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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Die Geschichte von den zwei Kieselsteinen

Oder: der Unterschied zwischen Logik und lateralem Denken (Querdenken)

Es war einmal in einem kleinen Dorf ein Bauer, der einem alten unfreundlichen Mann eine grosse Summe Geld schuldete.
Der Bauer hatte eine hübsche Tochter, an der der Alte seinen Gefallen hatte.
Der Alte machte folgenden Vorschlag:
Er sagte, wenn er die Tochter heiraten könnte, würde er die ganzen Schulden erlassen.
Der Bauer und die Tochter waren bestürzt über diesen Antrag.

So schlug der Alte vor, dass Glück und Zufall entscheiden sollten:
Er wollte zwei Kieselsteine, der eine schwarz, der andere weiss,  in den leeren Geldbeutel legen. Die Tochter sollte dann, ohne hinein zu sehen, einen Kieselstein entnehmen.
Sollte der Kieselstein schwarz sein, dann heirate er die Tochter und somit sei die Schuld erlassen.
Nimmt sie den weissen Kieselstein aus dem Beutel, dann muss sie ihn nicht heiraten, und die Schuld ist ebenfalls erlassen.
Verweigert aber die Tochter, einen Kieselstein zu entnehmen, muss der Bauer ins Gefängnis.

Während er so sprach, beugte sich der Alte und nahm zwei Kieselsteine von der Strasse, die voll von Kieselsteinen war.
Beim Beugen betrachtete die Tochter den Alten mit scharfem Auge.
Sie entdeckte, dass der Alte zwei schwarze Kieselsteine aufnahm und in den Geldbeutel legte.
Aber sie schwieg.

Der Alte forderte nun die Tochter auf, einen Kieselstein zu entnehmen.

Stell Dir für einen Moment vor, was Du in dieser Situation getan hättest.

Analysieren wir die Situation. Drei Möglichkeiten existieren:
Die Tochter weigert sich, einen Kieselstein zu entnehmen.
Die Tochter entnimmt beide Kieselsteine dem Beutel und stellt somit den Alten als Betrüger dar.
Die Tochter nimmt einen schwarzen Kieselstein aus dem Beutel und opfert sich dem Alten als Gattin, um den Vater vor dem Gefängnis zu bewahren.

Überlege für einen Moment die prekäre Lage.
Die Geschichte stellt den Unterschied dar zwischen logischem und lateralem Denken (Querdenken).

Das Dilemma der Tochter: Eine akzeptable Lösung, die den Alten nicht blossstellt, scheint nach der Logik ausgeschlossen.

Dies machte nun die Tochter :

Sie steckte ihre Hand in den Beutel, nahm einen Kieselstein und liess ihn ungeschickt auf den Boden fallen.
Bevor  festgestellt werden konnte, ob er jetzt schwarz oder weiss gewesen sei, vermischte sich der Kieselstein mit den vielen anderen auf der Strasse.
“Oh, wie unbeholfen ich bin!”, rief die junge Frau. “Aber kein Problem.
Wenn ich jetzt den zweiten Stein herausnehme, dann wissen wir ja sofort …
… welche Farbe der erste Kiesel gehabt hat, nicht wahr?”

Da der zweite Kiesel schwarz war, müsste der erste, nach dem Vorschlag des Alten, weiss gewesen sein.
Der Alte getraute sich natürlich nicht, seinen Schwindel zu gestehen …

Drainagekies

(Bildnachweis: 3268zauber/wikimedia commons GFDL)

Die Moral der Geschichte:
Eine Lösung existiert für die meisten Probleme.
Manchmal  wissen wir nur nicht, wie wir in einer Situation all deren möglichen Facetten erkennen können.

(Quelle unbekannt)

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