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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Archive for the 'Biennale Arte Venedig 2009 / 2011' Category

53. Biennale Arte Venedig 2009 (8) – Elmgreen & Dragset: Ein Riss durch die Welt

Freitag, 10. Juli 2009

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Es ist fein eingedeckt im zur Villa gestalteten dänischen Pavillon – aber durch die Mitte des Esstisches, durch Stühle und Teller geht ein Riss. Die Welt ist zerrissen, geteilt in Gut und Böse, Nord und Süd, Reich und Arm, Glück und Pech.

Wohltätig ging es zu in der Villa, Bittgesuche und Dankschreiben Armer, Obdachloser, in Not Geratener bekleiden, sorgfältig passepartoutiert und auf das Feinste gerahmt, die Wand hinter dem Esstisch.

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Das Künstlerduo Elmgreen & Dragset verwandelte mit seiner Arbeit “The Collectors” – wiederum in Kooperation mit einer Reihe von Künstlern und Designern – den unmittelbar neben dem nordischen Pavillon gelegenen Pavillon Dänemarks in diese Villa.

Längst hat, längst musste das Kunstsammler-Ehepaar das Haus verlassen. Nur die Stumme Dienerin blieb.

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Die baufällige Treppe in der Bibliothek ist zerbrochen – kein Weg führt mehr dorthin, wo “Oben” ist.

Auf dem Spiegel im Flur ein Abschiedswort.

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“FOR SALE” – so steht es auf einem Schild vor dem Anwesen geschrieben.

(Installationen © Elmgreen & Dragset; Fotos: FeuilletonFrankfurt)


53. Biennale Arte Venedig 2009 (9) – Roman Ondák: Verweigerung

Dienstag, 14. Juli 2009

Die Tschechische und die Slowakische Republik haben in den Giardini Pubblici einen gemeinsamen Pavillon. Er soll leicht aufzufinden sein, entnehmen wir dem Ausstellungsplan, einfach schräg gegenüber dem Haus der Deutschen.

Wir sind gespannt auf das, was es zu sehen gibt. Erwartungsvoll gehen wir über den bekiesten Platz in Richtung üppig wuchernden Grüns der Bäume und Sträucher.

Aber wo ist eine Eingangstür? Und wo ist denn überhaupt dieser Pavillon?

Ja, Wände und Dach sind wohl vorhanden, aber … Wir versuchen, uns zu orientieren.

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Innerhalb der vier Wände: ist dies denn ein Gewächshaus? Der Kiesweg verläuft geradewegs durch den Pavillon. Rechts und links dieses Wegs setzt sich die Vegetation des Gartens fort.

Und die Ausstellung, das Kunstwerk?

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Mittendrin, ja, wir sind mittendrin.

Besucherinnen und Besucher des Pavillons schlendern durch das angenehme Grün. Kopfschütteln, auch Lachen und Scherzen. Es ist ein Gag, so hören wir sagen, warum nicht? Die Stimmung ist heiter.

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Die Giardini setzen sich im Pavillon fort, wachsen durch ihn hindurch. Vor dem, was vormals der gegenüberliegende Ein- und Ausgang war, erhebt sich ein mächtiger Baum. Dahinter wieder das Grün der abgeblühten Rhododendren.

Roman Ondák wurde 1966 im slovakischen Zilina geboren. Der in den unterschiedlichsten Medien wie Skulptur, Zeichnung, Fotografie, Video oder Installation tätige, weltweit ausstellende Konzept-Künstler lebt und arbeitet in Bratislava.

In Venedig lässt er jetzt in seiner von der Österreicherin Kathrin Rhomberg kuratierten Arbeit “Loop” die Grenzen zwischen Innen und Aussen, zwischen dem für Kunst vorgesehenen Raum und dem diesen umgebenden Park verwischen. Ein Gegner nationaler Pavillons, negiert er so auf konsequente Weise deren Existenz. Der Künstler hatte sich dabei nach eigenem Bekunden allerdings mit der besonderen Situation auseinanderzusetzen, dass sich aus der früheren Tschechoslowakei die beiden heutigen Staaten Tschechische und Slowakische Republik gebildet haben, die den Pavillon derzeit (noch) gemeinsam bespielen.

Uns scheint deshalb ein weiterer künstlerische Ansatz für Ondáks Arbeit noch plausibler zu sein: die Verweigerung gegenüber einer Auftragskunst, gegenüber dem biennalen Kunstbetrieb. Sogar dessen Negierung.

Eine der, wie wir meinen, grandiosesten Arbeiten dieser Biennale.

(Installation © Roman Ondák; Fotos: FeuilletonFrankfurt)


Auch zur 53. Biennale Arte 2009: Venedig im Zeichen der Musik

Dienstag, 7. Juli 2009

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Junge Musikerinnen und Musiker in venezianischen Kostümen des 18. Jahrhunderts laden zu einem Konzert der I Musici Veneziani mit Antonio Vivaldis “Le Quattro Stagioni” ein.

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San Maurizio am Campo San Maurizio, 1806 durch Giannantonio Selva im klassizistischen Stil errichtet:  In der Ausstellung “Vivaldi und seine Zeit – der Lauten- (Geigen)bau” erwartet den Musikliebhaber eine wahre Augenweide.

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Violoncello, Mailänder Schule, Ende 1700

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Neapolitanische Mandolone (Bass-Mandoline) um 1750 und Laute um 1800

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Salterio, venezianische Schule, Settecento (im deutschen Sprachgebrauch 18. Jahrhundert)

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Viola da gamba, 1580

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Kontrabass von Niccolò Amati, Cremona, 1670

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Die profanierte, als Konzertsaal genutzte Kirche San Vidal (18. Jahrhundert) am Campo San Vidal ist die ständige Spielstätte des renommierten Ensemles Interpreti Veneziani.

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(Fotos: FeuilletonFrankfurt)


Biennale Arte Venedig 2011 (1): Wir gratulieren Susanne Gaensheimer zum Goldenen Löwen!

Dienstag, 14. Juni 2011

FeuilletonFrankfurt war in Urlaub, das musste mal wieder sein. In Italien, mit Abstechern nach Venedig zur diesjährigen Biennale, versteht sich. Und da es ein Urlaub sein sollte, verzichteten wir auf das Notebook.

Wir waren sehr glücklich, in der Feier zur Eröffnung der 54. Biennale Arte Venedig am 4. Juni 2011 MMK-Direktorin Susanne Gaensheimer, Kommissarin (Kuratorin)  für den Deutschen Pavillon, zur Verleihung des Goldenen Löwen für den besten Nationalen Beitrag “Christoph Schlingensief” an Ort und Stelle gratulieren zu können.

Aino Laberenz (Witwe Christoph Schlingensiefs), Susanne Gaensheimer, Biennale-Präsident Paolo Baratta und Bice Curiger, Direktorin der 54. Kunst-Biennale, während der Verleihung des Goldenen Löwen für den Beitrag Deutschlands am 4. Juni 2011 (Foto: FeuilletonFrankfurt)

Nun sind wir nach Frankfurt am Main zurückgekehrt:

FeuilletonFrankfurt gratuliert Susanne Gaensheimer noch einmal in aller Form sehr herzlich zu diesem grossartigen Erfolg!

Natürlich werden wir weiter berichten.

Biennale Arte Venedig 2011 (10): Raja und Shadia Alem “Black Arch”

Dienstag, 1. November 2011

“Black Arch” ist der offizielle Beitrag des Königreichs Saudi-Arabien zur 54. Kunstbiennale in Venedig. Gestaltet haben ihn die Künstlerinnen-Geschwister Raja und Shadia Alem. Man findet diese faszinierende Arbeit in den Arsenale gleich hinter der langen Corderie.

Raja Alem wurde 1970 in Mekka geboren. Sie studierte an der König Abdulaziz Universität in Dschidda Englische Literatur. Zunächst setzte sie sich mit Mythen, Sagen und Geschichten in islamischer und vorislamischer Zeit auseinander, später mit dem Physischen und Metaphysischen und mit Fragen zwischen “Ost” und “West”. Sie schrieb Essays, Novellen, Kurzgeschichten und Romane. Raja erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen, jüngst in Dubai den arabischen Booker Prize.

Auch Shadia Alem, Rajas Schwester, wurde in Mekka geboren. Sie arbeitet als Malerin und Fotografin und erwarb sich mit ihren Installationen einen Namen weit über die arabische Welt hinaus in Asien und Europa. In Deutschland stellte sie 2005 im Kunst Museum Bonn aus und 2010 in Berlin.

Beide Geschwister unternahmen in den 1980er Jahren umfangreiche Reisen mit dem Ziel, die kulturelle Vielfalt weltweit kennenzulernen und den Ursprüngen fremder Kulturen nachzuspüren, die seit jeher, vor allem in den Erzählungen auswärtiger Pilger in Mekka, ihre kindlichen Phantasien beflügelt hatten.

Raja und Shadia Alem leben und arbeiten beide in Paris und in Dschidda.

Ist es ein Märchen aus Tausendundeine Nacht, das sich visualisiert, ist es ein riesiges Tableau mit tausend und mehr funkelnden Diamanten, das sich vor unseren Augen ausbreitet?

Das jetzt in Venedig gezeigte skulpturale Werk besteht aus einem nahezu kreisförmigen Oval, gebildet aus in konzentrischen Bögen angeordneten glänzenden Kugeln in Chrom, einem Kubus aus Edelstahl sowie einem rückwärtig mit einem schwarzen Schleier verkleideten Edelstahl-Spiegel, der die zu der Arbeit gehörenden Lichtprojektionen – Szenen aus den vergoldeten Mosaiken des venetianischen Marcus-Doms – sowie die Umgebung der Ausstellungshalle samt den betrachtenden Besuchern reflektiert. Eine Klanginstallation ergänzt den Auftritt.

Hintergrund der Arbeit der beiden Künstler-Schwestern sind zum einen die Wallfahrten von jährlich Millionen von Pilgern aus aller Welt in ihre Heimatstadt Mekka und die zahlreichen persönlichen Begegnungen mit pilgernden Gästen, die zur Haddsch in ihrem Elternhaus traditionell Aufnahme fanden, zum anderen die alten Traditionen und Überlieferungen Saudi-Arabiens, erzählt von Tanten und Grossmüttern im heimischen Familienkreis wie auch von den fremden Wallfahrern im Haus. “Black Arch” reflektiert, erklären Raja und Shadia, das in ihrer Kindheit und Jugend allgegenwärtig erlebte Schwarz, das Schwarz der verhüllten Frauen, das Schwarz der Kiswa, des die Kaaba umhüllenden Tuches, das Schwarz des Steines, des zentralen Heiligtums. Das Schwarz soll für das kollektive Gedächtnis stehen, die verchromten Kugeln für die – den Austausch zwischen den Kulturen bewirkenden – Seefahrer auf den Weltmeeren, der Kubus für die Kaaba, die Klangkomposition für die Gegenwart.

In dem Künstlerinnen-Duo ist die Schriftstellerin Raja die Erzählerin, während Shadia das Erzählte und Erlebte in eine Formen- und Bildsprache umsetzt.

“Black Arch” spiegelt die verschiedenen Vorstellungen von Welt wider, von Dunkel und Licht, von der Vergangenheit zur Gegenwart, und will einen Bogen spannen von Mekka nach Venedig, den beiden alten kosmopolitischen Städten. Die weltweiten Reisen Marco Polos werden dabei ebenso reflektiert wie die Explorationen des weltreisenden Berbers Ibn Battuta im 14. Jahrhundert. Raja und Shadia möchten mit ihrer Arbeit eine Brücke bauen zwischen den unterschiedlichen Kulturen der Welt.

Installation “Black Arch” © Raja und Shadia Alem; Fotos der Ausstellungsansichten: FeuilletonFrankfurt

Die Biennale Arte di Venezia endet am
27. November 2011.