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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Frankfurter Ateliertage 2012: Kerstin Lichtblau

Der Name der Künstlerin, die in diesem Atelier arbeitet, ist unschwer zu erraten, schaut doch eines ihrer „Augenmädchen“ aus der rechten oberen Ecke in den Bildausschnitt.

Kerstin Lichtblau – ihr Atelier hat sie im basis-Haus Elbestrasse – zählt, dank ihres unverwechselbaren Markenzeichens, jener „Augenmädchen“, sicherlich zu den bekanntesten und populärsten Künstlerinnen der hiesigen Atelierhäuser. Malerei und Siebdruck gehören zu ihrem Metier, Gemälde, Druckwerke, Zeichnungen und Collagen bilden den Kern ihres künstlerischen Schaffens. Darüber hinaus bedruckt sie auch Hemden und andere Textilien, Beutel und Taschen, stellt allerlei Hübsches und Nützliches als Accessoires her. Gemeinsam mit Billa Burger betreibt sie die Siebdruckwerkstatt Gold-Factory, und mit ihrem 2007 gegründeten Lichtblau Verlag, mit dem sie auch auf der Frankfurter Buchmesse vetreten ist, publiziert sie Bücher, Kalender und verschiedene Editionen.

Eine fleissige und überaus präsente „Allrounderin“ also, die man auch bei manchen Eröffnungen und Kunstereignissen antreffen kann.

Meist fixieren die Augenmädchen den Betrachter recht eindringlich, mal kess und frech, dann wieder bezirzend und verführerisch. Die Künstlerin zeigt ihre Schönen in fast allen denkbaren Situationen und Lebenslagen; die Mädchen wechseln die Garderobe ebenso wie ihre Profession, Herkunft und Hautfarbe. Natürlich erinnern sie uns an die Vielzahl der Mangas und Kindchen-Comics. Doch die Künstlerin imitiert diese keinesfalls, sondern ganz im Gegenteil – in ihrer sehr eigenen künstlerischen Sprache karikiert und persifliert sie die – meist in kaum mehr erträglichen Kitsch abgleitende – Manga-Welt.

„Augenmädchen“-Augen haben auch die liebevoll gezeichneten, aus einer Art Kinderbuch- und Sesamstrassen-Welt entsprungenen Tiere, auch ihnen gilt die leise schmunzelnde Sympathie des Betrachters. Da kleidet sich ein blauäugiges, weisses Pferd in einen Strassenanzug, und ein anderes hat sich ein Tigerfell zugelegt. Das alles spielt vor dem Hintergrund eines in die Bilder eincollagierten, oft weit weniger lustigen Alltags, auch in Gestalt eines Tristesse ausstrahlenden Häuserblocks. Augenmädchen und Knuddeltier schauen entsprechend traurig drein.

Kerstin Lichtblau studierte an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Kunstwissenschaft und Soziologie mit dem Magister-Abschluss und von 1997 bis 2002 Freie Malerei an der Städelschule bei den Professoren Christa Näher und Peter Angermann, dessen Meisterschülerin sie wurde. Nicht zu vergessen ihr Gaststudium „KünstlerGärten“ an der Bauhaus-Universität Weimar bei Professor Barbara Nemitz im Jahr 2001.

Sie hatte mehrere Einzelausstellungen in Frankfurt und Offenbach sowie in Berlin, Bremen, Darmstadt, Mannheim und München, ferner eine Vielzahl von Gruppenaustellungen in Europa und  den USA.

Abgebildete Werke © Kerstin Lichtblau;
Fotos: FeuilletonFrankfurt

→  Aus “Open Doors” werden “Frankfurter Ateliertage”

 

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