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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Ein Haus für Freunde im Tiroler Dorf Mösern

Von Elke Backert

Nicht der Hahnenschrei holt mich aus dem Bett, es ist das stete Gebimmel von Kuhglocken. Ich wache auf 1200 Meter Seehöhe auf in einem Luxus-Balkonzimmer des Hotels „For Friends“ in Mösern nahe der Olympiaregion Seefeld in Tirol. Als erstes schweift mein Blick über die grandiosen Bergmassive vor mir, durchsetzt von sattgrünen Almen mit eben jenen Kühen und kleinen häuserreichen Orten im Tal.

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Auf der Frühstücksterrasse des For Friends mit Blick auf das kleine Barockkirchlein Maria Heimsuchung von Mösern, im Kern noch aus dem 17. Jahrhundert

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Ich möchte das schöne Refugium gar nicht verlassen, doch in den Bergen gilt es zuerst einmal, selbige zu erklimmen. Für mich Flachlandtiroler bitte mit der Bergbahn. Dennoch ziehe ich vorsichtshalber meine frisch erworbenen superleichten Salomon-Laufschuhe an – man weiß ja nie, was einen oben erwartet. Denn die Zeiten, in denen ich mich leichtsinnig mit Ballerinas auf Vulkane wagte, sind jetzt vorbei – Dank sei dem weisen Salomon und seinen biblischen Sportschuhen gewiss.

Fahren wir also auf gut Glück nach Seefeld und dort immer dem Schild Standseilbahn Rosshütte nach. Tatsächlich ein Parkplatz, ein Lift zur Kasse, Tickets gelöst, und los geht’s zur Rosshütte auf 1760 Meter, wo der „Biergarten 1760“ bereits gut gefüllt ist, wo „das letzte WC“ wartet und ein Super-Spielplatz mit häufig genutztem Sprungbrett aufs Trampolin darunter.

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Ruhepause im Alpenpark Karwendel

Weiter geht’s mit einer recht veralteten und viel zu kleinen Gondel, die Paare auseinander reißen kann, so der Leiter kein Einsehen hat und die zweite Paarhälfte noch mit durchlässt. Gemächlich schwebt die Seefelder Jochbahn hinauf aufs Seefelder Joch auf 2083 Meter Seehöhe. Ein perfekter Rundumblick ist jedermann garantiert und ein Foto vor dem Gipfelkreuz unbedingt erforderlich für Japaner, Koreaner, Spanier, Italiener, Engländer, Österreicher und Deutsche gleichermaßen.

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Wer am Gipfelkreuz ankommt, hat den Berg geschafft

Ein Traumblick ins Karwendelgebirge öffnet sich, und eine Rundpanorama-Kanzel erklärt in Bildern, wie die Berge rundherum heißen. Jetzt müsste man auf dem Panorama-Höhenweg wandern und käme bis zur Seefelder Spitze auf 2220 Meter und noch weiter. Das überlassen wir den Wander-Fans.

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Die Rundpanorama-Kanzel erklärt in Bildern, wie die Berge rundherum heißen

Wir begeben uns auf einen Spaziergang zum idyllisch gelegenen Möserer See, in dem Menschen und Enten um die Wette schwimmen. Danach wartet Entspannung im Hotel.

Dort locken zum einen die Saunen und der Pool innen, und wie ein Wunder – zum ersten Mal sah ich das – öffnet sich automatisch eine gläserne Schiebetür nach draußen. Ein witziges Gefühl. Nach einer kurzen Ruhepause wartet eine Hausbegehung. Denn die Kunst, die man schon im eigenen Zimmer bewundert hat, setzt sich im ganzen Hotel fort.

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Eine Skulptur mit Schwalbenschwanzhinterkopf des Südtirolers Wilhelm Senoner

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Unverkennbar – die Skulpturen von Wilhelm Senoner

Die Kuratorin der Ausstellung, die Kunsthistorikerin Isabelle Mereb, schreibt über die Künstler in einer Broschüre, die im Hotel zu erhalten ist: „Der Südtiroler Bildhauer und Maler Wilhelm Senoner, geboren 1946 in St. Ulrich-Gröden, kreierte zwei Arten von einmaligen, teils lebensgroßen Skulpturen, Plein-Air-Skulpturen aus Bronze und Indoor-Skulpturen aus Lindenholz, deren Oberflächen mit Sägemehl, Leim und Acrylfarben oder pulverisierten Pigmenten behandelt wurden. Einzigartig sind die Hinterköpfe der Figuren, die in Fischflossen, Schwalbenschwänzen oder Pflanzenblättern auslaufen.“

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Isabelle Mereb: „Als Einzelgänger und Exzentriker abgestempelt, begann der Poet, Schriftsteller und Musiker Sergio Terzi ‚Nerone‘, geboren 1939 im italienischen Villarotta di Luzzara, mit 30 Jahren unter dem Einfluss von Antonio Ligabue zu malen, um dramatischen Erlebnissen Ausdruck zu verleihen. Durch erfolgreiche Teilnahme an Biennalen in Italien erlangt er internationale Anerkennung, wird in den USA gefeiert und findet schließlich seine Freiheit in der Abstraktion, die an das amerikanische Action Painting erinnert.“

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Die tiefe Heimatverbundenheit des Südtiroler Künstlers Ernst Müller wird auch in seinen Bildern deutlich

Und Isabelle Mereb weiter: „Ganz anders der Südtiroler Künstler Ernst Müller, 1951 in Schlanders geboren. Seine Leidenschaft für die Malerei und seine tiefe Heimatverbundenheit bannen grandiose Landschaften und bäuerliches Ambiente auf die Leinwand. Einige der dargestellen Bauernhäuser sind bereits zerfallen, leben aber in Müllers Ölbildern weiter.“

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Manche der von Ernst Müller dargestellen Bauernhäuser sind bereits zerfallen, leben aber in seinen Ölbildern weiter

Das „For Friends“ öffnete im Juni 2014 in Mösern bei Seefeld, nur 20 Kilometer von Innsbruck entfernt. Hoch über dem Inntal, in einer Bilderbuch-Landschaft und an einem der spektakulärsten Standorte der alpinen Welt, fernab vom touristischen Mainstream. Unsere Stress- und Ellbogengesellschaft findet eine Auszeit bei einem „Besuch bei Freunden“, individuell und ungezwungen, geprägt von Wahlfreiheit und einfühlsamer Gastfreundschaft. Die vier Energiefelder Natur & Entspannung, Kunst & Kultur, Genuss & Kulinarik, Energie & Bewegung sind es, die in Verbindung mit außergewöhnlicher Architektur und einer innovativen Dienstleistungsphilosophie dem neuen Hotel seinen unverwechselbaren Charakter verleihen.

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Blick ins häuserreiche Tal

Der Ausblick vom sonnigen Hochplateau ist derart atemberaubend, dass ihn bereits Albrecht Dürer in einem seiner berühmten Selbstporträts verewigt hat. Umgeben von den malerischen Gipfeln des Wetterstein-Gebirges, der Hohen Munde, dem Alpenpark Karwendel und dem Landschaftsschutzgebiet Wildmoos liegt den Gästen ein traumhaftes Naturparadies zu Füßen.

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↑ Werbung auf den Bänken am Möserer See für die Friedensglocke des Alpenraums, die in Telfs-Mösern täglich um 17 Uhr läutet. Sie trägt ein Bild, das Albrecht Dürer vor Ort gemalt hat

↓ Albrecht Dürer (1471-1528), Selbstbildnis mit Landschaft, 1498, Öl auf Holz, 52 x 40 cm, Museo Nacional del Prado; Bildnachweis: wikimedia commons

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Fotos (ausser Dürer-Porträt): Elke Backert

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