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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Alle Artikel zu Installation · Performance · Objektkunst

„Artists in Residence“-Programm 2012 Frankfurt am Main / 1

Donnerstag, 13. Dezember 2012

„Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ soll einst der Nachrichtenagentur-Gründer Paul Julius Freiherr von Reuter gesagt haben, so ganz Unrecht hatte er nicht. Das alt-ehrwürdige ATELIERFRANKFURT in der Hohenstaufenstrasse, sichtbar bedroht vom zeitgeistigen Neubau-Boom, muss weichen. Wir werden später darauf zurückkommen. Heute gilt es, die dort letztmalig veranstaltete Jahresausstellung „Artists in Residence – Internationaler Künstleraustausch“ der Stadt Frankfurt am Main zu würdigen.

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„basis“: Sommerausstellung 2010 in Frankfurt am Main

Sonntag, 22. August 2010

Von potentieller Dummheit war die Rede, als der Frankfurter Kulturdezernent Professor Felix Semmelroth unlängst die Sommerausstellung 2010 von „basis“, des Vereins zur „Förderung kreativer Produktionsmöglichkeiten und Inhalte“, im Atelierhaus Gutleutstrasse eröffnete. Denn von Dummheit zeugte es, wenn eine weltoffene Stadt wie Frankfurt am Main nichts unternähme, um ihre Künstlerinnen und Künstler nicht nur zu fördern, sondern auch deren Arbeit in die Stadtgesellschaft hinein zu kommunizieren. So stellt das Kulturdezernat unter anderem 40 preiswerte Ateliers bereit. Darüber hinaus fördert es, wiederum unter anderem, den Verein „basis“ mit seinen 45 Arbeits- und Produktionsräumen in der Elbe- sowie weiteren 75 entsprechenden Räumen in der Gutleutstrasse (nicht zu vergessen ferner die Unterstützung der 45 Ateliers von „atelierfrankfurt“ in der Hohenstaufenstrasse). Neben den regelmässigen Sonderausstellungen dieser Ateliers legen deren jährliche, von den Frankfurter Bürgerinnen und Bürgern vielbesuchte und geschätzte „Open Doors“ ein beredtes Zeugnis ab von der in der Stadt reich versammelten künstlerischen Kreativität und Leistungsfähigkeit.

Zurück nun zur „basis“-Sommerausstellung 2010: „Feeding the World“ lautet trefflich ihr Motto, und wahrlich: Kunst versteht sich – und wird unserem Eindruck nach mehr und mehr verstanden (gerade auch an einem Banken- und Dienstleistungsstandort wie Frankfurt am Main) – als ein unverzichtbares Grundnahrungsmittel. An der aktuellen, sommerlich-künstlerischen „basis“-Nähr-Aktion beteiligen sich Isabel Albrecht, Verónica Aguilera, Valentin Beinroth, Johanna Bieligk, Nicolaj Dudek, Wiebke Grösch, Özlem Günyol, Florian Jenett, Stefanie Kettel, Sandra Kranich, Astrid Korntheuer, Levent Kunt, Mustafa Kunt, Frank Metzger, Nashun Nashunbatu, Stefanie Pretnar, Katharina Schücke und Oliver Voss. Erstmals wird eine derartige Ausstellung in einem der basis-Häuser kuratiert: von dem in Berlin lebenden freien Autor und Kurator Ludwig Seyfarth.

Wieder einmal haben wir die Qual der Wahl: Die Arbeiten von neun Künstlerinnen und Künstlern stellen wir exemplarisch vor als einen Querschnitt durch die bis zum 12. September 2010 dauernde Ausstellung, die sich Kunsthungrige keinesfalls entgehen lassen sollten. Lassen Sie sich, liebe Leserinnen und Leser, im besten Sinne mit Kunst „füttern“.

Astrid Korntheuer,1979 in Schwelm geboren, studierte von 1999 bis 2005 an der Hochschule für Gestaltung (HfG) in Offenbach bei den Professoren rosalie, Heiner Blum und Frank Schumacher. Sie arrangiert für ihre fantastischen fotografischen Arbeiten die verschiedensten Materialien, die sich bei nachhaltiger Betrachtung als ein behutsam wie sorgfältig entwickeltes kompositorisches Ganzes erweisen. Verblüffend die räumliche Tiefenwirkung, gleichsam „Dreidimensionalität“ ihrer Fotografien der Serie „Nature morte“. Die Künstlerin lebt und arbeitet in Frankfurt am Main und Offenbach.

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Astrid Korntheuer, „Nature Morte 113“, 2009, Injektprint Aludibond, 115 x 142,5 x 5 cm (im oberen Teil leider mit einem störenden Lichtreflex)
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„Blickachsen 10″ in Bad Homburg und Rhein-Main (13)

Sonntag, 4. Oktober 2015

Leo Copers: IROM ETRA ORP TSE MUROCED TE ECLUD

Am heutigen 4. Oktober 2015 endet die 10. „Blickachsen“-Skulpturen-Biennale in Bad Homburg, Frankfurt und einigen Orten im Rhein-Main-Gebiet. Für Besucherinnen und Besucher, die noch das eine oder andere Werk etwa in den Bad Homburger Parkanlagen sehen möchten, ist dies kein Unglück, denn anders als bei Ausstellungen in geschlossenen Räumen, die dann zugesperrt werden, wird der Abbau der Objekte im Freien unter aller Augen stattfinden und sich über eine gewisse Zeitspanne erstrecken.

Dennoch nehmen wir heute Abschied – wo anders als auf dem Friedhof der Kunstmuseen, den Leo Copers im Kurpark Bad Homburg unweit des Schwanenteiches eingerichtet hat. Es sind 111 der grossen Ausstellungshäuser der Welt, denen er einen Grabstein gesetzt hat, ein jeder sauber nach allen Regeln der Steinmetzkunst gearbeitet und graviert.

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IROM ETRA ORP TSE MUROCED TE ECLUD, 2008-2010, Installation, verschiedene Detailansichten, Granit, Gravur, 111 Steine, Masse variabel; © VG Bild-Kunst, Bonn

Natürlich befinden sich das Städel Museum wie die Kunstsammlungen Nordrhein-Westfalen K20 / K21, der Louvre wie das Centre Pompidou unter den Verstorbenen. Das Museum Ludwig in Köln bleibt ebenso wenig vom Hinscheiden verschont wie das berühmte New Yorker MoMa oder die britischen Tate-Häuser. Ja und sogar das Middelheimmuseum in Antwerpen, Ko-Veranstalter der diesjährigen Blickachsen, ist sanft entschlafen.

Leo Copers‘ Arbeiten sind ein Protest: Die Museen hätten sich, so das Credo des Künstlers, zu einem „lärmerfüllten Marktplatz“ entwickelt, manche Ausstellungen hätten lediglich einen „Spektakelwert“, unterworfen dem „allgegenwärtigen Diktat grosser Namen“. Aber ebenso kritisiert er das Museum als ein „Mausoleum der Künste“.

Leo Copers, 1947 in Gent geboren, studierte (ebenso wie Peter Rogiers) an der Sint Lukas-Hochschule in Brüssel und darüber hinaus an der Kunstakademie in Gent. Der Künstler lebt und arbeitet im belgischen Wetteren.

Und nun zum Titel der Installation „IROM ETRA ORP TSE MUROCED TE ECLUD”? Lesen wir ihn doch einfach von hinten nach vorn: “Dulce et decorum est pro arte mori” – Süss und ehrenvoll ist es, für die Kunst zu sterben. Eine Persiflage auf den Satz “Dulce et decorum est pro patria mori” – Süss und ehrenvoll ist es, für das Vaterland zu sterben – aus den “Carmina” des römischen Dichters Quintus Horatius Flaccus (65-8 v.Chr.), kurz Horaz. Eine vom Nationalismus des 19. und 20. Jahrhunderts aufgegriffene dümmliche Verherrlichung des “Heldentods”, von Wilfred Owens (1893-1918) zitiert in seinem berühmten wie bitter aufschreienden Gedicht “Dulce et decorum est” über das Verrecken eines Soldaten beim Gaseinsatz im ersten Weltkrieg.

Aber wo ist der Grabstein für das Museum für Moderne Kunst Frankfurt MMK? Ist ihm einer der namenlosen Steine gewidmet, hat der Künstler es schlicht vergessen – oder lebt es als eines der wenigen hier nicht bestatteten – und deshalb quicklebendigen – Kunstmuseen fort?

Abbildungen: Courtesy Stiftung Blickachsen gGmbH, Bad Homburg; Fotos: FeuilletonFrankfurt

Die “Blickachsen 10″ in Bad Homburg und Rhein-Main enden am heutigen Sonntag, 4. Oktober 2015

→ “Blickachsen 10″ in Bad Homburg und Rhein-Main (1)

„Blickachsen 10″ in Bad Homburg und Rhein-Main (8)

Sonntag, 13. September 2015

Kati Heck im Bad Homburger Kurpark:
Hier geht’s nicht nur um die Wurst

Darf Kunst witzig sein? Den „Kunstbetrieb“ kommentieren und karikieren? Darf Skulptur und Installation als Comic daherkommen?

Aber ja!

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Kati Heck, Dabei sein ist alles, 2006, Polyester, Autolack, Installation mit variablen Massen, Sammlung Middelheimmuseum, Antwerpen

Nein, der in einem Baum am Schwanenteich aufgehängten Weisswurst aus dem bajuwarischen Freistaat scheint es gar nicht zu gefallen im nördlich des „Weisswurst-Äquators“ – will sagen der Main-Linie – gelegenen Kurpark der 1866 nach dem Tod Ferdinands an das Grossherzogtum Hessen gefallenen und wenig später von den „Sau-Preissn“ annektierten ehemaligen Landgrafschaft Hessen mit Residenz in Bad Homburg. Grimmig-traurig schaut es drein, das arme Weisswürschtl. Und wir erkennen: Kati Heck – eine Künstlerin, vor derem scharfen Blick man sich in Acht nehmen sollte – begleitet wieder einmal den „Kunstbetrieb“ mit ihrem intelligent-beissenden Spott. Natürlich denken wir sofort an Jeff Koons wurstsähnlich zusammengeschnürt-aufgeblähte, hochglanzpolierte „Kunst“Werke, die ihn, dem Kunstmarkt sei’s gedankt, zum Multimillionär machten. Kati Heck mit ihrem weitgespannten Œuvre wird diesen Vermögensstatus sicherlich nie erreichen. Ja, zur Kunst und zum grosskapitalistisch entarteten „Kunstbetrieb“ liesse sich so manches sagen … Aber wir wollen uns heuer die gute Stimmung nicht verderben. Weiterlesen

„BRASILIANA. Installationen von 1960 bis heute“ in der SCHIRN Kunsthalle Frankfurt

Sonntag, 22. Dezember 2013

Ein Parcours intensiv erlebbarer Räume

Zeitlich in etwa parallel zur Retrospektive “Hélio Oiticica. Das grosse Labyrinth” im Museum für Moderne Kunst präsentiert die SCHIRN Kunsthalle Frankfurt eine Gruppenausstellung mit Installationen brasilianischer Künstlerinnen und Künstler; gezeigt werden acht raumgreifende Arbeiten von Lygia Clark, Dias & Riedweg, Cildo Meireles, Maria Nepomuceno, Ernesto Neto, Hélio Oiticica/Neville D’Almeida, Henrique Oliveira sowie Tunga.

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Noch Minuten vor der SCHIRN-Pressekonferenz wird Hand angelegt an den Aufbau der Installationen in der Ausstellungshalle

„Unterwegs zu einer neuen tropischen Kultur hat Brasilien seine eigene Form der Moderne entwickelt“, sagt Martina Weinhart, Kuratorin der Ausstellung, „die sich aus mannigfaltigen Einflüssen speist. Es entstand eine dynamische Kunst, die eng mit dem Leben verbunden ist und das internationale Vokabular der Moderne in typisch brasilianischer Sprache ausdrückt. Jenseits der gängigen Brasilien-Klischees haben brasilianische Künstler seit den 1960er Jahren höchst spannende und multisensorische Strategien entwickelt, bei denen die Beteiligung des Betrachters, das Taktile, die Berührung des ganzen Körpers eine zentrale Rolle spielen Weiterlesen