Uhr.</p>
<p>Der gesamte Zyklus &#8220;Der Ring des Nibelungen&#8221; wird im Juni 2012 aufgef&#252;hrt.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.erhard-metz.de/2010/11/25/das-frankfurter-nibelungen-projekt-2010-2012/">⇒⇒⇒ Das Frankfurter Nibelungen-Projekt: Das Rheingold / Die Walk&#252;re</a></p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.erhard-metz.de/2012/02/05/gotterdammerung-von-richard-wagner-der-tetralogie-letzter-teil-an-der-oper-frankfurt/">⇒⇒⇒ G&#246;tterd&#228;mmerung</a></p>
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		</item>
		<item>
		<title>&#8220;Teufelswerk Tango&#8221; &#8211; Hommage an Astor Piazzolla</title>
		<link>http://erhard-metz.de/2010/03/31/teufelswerk-tango-hommage-an-astor-piazzolla/</link>
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		<pubDate>Wed, 31 Mar 2010 20:30:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Erhard Metz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gastautorinnen und -autoren]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur und Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Teufelswerk Tango“ &#8211; Hommage an Astor Piazzolla Das Ensemble &#8220;Mi Loco Tango&#8221; - die Frankfurter Erben von Renate Feyerbacher &#8220;Immer nur Tango, Tango&#8221;, so hat Astor Piazzolla (1921 bis 1992) gest&#246;hnt. Sein Vater h&#246;rte diese Musik immer wieder im wirtschaftlichen Exil – das war in New York Mitte der zwanziger Jahre. Der Vater hatte Heimweh [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #4b0082;"><span style="font-size: x-large;">&#8220;Teufelswerk Tango“ &#8211; Hommage an Astor Piazzolla</span></span></p>
<p><span style="font-size: large;"><span style="color: #4b0082;">Das Ensemble &#8220;Mi Loco Tango&#8221; -<br />
die Frankfurter Erben</span></span></p>
<p><span style="font-size: large;"><span style="color: #4b0082;">von Renate Feyerbacher</span></span></p>
<p>&#8220;Immer nur Tango, Tango&#8221;, so hat Astor Piazzolla (1921 bis 1992) gest&#246;hnt. Sein Vater  h&#246;rte diese Musik immer wieder im wirtschaftlichen Exil – das war in New York Mitte der zwanziger Jahre. Der Vater hatte Heimweh nach Argentinien. Der junge Astor mochte den Tango nicht, viel lieber den Jazz und die Musik von Johann Sebastian Bach. Aber er lernte dem Vater zuliebe Bandoneon spielen. Dieses um 1846 erstmals gebaute Harmonikainstrument mit bis zu 200 T&#246;nen wurde um 1900 zum Soloinstrument bei den klassischen Tangoensembles Argentiniens. Als der junge Piazzolla 18 Jahre alt war, kehrte die Familie nach Buenos Aires zur&#252;ck. Da h&#246;rte er zum ersten Mal eine neuartige Tangomusik. Dieses Ereignis wurde zu einem Schl&#252;sselerlebnis. Damals hatte der Tango allerdings keinen guten Ruf. Es war die Musik der einfachen Leute, die Upper Class mied sie. Tango wurde in Kaschemmen, Kneipen und Bordellen gespielt. Das tat auch Astor Piazzolla.</p>
<p>Dann lernte er den Komponisten klassischer Musik Alberto Ginastera (1916 bis 1983) kennen und studierte ab1940 bei ihm. Er orientierte sich neu. 1954 bekam er ein Stipendium in Paris und lernte bei der Komponistin, Dirigentin und Musikp&#228;dagogin Nadia  Boulanger (1887 bis 1979), zu deren Sch&#252;lerkreis Aaron Copland, Philip Glass oder Igor Markevitch geh&#246;rten.  Piazzolla sch&#228;mte sich, ihr zu sagen, dass er Tango &#8211; und vor allem wo er ihn &#8211; gespielt hatte. Beim Durchbl&#228;ttern von Piazzollas ersten Kompositionen findet Nadia Boulanger zwar Einfl&#252;sse grosser moderner Komponisten, aber keine eigene Handschrift. Er spielt schliesslich einen Tango und die Lehrmeisterin schnauzt ihn an: &#8220;Du Idiot! Merkst Du nicht, dass dies der echte Piazzolla ist, nicht jener andere? &#8230; Dein Tango ist die neue Musik und sie ist ehrlich&#8221; (zitiert nach Eckhard Weber: &#8220;Astor Piazzolla – der Sch&#246;pfer des Tango Nuevo&#8221;).</p>
<p>Astor Piazzolla ist der Erneuerer des argentinischen Tangos, der Sch&#246;pfer des Tango Nuevo, der Elemente der neuen, klassischen Musik und des Jazz mit dem Tango, der urspr&#252;nglich ausschliesslich dem Tanz diente, verbindet. Hunderte von Tangos komponierte er, ausserdem Orchesterwerke, Kammer-, Film- und Tanzmusiken (u. a. f&#252;r Pina Bausch) und die Oper &#8220;Maria de Buenos Aires&#8221;, die 1987 in Wien uraufgef&#252;hrt wurde.</p>
<p>Immer wieder hat er Kompositionen Engeln und Teufeln gewidmet. &#8220;Del Diablo&#8221; und &#8220;Del Angel&#8221; heissen zwei der Zyklen, die nun von der Gruppe &#8220;Mi Loco Tango&#8221; eingespielt wurden.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-15221" title="M. Herrmann MLT-430" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/M.-Herrmann-MLT-430.JPG" alt="M. Herrmann MLT-430" width="430" height="294" /></p>
<p><em>Das Ensemble &#8220;Mi Loco Tango&#8221;; Foto: Markus Herrmann</em></p>
<p>Zehn Jahre nach dem Tod des argentinischen Komponisten gr&#252;ndete sich 2002 in Frankfurt das Ensemble &#8220;Mi Loco Tango&#8221;.  Zu diesem Quartett geh&#246;ren Vassily D&#252;ck, geboren in Sibirien, er ist der Bajanist, die deutschen Musikerinnen Irina Bunn, Violine und Gitarre, Judith Herrmann, Piano und Keyboard, und der deutsch-franz&#246;sische Kontrabassist und Keyboarder Gregor Praml. Zun&#228;chst widmete sich das Ensemble ausschlie&#223;lich dem Werk von Piazzolla mit dem Ziel der Neudefinition durch die Mitwirkenden.</p>
<p>Zwischenzeitlich haben sie sich auch der italienischen Filmmusik verschrieben – die Filmmusiken von Nino Rota und Ennio Morricone reizten sie. F&#252;r diese CD &#8220;Il Cinema: il Paradiso!&#8221; erhielt die Gruppe den 1. Preis  in der Kategorie Filmmusik beim 32. Festival Internationale Fisharmonica in Italien. Aber zuvor bekamen sie den Weltmusikpreis &#8220;creole 2007&#8243; und dann 2008 &#8211; bisheriger Preish&#246;hepunkt in der Karriere des Ensembles &#8211;  den Tangopreis &#8220;Libertango&#8221; beim 2. Astor Piazzolla Festival im italienischen Lanciano. Dessen Juryvorsitz hatte Laura Escalada-Piazzolla, die Witwe des Komponisten.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-15208" title="IMGP3488-430" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/IMGP3488-430.jpg" alt="IMGP3488-430" width="430" height="373" /></p>
<p><em><span style="font-family: Arial,sans-serif;">CD-Cover &#8220;Del Diablo y del Angel&#8221;; </span> © Franziska Harvey Illustration/Artwork; Foto: Renate Feyerbacher</em></p>
<p>&#8220;Del Diablo y del Angel&#8221; – von Teufeln und Engeln heisst die neue Produktion des Frankfurter Quartetts, das sich auf die Suche nach dem Diabolischen und Engelhaften in Piazzollas Musik gemacht hat. &#8220;In meiner Geschichte mischen sich Teufel und Engel &#8230; man muss von allem etwas haben&#8221;, bekannte der Komponist.</p>
<p>Die Zyklen &#8220;Del Diablo&#8221; und &#8220;Del Angel&#8221; werden nicht h&#228;ufig gespielt, deshalb hat diese CD schon einen Seltenheitswert.</p>
<p>Allerdings beginnen die Musiker mit einem Piazzolla-Hit &#8220;Adios Nonino&#8221;, ein St&#252;ck, das er seinem Vater gewidmet hat. Urspr&#252;nglich war es f&#252;r vier Akkordeons arrangiert. Alberto Mompellio, der italienische Arrangeur von &#8220;Mi Loco Tango&#8221;, massschneiderte eine neue Version f&#252;r die Gruppe. Bestimmtheit vermittelt das Bandoneon mit seinen klaren Akkorden, das Klavier folgt ihm, dann Wehmut, die von Violine und Kontrabass &#252;bernommen werden.</p>
<p>Es folgen vier St&#252;cke aus dem Zyklus &#8220;Del Angel&#8221;. Die &#8220;Introduccion al Angel&#8221; ist sanft, l&#228;sst der Violine wundersch&#246;nen Spielraum der Entfaltung. Die zwei ersten ruhigen St&#252;cke geh&#246;ren zur B&#252;hnenmusik eines Theaterst&#252;cks. Darin sollte die Geschichte eines Engels erz&#228;hlt werden, der die Bewohner eines Mietshauses besch&#252;tzt, aber von einem B&#246;sewicht ermordet wird.</p>
<p style="text-align: center;"><strong><a href="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/04-Mi-Loco-Tango-La-Muerte-del-Angel_0_60-.mp3">Bitte anklicken:<br />
</a><a href="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/04-Mi-Loco-Tango-La-Muerte-del-Angel_0_60-.mp3">H&#246;rbeispiel &#8220;Mi Loco Tango &#8211; La Muerte del Angel&#8221;</a></strong></p>
<p style="text-align: center;">(alle Rechte bei Essay Recordings)</p>
<p>Schnelle Violint&#246;ne, begleitet von Schl&#228;gen auf den Kontrabass, dann hektische Klavierakkorde und schrille Bandoneont&#246;ne machen dieses Engels-Drama musikalisch nachvollziehbar.</p>
<p>Bei den ersten T&#246;nen von &#8220;La Resurreccion del Angel&#8221;, die Auferstehung des Engels, kann man an Bach denken. Die Aufnahme entstand im Hessischen Rundfunk und wird abgeschlossen durch Beifall.</p>
<p>Dann hat sich das Team eine sch&#246;ne Unterbrechung einfallen lassen. Dieses gelungene Arrangement beginnt mit dem ber&#252;hmten St&#252;ck &#8220;El Tango&#8221;, dann geht es &#252;ber in das literarische Meldodram &#8220;El Tango&#8221;.  Der Frankfurter Theatermacher Willy Praml, Vater von Gregor Praml, bekannt durch seine aussergew&#246;hnlichen Inszenierungen in der Frankfurter Naxos-Halle, liest die deutsche Fassung dieses schriftstellerischen Kleinods des weltber&#252;hmten argentinischen Schriftstellers Jorge Luis Borges (1899 bis 1986). Das ist grossartig arrangiert: Zun&#228;chst wird fast zwei Minuten lang &#8220;El Tango&#8221; gespielt, dann setzt Willy Pramls Stimme ein, weiterhin untermalt von der Musik, die aber noch deutlich wahrzunehmen ist. Die Geschichte des Tango von den Anf&#228;ngen in den Kaschemmen wird traurig und dramatisch erz&#228;hlt – eine sch&#246;ne Hommage an die &#8220;Urahnen des Tangos&#8221;.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-15209" title="IMGP3055-430" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/IMGP3055-430.jpg" alt="IMGP3055-430" width="430" height="323" /></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><em>Willy und Gregor Praml in der Naxos-Halle; Foto: Renate Feyerbacher</em><br />
</span></p>
<p>Bevor es zu den Teufeln geht, kommt &#8220;Mumuki&#8221;, eine Komposition, die Piazzolla mit E-Gitarre einleitet. Diese gibt es aber bei &#8220;Mi Loco Tango&#8221; nicht. Kontrabass und gezupfte Violine beginnen das St&#252;ck und beherrschen es zun&#228;chst, erst sp&#228;t kommen Klavier und Bandoneon dazu. Die Witwe von Piazzolla war von dieser Version extrem beeindruckt, erz&#228;hlen die Musiker.</p>
<p>Dann geht es mit &#8220;El Tango del Diablo&#8221; zur Sache. Wie Peitschenhiebe klingen die Akkorde von Klavier und Bandoneon – ein richtiger Teufelstanz. Dann wird es romantischer beim Teufel: flirrend, t&#228;uschend, verf&#252;hrend. Und zum Schluss wild: &#8220;Vayamos al Diablo&#8221;, Wut und &#196;rger wie bei Beethovens &#8220;Wut &#252;ber den verlorenen Groschen&#8221;, dann noch einmal disharmonische Bandoneont&#246;ne und die Willy Praml-Stimme: &#8220;Verfluchter Tango, der mit seiner S&#252;sse, wenn er erklingt, vergiftet. Verfluchter Tango, der mich so mit Gallenbitterkeit erf&#252;llt. Er war der Grund meines Ruins, verfluchter Tango, der in Bann schl&#228;gt, oh du Tango: du t&#246;test und bezwingst. Verflucht seist du in Ewigkeit!&#8221;.</p>
<p>&#8220;Contrabajisimo&#8221; ist eine kleine Sinfonie, die zu Piazzollas Beerdigung &#252;ber den Friedhof in Buenos Aires schallte. Hier kommt der  Kontrabass zun&#228;chst zu seinem Recht und demonstriert, dass er durchaus ein Instrument f&#252;r Melodien ist, die anderen Instrumente tauchen nach und nach auf, manchmal besinnlich, zart und traurig, dann wieder fr&#246;hlich, schluchzend, h&#228;mmernd, peitschend. Alle Elemente sind vertreten. Und auch im letzten St&#252;ck &#8220;Casapueblo&#8221; ist der Kontrabass deutlich zu h&#246;ren, viele Takte spielt er nur mit dem Ton A in langsamem Viertelrhythmus. Das ist einpr&#228;gend, markierend.</p>
<p><img title="M. Herrmann MLT-2-430" src="http://erhard-metz.de/wp-content/uploads/M.-Herrmann-MLT-2-430.JPG" alt="M. Herrmann MLT-2-430" width="430" height="593" /></p>
<p><em>Das Ensemble &#8220;Mi Loco Tango&#8221;; Foto: Markus Herrmann</em></p>
<p><a href="http://www.milocotango.de/">&#8220;Mi Loco Tango&#8221;</a> hat eine CD vorgelegt, die Freude macht, die reizt, sich mit Piazzolla n&#228;her auseinanderzusetzen. Hier pr&#228;sentieren sich vier vorz&#252;gliche Musiker, die dem Ideal von Astor Piazzolla sehr nahe sind, wenn nicht sogar entsprechen.</p>
<p>Die Gruppe gastiert im Mai, Juni und August 2010 in verschiedenen Orten Hessens, im Oktober 2010 bei der ARD-Radionacht der B&#252;cher im Hessischen Rundfunk.</p>
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