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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Archiv für Dezember, 2010

Barbara Kruger: „Circus“ in der SCHIRN Kunsthalle

Freitag, 31. Dezember 2010

Eine Lesebrille werden Sie, verehrtes Publikum, nicht benötigen, wenn Sie sich in die Rotunde der SCHIRN Kunsthalle in Frankfurt am Main begeben, denn die Buchstaben, die dort auf Sie zur Lektüre warten, sind übermannsgross. Und dennoch wird es Ihnen eine nicht geringe Anstrengung abverlangen, die Bild-Texte beziehungsweise Text-Bilder visuell aufzunehmen und in einen Sinnzusammenhang zu fügen.

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Else Lasker-Schüler: „Die Bilder“. Ausstellung im Jüdischen Museum Frankfurt am Main

Mittwoch, 29. Dezember 2010

Else Lasker-Schüler – Dichterin, Zeichnerin, Malerin

Text: Renate Feyerbacher

Bewundert und umstritten ist Else Lasker-Schüler, die 1869 in Elberfeld (heute Wuppertal) zur Welt kam und 1945 in Jerusalem starb. „Die grösste Lyrikerin, die Deutschland je hatte“, so pries der Dichter und Arzt, der Freund Gottfried Benn (1886 bis 1956 ) sie nach dem 2. Weltkrieg. Ihn hatte sie 1912 kennen gelernt.

Die Lyrik, die sie ab 1899 bis 1943 schrieb, ist von fantasievoller Poesie. Die Sprache und die Gedanken, Höhepunkte des deutschen Expressionismus bereits vor seinem Durchbruch, sind eigenwillig, subjektiv, sprachschöpferisch.

Ein Lied

Hinter meinen Augen stehen Wasser,
Die muss ich alle weinen.
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Kein „Tod in Venedig“: Christoph Schlingensiefs Werk im Deutschen Pavillon zur Biennale 2011

Dienstag, 28. Dezember 2010

„Das Wichtigste ist, nicht nur ich liebe das, was ich mir erträumt habe.“

Christoph Schlingensief

Auch nach dem Tod von Christoph Schlingensief am 21. August dieses Jahres wird MMK-Direktorin Susanne Gaensheimer, Kommissarin des Deutschen Pavillons der 54. Biennale von Venedig 2011, dessen Arbeit in der Lagunenstadt präsentieren.

„Wie bereits im Rahmen der Veröffentlichung meiner Einladung an Christoph Schlingensief im Mai diesen Jahres gesagt, war mein Ausgangspunkt die Überlegung, einen Künstler meiner Generation anzusprechen, der schon lange – und im Falle von Christoph Schlingensief sind das fast 30 Jahre – und in repräsentativer Weise Kunst macht, die die künstlerischen, gesellschaftlichen und politischen Fragestellungen der letzten Jahrzehnte der wiedervereinigten Bundesrepublik nicht nur begleitet, sondern massgeblich mitbestimmt hat. Christoph Schlingensief war einer der ganz bedeutenden Künstler dieses Landes, der immer vollkommen rückhaltlos, auch sich selbst gegenüber, seine Position geäussert und behauptet hat, in aller Deutlichkeit und Direktheit, die notwendig ist, um Zustände effektiv zu kommentieren. An dieser Einschätzung“, so Susanne Gaensheimer, „hat sich auch nach Christoph Schlingensiefs tragischem Tod nichts geändert“.

Und weiter: „Ein Projekt von Christoph Schlingensief ist ohne Christoph Schlingensief nicht zu realisieren. Fast ein Jahr vor der Biennale waren natürlich noch Fragen offen, und wer weiss, wie Schlingensief gearbeitet hat, der weiss auch, dass bis zur Eröffnung noch viele Veränderungen stattgefunden hätten. Seine Person kann niemand ersetzen, ohne ihn ist es unmöglich, das Angedachte zu Ende zu führen. Wir werden seine Pläne und Ideen jedoch über verschiedene Medien dokumentieren.“

Christoph Schlingensief; Museum für Moderne Kunst, Foto: © Perfect Shot Films GmbH Weiterlesen

„Metanoia – über das Denken hinaus“

Montag, 27. Dezember 2010

Opernprojekt von Jens Joneleit an der Berliner Staatsoper –
Christoph Schlingensiefs letzte Arbeit

Ich kann heulen, solange es Menschen gibt“

Betrachtungen von Renate Feyerbacher

Vorspann: Die Staatsoper unter den Linden hat mit Beginn dieser Spielzeit ein Ausweichquartier bezogen. Es ist das Schiller-Theater, das legendäre Schauspielhaus, an dem Regisseure wie Gustaf Gründgens, Fritz Kortner, Peter Zadek, George Tabori und Hans Neuenfels unvergessliche Theaterabende schufen. Hier spielten Bernhard Minetti, Sabine Sinjen, Katharina Thalbach und viele andere Schauspielgrössen. Protest gab es, als der Senat die grösste deutsche Sprechbühne aus finanziellen Gründen schliessen liess. Das war vor 17 Jahren. Derzeit gibt es den Protest und Kampf beim Deutschen Theater in Hamburg. Drei Jahre lang wird sich die Staatsoper nun im Schiller-Theater einrichten müssen. Der schöne Bau hat sich aber schon bewährt.

Metanoia“ – ein Schlingensief-Projekt über mehr als zwei Jahre

An einem Tag im Januar 2008 bekommt Christoph Schlingensief die erste Diagnose: Lungenkrebs. Zufällig trifft er noch am gleichen Tag Daniel Barenboim, den Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper. Ihm erzählt er als einem der Ersten von seiner Krankheit. Der Dirigent hatte dem jungen Komponisten Jens Joneleit einen Kompositionsauftrag gegeben. Aber bisher fehlt das Libretto, und Barenboim versucht in diesem intimen Gespräch, Schlingensief für diese Arbeit zu gewinnen. Dieser sagt nach einigem Zögern auch zu und entscheidet sich für Friedrich Nietzsches Text „Die Geburt der Tragödie aus dem Geist der Musik“. Seine Krankheit macht das Schreiben eines Librettos unmöglich. Sein Freund, der 1962 im hessischen Friedberg geborene Dramatiker René Pollesch, schafft die Grundlage für ein Libretto: „Ich habe dann die ersten zwanzig Seiten von dem Nietzsche mit Texten von mir beballert, ohne aber beim Nietzsche etwas zu streichen.“ Das Libretto schreiben schliesslich Jens Joneleit und Jens Schroth. Kein leichtes Unterfangen.

Christoph Schlingensief am 5. Oktober 2009 im Schauspiel Frankfurt; Foto: © Renate Feyerbacher Weiterlesen

Weihnachten 2010

Samstag, 25. Dezember 2010

Jesus Christus als Guter Hirte, Wandmalerei, um etwa 250, Domitilla-Katakomben, Rom; Bildnachweis: wikimedia commons/campus.belmont.edu/honors/catacombs/catacombs.htm

Rund 1000 Jahre älter als die älteste Darstellung in unserem Frankfurter Adventskalender mit Meisterwerken des Städel Museums ist diese Wandmalerei im Coemeterium der Domitilla-Katakomben, Rom, genauer gesagt in der dortigen sogenannten Krypta der Bäcker. Zu den ältesten frühchristlichen Darstellungen zählt das Motiv des Jesus als Guter Hirte, inmitten einer Schafherde, ein Lamm um den Hals über die Schultern gelegt, dessen Beine er mit der Rechten umklammert, in der Linken hält er den Hirtenstab, hier in der vorliegenden Malerei auf einer leichten Anhöhe stehend, so dass die Schafe zu ihm aufblicken, umgeben von Symbolen der vier Jahreszeiten. Weiterlesen