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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Archiv für April, 2015

Steinbildhauerin Anna Kubach-Wilmsen auf dem Campus Riedberg der Frankfurter Goethe-Universität (4)

Mittwoch, 29. April 2015

Die Stelenallee heisst „STEINFUGE“
Über den Werdegang eines Kunstwerks

und:
Die Eröffnungsfeier wirft ihren Schatten voraus

Unser letzter Bericht über den Werdegang eines Land Art-Kunstwerks – der Stelenallee der Steinbildhauerin Anna Kubach-Wilmsen vor dem „Wissenschaftsgarten“ auf dem Campus Riedberg – datiert von Anfang Dezember 2014. Das winterliche Schmuddelwetter auf der zugigen Anhöhe versetzte das Werk zwar keineswegs in Vergessenheit, aber doch in einen kleinen „Winterschlaf“, aus dem es das frische Frühlingsgrün nun längst erweckt hat.

Doch auch im Dezember war zunächst noch einiges an Arbeit angesagt: Die Stelen wurden mit Hochdruck abgestrahlt …

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… und anschliessend kam noch einmal schweres Gerät zum Einsatz, denn das Bodenniveau um die Mitte der Stelenreihe herum musste korrigiert und etwas abgesenkt werden. Weiterlesen

Günther Uecker im Düsseldorfer K20

Dienstag, 28. April 2015

Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen wirft einen Blick auf das facettenreiche Werk des Aktionskünstlers, Bildhauers, Bühnenbildners und Poeten Günther Uecker. Noch bis zum 10. Mai 2015 sind rund 60 zentrale Werke aus 50 Schaffensjahren des Künstlers zu sehen. Uecker, in den 1960er Jahren auch Mitglied der Künstlergruppe ZERO, wurde im März 85 Jahre alt.

Von Petra Kammann

„Wo die Sprache versagt, da beginnt das Bild“. Dieser Satz steht für Günther Ueckers künstlerisches Credo. Und Kandinskys Essay „Über das Geistige in der Kunst“ sieht der seit vielen Jahren in Düsseldorf lebende Künstler als Inspirationsquelle für seine Arbeiten. Ueckers Energie scheint schier unerschöpflich und überträgt sich wohl auch auf das Publikum. Seinetwegen war „ganz Düsseldorf“ zur Eröffnung seiner Ausstellung im K20 auf den Beinen, und die Rheinische Post stellte dem Ausnahmekünstler sogar am Eröffnungstag die Titelseite zur Gestaltung zur Verfügung.

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Der Meister: Günther Uecker
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Christiana Protto – „A Taylor‘s Garden“ im KunstRaum Bernusstrasse

Montag, 27. April 2015

Landschaften aus dem Verborgenen

Von Hanneke Heinemann
Kunsthistorikerin und Kuratorin
Eröffnungsansprache

Mit Christiana Protto haben wir eine Künstlerin vor uns, die in jedem Bereich ihres langen Schaffens stark reflektiert und dabei immer wieder auf Hauptthemen wie das Reisen oder die menschliche Existenz zurückgreift, ohne sich jedoch Neuem zu verschließen. Dadurch erhalten ihre Werke eine Konsequenz, die man mitunter erst auf dem zweiten Blick erkennt. Einige Aspekte, die man nicht nur an den Werken der Ausstellung ablesen kann, möchte ich ohne Anspruch auf Vollständigkeit vorstellen. Dabei werde ich Themen wie Garten, Ornamente, Schichten, Raum und das Wanderatelier streifen.

Der Titel „A Taylor’s Garden“ (Eines Schneiders Garten) wurde von Christiana Protto halb mit Bedacht, halb intuitiv gewählt. Die Verbindung von Garten und einem Schneider mag uns vielleicht am Anfang befremdlich erscheinen. Jedoch finden sich durchaus Gemeinsamkeiten in einer Schneiderei und in einem Garten. Ein Schneider schneidet aus und setzt wieder zusammen. Macht ein Gärtner nicht Ähnliches, wenn er Pflanzen umgesetzt und Beete und Flächen anlegt? Ein Schneider arbeitet mit Formen und Ornamenten, ein Gärtner richtet sich ebenfalls nach Strukturen und Mustern. Auch ein Flechtzaun, mit dem Gärten umzäunt sein können, wird ähnlich hergestellt wie das Gewebe, mit dem der Schneider arbeitet.

Wir kennen den Garten als ein abgegrenztes Stück Natur, das mehr oder weniger stark gepflegt und bearbeitet wird. Mit unseren kunsthistorischen Kenntnissen haben wir sofort einen „Hortus conclusus“ vor Augen, ein wunderschönes Rasen- und Gartenstück, in dem meist von schönsten Blüten umgeben Maria sitzt, ausgestattet mit Symbolen ihrer Tugenden.

Einen schönen Ort, ein Paradies, stellt man sich in vielen Kulturen als Garten vor. Es ist der fruchtbare Ort, in dem etwas wächst, mit meist üppiger Vegetation aus Zweigen, Blüten und Rasen. Häufig ist ein Garten oder Park mit Wasser in Form von Seen, Brunnen oder Sprinkelanlagen verbunden, das Üppigkeit und Leben garantiert. Sehen Sie sich hierzu bitte besonders die Fotos an.

Doch die Künstlerin sieht auch andere Aspekte im Garten. Für sie ist der Garten ebenfalls ein Ort des Verfalls, im dem auch Gewalt angewendet wird: Um dem Garten Form zu geben, muss geschnitten und gestutzt werden. Auf einigen Fotos kann man aggressive Eingriffe sehen: So schön die Sichelform des neuen Beetes im Rasen auch ist, der Schnitt und das Entfernen der Graspflanzen hat etwas von der Brutalität einer Schnittwunde, von der wir allerdings annehmen, dass sie bald schön verheilen wird.

Die meisten anderen Ornamente in Christiana Prottos Werken sind jedoch deutlich angenehmer und man spürt sofort, dass die Künstlerin von Ornamenten fasziniert ist.

Protto-ATG-Ausstellung Raumsicht

↑ Raumansicht:
Coupage (Vase), 2015, Mischtechnik auf Papier, 42 x 30 cm
Giardinetto, 2014, Acryl auf Tablett, 30 x 45 x 7 cm
Buddha, 2014, Mischtechnik auf Papier auf Leinwand, 40 x 30 cm
© VG Bild-Kunst, Bonn Weiterlesen

Abschied von der Berger Bücherstube

Sonntag, 26. April 2015

Monika Steinkopf schliesst Frankfurter Traditionsbuchhandlung und Literatentreffpunkt

„Un es will merr net in mein Kopp enei:
wie kann die Berger Bücherstubb net mehr sei!“
(Friedrich Stoltze / Michael Quast)

Von Renate Feyerbacher

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Monika Steinkopf

Bis zuletzt hatten Monika Steinkopf, ihre Freunde und Berger Bürger gehofft, dass sich jemand findet, der die Traditionsbuchhandlung in Frankfurt Bergen-Enkheim übernimmt. Selbst der Kulturdezernent versprach, sich um eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger zu kümmern. Sollte sich niemand für das buchhändlerische Kleinod interessiert haben?

Zum Abschied hatten sich Freunde, Freundinnen, zu denen auch ich mich zähle, Mitarbeiterinnen und Leser eingefunden Weiterlesen

“New Frankfurt Internationals” 2015: “Solid Signs” (6)

Freitag, 24. April 2015

Markus Walenzyk „moment to monument“

Es ist vielleicht das Chef-d’Œuvre der in dieser Ausstellung gezeigten Videokunst, eine mit Ton unterlegte Video-Performance, die den Betrachter in Bann zieht und ihn auch im Nachhinein nicht so schnell loslässt, sondern ihn noch vielfach beschäftigt. Die fulminante Arbeit eröffnet einen weiten Horizont an Deutungen, Assoziationen und Interpretationen.

Das Werk enthält eine Handlung, ja eine Erzählung: Der Künstler-Protagonist hockt auf dem Boden einer Art Ur-Landschaft, formt aus einer erdhaften Masse im fast slapstick-haften Zeitraffer-Tempo – auch die Wolken jagen über den Himmel – vor sich eine sich zu einer Bergkulisse auftürmenden Mauer, die ihn am Ende völlig den Blicken des Zuschauers entzieht. Mit der Masse bestreicht er auch die Wangen und versiegelt schliesslich mit ihr den Mund. Dann geschieht etwas Wundersames: Die Umgebung um den Berg, einem vulkanähnlichen, spitzgipfelnden erratischen Block, begrünt sich, erst eine Siedlung und dann eine Stadt mit Hochhäusern und zivilisatorischen Strukturen bilden sich heran, dann aber breiten sich Seenlandschaften, zunächst schön anzusehen, aus, sie werden zu Meeren und die städtischen Strukturen versinken in ihren Wassern. Auch der Berg beginnt zu erodieren, bildet Schründe und Schluchten, kollabiert in sich selbst und versinkt im Meer. Zurück bleibt eine dunkte, ähnlich der Anfangsszene unbestimmte Ur-Landschaft. „Die Zeit, der Ausschnitt einer kleinen Ewigkeit, Dinge, die beständig scheinen und doch vergehen“ schreibt der Künstler.

Natürlich sind wir geneigt, an die biblische Genesis zu denken („und Gott der Herr machte den Menschen aus einem Erdenkloss“, 2. Mose 7), an die evolutionäre Entwicklung der Welt, an deren zunächst konstruktive, dann aber immer mehr zerstörerische Inbesitznahme durch den Menschen, die letzten Endes, durch dessen Hybris verschuldet, in den Untergang führt. Ein gewaltiger Bogen spannt sich zwischen Schöpfung und Apokalypse.

Die Arbeit ist jedoch vielschichtig, sie könnte auch von der künstlerischen Existenz handeln, deren kreativer Entfaltung wie deren möglichem, in Selbstisolation gefangenem Untergang. Wie steht es mit der künstlerischen Existenz in der Gesellschaft? Ist auch der künstlerische Prozess von Werden und Vergehen bestimmt? Was wird einmal vom Künstler bleiben, was von seinem Werk?

Faszinierend die virtuos gehandhabte Technik der Video-Arbeit: Der Künstler Markus Walenzyk bringt sich unmittelbar körperlich in sie ein und konfrontiert sich zugleich in seiner menschlichen und künstlerischen Existenz mit dem digitalen Produktionsgeschehen.

Eine – nur unzulängliche, vom Autor von der Projektionsfläche abfotografierte – Folge an Ausstellungsansichten sollen und können nur dazu einladen, noch bis kommenden Sonntag den Frankfurter Kunstverein zu besuchen und sich dieses Video im Original anzusehen, dessen Suggestivkraft sich kaum jemand wird entziehen können:

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