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Tarragona

Tarragona, die spanische Mittelmeerstadt römischen Ursprungs, lädt zu Gastronomie, Brauchtum und Kultur

Von Elke Backert

Tarragona Trompe loeil Haus-430

Auch das findet man in Tarragona – ein ganzes Haus voller Täuschungen, den Trompe l’oeil

Samstag ist Markttag auf der Plaza Santa Anna von Tarragona. Um einen Torbogen, Rest eines antiken römischen Forums, gruppieren sich Stände mit Oliven, Knoblauch, staunenswert großen Paprikaschoten und vielem mehr. Man guckt, kauft und setzt sich dann in die Bar Toful, wo man, wie es hier typisch ist, „seinen Wermut nimmt“. Ein volles Wasserglas, aus dem Hahn wie Bier gezapft, kostet kaum mehr als einen Euro. Das lässt man sich bei diesem Preis doppelt schmecken.

Wer am Abend wiederkommt, wundert sich vielleicht. Nicht weil die Marktstände verschwunden sind. Eine riesige Menschenansammlung macht sich breit. Ein großer Teil steckt in gleichfarbigem sportlichem Dress. Bevor man sich versieht, bilden sie ein dickes Knäuel, aus dessen Mitte Männer und Frauen flink auf die Schultern des höher Stehenden aufsteigen und weitere Personen auf die Schultern nehmen. Eine Menschenpyramide entsteht, wird höher und höher, bis zu acht Ebenen hoch. Ein Kind krönt die Spitze.

Concurs Castellers Tarragona 2010 auf youtube

Den Zuschauern schwindelt’s. Sie klatschen Beifall, und einer nach dem anderen der sportlichen Eiferer rutscht hinunter, bis sie alle wieder festen Boden unter den Füßen haben. Applaus, Applaus!

Castells nennen sich die Menschentürme, die ihren Ursprung im 16. Jahrhundert haben und aus religiösen Volkstänzen hervorgegangen sein sollen. Mit der Zeit fielen die Tänze weg. Übrig blieben die „Erbauer“ der Türme, die Castellers. Bilden Einzelpersonen eine Säule, dann heißt das Gebilde Pilar.

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↑ Wo einst das Forum der römischen Provinz Tarraco war, befindet sich heute der gotische Stadtteil mit der Kathedrale Santa María (12./13. Jh.). Die Fassade zieren eine große Rosette und Figuren der Apostel und Propheten

↓ Diese Treppe ersteigen die Castells im September zu Ehren der Schutzpatronin der Stadt Santa Tecla

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Zum Fest der Schutzpatronin der Stadt, Fiesta de Santa Tecla, in 2014 vom 14. bis 24. September, steigen solche „Säulen“ und „Pyramiden“ gar die Treppe zur Kathedrale hoch.

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Bestückt mit den Figuren der Apostel ist das romanische Portal der Kathedrale Santa María

Tarragona, die katalanische Stadt an der Costa Dorada, war die erste römische Gründung auf hispanischem Boden, schon im 3. Jahrhundert v. Chr. Die Römer nannten sie Tarraco. Die besten Zeugnisse – Amphitheater, Zirkus (Hippodrom), eine frühchristliche Nekropole, ein Aquädukt – wurden freigelegt und restauriert. Selbst wer nur shoppen geht, wird staunen. Viele Geschäfte – am Rathausplatz ist es jedes Wohnhaus – gründen sichtbar auf römischen Resten. Romantisch ist ein Spaziergang auf der „Archäologischen Promenade“ entlang der römischen Stadtmauern.

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↑ Herrlich am Meer gelegen: das römische Amphitheater

↓ Einer der Spazierwege in Tarragona führt über die sog. Archäologische Promenade entlang der römischen Stadtmauern

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Nicht minder romantisch flaniert es sich auf der Palmenpromenade am „Balcón méditerraneo“ mit Aussicht auf Hafen und goldene Strände, die der Küste den Namen eintrugen: Costa Dorada.

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Schön zum Promenieren mit Blick auf Hafen und Sandstrände: der Balcón méditerraneo, der „Mittelmeer-Balkon“

Enge Gassen mittelalterlichen Gepräges und der breite Boulevard Rambla Nova wollen durchstreift werden. Da entdeckt jeder „sein“ Restaurant, wo er sich wohlfühlen könnte. Und davon gibt es viele in der Römerstadt. Meeresfrüchte und Fisch kommen in der Marisqueria Estació Marítima am Hafen auf den Tisch. Dazu, wie zu Salaten und Gemüsen, wird eine „Romesco“ genannte Sauce aus Mandeln, Haselnüssen, Paprika, Tomaten, Knoblauch, Öl und Salz gereicht. Köstlich.

Im Palau del Baró, einem ehemaligen Palast in der Calle Santa Anna, dem schon Picasso seine Aufwartung machte, präsentieren sich die Kreationen aus der Küche ebenso vornehm wie das Ambiente der Räumlichkeiten. Rustikal dagegen „El tiberi“. Das Restaurant baut jeden Abend ein katalanisches Buffet auf, das seinesgleichen sucht – was Auswahl, Geschmack und supergünstigen Preis betrifft. Da verwundert es nicht, dass eine Reservierung angebracht ist.

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Reste der römischen Stadtgründung Tarraco finden sich zuhauf: in Geschäften und Wohnhäusern der Altstadt

Erstaunlich gut isst man auch im Freizeit- und Erlebnispark „Universal Studios PortAventura“ unweit Tarragonas, ein Muss für Familien. Europas zweitgrößter Themenpark nimmt Besucher mit auf die Reise durch Mexiko, Far West, China, Polynesien und die Mittelmeerländer, nervenkitzelnde Superlative wie „Dragon Khan“, die Achterbahn mit acht Loopings, eingeschlossen.

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In Tamarit unweit Tarragonas überrascht eine der seltenen direkt am Wasser gebauten Burgen – ein schönes Ausflugsziel

Fotos: Elke Backert

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