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Archive for the 'Musik' Category

Antoine Dard: Sechs Sonaten für Fagott und Basso continuo

Donnerstag, 31. Mai 2007

Das Label RAMÉE publiziert in diesen Tagen die weltweite Ersteinspielung von sechs Sonaten für Fagott und Basso continuo aus dem Jahr 1759 des französischen Komponisten Antoine Dard. Der Solist ist Ricardo Rapoport, begleitet am Cembalo von Pascal Dubreuil. Karine Sérafin, Sopran, und Francois Nicolet, Traversflöte, wirken in kleineren anderen Partien der Einspielung als Gäste mit.

Antoine Dard (1715 bis 1784) zählte in Paris und in Versailles zu jenen Musikern, die zum Umfeld der bedeutendsten Musikinstitutionen der französischen Monarchie gehörten. Wenngleich Person und Oeuvre von Dard heute weitgehend lediglich noch der Fachwelt bekannt sind, kann man Dard doch als einen Komponisten von besonderem Interesse betrachten. So erschien am 11. Januar 1759 folgende Anzeige in der Pariser Presse: “6 Sonaten für Fagott, komponiert von Mr. Dard und sehr nützlich für diejenigen, die dieses Instrument gut spielen möchten. Diese Sonaten gelten als einzigartig und können auch auf dem Violoncello gespielt werden.”

Für die damalige Zeit war es nicht ungewöhnlich, eine Solo-Komposition auf unterschiedlichen Instrumenten auszuführen. Auch war das Fagott als Soloinstrument durchaus bekannt und beliebt, wie dies zahlreiche Werke anderer Komponisten belegen. Beispielsweise komponierte Antonio Vivaldi rund 40 Stücke für dieses Instrument, dessen Klang in den tiefen Registern als sonor und in der oberen Lage als recht kantabel charakterisiert werden kann.

Gleichwohl stellen Dards Sonaten nicht nur in seinem persönlichen Schaffen, sondern auch in der Literatur des 18. Jahrhunderts ganz allgemein sowie innerhalb des spezifischen Repertoires für Fagott eine Besonderheit dar: Dard benutzt das Fagott nach Art etwa eines Belcanto-Operntenors. Er verwendet häufig das sehr hohe Register des Instruments, wie es bis dahin kein anderer Komponist getan hatte und auch noch lange nach ihm keiner tun wird. Obgleich ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in den Grifftabellen für Fagott zunehmend Fingersätze angegeben waren, die bis zum d” und f” reichten, so geht doch die damalige Musik für dieses Instrument, von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen, niemals über g’ und a’ hinaus. Vielmehr setzte sich das sehr hohe Register erst sechzig Jahre später allmählich durch, nachdem das Instrument zahlreiche Verbesserungen erfahren hatte.

Der Fagottpart ist in seiner Melodiösität durch die Fülle an Verzierungen sehr voll und lyrisch, wobei die Verbindung dieser reichen Verzierungen mit dem galanten Stil eine einzigartige Wirkung hervorruft. Hinsichtlich ihrer Struktur sind die Sonaten eher traditionell. Dennoch erscheinen die langsamen Sätze in ihrer Form bemerkenswert: Sie sind in einem Zug und ohne Wiederholungen oder Doppelungen durchkomponiert und ähneln eher einem Arioso, das zu jener Zeit in Frankreich wenig gebräuchlich war. Trotz ihres unverkennbar französischen Charakters zeugen Dards Sonaten von italienischem Einfluss. Sicher kannte er die Werke der italienischer Komponisten, die damals auch in Frankreich aufgeführt wurden.

Edgar Degas, L´Orchestre de l´Opéra (1870)

Ricardo Rapoport studierte Fagott sowie Gitarre, Viola da gamba, Tonsatz, Komposition und Dirigieren in seiner Geburtsstadt Rio de Janeiro. Anschliessend folgte ein Engagement beim Brasilianischen Sinfonieorchester. 1984 ging er nach Paris, um dort sein Spiel am Conservatoire National Supérieur de Musique zu perfektionieren. Nachdem er den Premier Prix für Fagott erhalten und ein Aufbaustudium für Kammermusik absolviert hatte, widmete er sich dem Barockfagott. Neben seinen Aktivitäten als Kammermusiker und Solist wirkt Rapoport bei Konzerten und Aufnahmen mit verschiedenen Ensembles mit. Sein Interesse gilt auch der zeitgenössischen Musik, der er sich in zahlreichen Uraufführungen angenommen hat. Rapoport unterrichtet Fagott, Barockfagott und Kammermusik am Conservatoire National de Région in Rennes und wird regelmäßig zu Festivals und Meisterkursen in Europa und Brasilien eingeladen.

Pascal Dubreuil studierte ebenfalls am Conservatoire National Supérieur de Musique in Paris und erhielt den Premier Prix für Cembalo und Generalbass. Anschließend vervollständigte er seine Ausbildung auf zahlreichen Meisterkursen, unter anderem bei Gustav Leonhardt. Dubreuil spielt bei Konzerten und Aufnahmen in Frankreich und Europa als Solist und Kammermusiker auf dem Cembalo, aber auch auf dem Clavichord und dem Pianoforte. Regelmässiger Gast bei einer Vielzahl von Wettbewerben, unterrichtet er Cembalo und Kammermusik am Conservatoire National de Région in Rennes, wo er die Abteilung für Alte Musik leitet.

Auch zur 53. Biennale Arte 2009: Venedig im Zeichen der Musik

Dienstag, 7. Juli 2009

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Junge Musikerinnen und Musiker in venezianischen Kostümen des 18. Jahrhunderts laden zu einem Konzert der I Musici Veneziani mit Antonio Vivaldis “Le Quattro Stagioni” ein.

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San Maurizio am Campo San Maurizio, 1806 durch Giannantonio Selva im klassizistischen Stil errichtet:  In der Ausstellung “Vivaldi und seine Zeit – der Lauten- (Geigen)bau” erwartet den Musikliebhaber eine wahre Augenweide.

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Violoncello, Mailänder Schule, Ende 1700

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Neapolitanische Mandolone (Bass-Mandoline) um 1750 und Laute um 1800

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Salterio, venezianische Schule, Settecento (im deutschen Sprachgebrauch 18. Jahrhundert)

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Viola da gamba, 1580

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Kontrabass von Niccolò Amati, Cremona, 1670

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Die profanierte, als Konzertsaal genutzte Kirche San Vidal (18. Jahrhundert) am Campo San Vidal ist die ständige Spielstätte des renommierten Ensemles Interpreti Veneziani.

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(Fotos: FeuilletonFrankfurt)


Begegnung mit dem Sänger Johannes Martin Kränzle

Donnerstag, 4. März 2010

“Sich auf die Suche machen”
Begegnung mit dem Sänger Johannes Martin Kränzle

Text und Fotografien: Renate Feyerbacher

Sonntag ist er noch in São Paulo, Mittwoch in Kairo, um in der “Fledermaus“ den Eisenstein zu singen, dazwischen in Frankfurt am Main bei seiner Familie. Beim Gespräch mit der Journalistin in seiner Küche, das er spontan ermöglicht, ist er entspannt und aufgeschlossen, ab und zu lacht er herzlich. Feiner Humor blitzt immer wieder auf, keine Spur von Hektik, aber von grosser Energie. Jung und dynamisch wirkt er.

Seit 12 Jahren Ensemble-Mitglied der Oper Frankfurt

Vor 12 Jahren sang er an der Frankfurter Oper den Lescault aus Henzes “Boulevard Solitude”, seine erste Premierenrolle an dieser Bühne. Seitdem gehört er zum Ensemble. “Ich finde es schön, einen Bezugspunkt zu haben, sowohl, was das Persönliche betrifft, als auch dass man die Kollegen kennt, insofern bin ich gerne hier.” Er lobt das Niveau, das Orchester, die Produktionen. Er gebraucht die Worte “toll” und “wunderbar”. Nun wird der Sänger Kränzle national und international immer mehr gefragt, und es wird nach Lösungen gesucht, ihm diese Freiheiten des ausserfrankfurterischen Engagements zu ermöglichen.

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Johannes Martin Kränzle in seinem Musikzimmer

1999 überzeugte Johannes Martin Kränzle mit einer grandiosen Darstellung des Lenz in Wolfgang Rihms Kammeroper “Jakob Lenz”. Sie stützt sich auf Georg Büchners psychologische Novelle “Lenz”, die von der Krankheit des Dichters Jakob Michael Reinhold Lenz erzählt. Dieser hatte Angst- und Wahnvorstellungen, die ihn immer wieder zu Suizidversuchen trieben. Die Erinnerung an diese erschütternde Interpretation durch den Bariton Johannes Martin Kränzle ist heute noch hellwach.

Er sang und spielte eindrucksvoll echt. Es ist zu vermuten, dass Wolfgang Rihm von Kränzles Interpretation auch begeistert war. Denn nun vertraut ihm der Komponist erneut die Rolle eines psychisch Kranken an, und zwar in seiner Oper “Dionysos”, die Nietzsches letztes Werk “Dionysos-Dithyramben” zur Grundlage hat. Noch sitzt der Komponist an der Partitur der Oper, die bei den diesjährigen Salzburger Festspielen im Juli zur Uraufführung kommen soll. Johannes Martin Kränzle wird die Partie singen. Er wartet auf die Noten, was ihm im Augenblick ganz recht ist. In der Regel rechnet er mit zwei, drei Monaten für die Probenarbeit. “Das wird so eine Situation sein, dass man sich vornehmen muss, man springt gerade in so was rein”. Denn zur Zeit käme er nicht zum Einstudieren, da er im März an der Kölner Oper sein Rollendebüt in Bartoks “Herzog Blaubarts Burg” (Premiere am 12. März) gibt und im Mai in Mailand am Teatro alla Scala sein Rollen- und Hausdebüt als Alberich in Wagners “Das Rheingold” (aus dem Zyklus “Der Ring der Nibelungen”). Rund um die Uhr habe er nach Mailand zu proben.

Aber zunächst an die Kölner Oper: September 2009 wurde Wagners Oper “Die Meistersinger von Nürnberg” neu inszeniert. Die Kritiken betreffend Regie waren verheerend. Nur Johannes Martin Kränzle als Beckmesser wird höchstes Lob zuteil. “Herausragend  … darstellerisch überzeugender Beckmesser, der die Rolle einmal nicht als Karikatur anlegt, sondern – bei aller Detail-Differenzierung – mit Würde und Tragik ausstattet”, heisst es im Kölner Stadt-Anzeiger.

Im Gespräch darauf angesprochen, betont Kränzle den “ernsten Kern”, der jeder Figur innewohnt. “Der Mensch möchte ja kein Clown sein, sondern möchte ja auch verstanden werden. Durch die Situation ergibt sich dann die Komik und nicht dadurch, dass ich jetzt rauskomme und der grosse Spassmacher sein möchte”. Er beruft sich auf Charlie Chaplin und Buster Keaton, die in ihrem Ernst komisch waren. Aber nachahmen, kopieren kommt für ihn nicht infrage, er will “aus sich selbst arbeiten und Ideen entwickeln”. “Sich auf die Suche machen” ist seine Devise bei der Entwicklung einer Rolle. Er schätzt die Zusammenarbeit mit Regisseur Christof Loy, der an der Oper Frankfurt “Cosi fan tutte” inszenierte. Ein psychologisches Regie-Meisterstück, in dem Johannes Martin Kränzle den Don Alfonso singt (5. März 2010). Geschickt wickelt er die Frauen ein, die lange Zeit sich nicht verführen lassen und ihren Männern treu sein wollen. Aber Don Alfonso lässt nicht nach, weil es ja um eine Wette geht: “Cosi fan tutte” … “So sind sie alle”, die Weiber. Frauenfeindlich?

Nein, sagt der Sänger. Mozart behandele ja die Frauen viel liebevoller als die Männer, die seien ja wohl schön dumm, so eine Wette einzugehen. Und humorvoll fügt er hinzu: “Wenn die Männer die Frauen auf die Probe stellen würden, dann wäre das ganze Stück viel schneller zu Ende, denn die Männer würden nicht so lange durchhalten.”

Der einzige, der als Sänger wie als Schauspieler völlig souverän wirkt an diesem Abend, ist Johannes Martin Kränzle als “Beckmesser”, so wird in WDR 5 nach der Premiere in Köln berichtet. Er wird als der einzige gefeiert, der seinen Part zu entwickeln versteht. Als Sensation, als “Sänger, der vor Kraft und Sinnlichkeit vibriert, der mit der Stimme zu agieren versteht” (Kölner Stadt Anzeiger) wird er gefeiert.

Das fasziniert an Johannes Martin Kränzle: er überzeugt sängerisch wie darstellerisch und das nicht nur als Beckmesser, sondern auch als Don Alfonso, als Don Pizarro, als Graf Almaviva, als Papageno, als Figaro, als Eisenstein, als Lenz und und und. Über sechsunddreissig Rollen verfügt sein aktives Repertoire derzeit. Theaterspielen hat ihn schon immer interessiert, am Anfang mehr als das Singen. “Ich gehe privat fast öfter ins Schauspiel als in die Oper, da ich da mehr Innovation fürs eigene Spiel finden kann”, bekennt er. Professor Andreas Meyer-Hano von der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt hat ihm während des Studiums die Schauspielkunst nahe gebracht.

Werdegang

Aber nun zurück zu den Anfängen des in Augsburg geborenen Sängers. Die Mutter war Musiklehrerin an einem Gymnasium. Er und seine beiden jüngeren Geschwister lernten ein Instrument. Er lernte die Geige. Dieses Instrument beherrscht er so gut, dass er in der szenischen Aufführung von Schuberts “Winterreise” ein Geigensolo spielt, ebenso manchmal in Offenbachs “Orpheus in der Unterwelt”. Und gelegentlich macht er mit Kollegen des Orchesters Kammermusik.

Nach der Schule, wo er hin und wieder ein Solo sang, studierte er in Hamburg ein Jahr Musiktheaterregie. Das fand er irgendwann langweilig, zu theoriebelastet, weil man von den spannenden Persönlichkeiten wie Götz Friedrich nur Referate hörte. Wie kam er zum Gesang? Durch Zufall. Johannes Martin Kränzle machte in Frankfurt am Main die Aufnahmeprüfung für Schulmusik, ohne Schulmusiker werden zu wollen, sondern um sich eine umfassende, musikalische Ausbildung anzueignen. Der Musikpädagoge Martin Gründler, der vor sechs Jahren verstarb, sass zufällig an diesem Tag in der Prüfungskommission. Er hörte den Studenten und sagte “Sie werden Sänger! Kommen Sie wieder und machen in einem halben Jahr die Gesangsaufnahmeprüfung”. So hat es Kränzle dann gemacht. Nach fünf Jahren hat Gründler sein Versprechen wahr gemacht und ihm ein erstes Engagement in Dortmund vermittelt.

“Da war jemand so überzeugt von mir. Ich bin ihm heute noch sehr sehr dankbar“.

Neue Lied-CD

2009 erhielt die CD-Aufnahme von Aribert Reimanns Oper “Lear”, die 2008 an der Oper Frankfurt Premiere hatte, den Preis der Deutschen Schallplattenkritik. Johannes Martin Kränzle bietet als ausgenutzter, gefolterter Gloster ein berührendes Portrait.

Nun ist 2009 eine Lied-CD des Sängers erschienen, die seine sängerische Bandbreite voll zur Entfaltung kommen lässt.

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Cover der CD „Die Mitternacht zog näher schon” (Bildnachweis: Oehms Classics München)

Es sind dramatische, witzige, nicht nur romantische Balladen von Carl Loewe, Robert Schumann, Hugo Wolf, Franz Schubert, Gustav Mahler sowie Ferruccio Busonis „Flohlied“ von Johann Wolfgang Goethe. Mephisto präsentiert es in “Faust I”, um die Gäste in Auerbachs Keller zu Leipzig zu erheitern.

Zu einer Hörprobe bitte hier anklicken
(alle Rechte bei Oehms Classics München)

“Es war einmal ein König,
Der hatt’ einen grossen Floh,
Den liebt’ er gar nicht wenig,
Als wie seinen eig’nen Sohn.
Da rief er seinen Schneider,
Der Schneider kam heran:
Da, miss dem Junker Kleider
Und miss ihm Hosen an!

In Sammet und in Seide
War er nun angetan,
Hatte Bänder auf dem Kleide,
Hatt’ auch ein Kreuz daran,
Und war sogleich Minister,
Und hatt’ einen grossen Stern.
Da wurden seine Geschwister
Bei Hof auch grosse Herrn.

Und Herrn und Frau’n am Hofe,
Die waren sehr geplagt,
Die Königin und die Zofe
Gestochen und genagt,
Und durften sie nicht knicken
Und weg sie jucken nicht.
Wir knicken und ersticken
Doch gleich, wenn einer sticht.”

Johannes Martin Kränzle lässt im „Flohlied“ wie auch in Mahlers “Des Antonius von Padua Fischpredigt” und Schumanns “Die beiden Grenadiere” feine Ironie hören. Sein lyrischer Bariton kann sich in diesen Liedern wunderbar entfalten. Loewes Balladen singt er wie die alten Barden, nicht immer die Basstiefen genügend ausschöpfend, aber wirklich dramatisch. Schuberts “Erlkönig” gefällt, weil er eine übertriebene Darstellung, wie sie früher üblich war, vermeidet. Auch Hugo Wolfs “Gutman und Gutweib” sowie “Der Feuerreiter” sind lebendig und Schuberts “Revelge” äusserst berührend. Seine Texte sind gut zu verstehen. Hilko Dumno, Dozent für Liedform an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Frankfurt, preisgekrönter Klavierbegleiter grosser Interpreten, unterstützt den Sänger am Klavier: vorzüglich, markant und einfühlsam. Seine Vor-, Zwischen -und Nachspiele lassen ein bedeutendes pianistisches Können spüren.

Ein engagierter Mensch

1991 gewann der 28jährige Johannes Martin Kränzle in Rio de Janeiro bei einem Gesangswettbewerb den ersten Preis. Damals hatte er gerade das Dortmunder Engagement mit einer kleinen Rolle angenommen und konnte das Angebot der Oper von Rio, als Leporello zu debütieren, nicht wahrnehmen. Er hatte wohl noch die Zeit, in Nordbrasilien herumzureisen und ein paar Konzerte zu geben. Aber das war den Musikprofessoren von João Pessoa nicht genug. Sie wollten, dass er den Studenten etwas beibringe. Blitzschnell organisierten sie einen Simultandolmetscher und einen Pianisten, und der junge Sänger fand sich sofort in der Rolle des Musikpädagogen.

Es machte ihm Spass. Schnell sprach sich seine Tätigkeit in Nordbrasilien herum. Im Jahr darauf meldete sich die Musikschule von Recife, dann von Natal, wo er im Januar 2010 unterrichtet hat. Einigen seiner Teilnehmer konnte er in diesen 19 Jahren, die er nun dort aktiv ist, helfen, in Europa einen Studienplatz zu finden.

Ehrenamtlich ist er natürlich tätig. Wobei das Geld, das er diesmal bekam, seine Flugkosten deckten. “Ich fände es eigenartig, wenn ich als Besserverdienender Kapital daraus schlagen würde.” Die Tatsache, dass er die Sonne und den Strand geniessen kann und vor allem ein anderes Lebensgefühl erlebt, ist für ihn Lohn genug. Es macht ihm Spass, nicht nur an grossen Häusern in Japan, USA und Deutschland zu singen (”da ist manchmal alles zu saturiert, gemachte Nester”), sondern auch zum Beispiel in Tiflis, wo die Proben erst zu Ende sind, wenn das Licht ausgeht, oder wie Ende Januar in Kairo.

Johannes Martin Kränzle, dem kein Alter anzusehen ist, ist auf dem Sprung in die Weltkarriere. Publikum und Fachwelt sind gespannt auf seine Interpretation des Alberich, den er im Mai am Teatro alla Scala singen wird und im Oktober an der Deutschen Oper Berlin. Wie wird er dessen Bösartigkeit, aber auch Verzweiflung – auch er hat ja einen “guten Kern” – gestalten?

Die Termine des Sängers, auch die Konzertermine von Mendelssohn-Bartholdys “Elias” in Darmstadt und Mainz, stehen auf seiner Internet-Seite .

Im Juni und Juli 2010 singt er wieder an der Oper Frankfurt Hans Pfitzner. Dann kommen die Salzburger Festspiele, dann Berlin. Das Jahr beendet er als Graf Danilo in “Die Lustige Witwe” im Grand Théâtre de Genève. 2011 steht das berühmte Glyndebourne Opernfestival südlich von London auf seinem Terminkalender.


Das rätselhafte Musikinstrument

Mittwoch, 18. Juni 2008

Lust auf ein neues Rätsel? Also dann!

Heute geht es in das Reich der Musik: Wie heisst dieses – eben rätselhafte – Instrument, das der Musikmeister gerade fertigstellt oder stimmt, im heutigen aktuellen deutschen Sprachgebrauch?

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Das allein wäre jetzt zu leicht. Deshalb die Fortsetzung der Frage: Wie lauten die drei historischen, seinerzeit gebräuchlichen, sehr unterschiedlichen Namen dieses Musikinstruments (das natürlich früher auch durchaus anders aussah und teilweise um ein Vielfaches grösser war)? Vier Begriffe also sind zu nennen.

Wiederum muss bei mehreren richtigen Lösungen das Los, sprich Fortuna entscheiden – und die ist launisch, wie wir wissen. Die Lösung wird nach Ablauf einer Woche veröffentlicht.

Und nun der Gewinn: Eine CD mit Musik, in der das Instrument eine Rolle spielt (aus der Zeit seiner alten Bezeichnungen).

Viel Spass und viel Glück!

Das rätselhafte Musikinstrument – die Lösung

Donnerstag, 26. Juni 2008

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(Diatonisches Hackbrett)

Bei schwacher Beteiligung gab es nur eine richtige Lösung:

das Hackbrett, alias Salterio, Dulcimer, Pantaleon und auch Cymbal.

Die richtige Lösung hat Michael Köhres eingesandt, der Gewinner bereits des Dreieck-Rätsels. Herzlichen Glückwunsch! Es gibt wunderschöne Einspielungen mit diesen Instrumenten. Eine entsprechende CD ist ihm sicher!

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(Salterio; Bildnachweis: Hackbrettforum e. V. mit weiteren Hinweisen)