home

FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Archiv für September, 2015

„Blickachsen 10″ in Bad Homburg und Rhein-Main (11)

Mittwoch, 30. September 2015

Bart Van Dijck: „De dood van Jacob Van Artevelde“

Das recht umfangreiche, oft erzählerische Werk Bart Van Dijcks (1974 im belgisch-flandrischen Bonheiden geboren) – es umfasst Skulpturen, Zeichnungen, Fotografien, Videos und Performances – lässt sich nicht so ganz einfach erschliessen, umfasst es doch manche Volkstraditionen, Rituale und kulturelle Identitäten, die nicht jeder Betrachter kennen kann. Seine im Bad Homburger Schlossgarten installierte Arbeit bezieht sich auf den flandrischen Freiheitskämpfer Jacob Van Artevelde, um 1290 in Gent geboren, woselbst er 1345 ermordet wurde. Der Protagonist spielte im anglo-französischen, sogenannten Hundertjährigen Krieg eine nicht unumstrittene Rolle zwischen den beiden rivalisierenden Mächten. Die Stadt Gent setzte ihm 1863 – in der Zeit nationalistischer Strömungen also – auf dem Freitagsmarkt ein imposantes Denkmal.

20110410_Gent_(0093)-450

Jacob Van Artevelde: Denkmal auf dem Freitagsmarkt in Gent; Foto: Donar Reiskoffer/wikimedia commons GFDL

Im Schlossgarten, an der mächtigen, 1822 gepflanzten, heute über 20 Meter hohen und über 35 Meter ausladenden, dem Landgrafen Friederich VI. Joseph vom Duke of Cambridge geschenkten Libanonzeder lehnt der ermordete Jacob Van Artevelde – nein, das tut er natürlich nicht, es ist eine Puppe, die der Künstler an den weit über Bad Homburg hinaus bekannten, berühmten Baum legt.

L1270338-450

De dood van Jacob Van Artevelde, 2008, Polyurethan, Vubonite, Rindsleder, Epoxidharz, 100 x 106 x 260 cm Weiterlesen

„Max Beckmann kommt nach Frankfurt“

Dienstag, 29. September 2015

Institut für Stadtgeschichte zeigt Druckgraphiken der Jahre 1915 bis 1925

Von Hans-Bernd Heier

Die Ankunft des schon damals bekannten Malers, Graphikers und Zeichners Max Beckmann in Frankfurt am Main jährt sich heuer zum 100. Male. Aus diesem Anlass zeigt das Institut für Stadtgeschichte bis zum 15. November 2015 die von Professor Klaus Gallwitz, ehemals Direktor des Städelschen Kunstinstituts, kuratierte Ausstellung „Max Beckmann kommt nach Frankfurt. Druckgraphik 1915-1925“. In der sorgfältig arrangierten Schau im Refektorium des Karmeliterklosters sind insgesamt 75 erlesene, hochqualitative Drucke Beckmanns zu sehen.

Nach Kriegsausbruch 1914 meldete sich Max Beckmann (1884 – 1950) freiwillig als Krankenpfleger zum Sanitätsdienst nach Ostpreußen. Bereits im folgenden Jahr wurde er als Sanitätssoldat nach Belgien an die Flandern-Front verlegt. Dort – mit den unbeschreiblichen Kriegsgreueln konfrontiert – erlitt Beckmann im Juli 1915 einen Nervenzusammenbruch und wurde krankheitsbedingt zunächst vom Kriegsdienst beurlaubt und zwei Jahre später entlassen.

Der gemütskranke Beckmann kam nach seiner Beurlaubung als „klägliches Nervenbündel“ auf der Suche nach einer Unterkunft nach Frankfurt am Main. Eines Oktobermorgens stand der damals 31-jährige vor dem Haus in der Schweizer Straße 3, in dem sein Studienfreund aus Weimarer Tagen Ugi Battenberg mit seiner Frau Fridel wohnte, und fragte: „Wollen Sie mich für ein paar Tage aufnehmen?“ Beide sagten spontan zu: Aus Tagen sollten Wochen, Monate und Jahre werden. Aus dem kurzen Besuch wurde ein Aufenthalt von insgesamt 17 Jahren. In keiner anderen Stadt lebte und arbeitete Beckmann länger als in der Mainmetropole.

Der gastfreundliche Heinrich Rudolf Hermann – mit dem Künstlernamen Ugi – Battenberg überlässt dem Studienfreund sein eigenes Atelier in der vierten Etage und ein angrenzendes Zimmer. In dem geräumigen Dachatelier stand auch eine Handdruckpresse. Von Anfang an nutzt der Ankömmling diese eifrig und fertigt in den ersten zehn Jahren seines Frankfurt-Aufenthalts ganz überwiegend Graphiken.

Das unerwartet lange Bleiben führte keineswegs zu einem Zerwürfnis von Gastgebern und Beckmann. Zeugnisse seiner Freundschaft mit Ugi und Fridel Battenberg sind die zahlreichen Bildnisse des Ehepaars. Die Radierung „Der Abend“ hielt der Künstler nach eigener Einschätzung gar für „eine meiner besten Arbeiten“, wie er seinem Verleger Reinhard Piper schrieb. Seine Wertschätzung für Ugi zeigte sich auch an der Teilnahme an Jahresausstellungen des „Frankfurter Künstlerbundes“, dessen Malerausschuss Battenberg angehörte.

B3

„Selbstbildnis“, 1922, Holzschnitt, 22,2 x 15,5 cm; Sammlung Jürgen und Antje Conzelmann; Repro: Martin Joppen;  © VG Bild-Kunst, Bonn

In Frankfurt beginnt der als Künstler bereits etablierte Beckmann radikal neu. Weiterlesen

Petra Johanna Barfs: „Die Blaue Stunde“ im Projektraum KunstVoll Neu-Isenburg

Donnerstag, 24. September 2015

Von Esther Erfert
Kunsthistorikerin

Petra Johanna Barfs, Künstlerin aus Frankfurt, wächst in einem politisch aufgeklärten Elternhaus auf. Ihr Großvater, ein sehr engagierter Sozialdemokrat, spielt auch nach seinem Tod, als Barfs geboren wird, eine wichtige Rolle in der Familie. Ihr wird in Erzählungen über ihn ein „indirektes Deutschsein“, wie Barfs es nennt, vermittelt.

Dies und auch ihre frühe Vorliebe für den deutschen Heimatfilm, der in der Nachkriegszeit den Menschen durch die schönen Landschaftsaufnahmen und die scheinbare Emotionalität eine heile Welt suggerieren sollte, wird später in ihrer Kunst zu einer wichtigen Anregung.

Während des Studiums der Interdisziplinären Kunst an der Akademie Minerva in Groningen in den Niederlanden wird Barfs durch ironische Bemerkungen öfter auf ihre Herkunft gestoßen und beginnt sich mit dieser noch bewusster auseinanderzusetzen. Themen wie die eigene deutsche und die gemeinschaftliche Identität, deutsche Geschichte und deutsche Landschaft, Erinnerung und Heimat beschäftigen sie und werden nun zu konkreten Themen in ihrer Kunst. Barfs entwickelt ein Interesse an gesellschaftlichen Systemen, die versuchen eine Welt zu idealisieren und eine Perfektion anstreben, deren Ziel es ist, das Individuum zu lenken und zu reglementieren.

L1280290B-600

Petra Johanna Barfs und Esther Erfert am Eröffnungsabend; Foto: FeuilletonFrankfurt

Während der Zeit in Groningen beschäftigt sich Barfs intensiv mit dem Medium Film, denn die Malerei war, wie sie sagt, damals eher „verpönt“. Nach dem Aufenthalt in den Niederlanden absolviert sie ein Aufbaustudium „Elektronische Medien“ bei Professor Bernd Kracke an der HfG Offenbach und ein Gaststudium in der Filmklasse bei Professorin Monika Schwitte an der Städelschule Frankfurt. Parallel dazu arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeitern am Filmmuseum in Frankfurt. Weiterlesen

„Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“ von Helmut Lachenmann an der Oper Frankfurt

Mittwoch, 23. September 2015

Durch Hören zu sich kommen – ein „Wahrnehmungsabenteuer“

Von Renate Feyerbacher
Fotos: Monika Rittershaus/Oper Frankfurt und Renate Feyerbacher

006la-450

Helmut Lachenmann am Abend der Erstaufführung an der Oper Frankfurt; Foto: Renate Feyerbacher

„Musik mit Bildern“ hat Komponist Helmut Lachenmann sein Werk genannt, das 1997 an der Hamburgischen Staatsoper uraufgeführt und am 18. September 2015 seine szenische Erstaufführung an der Oper Frankfurt hatte. Konzertant war das Opus bereits 2002 in der Alten Oper Frankfurt zu hören.

das_maedchen_mit_den_schwefelhoelzern_HQ_14

Michael Mendl (Schauspieler; in der Bildmitte sitzend und auf der Leinwand) sowie im Hintergrund die Zuschauer, das Ensemble und das Frankfurter Opern- und Museumsorchester; Foto © Monika Rittershaus

„Es war fürchterlich kalt“, so beginnt das Märchen von Hans Christian Andersen (1805-1875), das eines der traurigsten der Weltliteratur ist. Weiterlesen

„Blickachsen 10“ in Bad Homburg und Rhein-Main (9)

Dienstag, 22. September 2015

Peter Rogiers: „Wild Boys & Girls“

Es war bereits beim Aufbau leicht erkennbar: es wird ein Sockelwerk!

L1250473-600

Aber steht der Sockel nicht ein wenig schief? Nein, eine Täuschung, durch die besondere Position der eigentlichen Skulptur auf dem Sockel, wenn man vor der Arbeit steht.

L1270408-500

Wild Boys & Girls, 2013, Aluminiumguss, Betonsockel, 178 x 65 x 84 cm Weiterlesen