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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Großarl und das „Tal der Almen“

Ideal für einen Familienurlaub

Von Elke Backert

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Talblick von der Laireiter Alm auf 1850 Meter Seehöhe

Auf dem Rezeptions-Tresen warten vier bunte Schweinderl darauf, gefüttert zu werden. Aber noch ist es nicht soweit. Der Familienurlaub beginnt gerade erst – in dem von der Großfamilie Hettegger betriebenen Hotel „Edelweiss“ im österreichischen Großarl.

Die Hetteggers kennen sich mit Kindern aus, die inzwischen achtzigjährige Oma hat elf Kinder geboren, sechs Buben und fünf Mädchen.

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Jeden Morgen liegt auf dem Frühstückstisch das Tagesprogramm aus. Opa Hettegger lädt Wanderfreudige ein, mit ihm auf die Berge zu steigen, während der Schwiegersohn Peter sich um die Eltern mit den Jüngsten kümmert und sie im Großarltal-Express – zum Vergnügen aller – bummelig und ruckelig ans Talende nach Hüttschlag bringt, vorbei an wunderschönen saftig-grünen Almen – das Großarltal im Salzburger Land wird zu Recht auch „Tal der Almen“ genannt -, kleinen Wasserfällen, hölzernen Brunnen, unzähligen Kirchlein und immer begleitet von der schnell dahin rauschenden kristallklaren Großarler Ache.

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Auf 920 Meter Seehöhe liegt das Europadorf Großarl, und es hat sich bei einer Umfrage als die gastfreundlichste Destination Österreichs hervorgetan

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Der Großarltal-Express ruckelt zum Vergnügen aller bis ans Talende nach Hüttschlag, vorbei an wunderschönen saftig-grünen Almen

Kinder sehen mit eigenen Augen weidende Kühe und Schafe, und so wird es ihnen nicht langweilig. Am Talschluss gibt es einiges zu tun. Die einen erkunden die leicht bergige Seenlandschaft, die anderen ergötzen sich am Talmuseum und dem Infozentrum Nationalpark Hohe Tauern, das die Geheimnisse des Bergwaldes verrät. Letzteres eine lustige und spaßige Mitmach-Lehrstunde, die auch für die Großen ein Erlebnis ist. Hier gilt es Knöpfe zu drücken, und ein leibhaftiger Auerhahn ist auf einem Bildschirm zu sehen und dazu sein rhythmisches, hölzernes „Knappen“ zu hören, aber auch Heckenbraunelle, Zilpzalp, Fichtenkreuzschnabel, Buntspecht, Zaunkönig, Rotkehlchen und Ringdrossel, alles Vögel, die im Nationalpark zwitschern und tirilieren. Weiter geht es mit Erraten oder Wissen: Wie werden Zirbe, Fichte, Lärche, Bergahorn, Vogelbeere bestäubt – vom Wind oder durch Insekten? Wie werden die Baumsamen verbreitet – durch den Wind oder die Vögel? Welcher Zapfen ist hier versteckt? Ertaste ihn! Und so erfährt man Dinge, die man sicher nicht wusste. Man erhält Einblick ins Innere der Baumstämme und des abgestorbenen Holzes, das dennoch lebt.

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Ganz romantisch – der Talschluß in Hüttschlag; auf dem Brückchen die Autorin

Im Keller des Hauses vom „Talwirt“, der, wie der Name sagt, Gäste auch bewirtet, darf man Masken bestaunen, schauerliche Gesichter mit weit aufgerissenem roten Mund, grünen bösen Augen, krummen Nasen, wildem Haarwuchs und mit Hörnern in allen Variationen. Speziell im bayerisch-österreichischen Alpenraum haben diese Masken Tradition, werden sie doch heute noch geschnitzt und benutzt.

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„Krampus“ ist der Name für den wilden und zottigen Begleiter des Heiligen Nikolaus. Krampusse treten meist in größeren Gruppen auf. Die traditionellen Gewänder und Masken werden in aufwändiger Handarbeit hergestellt. Die Zeit der Krampusse sind die Tage vor dem 6. Dezember, dem Nikolaustag.

„Perchten“ sind Schreckgestalten, die einzeln und in verschieden großen Gruppen auftreten, speziell an drei Winterabenden und -nächten, den „rauen Nächten“, auch „Raunächte“ genannt. In der Nacht vor Nikolaus, zur Wintersonnwende am 21. Dezember und vor Dreikönig am 6. Januar. Mit den mitgetragenen Glocken oder anderen Lärminstrumenten soll der Winter ausgetrieben werden. In vielen Regionen ist die Grenze zwischen dem traditionellen Krampus- und dem Perchten-Brauchtum fließend geworden.

Auch das Talmuseum, ein Freilichtmuseum, das in der Nationalpark-Gemeinde Hüttschlag auf 1020 Metern alte Häuser aus der Gegend aufgebaut hat, etwa die Gabrielmühle, eine Schnapsbrenner-Hütte, ein Backhaus und das Gensbichlhaus, das einst oben am Gensbichl stand und einem größeren weichen musste, zeigt solche gruseligen Masken, aber auch wunderschöne Kristalle und Tiere wie Dachs, Bär und Greifvögel. Daneben als Kontrast Gemälde und Skulpturen aus der heilen religiösen Welt, Madonnen-Bilder, Kruzifixe und Heiligen-Skulpturen. Wie sich zum Beispiel ein Unwetter in den Bergen auswirkt, zeigt das Almkino.

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Ob beim Talwirt oder im Talmuseum in Hüttschlag, die Masken von Krampus und Percht können haufenweise bestaunt werden

Eine weitere Überraschung hält der Heimathof „Kösslerhäusl“ bereit, ein Bergknappenhaus aus dem 16. Jahrhundert, das im Sommer von den Hetteggers bewirtschaftet wird und auch als Museum mit Objekten zur Bauernarbeit und einer der weltgrößten Messersammlungen zugänglich ist. Zur Stärkung serviert die „Edelweiss“-Oma Kaffee und Krapfen mit Marillen-Marmelade, so luftig-leicht und wohlschmeckend, dass man gleich zwei davon verzehrt. Besonders anrührend ist es, wenn sie mit einer Bäuerin aus dem Ort österreichische Heimatlieder singt.

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Eines der Ausflugsziele ist der Heimathof „Kösslerhäusl“, ein Bergknappenhaus aus dem 16. Jahrhundert, das im Sommer von den Hetteggers bewirtschaftet wird und wo die Edelweiss-Oma Kaffee und Krapfen serviert und auch noch Heimatlieder singt

Mit der von einem Trecker gezogenen Bummelbahn wieder gut im Hotel gelandet, können die Kleinsten unter Aufsicht in den Spielräumen basteln, malen, klettern, mit Riesen-Legosteinen bauen und vieles mehr, während die Eltern saunieren und im Erlebnisbad ihre Runden drehen. Kinder können den ganzen Tag von 9 Uhr bis 20 Uhr beschäftigt werden, wenn sie das wünschen. Bänder flechten, Schmetterlinge und bunte Kochlöffel machen, Glitzer-Eier und Pilze mit Pailletten stecken, Kinderfilme angucken, auf der Rucki-Zucki-Gaudi-Alm, dem Großarler Sport- und Freizeitzentrum, die Riesenrutsche und das Federwippgerät ausprobieren, mit Tretautos auf der Go-Kart-Bahn fahren oder im Freien am Hotel Purzelbäume auf dem Trampolin schlagen, die Rutschen zum Leben erwecken oder in der Sandkiste Kuchen backen. Und natürlich im Superpool mit den Eltern schwimmen oder im Kinderbecken plantschen. Dann mundet das reichhaltige Fünf-Gang-Abendmenü im schicken Restaurant noch mal so gut, wobei die Küche auch auf Vegetarier achtet und auf die, die es kalorienarm, laktose- und glutenfrei bevorzugen.

Das Essen abtrainieren könnte man beim Tanzen im „Rauchkuchl“ des Hotels. Der DJ geht gern auf Gäste-Wünsche ein, so dass jeder mal seine Lieblingstänze aufs Parkett legen kann. Aber Vorsicht vor dem Angebot Wodka-Brause für 3,50 Euro. Große Augen macht der Deutsche, sollte er das Gesöff noch nicht kennen. Der Barkeeper bringt einem ein Gläschen Wodka mit einem Brausetütchen obendrauf. Mit einer Geste bedeutet er, wie’s gemacht wird: Brausetütchen öffnen, Inhalt auf die Zunge kippen und den Wodka obendrauf. Na ja, einmal und nie wieder.

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Wie religiös die Menschen im Großarltal und in Österreich überhaupt sind, zeigen die vielen Kapellen am Wegesrand

Am nächsten Tag schwebt man in der Panorama-Gondel gleich neben dem Hotel auf die Laireiter-Alm mit der großen Sonnenterrasse in 1.850 Meter Höhe, genießt den Rundum-Blick auf die Berge und/oder erwandert unbekanntes Terrain.

Man könnte sich aber auch in sein Auto setzen und Richtung St. Johann im Pongau fahren. In St. Johann-Alpendorf müssen Kinder natürlich den Geisterberg erleben mit Spuki und Gespensti, einen gigantischen Drachen erobern und Hexen und Krampussen auflauern.

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Kurz vor dem Ort St. Johann führt eine Abzweigung zur Liechtensteinklamm , einer der schönsten, tiefsten und längsten Schluchten der Alpenwelt, ein rauschendes Naturspektakel, begleitet von Psalmen aus der Bibel wie: „Die Werke des Herrn sind groß …“ Bereits 1875 faszinierten die reißenden Wassermassen zwischen den engen hohen Felswänden die Menschen so sehr, dass die Klamm dank einer Spende von Fürst Liechtenstein – daher der Name – mit Brücken und Stegen zugänglich gemacht wurde. Inzwischen haben über zehn Millionen Menschen aus aller Welt dieses einzigartige Naturschauspiel besucht.

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Ein Naturwunder – die Liechtensteinklamm

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Die Pfarrkirche von St. Johann im Pongau wird wegen ihrer Ausmaße Pongauer Dom betitelt

Nun schließt man den Ausflug ab mit dem neugotischen doppeltürmigen „Pongauer Dom“, der Pfarrkirche St. Johann im Pongau, und seinen beeindruckenden Maßen von 60 Meter Länge, 27 Meter Breite und 62 Meter Höhe. Hochaltar, Seitenaltäre, Lourdeskapelle und der Kreuzweg des Grödner Bildhauers Johann Rifesser lassen einen gern und lange verweilen.

Die Annakapelle aus dem Jahre 1301 unterhalb des „Doms“, ältestes Bauwerk von St. Johann, dient sowohl als Gotteshaus für die evangelische Gemeinde als auch für jährlich wechselnde Ausstellungen. Und wieder begegnen einem die Perchten. Bis 7. September 2014 läuft „An Fried, an Reim und an G’sund – Die Perchten bringen Glück“, eine Darstellung vom alle vier Jahre stattfindenden Pongauer Perchtenlauf mit alten und aktuellen Masken, Kappen, Kostümen, Tafelschmuck und Fotos.

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Als der Standesbeamte noch ins Hotel Edelweiß kam, fanden in der Apostelstube auch Trauungen statt. Heute werden im Hotel lediglich die Hochzeiten gefeiert – in Tracht und mit zünftiger Musi

Nicht vergessen: Kurz vor der Abreise wollen noch die Schweinderl an der Rezeption gefüttert werden – am liebsten mit einem Geldschein.

Das Großarltal liegt etwa 70 km südlich der Mozartstadt Salzburg in nebelfreier Hochlage im Herzen der Hohen Tauern und beheimatet zwei malerische Gemeinden, das „Europadorf“ Großarl auf 920 Meter Seehöhe mit rund 3.700 Einwohnern und die „Nationalparkgemeinde“ Hüttschlag auf 1.020 Meter mit 950 Einwohnern. Bei einer Umfrage hat sich Großarl als gastfreundlichste Destination Österreichs hervorgetan.

Fotos: Elke Backert

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