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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

„ADA“ – Ausstellung von Anke Mila Menck im ATELIERFRANKFURT

Von der Leichtigkeit des Schwebens

Mit dem Schweben ist das so eine Sache: Wer schwebt, hat noch längst nicht den Himmel oder ein „Oben“ erreicht, andererseits aber bereits den sicheren Boden verlassen. Nun schwebt gottlob nicht die Künstlerin Anke Mila Menck, sondern sie lässt schweben: silberne, mit Helium gefüllte Ballons unterschiedlicher Form und Grösse. Diesen wohnt inne, versteht sich, mit Hilfe des Auftriebs (bekanntlich ist Helium leichter als Luft) irdischer Schwerkraft zu entfliehen, welche Erfahrung schon manches Kind machte, das weinend seinem auf Nimmerwiedersehen entschwebenden Jahrmarktsluftballon nachsah. Aber so weit lässt es die Künstlerin nicht kommen: Ihre Ballons bleiben an den Boden – konkret den Dachboden der Residenz von AtelierFrankfurt – gebunden, aber auf welche Art und Weise! „Beschwert“ nämlich sind sie mit leichtesten Materialien, mit Wollfäden, mit Tüchern und Stoffen aus Nessel, Tüll oder gar Seide – gerade um jene wenigen Gramm gewichtiger als der mit Helium gefüllte, in die Höhe strebende Ballon. „Das Ganze“, sagt Anke Mila Menck, „ist ein in der Aufwärtsbewegung stillstehendes Steigen. Last und Auftrieb balancieren sich aus“.

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„ADA“ gibt Anke Mila Menck ihrer ortsspezifischen Installation – oder handelt es sich um eine nicht minder ortsbezogene raumfüllende Skulptur – zum Namen. Leicht könnte man mit diesem gewissermassen symmetrischen Kunstwort den Profilquerschnitt des ebenfalls symmetrisch als ein gleichschenkeliges Dreieck ausgeführten Dachraums assoziieren. Eine Arbeit, die geradezu nach einem solchen lichtdurchfluteten, in reinem Weiss gestrichenen Raum verlangt, sich nach oben hin verjüngend, mittig mit einer Reihe schlanker, den freien Blick nicht behindernder Säulen. Wie auch umgekehrt dieser schlichte wie zugleich dynamische Raum – ein Gegensatz zum White Cube – nach einer spielerischen, luftig-leichten wie überaus sinnlichen Arbeit zu verlangen scheint.

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Spielerisch – im Ballon spiegeln sich das Draussen, Himmel und Wolken durch die Fenster, und auch der Betrachter oder Fotograf findet sich, zur Karl Valentin-Silhouette verzerrt, auf der silbrigen Oberfläche wieder. Und manchmal scheint ein Ballon auf der winzigen Spitze eines Kegels aus zartem Material zu balancieren.

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In das fragile Spiel des Schwebens tritt der Betrachter unmittelbar ein: Ein Durchschreiten des Parcours, den die auf dem Boden ausgelegten sensiblen Materialien vorgeben, ein Annähern an einen der Ballons, ein Ausatmen in deren Nähe, gar ein Anpusten versetzt sie in schwingende, drehende, ja tänzerische Bewegungen. Und man ist mitten darin in Raum und Zeit dieser grossartig lebendigen Arbeit.

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Anke Mila Menck, 1973 in Ludwigshafen geboren, studierte an der Hochschule für Bildende Künste Saar bei Professorin Christina Kubisch. Ihre Arbeiten wurden vielfach im In- und Ausland gezeigt. Die Künstlerin lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.

Ausstellungsansichten Fotos: FeuilletonFrankfurt

Anke Mila Menck, „ADA“, letzte Position der fünfteiligen Ausstellungsreihe Vorspiel, AtelierFrankfurt, bis 8. April 2016

Parallel bis 8. April 2016 zu sehen: Florian Tuercke, „Die anderen sind wir“, AtelierFrankfurt, Video-Projektraum con[SPACE], Pförtnerhaus im Erdgeschoss

 

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