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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

„Ohne Sprache kein Gespräch“ – „Par la langue à l’entente“

Vive l’entente par la langue! Vive l’amitié franco-allemande!

Im Düsseldorfer Luisen-Gymnasium fand vom 17. bis 20. September 2015 unter der Schirmherrschaft von NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft der Kongress „Ohne Sprache kein Gespräch“ – „Par la langue à l’entente“ der Vereinigung Deutsch-französischer Gesellschaften für Europa (VDFG) und der Fédération des Associations Franco-Allemandes pour L’Europe (FAFA) statt. Der Deutsch-französische Kreis Düsseldorf (DFK) richtete den 60. Jahreskongress mit ehrenamtlichen Helfern für ca. 230 Teilnehmer aus.

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↑ Empfang der Stadt Düsseldorf am Vorabend (v.l.): Béatrice Angrand, Secrétaire Générale de l’Office franco-allemand pour la Jeunesse (OFAJ) Gereon Fritz, Präsident des VDFG, Cornelis Canenbley (DFK)
↓ (v.l.): Gereon Fritz (VDFG), Ratsherr Klaus Mauersberger, Stadt Düsseldorf,  Hans Herth (FAFA), Annick Libéral, (FAFA und Direktorin der deutsch-französischen Schule, des Lycée Franco-Allemand, in Buc), Cornelis Canenbley (DFK)

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Eröffnung des Kongresses mit Diskussion über das Kommunizieren in Europa:  Gereon Fritz im Gespräch mit dem französischen Botschafter Philippe Etienne und der Politologin und Europaparlamentarierin Sylvie Goulard

Im Gespräch mit Petra Kammann, Publizistin und Präsidiumsmitglied des DFK, zogen die Repräsentanten des Deutsch-französischen Kreises Düsseldorf, Präsident Cornelis Canenbley und Geschäftsführerin Christiane von der Groeben, Bilanz.

Petra Kammann: Wechselweise kommen einmal jährlich in einer Stadt in Frankreich und Deutschland alle deutsch-französischen Vereinigungen unter dem Dach der VDFG (Vereinigung Deutsch-Französischer Gesellschaften für Europa e.V.) und der französischen FAFA (Fédération des Associations Franco-Allemandes) zusammen – im vergangenen Jahr in Dijon, in diesem Jahr in Düsseldorf. Welche Bedeutung hat für Sie das Motto des diesjährigen Kongresses „Ohne Sprache kein Gespräch“? Warum stand 2015 die Sprache im Mittelpunkt? Ist das ein aktuelles oder eher ein zeitloses Thema? Welche Erwartungen löste es bei Ihnen aus und wie wurde es auf der Tagung variiert?

Cornelis Canenbley: Treffsicherer als mit dem Motto „Ohne Sprache kein Gespräch“ kann man die Bedeutung des Erlernens von Fremdsprachen nicht auf den Punkt bringen. Selbst wenn unsere Bundeskanzlerin und der französische Präsident im fortlaufenden Dialog sind, bedeutet das nicht, dass auch die französischen und deutschen Bürger miteinander sprechen und sich verstehen. Das liegt in erster Linie daran, dass die Sprache des Nachbarn nur von einer verschwindend geringen Anzahl von Menschen beherrscht wird. Die Sprachdominanz des Englischen bestimmt auch den deutsch-französischen Dialog, und zwar weniger im Sinne von „sprechen“, sondern mehr im Sinne von „sich verständigen“. Dass 2015 die Sprache in den Mittelpunkt des Kongresses gestellt wurde, hatte ursprünglich keinen aktuellen Anlass. Dieser ergab sich erst durch die französische Schulreform und die vorgesehene Abschaffung der classes bilangues, der zweisprachigen Klassen. Es war für mich beeindruckend mitzuerleben, mit welchem Engagement sowohl auf französischer (hier war die Wortführerin Sylvie Goulard, die ihre Argumente mit Leidenschaft und hoher Sachkompetenz vortrug) als auch auf deutscher Seite für den Erhalt der bilingualen Klassen in Frankreich gekämpft wurde (vgl. hierzu auch die Resolution der VDFG).

Christiane von der Groeben: Lange vor der Ankündigung, die classes bilangues aufzuheben, hatten wir das Thema bereits festgelegt. Für mich ist grundsätzlich die Kenntnis der Sprache des Nachbarn die Voraussetzung für das Verständnis der Menschen und ihrer Kultur. Dass dieses Thema 2015 durch die Schulreform eine traurige Aktualität bekam, damit konnten wir nicht rechnen. Umso mehr waren wir erfreut, auf dem Kongress zu erleben, dass dieses Thema die Menschen dies- und jenseits des Rheins und auch die jüngere Generation so sehr bewegte.

Kammann: Das diesjährige Programm hatte eine ziemliche Spannbreite. Offizielle Botschafter, Minister, Repräsentanten aus der Wirtschaft und junge Menschen, die Expertenateliers leiteten, meldeten sich zu Wort. Da debattierte im Düsseldorfer Luisen-Gymnasium der französische Botschafter Philippe Etienne im Anschluss an ihr Referat „Kommunizieren in Europa“ mit der engagierten französischen Politologin Sylvie Goulard (Mitglied des Europaparlaments) über die französische Schulreform in den Collèges, d. h. über die Bedeutung des schwindenden Deutschunterrichts in den Mittelschulen, während der Direktor des Deutsch-Französischen Instituts Ludwigsburg, Professor Frank Baasner, mit dem Corporate Senior Vicepresident der Henkel AG, Joachim Bolz, und dem französischen Deputierten Pierre-Yves Le Borgn‘ über interkulturelle Erfahrungen und den Zusammenhang von Kultur und Kommerz diskutierten. Wie haben Sie die unterschiedlichen Sehweisen wahrgenommen? Was war für Sie neu?

Canenbley: Während Professor Baasner das Thema „Kommunikation“ in seinem Eingangsreferat in seiner ganzen Spannbreite und Tiefe behandelte und das Motto des Kongresses „Ohne Sprache, kein Gespräch“ erweiterte, in dem er der Frage nachging, wie in der heutigen Welt kommuniziert und zusammengearbeitet wird, und zwar nicht beschränkt auf die Kenntnis der Sprache des „Gesprächspartners“, sondern unter Einbeziehung sprachenunabhängiger kultureller Unterschiede, steuerte Bolz einen erfrischend pragmatischen Kommentar bei, indem er von seinem Werdegang in Frankreich als PDG von Henkel France  berichtete und darüber, welchen Prozess er absolvieren musste, um in seinem beruflichen Umfeld als Deutscher von seinen französischen Mitarbeitern akzeptiert zu werden. „Ohne Sprache, kein Gespräch“. Er wusste, was es bedeutet, wenn man wie er ohne anfängliche Kenntnis der französischen Sprache Führungsaufgaben in Frankreich übernehmen und ausfüllen musste.

von der Groeben: Überzeugt und bestätigt hat mich das persönliche Bekenntnis des Vertreters der Wirtschaft, Joachim Bolz, der für Henkel in Paris arbeitete. Er erklärte auf sehr prägnante, nachvollziehbare Weise, dass die Sprache für ihn für das berufliche Weiterkommen wie auch im Privaten die unabdingbare Voraussetzung für seine gelungene Integration war, und er erst „ernstgenommen“ wurde, als er von Grund auf Französisch gelernt hatte.

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↑ Der neue Direktor des Institut français, Bertrand Leveaux, im Gespräch mit Béatrice Angrand, Office franco-allemand pour la Jeunesse (OFAJ), Annick Libéral (FAFA), Christiane von der Groeben und Minou Genton (DFK)
↓ Karambolage-Erfinderin (ARTE) Claire Doutriaux (2.v. links) kam auch zum Empfang ins Institut français

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Pan-670

Ansprache der NRW-Europa-Ministerin, Angelica Schwall-Düren; Professor Frank Baasner, Direktor des deutsch-französischen Instituts Ludwigsburg, referierte über das auch geschichtliche verwobene Thema „Kultur und Kommerz“

Kammann: In den Ateliers wurden die besten Beispiele aus der Praxis der jeweiligen Mitgliedsgesellschaften des VDFG ausgetauscht, wie etwa die Erfindung des Prix AbiBac, um junge „Botschafter“ der französischen/deutschen Sprache auszuzeichnen, oder es wurde darüber diskutiert, wie man beispielsweise den Deutschunterricht in Frankreich weiter fördern könnte, indem man private Initiativen ergreift. Die Erfinderin der bildhaften ARTE-Sendung „Karambolage“, Claire Doutriaux, wiederum erörterte anschaulich anhand von Wort-Bild-Beispielen mit der Direktorin des deutsch-französischen Gymnasiums in Buc, Annick Libéral, wie man Fettnäpfchen vermeidet und „richtig“ kommuniziert. In einem anderen Atelier ging es um generationsübergreifende Projekte, dann um Zusammenarbeit mit Bibliotheken und Institutionen, und nicht zuletzt um den Austausch beruflicher Erfahrungen im jeweils anderen Land. Welche der Veranstaltungen waren für Sie im Hinblick auf die Zukunft wegweisend?

Canenbley: Zu den Ateliers kann ich mich nicht äußern, weil ich sie aus Zeitgründen nicht besuchen konnte. Nach dem, was ich gehört habe, waren sie ein großer Erfolg, und zwar insbesondere deshalb, weil sich die Jüngeren engagiert und mit kritischen Fragen an die ältere Generation gewendet haben.

von der Groeben: Die Tradition der deutsch-französischen Freundschaft ist selbstverständlich geworden, was natürlich sehr schön ist. Aber sie ist auch etwas in die Jahre gekommen. Mir erscheint es besonders wichtig, dass wir mit dem, was wir anbieten, eine neue junge Generation erreichen. Und da gab es auf dem Kongress in den verschiedenen Ateliers auch sehr gute Anregungen. Es ist – wie ich schon sagte – eben immer hilfreich, sich im direkten Gespräch auszutauschen. Davon lebt nicht zuletzt jede Freundschaft. Diese Convivialité, die wir in unserem Kreis besonders pflegen, müssen wir eben noch ausweiten. Beeindruckt hat mich in dem Atelier mit Claire Doutriaux, wie pointiert und treffend sie die Unterschiede zwischen unseren beiden Ländern in anschaulichen und amüsanten Bildern und Videos herausgearbeitet hat. Es ging u. a. darum, wie wichtig den Deutschen ihre Titel sind und dass die Franzosen nur die Ärzte mit „Monsieur le Docteur“ ansprechen. Annick Libéral wiederum hat unsere unterschiedlichen Unterrichtsformen verglichen: der Frontalunterricht mit dem Pauken des Stoffes in Frankreich, während in Deutschland der Fokus auf dem selbständigen Lernen und Denken liegt. Sie ist letztendlich zu dem Schluss gekommen, dass „le système français fournit les racines, et l’allemand lui donne des ailes“.

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↑ Vor der offiziellen Eröffnung des Kongresses: Die Juniorbotschafter im
Gespräch mit dem französischen Botschafter Philippe Etienne
↓ Christiane von der Groeben (DFK) mit „Event-Managerin“, der
Mathematiklehrerin Eugenia Illescu (Luisen-Gymnasium)

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Kammann: Auf dem Kongress wurde alles ehrenamtlich organisiert, von der Verpflegung von 230 Teilnehmern über zweisprachige Stadtführungen, einen Empfang in der „guten Stube“ des Düsseldorfer Rathauses, einen Besuch im Heinrich-Heine-Institut inklusive eines Vortrags von Professor Bernd Kortländer über den „französischsten aller deutschen“ Dichter Heine, dem Empfang im Institut français, bei dem sich der neue Leiter Bertrand Leveaux vorstellte, bis hin zum Besuch des vom französischen Baumeister Nicolas Pigage erbauten Schlosses Benrath. Doch das Gros der Veranstaltungen fand in einer Düsseldorfer Schule statt, dem Luisen-Gymnasium, wo man auch das zweisprachige Abitur, das AbiBac, ablegen kann. Dort verwandelten Mitglieder des Deutsch-französischen Kreises Düsseldorf die Aula in einen Raum der Tricolore und bauten einen Nebenraum für die Zwischenmahlzeiten um. Herausragend dabei war die Einsatzbereitschaft der dortigen Schüler und der Mathematik-Lehrerin Eugenia Illiescu, die sich nicht nur um den reibungslosen Ablauf des Caterings kümmerte, sondern auch um die musikalischen Einlagen. Außerdem besorgten die Schüler die erforderliche Technik für den Kongress. Das alles war mit großen Anstrengungen verbunden. Hat sich rückblickend der große Aufwand gelohnt?

von der Groeben: Der Aufwand hat sich in jeder Hinsicht gelohnt. Der viertägige Erfahrungsaustausch mit den Kongressteilnehmern aus ganz Frankreich und Deutschland wie auch mit den Schülern und den Vertretern des Juniorenforums und nicht zuletzt der stimmungsvolle fröhliche Festabend, an dem auch viel gelacht und getanzt wurde, werden sicher noch lange in Erinnerung bleiben.

Canenbley: Der Aufwand hat sich mit Sicherheit gelohnt. Wie oft stehen wir in den einzelnen deutsch-französischen Kreisen vor Ort vor der Frage, ob unser Einsatz Früchte trägt oder ob wir einsame Rufer in der Wüste bleiben. Die Kraft und die Begeisterung, welche die Teilnehmer – ob jung oder alt – während der gesamten drei Tage des Kongresses  zeigten, hat für uns die Erkenntnis zurückgelassen, dass wir mit unserem Engagement für die deutsch-französische Freundschaft auf dem richtigen Weg sind. Bleibt nur zu hoffen, dass dieser Funken der Begeisterung auf die Jugend überspringt. Erste zarte Ansätze waren auf dem Kongress zu sehen. Mögen sie zukunftsweisend sein.

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Verleihung des Jugendtheaterpreises der VDFG 2015

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↑ Verleihung des Elsie Kühn-Leitz-Preises an Saarlands Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer
↓ Oliver Nass, Enkel von Elsie Kühn-Leitz, sowie auch der Sohn der  Namensgeberin, Knut Kühn-Leitz, waren eigens zur Preisverleihung gekommen

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Kammann: Der Kongress wurde mit der Verleihung des Jugendtheaterpreises der VDFG 2015 und der Verleihung des Elsie Kühn-Leitz-Preises an die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer beendet. Was beeindruckte Sie besonders? Und was nehmen Sie vom Kongress für die künftige Arbeit im Deutsch-französischen Kreis mit? Welche Rolle kann heute nach mehr als 50 Jahren der Elysée-Vertrag für die deutsch-französische Achse in einem Europa unter völlig anderen Bedingungen in Zukunft noch spielen? Lassen sich die ursprünglichen Ziele für die heutige Zeit modifizieren oder aktualisieren?

von der Groeben: Beeindruckend war die Verleihung des Jugend-Theater-Preises, die zeigte, dass sich auch diese Generation mit der Geschichte unserer beiden Länder – in diesem Fall mit dem Ersten Weltkrieg – sehr persönlich und engagiert auseinandersetzt. Das bestärkt uns natürlich auch in unserer Arbeit. So setzen wir in unserem Kreis beispielsweise auf die junge Generation. Für Schüler, die sich für das zweisprachige AbiBac entschieden haben, vergeben wir seit drei Jahren einen Preis für die drei besten „Botschafter“ der jeweils anderen Sprache und Kultur, den Prix AbiBac, den eine unabhängige Jury auswählt. Auch engagieren wir uns für das Fach Romanistik an der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität, wo wir die beste Bachelor-Arbeit auszeichnen. Und dass sich die Ministerpräsidentin des Saarlandes so sehr für die Zweisprachigkeit einsetzt, ist wirklich bemerkenswert. Möge ihre Initiative weiter Schule machen!

Canenbley: Was Christiane von der Groeben zu diesem Punkt gesagt hat, findet meine volle Unterstützung. Ergänzen möchte ich, dass die deutsch-französische Achse in der Politik, vor allem in der Europapolitik, heute wichtiger ist denn je zuvor. Sie ist aber hochgradig gefährdet, weil die Entwicklungen in Frankreich und in Deutschland auseinanderzulaufen drohen. War bis vor kurzem das Tandem Paris-Berlin in Europa tonangebend, fällt heute Deutschland mit Angela Merkel eine stärkere Führungsrolle zu. Diese Entwicklung tut Europa und der Vertrauensbildung innerhalb Europas nicht gut. Auch deshalb vermittelte die Abschlussveranstaltung Aufbruchsstimmung mit dem werbenden, eindrucksvollen Vortrag der saarländischen Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer, die von ihrem Projekt der Zweisprachigkeit berichtete (Deutsch und Französisch als gleichberechtigte Sprachen nebeneinander, und zwar von Kindesbeinen an mit der Folge, dass sie – im Unterschied zum Englischen – keine Fremdsprachen sind). Dadurch wurde an deutsch-französische Gemeinsamkeiten erinnert und appelliert, in der Politik wie auch im bürgerschaftlichen Miteinander.

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Als saarländische Ministerpräsidentin stellt Kramp-Karrenbauer die Zweisprachigkeit (Deutsch und Französisch) ins Zentrum ihrer Amtszeit. Das Saarland versteht sich als Brücke zwischen Deutschland und Frankreich. Die historisch gewachsene und in den letzten Jahrzehnten mit großen Anstrengungen ausgebaute Frankreichkompetenz ist eine große Chance für die Zukunft und die Eigenständigkeit dieses Landes. Der Erfolg der deutsch-französischen Versöhnung, der sich im Saarland auf allen Gebieten zeigt, ist ein Modell für gelungene europäische Integration und Kohäsion

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↑ Sarah Horstmann-Meyer sang „Rien de nouveau en Europe“
↓ Musik verbindet: Der rheinische deutsch-französische Chor sang unter der Leitung von Heinrich Bentemann  „Aimer à perdre la raison“ nach dem berühmten Gedicht Aragons, das durch Jean Ferrat bekannt wurde

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A N H A N G

FAFA

Ohne Sprache kein Gespräch

Abschlusserklärung des 60. Jahreskongresses der Vereinigung Deutsch-Französischer Gesellschaften vom 17. bis 20. September 2015 in Düsseldorf

Wir erinnern mit Dankbarkeit

an die vielen Initiativen, die aus Leid- und Schmerzerfahrung wussten, dass nur die persönliche Freundschaft von Deutschen und Franzosen die Vergangenheit überwinden und neue Wege eröffnen kann
an die Leistungen deutsch-französischer Gesellschaften und Partnerschaftsvereine seit dem Ende des 2. Weltkrieges bis in unsere Tage für die Annäherung, bessere Kennenlernen und das gegenseitige Bemühen um Verstehen zwischen den Menschen unserer beiden Länder
an den Abschluss des deutsch-französischen Freundschaftsvertrages vom 22. Januar 1963
an die Errichtung des Deutsch-Französischen Jugendwerks am 5. Juli 1963, das über 8 Millionen Jugendlichen die Möglichkeit gegeben hat, im Partnerland Erfahrungen zu sammeln
an die Austauschprogramme, die in nationaler oder bi-nationaler Regie auf den verschiedensten Ebenen von den Schulen bis hin zu Betrieben organisiert werden.

Wir sehen mit großer Sorge,

dass das Gesetz über die „Réforme du collège“ in Frankreich mit der implizierten Quasi-Abschaffung der „classes bi-langues anglais-allemand“ und der „sections européennes“ unabsehbare Gefahren für die Erlernung der Partnersprache in sich birgt und zielführende Initiativen der letzten Jahre zunichtemacht
dass das Gesetz auch Auswirkungen auf die Bereitschaft deutscher Schülerinnen und Schüler zur Erlernung der französischen Sprache haben kann
dass die Intensität der Austausche der vielen und erfolgreichen Schulpartnerschaften nachzulassen droht
dass ebenso die tausendfachen Städtepartnerschaften möglicherweise Schaden nehmen werden
dass in Deutschland die Bedeutung des Französischlernens bei den Beratungen im Wahlpflichtbereich oftmals nicht hinreichend kommuniziert wird
dass die Einführung von G8 (Turbo-Abitur) zu einem Rückgang der Anwahl von Französischleistungskursen geführt hat
dass die Lerndauer des Französischen in der Schullaufbahn trotz der europäischen Empfehlungen nicht eingehalten wird
dass in einigen nördlichen Bundesländern aber auch in Bayern die Zahl der Französischlerner deutlich zurückgegangen ist

Wir erklären und fordern daher, dass

alle erdenklichen Anstrengungen seitens aller Verbände unternommen werden, die zu einer Korrektur der Reform führen können
die den tatsächlichen Bedürfnissen entsprechende Einstellung von Deutschlehrern in französischen Schulen erfolgt und eine bessere Verteilung im nationalen Rahmen vorgenommen wird
unsere deutsch-französischen Gesellschaften in beiden Ländern mehr und mehr der Ort werden, an dem außerschulisch die Partnersprache gelernt und gepflegt wird
die Beteiligung der Jugend seitens der deutsch-französischen Gesellschaften und Partnerschaftskomitees sowie während der Kongresse stärker unterstützt und vorangetrieben wird
die deutsch-französischen Gesellschaften und Partnerschaftskomitees junge Menschen stärker in ihre Aktivitäten einbeziehen und ihnen Verantwortung übertragen
die deutsch-französischen Gesellschaften, alles zu unternehmen gedenken, was einer optimalen gesellschaftlichen Eingliederung von französischen Studenten und Berufstätigen in Deutschland und deutschen Studenten und Berufstätigen in Frankreich förderlich sein kann
seitens der Kultusministerkonferenz darauf geachtet wird, in Verwirklichung des Elysee-Vertrages und entsprechend den europäischen Empfehlungen, Französischkurse bis zum Abitur aufrecht erhalten werden
die deutschen Länder die Mittel aufbringen, um die im Vergleich zu Frankreich geringe Anzahl der Abibac-Schulen zu erhöhen
im Falle einer geringen Anwahl des Faches Französisch Ausnahmeregelungen ermöglicht und budgetäre Stundenzuschläge gewährt werden, die die Einrichtung von Kursen unterhalb des Richtwertes erlauben

Beschlossen auf der gemeinsamen Mitgliederversammlung der VDFG und der FAFA
am 19. September 2015

Auszug aus dem Elysee-Vertrag vom 22. Januar 1963, II C a) und b)

a) „Die beiden Regierungen erkennen die wesentliche Bedeutung an, die der Kenntnis der Sprache des anderen in jedem der beiden Länder für die deutsch-französische Zusammenarbeit zukommt. Zu diesem Zweck werden sie sich bemühen, konkrete Maßnahmen zu ergreifen, um die Zahl der deutschen Schüler, die Französisch lernen, und die der französischen Schüler, die Deutsch lernen, zu erhöhen. Die Bundesregierung wird in Verbindung mit den Länderregierungen, die hierfür zuständig sind, prüfen, wie es möglich ist, eine Regelung einzuführen, die es gestattet, dieses Ziel zu erreichen. Es erscheint angebracht, an allen Hochschulen in Deutschland einen für alle Studierenden zugänglichen praktischen Unterricht in der französischen Sprache und in Frankreich einen solchen in der deutschen Sprache einzurichten.

b) Die zuständigen Behörden beider Staaten sollen gebeten werden, beschleunigt Bestimmungen über die Gleichwertigkeit der Schulzeiten, die Prüfungen, der Hochschultitel und -diplome zu erlassen.“

 

Par la langue à l’entente

Résolution du 60e congrès de la Fédération des Associations Franco-Allemandes pour l’Europe du 17 au 20 septembre 2015 à Düsseldorf

Nous rappelons avec reconnaissance

Les nombreuses initiatives qui, nées de l’expérience de la douleur et de la souffrance, conduisaient à penser que seule une amitié personnelle entre Français et Allemands pouvait surmonter le passé et ouvrir de nouvelles voies vers une Europe démocratique et prospère ;
Le travail accompli par les associations franco-allemandes et comités de jumelage depuis la fin de la seconde guerre mondiale jusqu’à nos jours pour le rapprochement, la compréhension et l’entente des citoyens et citoyennes de nos deux pays ;
La signature du Traité d’amitié franco-allemand le 22 janvier 1963 par le général Charles de Gaulle et le chancelier Konrad Adenauer ;
La création de l’Office Franco-Allemand pour la Jeunesse le 5 juillet 1963 qui a permis à plus de 8 millions de jeunes de faire la connaissance du pays voisin ;
Les programmes d’échange qui ont été organisés sur une initiative nationale ou binationale à différents niveaux, des écoles aux entreprises, pour que les jeunes adultes des deux pays se rencontrent et fassent connaissance.

Nous constatons avec une grande inquiétude que

la loi sur la réforme du collège en France, avec la quasi-disparition des classes bi-langues anglais-allemand et des sections européennes, met en danger l’apprentissage de l’allemand et anéantit les initiatives multiples au profit de cet enseignement ;
cette réforme aura un impact certain sur la volonté des élèves allemands d’apprendre le français ;
de ce fait, le nombre des échanges entre établissements scolaires français et allemands diminue considérablement ;
de même, l’élan des jumelages franco-allemands en sera compromis ;
en Allemagne, l’apprentissage du français ne fait pas l’objet d’une communication suffisante dans le cadre des consultations au sujet du choix de la deuxième ou de la troisième langue ;
la réduction de l’enseignement secondaire passant de 9 à 8 années (G8) s’est opérée au détriment du français ;
une durée suffisante de l’apprentissage du français en Allemagne, en tant que deuxième langue vivante, n’est pas garantie, conformément aux recommandations européennes ;
le nombre d’apprenants de français est en constante régression dans les Länder du nord mais également en Bavière.

C’est pourquoi nous demandons et déclarons que

des efforts de toute part soient entrepris pour l’aménagement de la reforme du collège en faveur de l’apprentissage de l’allemand ;
le recrutement des professeurs d’allemand en France couvre réellement les besoins concrets et que la répartition soit mieux définie sur l’ensemble du territoire ;
nos associations de leur côté se considèrent encore davantage comme un lieu privilégié, en dehors de l’école, pour l’apprentissage et l’approfondissement de la langue du partenaire ;
la participation et la visibilité des jeunes soient mises en avant au sein des AFA et des DFG ainsi que pendant les congrès ;
les AFA et les DFG intègrent d’avantage la jeunesse en les impliquant dans leurs activités et en leur donnant plus des responsabilités ;
nos associations franco-allemandes mettent tout en œuvre pour que les jeunes Français en Allemagne et jeunes Allemands en France, inscrits aux cursus de l’Université Franco-Allemande UFA, ou en échange professionnel avec le soutien du Secrétariat Franco-Allemand (SFA), intègrent, dans les meilleurs délais, la vie associative de leur résidence respective dans nos deux pays ;
soient étudiées les possibilités de garantir un apprentissage du français, le plus long possible, dans le système éducatif allemand ;
les Länder allemands se donnent les moyens pour augmenter le nombre de lycées Abibac ;
les budgets soient à la hauteur de nos ambitions pour permettre l’ouverture de cours indépendamment du nombre d’élèves inscrits.

Adopté lors de l’Assemblée générale commune à Düsseldorf le 19 Septembre 2015

Extrait du Traité de l’Elysée II C a) et b):

a) « Les deux Gouvernements reconnaissent l’importance essentielle que revêt pour la coopération franco-allemande la connaissance dans chacun des deux pays de la langue de l’autre. Ils s’efforceront, à cette fin, de prendre des mesures concrètes en vue d’accroître le nombre des élèves allemands apprenant la langue française et celui des élèves français apprenant la langue allemande. Le Gouvernement fédéral examinera, avec les gouvernements des Länder, compétents en la matière, comment il est possible d’introduire une réglementation qui permette d’atteindre cet objectif. Dans tous les établissements d’enseignement supérieur, il conviendra d’organiser un enseignement pratique de la langue française en Allemagne et de la langue allemande en France, qui sera ouvert à tous les étudiants.

b) Les autorités compétentes des deux pays seront invitées à accélérer l’adoption des dispositions concernant l’équivalence des périodes de scolarité, des examens, des titres et diplômes universitaires. »

Fotos: Petra Kammann

→ Auf der Suche nach einer neuen Generation in: PARISBERLIN.web

 

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