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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Nichts wie hin – zu MÖBEL KAISER

Wollten Sie nicht, liebe Leserinnen und Leser, schon seit längerem Ihre Wohnungseinrichtung verändern, vielleicht zeitgerechter und individueller gestalten, das elende Zeug aus den immer gleichen Möbel-Ackermärkten, das Ihnen einst die Eltern, Tante Emma oder Onkel Herbert zur Volljährigkeitsfeier oder sonst zu allerlei Anlässen schenkten, dahin schmeissen, wo es hingehört: in den Müllcontainer?

Eine gute Idee: Trennen Sie sich von Schrankwand und Sofalandschaft im Massendesign und kommen Sie zu MÖBEL KAISER, wie der Name schon sagt in der Frankfurter Kaiserstrasse, genauer gesagt in der Kaiserpassage.

Nun müssen wir Ihnen zuvor aber doch ein paar Kleinigkeiten verraten: Also es ist kein so richtiges Möbelhaus, was Sie dort vorfinden. Erschrecken Sie jetzt nicht, wenn wir Ihnen weiter offenbaren, dass MÖBEL KAISER etwas mit zeitgenössischer Kunst zu tun hat. Konkret gesagt und noch schlimmer: 24 Künstlerinnen und Künstler haben sich zusammengetan und präsentieren Ihnen ein Event, eine künstlerische Intervention, wie man so sagt. Am vergangenen Freitag gab es sogar eine richtige Eröffnung mit Wein, Ansprachen und allem anderen, was dazugehört. Kein anderer als Städel-, Liebieghaus- und Schirn-Direktor Max Hollein würdigte das von Jens Lehmann kuratierte Ausstellungs-Ereignis, und Design-Professor Volker Fischer von der Hochschule für Gestaltung HfG Offenbach machte es zum Gegenstand geistreich-launischer Betrachtungen.

Also kommen Sie in das bunte Getümmel der Kaiserpassage, bringen Sie auch etwas an Geld mit, denn Sie können bei MÖBEL KAISER wirklich kaufen: Kunst in Form von Möbeln, Möbel als künstlerische Objekte.

Professor Volker Fischer begutachtet zur Eröffnung die Exponate

Max Hollein und Jens Lehmann eröffnen die Ausstellung „MÖBEL KAISER“ (im Vordergrund Tisch „Tischleindeckdich“ von Stefan Bressel, 2011)

Wir sehen eine – eben intervenierende – Ausstellung in einem unerwarteten, nämlich von kleinen Erwerbsgeschäften geprägten und durchaus bahnhofsviertelmässig schillernden Umfeld. Es ist eine Gratwanderung zwischen freier und angewandter Kunst, natürlich auch zwischen Kunst und Design. Immer wieder untersuchen, hinterfragen Künstlerinnen und Künstler die entsprechenden Grenzen. Man wird am Ende einräumen müssen, dass sie fliessend sind. Und die Künstlerinnen und Künstler werden zu entscheiden haben, ob sie eine wie auch immer geartete Nützlichkeit, ja sogar „Nutzbarkeit“ ihrer Arbeiten im wörtlichen Sinne „in Kauf nehmen“ wollen oder nicht.

Nun öffnen wir jetzt schon mal den Verkaufskatalog, bitte eintreten, hereinspaziert, kommen Sie ruhig näher, die Preisliste liegt im „Geschäftsraum“ aus.

Das im Stundentakt überholte Wissen der Welt zum Be-Sitzen:

Jens Lehmann, Stuhl Modell Brockhaus in 15 Bänden (2011)

Der absolute Luxus für Millionärsvillen – jedem Buch (auch dem modischen Zweit- und Drittbuch) sein eigenes Regal vor passender Tapete:

Heiko Karn, Buchschuber Moderne Welt (2011); Herbert Warmuth, Tapete Modell Kopf (2011) © VG Bild-Kunst, Bonn

Eine (in jeder Weise Geist und Sinne erhellende) Abendbeleuchtung; ein Teppich der besonderen Art (eine unglaublich schöne Arbeit):

Oliver Tüchsen, Stehlampe (2011); Heike Weber, Teppich Modell Barocko; Margit Seiler, Schuhregal Modell Käse, Schuhe klein/gross (2011)

Zum erfolgreicheren Fummeln den Tisch beiseite schieben und die AIDS-Handschuhe in der Rückenlehne verdrängen:

Andreas Gundermann, Fummelsofa; Andreas Exner, Tisch (1992) © VG Bild-Kunst, Bonn

Das ist wahrlich King-Size! Liebe Hotels, nehmt es Euch zum Massstab:

Jens Lehmann, Bett Modell Sol LeWitt (2011); Dogan Dogan, Tagesdecke Los Angeles

Passend zum Bett, wir kennen wirklich niemanden, der im Falle der Herausforderung diesem verführerischen Negligé widerstehen könnte:

Slavna Martinovic, Skulls and Bones Bolero (2009), Wings of Desire Leggings (2011)

Erlaubt den neugierigen Blick auf das bunte Multi-Kulti-Treiben der Kaiserpassage:

Charlotte Malcolm-Smith, Gardine

Schlecht zum Einschlafen, gut für Albträume jedweder Art:

Thomas Hartmann, Deckenleuchte (2011)

Ausser den genannten beteiligen sich folgende Künstlerinnen und Künstler an der Ausstellung:

Ulrich Becker, Heike Döscher, Thomas Erdelmeier, Tamara Grcic, Florian Jenett, Thomas Kilpper, Michel Klöfkorn, Erika Krause, Jan Lotter, Carsten Tabel und Thomas Werner.

Kommen – Sehen – Kaufen: MÖBEL KAISER, Kaiserstrasse/Kaiserpassage, bis 13. November 2011

(abgebildete Werke © jeweilige Künstler;
Fotos der Ausstellungsansichten: FeuilletonFrankfurt)

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