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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Archiv für März, 2016

Max Hollein geht nach San Francisco

Donnerstag, 31. März 2016

„Nach über 15 Jahren in Frankfurt am Main beendet Max Hollein seine Arbeit an den von ihm geleiteten Kunstinstitutionen Städel Museum, Liebieghaus Skulpturensammlung und Schirn Kunsthalle Frankfurt. Hollein wird zum 1. Juni 2016 Direktor der Fine Arts Museums of San Francisco (FAMSF), der grössten öffentlichen Kunstinstitution in Nordkalifornien und mit 1,6 Millionen Besuchern in 2014 am vierthäufigsten besuchten Museums der USA.“

Diese Pressemeldung des Städel Museums schlug am 23. März 2016 kurz vor 9 Uhr als kulturpolitische Bombe in Frankfurt am Main ein. Mitgeliefert wurden Statements der Würdigung der Arbeit Holleins sowie des Bedauerns über den für die Stadt bedeutsamen Verlust: von Professor Nikolaus Schweickart, Vorsitzender der Administration des Städel Museums, Oberbürgermeister Peter Feldmann und Professor Felix Semmelroth, Kulturdezernent der Stadt.

Max Hollein, Museumsdirektor

Max Hollein; Nachweis: Städel Museum, Foto: Gaby Gerster

Und was sagte Max Hollein? Hier dessen Erklärung zu seinem bevorstehenden Wechsel nach über 15 Jahren erfolgsgekrönter Arbeit: Weiterlesen

Breslau / Wrocław: Europäische Kulturhauptstadt 2016 (7)

Mittwoch, 30. März 2016

Ein Rundgang durch das Breslauer Zentrum: Der Ring / Rynek

Der („Grosse“) Ring, polnisch Rynek, ist im Grunde das Wahrzeichen Breslaus, das Ziel aller Schlesien (polnisch Ślask) anfahrenden Tourismusunternehmen und deren Reisegruppen, er steht im Mittelpunkt aller Breslau-Besuche, und seien sie zeitlich auch noch so kurz bemessen. Der Rynek ist der alte Marktplatz der Stadt, er misst rund 200 mal 180 Meter, ist allseitig von stolzen Bürgerhäusern umgeben und in seiner Mitte mit einem Häuserrechteck bebaut, darunter dem weltberühmten alten Rathaus sowie auch dem neuen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.

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Die mächtige Elisabethkirche am Ring/Rynek mit den vorgelagerten, den Torbogen flankierenden Häusern „Hänsel und Gretel“

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Rechts und links der Elisabethkirche erstrecken sich die Ring-Fassaden Weiterlesen

Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis 2016 an Jennifer A. Doudna und Emmanuelle Charpentier

Dienstag, 29. März 2016

Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis 2016 an zwei Forscherinnen für die Entwicklung einer programmierbaren „Genschere“

„Arsen und Spitzenforschung. Paul Ehrlich und die Anfänge einer neuen Medizin“, Ausstellung im Historischen Museum Frankfurt (hmf)

Von Renate Feyerbacher

Am 14. März wurde – wie in jedem Jahr an Paul Ehrlichs Geburtstag, diesmal ist es der 162. – der Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis in der Frankfurter Paulskirche verliehen. Er ist der wichtigste medizinwissenschaftliche Preis Deutschlands, international hoch („kleiner Nobel-Preis“) angesehen und mit 100.000 Euro dotiert. Verliehen wird er seit 1952. In diesem Jahr erhielten ihn zwei Wissenschaftlerinnen: die französische Mikrobiologin Professor Emmanuelle Charpentier, Direktorin am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin und Professorin an der Universität Umeå in Schweden, und die amerikanische Professorin Jennifer A. Doudna von der University of California, Berkeley.

Der Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Nachwuchspreis, der seit 2006 verliehen wird, ging in diesem Jahr an den Biochemiker und Strukturbiologen Claus-Dieter Kuhn von der Universität Bayreuth. Er erforscht die Welt der RNA (Ribonuikleinsäuren).

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Nobelpreisurkunde für Paul Ehrlich Weiterlesen

Breslau / Wrocław: Europäische Kulturhauptstadt 2016 (6)

Montag, 28. März 2016

Breslau – Stadt der Brücken

Von Winfred Kaminski (Breslau)

Wenn wir dem Sänger Peter Maffay glauben schenken, dann sollen wir über „sieben Brücken“ gehen. Das ist in Breslau leicht gesagt und getan. Denn diese Stadt verfügt über mehr als 100 Brücken, Stege und Wege über die Oder und ihre Nebenarme und -flüsse. Dass nun Breslau eine Stadt der Brücken geworden ist, hat damit zu tun, dass die Oderarme viele Inseln gebildet haben wie die Dominsel, die Sandinsel oder die Bleichinsel usw. Wobei die Dominsel heute nur noch eine Halbinsel ist. Im Zuge der Errichtung des Botanischen Gartens musste nämlich ein Teil des Flußarms aufgeschüttet werden. Allerdings ist die Zahl der Brücken dadurch nicht kleiner geworden.

Breslau erweist sich aber auch insofern als eine Stadt der Brücken – manche sprechen sogar von einem „Venedig des Nordens“ – , weil das politische Selbstverständnis der Stadtoberen darauf abzielt, zwischen Polen und seinen angrenzenden Nachbarn zu vermitteln und man dies gerade im Jahr 2016, als Europäische Kulturhauptstadt, mit besonderem Nachdruck betreibt.

Mit seinen ein Dutzend Inseln und obendrein dem Stadtgraben, der die Innenstadt von den südlichen Stadtteilen trennt, bietet Breslau an vielen Orten der Stadt Übergänge für den Verkehr. Deshalb ist es auch nicht so ganz einfach, die genaue Zahl der städtischen Brücken anzugeben.

Ob aber nun real oder metaphorisch, Brücken bestimmen das Bild dieser Grossstadt mit ihrer vielgestaltigen Geschichte. Die jüngeren Brückenbauten wie Most Warshawski (Warschauer Brücke), die Universitätsbrücke oder die ganz neue Milleniums-Brücke (Grundsteinlegung 2002) sind in ihrem Aussehen klar auf die Funktion hin orientiert, als Anschauungsobjekt reizvoller sind aber sowohl in technischer als auch in ästhetischer Sicht die älteren Brücken. Ihre Geschichte reicht bis weit in die Phase der Stadtgründung Breslaus vor gut 1000 Jahren zurück.

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↑ Sandbrücke/Most Piaskowy, Foto FeuilletonFrankfurt
↓ Dombrücke/Most Tumski, Foto Winfred Kaminski

ATT00085-670 Weiterlesen

Breslau / Wrocław: Europäische Kulturhauptstadt 2016 (5)

Sonntag, 27. März 2016

Wroclawskie Krasnale oder: in Breslau leben Zwerge

Von Winfred Kaminski (Breslau)

Wer lange in Köln gelebt hat, kommt an August Kopischs neoromantischen Heinzelmännchen nicht vorbei, wer in Deutschland lebt, dem sind nicht selten Gartenzwerge heilig, den Dänen sind ihre nissemanden sehr wichtig und im Münsteraner Tatort tritt die Zwergin Alberich auf und von ferne grüsst Richard Wagner. In Breslau aber gibt es mehrere hundert „Krasnale“ (dt. Zwerge) verteilt in der ganzen Stadt. Sie sind allgegenwärtig und doch nach Zwergenart immer wieder versteckt und manchmal auch nicht mehr an dem Ort, an dem wir sie vermuten oder gestern noch gesehen hatten.

Es ist nicht einfach, Zwerge zu charakterisieren. Gewiß, sie gehören zum „kleinen Volk“, sind uns als Märchenzwerge vertraut und bieten Hilfe an, aber sie können auch Ärger bereiten, wenn wir sie nicht gebührend behandeln. All das hat die Volkskunde längst erforscht und in den Handbüchern (Stichwort: Däumling) verzeichnet. Nun ist jedoch in Breslau – mitten in der Stadt – ein neues Zwergenvolk gewachsen.

Papa Zwerg-400

Anführer und erster ist „Papa Zwerg“ auf der Swidnicka (ehemals: Schweidnitzer Strasse). Er ist unübersehbar, weil er grösser geraten ist als die anderen und weil er mitten im Weg steht. Alle anderen sind auch präsent, meistens jedoch überraschen sie uns an Stellen, wo wir sie nicht erwartet hätten.

Die Breslauer Krasnale haben Berufe, gehen vielerlei Tätigkeiten nach Weiterlesen