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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Archiv für November, 2015

Hessischer Film- und Kinopreis 2015

Montag, 30. November 2015

Hohe Qualität – gute Entscheidungen

Von Renate Feyerbacher

Vor rund einem Monat wurde vor der Alten Oper Frankfurt wieder der Rote Teppich für die Filmschaffenden ausgerollt. Seit 1989/1990 wird der Hessische Film- und Kinopreis verliehen, den das Land Hessen und der Hessische Rundfunk veranstalten.

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Die Preisträger: gar nicht so leicht, alle ins Bild zu bekommen; in der Mitte rechts der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier

Diesjähriger Gewinner in der Kategorie Spielfilm ist „Der Staat gegen Fritz Bauer“ von Regisseur Lars Kraume. Der ehemalige hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, der die Frankfurter Auschwitz-Prozesse in die Wege leitete, ist seit fünf Jahren mehrfach in Verfilmungen präsent: 2010 in der ausgezeichneten Dokumentation von Ilona Ziok, die sechs Jahre daran arbeitete und Schwierigkeiten bei der Finanzierung hatte, denn ihre entsprechenden Anträge wurden oft abgelehnt. Galt Bauer noch im 21. Jahrhundert als Nestbeschmutzer? 2014 folgte der Spielfilm „Im Labyrinth des Schweigens“ von Giulio Ricciarelli, der die Vorgeschichte der Auschwitz-Prozesse thematisiert. Er war im letzten Jahr beim Hessischen Film- und Kinopreis nominiert und wurde nun als bester fremdsprachiger Film zum Kandidaten für den Oscar-Preis gekürt. In diesem Streifen ist Bauer allerdings nur eine Nebenfigur. Bereits 1966 hatte Regisseur Alexander Kluge den Hessischen Generalstaatsanwalt in dem Film „Abschied von gestern“ auftreten lassen, in ihm plädierte er für die Humanisierung der Justiz. Weiterlesen

STURM-FRAUEN. KÜNSTLERINNEN DER AVANTGARDE IN BERLIN 1910–1932

Donnerstag, 26. November 2015

Eine Ausstellung in der Frankfurter Schirn Kunsthalle (Teil 1)

DER STURM – Zeitschrift und Galerie zeigten Gespür und Verve für die künstlerischen Neuerungen des 20. Jahrhunderts. Von 1912 bis 1932 veranstaltete der Herausgeber und Galerist Herwarth Walden insgesamt 192 Ausstellungen in Deutschland und mehr als 170 im Ausland. Im STURM wurde eine Freiheit der Künste und Stile propagiert und es wurden auch kunsthandwerkliche sowie die Arbeiten künstlerisch arbeitender Frauen zur Geltung. In der Frankfurter Ausstellung, die bis zum 7. Februar 2016 gezeigt wird, spielen 18 der STURM-Frauen die Hauptrolle.

Von Petra Kammann

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Titelblatt der Zeitschrift DER STURM, Jg. 3, Nr. 138/139, Dezember 1912, Foto: Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau, München

Eine neue Zeitrechnung hatte begonnen mit dem temporeichen vorwärtsstürmenden 20. Jahrhundert. Es brodelte auf allen Gebieten: politisch-weltanschaulich, wissenschaftlich, technisch, kosmisch, sozial, psychologisch, lebensreformerisch und so auch in der Kunst. Überall in Europa schlossen sich Künstler zu Bewegungen zusammen. Und in Berlin gab am 3. März 1910 Herwarth Walden (1878–1941) eine deutsche Kunst- und Literaturschrift namens DER STURM heraus. In seiner kritischen Offenheit knüpfte der Pianist, Komponist, Dichter und Nietzsche-Verehrer Herwarth Walden, alias Georg Lewin, an die vom Wiener Schriftsteller Karl Kraus herausgegebene Zeitschrift „Fackel“ an. Weiterlesen

„Qualitätskontrolle“ von Rimini Protokoll im Mousonturm Frankfurt

Montag, 23. November 2015

Kopfüber ins Nichtschwimmerbecken
Rimini Protokolls „Qualitätskontrolle“ gastiert im Dezember 2015 im Mousonturm

Von Dietmar Zimmermann

Die Bühne deutet die Architektur eines Swimmingpools an. Die heute 40jährige Maria-Cristina Hallwachs hatte gerade ihr Abitur gemacht, als sie zu Pfingsten 1993 voller Lebenslust kopfüber in den Pool sprang. Leider an der falschen Seite. Im Kinderbecken betrug die Wassertiefe 50 Zentimeter.

„Heute fangen wir mit dem Ende an“, sagt Maria-Cristina Hallwachs: „Mit dem Tod.“ Der sei unspektakulär: „Kein Königinnenmord, nicht triumphal, nicht hässlich. Einfach ein Resultat.“ Und immer präsent: 22 Jahre nach dem Unglück wird Maria-Cristina Hallwachs immer noch künstlich beatmet; sie ist vom Kopf abwärts querschnittsgelähmt und niemals allein. 24 Stunden lang ist ein Pfleger oder eine Pflegerin um sie herum. In Frankfurt werden Sie am 5. und 6. Dezember Timea Mihályi sehen, die ihr Temperament nur mühsam zügeln kann. Sie steht gemeinsam mit ihrer Patientin in einem der wichtigsten, aber auch der emotional berührendsten Theaterabende der letzten Jahre auf der Bühne im Mousonturm. Das heißt: Maria-Cristina Hallwachs steht nicht – sie kann nur noch sitzen, ist an den Rollstuhl gefesselt. Der Schreiber dieser Zeilen sah die im Juni 2013 am Schauspiel Stuttgart uraufgeführte Inszenierung beim Stücke-Festival 2014 in Mülheim an der Ruhr, und damals musste ein zweiter Pfleger, der gelassene, zugewandte und mit einem milden Humor ausgestattete Admir Džinic Maria-Cristina die Nase putzen. Timmy klebte ihr das Pflaster neu, das den Schlauch für die Zufuhr von Atemluft festhält. Alltagseinsätze – für eine Frau, die ohne Hilfe nicht mehr lebensfähig wäre. Würden wir so leben wollen?

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Rimini Protokoll, „Qualitätskontrolle“, Bildnachweis: Künstlerhaus Mousonturm Frankfurt am Main, Foto © Cecilia Gläsker

Wer die Frage vor Beginn der Aufführung verneint, könnte zum Umdenken gezwungen werden. Weiterlesen

Die Ostsee von Glücksburg im Norden bis Strande an der Kieler Förde

Sonntag, 22. November 2015

Die Ostsee Schleswig-Holsteins bietet für jeden etwas, das größte Wasserschloss Deutschlands, weiße Strände, bunte Jachthäfen, viel Natur und immer fangfrischen Fisch

Von Elke Backert

„Bitte schlurfen, sonst stolpern Sie“, ermahnt die Führerin ihre Pantoffelträger. 65.000 Neugierige schleusen sie und ihre Kollegen im Jahr durch das größte Wasserschloss Deutschlands und eines der beliebtesten. Schloss Glücksburg, Ende des 16. Jahrhunderts gebaut, benötigt aber auch jedes Jahr einen riesigen Erhaltungsaufwand. Burgenhaft und mit trutzigen Türmen ruht es im künstlich angelegten See. Doch die Türme waren nie zur Verteidigung gedacht, sondern zum Wohnen, weiß Seine Hoheit Christoph Prinz zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg, Herr über das Anwesen an der Ostsee. Wenn die Sonne das Wasser des Sees an der Decke reflektiert, kann man nachempfinden, wie wohl sich die Herzogin im lichten Turmzimmer gefühlt haben musste. Eines steht jetzt als Standesamt zur Verfügung. In der Kapelle finden Gottesdienste und kirchliche Trauungen statt und in den vierzig Räumen des Schlosses, vornehmlich im vier Meter hohen, 30 Meter langen und zehn Meter breiten „Roten Saal“, ein lebendiger Kulturaustausch, Konzerte und Lesungen.

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Schloss Glücksburg, größtes Wasserschloss Deutschlands

Waffen-Fans finden ein neunläufiges Radschloss-Salven-Gewehr von 1640 vor, anderthalb Zentner schwer: Nach dem ersten Schuss folgten automatisch weitere 112. Ohne Führung würde man kaum das Besondere an den 1680 in Flandern hergestellten Ledertapeten entdecken. Von der Rückseite wurden die Motive in das Kalbsleder eingestanzt, Weiterlesen

Holländische Impressionen (6)

Samstag, 21. November 2015

Delfshaven

Von Juliane Adameit

Die Zeit für einen Ausflug von Rotterdam nach Delfshaven sollte man sich auf jeden Fall nehmen. Schon die U-Bahnhaltestelle ist sehenswert, denn alles ist vollständig mit blau-weißen Kacheln im Stil der Delfter Porzellanmalerei ausgestattet.

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In Delfshaven, heute ein Stadtviertel von Rotterdam, scheint im historischen Zentrum wirklich die Zeit stehengeblieben zu sein. Sehr ruhig und beschaulich geht es in den verwinkelten kleinen Straßen rund um die alte Windmühle und den Museumshafen zu. Im Hafen liegen historische Jachten und Fischerboote vor Anker. Weiterlesen