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Das Online-Magazin von Erhard Metz

„Farbe und …“: Herbert Warmuth in der Galerie Heike Strelow

Herbert Warmuth ist ein aussergewöhnlich vielseitiger Künstler: sein Œuvre umfasst Malerei – berühmt sind seine „Fahnenbilder“ – ; Objekte, insbesondere „Köpfe“ (in grösstmöglicher Vereinfachung zusammengesetzt aus geometrischen Formen), aber auch Toiletten, Waschbecken, Müllsäcke oder allerlei Verpackungen; Wandmalereien und „Kunst am Bau“; ferner „Farbräume“ (Kabinette und Wandgestaltungen); und natürlich seine Arbeiten mit Arzneipackungen, mit denen er durchaus „Furore“ machte: kaum eine Medikamentenschachtel war vor seinem künstlerischen Zugriff sicher. Bei Heike Strelow werden heuer nun Werke aus den Reihen „Fahnenbilder“ und „Plexiglas Serie“ gezeigt. Weiter sind Papierarbeiten der jüngsten Zeit und Zeichnungen aus den 1990er Jahren zu sehen.

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Fahne Blau/Weiss, 2016, Öl, Lack, Stoff, Acryl, Aludibond, 55 x 55 cm; Foto Herbert Warmuth

„Bei meinen aktuellen Fahnenbildern“, schreibt der Künstler, „verbinde ich verschiedene Vorstellungen und Konzepte von Malerei collageartig auf einem Bild. Unterschiedliche malerische Vorgehensweisen werden zueinander in Bezug gesetzt, widersprüchliche, sich scheinbar ausschliessende Vorgaben und Sichten von Malerei und von Wirklichkeit bestehen nebeneinander. Der Prozess und die Begegnung, die der Betrachter in den Bildern erleben kann, ist daher – je nach eigenen Präferenzen – bei jedem anders: eine eigene, komplexe, sinnliche, auch schöne Erfahrung von Wirklichkeit durch die konzentrierte Form eines Bildes, bei dem Ambivalenz, Widersprüchliches, Balance und Labilität letztlich zusammengehören“.

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Louis Hemd, 2015, Öl, Acryl, Hemd, Aludibond, 44 x 140 cm; Foto Herbert Warmuth

Ausgangspunkt für Herbert Warmuths Arbeiten ist stets die Farbe. „Gerade dieses Bewusstsein über die Farbe und die Stofflichkeit der Farben“, schreibt die Künstlerin, Kuratorin und Kulturmanagerin Adela Demetja, „macht ihn als Maler aus. In der untrennbaren Einheit von Farbe und Form liegt Warmuths künstlerisches Interesse. Oder genauer gesagt, entwickelt sich das konzeptuelle Werk von Herbert Warmuth zwischen Farbe und Form. Er verwendet Farbe nicht nur als Farbmaterial, sondern malt auch mit Farbformen, die bereits existieren. So wird etwa in einigen seiner Zeichnungen und Installationen das Design von Medikamentenschachteln zum visuellen Taktgeber seiner Arbeiten. Oder er verwendet in seinen Fahnenbildern Textilien wie etwa Hemden, um verschiedene malerische Wirklichkeiten im Bild sichtbar zu machen. In seinen ausgestellten Bildern ist die traditionelle Arbeitsweise, Wasser-, Acryl- und Ölfarben, weiterhin in das Werk integriert und neben den farbigen Hemden und anderen Stofflichkeiten arrangiert. Der konzeptuelle Ansatz von Warmuths Bildern wird so noch verstärkt und im Schaffensprozess klar hervorgehoben.“

Installationsansicht,

Installationsansicht mit „Louis Hemd“ und „Fahne Blau/Weiss“; Bildnachweis: Galerie Heike Strelow

Installationsansicht, Papierarbeiten, 2015 - 2016, 30 x 20 cm

↑ Installationsansicht, Papierarbeiten, 2015 – 2016, 30 x 20 cm
↓ Installationsansicht, Papierarbeiten, 1990 – 1994, 30 x 20 cm
Bildnachweis: Galerie Heike Strelow

Installationsansicht, Papierarbeiten, 1990 - 1994, 30 x 20 cm

„In seiner aktuellen Plexiglas Serie macht das Plexiglas die Oberfläche des Bildes deutlich“, so Adela Demetja. „Die Farbe wird hinter den Plexiglasplatten gehalten. Um uns gewahr zu machen, dass das, was schützt, zugleich auch begrenzt, schneidet Warmuth durch die Bildoberfläche, so dass die Farbe, quasi metaphorisch befreit, austreten und atmen kann. Und woraus ist diese Farbe gemacht? Farbige Stoffe!“

Rosa, Weiss durch Rosa

Installationsansicht: (li.) Rosa, Weiss durch Rosa, 2016, farbige Stoffe, Acryl hinter Plexiglas, 28 x 48 cm; (re.) Rosa Quadrat, 2014, Öl, farbige Stoffe, Aludibond, 45 x 39,5 cm; Bildnachweis: Galerie Heike Strelow

Rosa, Weiß durch Rosa -

↑ Installationsansicht, Rosa, Weiss durch Rosa, 2016, Farbige Stoffe, Acryl hinter Plexiglas, 180 x 90 cm; Bildnachweis: Galerie Heike Strelow
↓ Gelb aus Weisslich, 2015, Lack, Leuchtband, Aludibond, 59,5 x 41,5 cm; Foto Herbert Warmuth

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Herbert Warmuth, 1960 in Schweinfurth geboren, studierte an der Städelschule bei den Professoren Thomas Bayrle, Johannes Schreiter, Bruce McLean und Felix Droese mit dem Abschluss als Meisterschüler. Er erhielt Preise und Stipendien, seine Arbeiten wurden von Museen und zahlreichen öffentlichen Institutionen erworben, die Zahl seiner Gruppen- und Einzelausstellungen lässt sich kaum mehr überblicken. Zu der bemerkenswerten Ausstellungs-Aktion „MÖBEL KAISER“ im Herbst 2011, zu deren Eröffnung sogar Max Hollein kam, steuerte er eine Tapete mit seiner Kopf-Motivik bei. Und dass er Humor hat, bewies er ein Jahr zuvor mit seiner Teilnahme an der Aktion „City Watch Office“, in der er mit anderen Künstlerinnen und Künstlern „wegen Beteiligung an ausnahmslos guter Herstellung von gegenwartsnaher bildender Kunst steckbrieflich gesucht“ wurde.

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Herbert Warmuth und Heike Strelow in der Vernissage; Foto: FeuilletonFrankfurt

Herbert Warmuth, „Farbe und …“, Galerie Heike Strelow, bis 22. April 2016; am Donnerstag, 14. April, 19.30 Uhr Künstlergespräch mit Herbert Warmuth

Werke Herbert Warmuth © VG Bild-Kunst, Bonn

 

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