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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

„Artists in Residence“-Programm 2012 Frankfurt am Main / 1

„Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ soll einst der Nachrichtenagentur-Gründer Paul Julius Freiherr von Reuter gesagt haben, so ganz Unrecht hatte er nicht. Das alt-ehrwürdige ATELIERFRANKFURT in der Hohenstaufenstrasse, sichtbar bedroht vom zeitgeistigen Neubau-Boom, muss weichen. Wir werden später darauf zurückkommen. Heute gilt es, die dort letztmalig veranstaltete Jahresausstellung „Artists in Residence – Internationaler Künstleraustausch“ der Stadt Frankfurt am Main zu würdigen.

Hinter dieser Tür, deren strapaziertes Schloss, wie wir sahen, nur mit etwas Mühe und Geduld zu öffnen ist, verbergen sich die vertrauten Ausstellungsräume. Ergänzend muss wieder der grosse Saal im vierten Geschoss herhalten. Gastkünstlerinnen und -künstler aus den acht Kunst-Partnerstädten Antwerpen, Budapest, Dubrovnik, Helsinki, Salzburg, Seoul, Straßburg und Wien bestreiten mit ihren Arbeiten die eine Hälfte der Ausstellung; es sind dieses Jahr (in der Reihenfolge der genannten Städte) Olivier Foulon, Adam Albert und Kata Tranker, Anamarija Obradovic, Johanna McDonald, das Künstlertrio Alpine Gothic, Kwang Mo Lim, Patrick Meyer sowie Isabella Kresse. Umgekehrt zeigen die in die Partnerstädte entsandten Frankfurter Künstlerinnen und Künstler (wiederum in der Reihenfolge der genannten Städte) Ryan Siegan Smith, Christiana Protto und Friederike Walter (beide Budapest), Flo Maak, Federico Del Vecchio, Lionel Röhrscheid, Rebecca Ann Tess, Levent Kunt sowie Andreas Rohrbach ihre dort bzw. im Vorfeld ihrer Entsendung gefertigten Arbeiten.

Kulturdezernent Professor Felix Semmelroth, Projektleiterin Corinna Bimboese und Kurator Bernd Reiß eröffnen die Jahresausstellung 2012

FeuilletonFrankfurt greift in loser Folge einige dieser Arbeiten auf, vornehmlich solche, die durch Witz, Originalität und Einfallsreichtum auffallen – und natürlich durch Qualität. Wir beginnen mit

Johanna McDonald aus Helsinki

Die 1977 in Vancouver / Canada geborene Performance-Künstlerin lebt seit 2002 in Helsinki. Sie studierte an der Universität von Toronto (Bachelor of Arts) und an der Nationalen Theater-Akademie von Finnland mit dem Master-Abschluss.

In Frankfurt geriet sie auf der Suche nach einem Gymnastikstudio an den Executive Boxing Club, „selling its programme“, so sagt die Künstlerin, „with the language of CEO’s: power, ambition and personal achievment. I usually think of boxing with poverty“. Und so fand sie den Stoff für ihre Performance in der aktuellen Ausstellung.

Am Eröffnungsabend bot Johanna McDonald den Besuchern einen Schlag – mit professionellem Boxhandschuh – in das Gesicht an, in drei wählbaren Härtestufen. Zuvor bekam man einen Mundschutz, auch hier konnte man wählen, und zwar zwischen den Farben Schwarz, Rot, Goldgelb – den deutschen National- (und Politpartei-)Farben also: ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Nach getaner Arbeit klebte die Künstlerin den wieder ausgespienen Mundschutz als Trophäe an die Wand.

Ein intelligenter Kommentar zu unserer allgegenwärtigen Leistungs- und Ellenbogengesellschaft. Und eine ebenso intelligente Reaktion auf eine den Künstler bedrängende Erwartungshaltung nach dem Motto: ein Künstler, erst recht ein mit öffentlichen Mitteln geförderter, soll gefälligst was Gescheites liefern, am besten Bilder oder Plastiken, mit denen man was anfangen kann. Punkt. Schlag. Aus.

Oh, was für zwei Farben auf der Säule!

„Artists in Residence“ 2012, ATELIERFRANKFURT, bis 25. Januar 2013

Fotos: FeuilletonFrankfurt

→  “Artists in Residence”-Programm 2012 Frankfurt am Main / 2

 

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