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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Archive for Juli, 2010

Bosheiten / 9

Mittwoch, 21. Juli 2010

Computer helfen uns, Probleme zu lösen,

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die wir ohne sie gar nicht hätten.

Urlaubsberatung für Stenkelfelder

Dienstag, 20. Juli 2010

Urlaubszeit – die “Traum”ziele sind bereits ausgebucht. Wohl dem, der zuvor die Kataloge der Touristikindustrie richtig zu lesen wusste! Wer sich erst jetzt an diese harte Lektüre-Kost heranmacht, sollte sich zunächst beraten lassen (anklicken), sonst könnten ihm “Traum”strände wie dieser begegnen …

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(Audionachweis: ndr2 / Foto: Günter Havlena;pixelio.de)

“The Frankfurt Selection”: Dirk Baumanns, Uwe Groß und Natalie Vu in der Galerie Planet Vivid

Montag, 19. Juli 2010

Da sind wir mal wieder bei einem alten Thema: dem Verhältnis nämlich zwischen den scheints ewigen Antagonisten Frankfurt und Offenbach, Gegenstand mal mehr, mal weniger gelungener Witze. Heuer haben wir insoweit rundherum Neues wie Gutes zu vermelden:

“The Frankfurt Selection” betitelt “Planet Vivid”-Galeristin Helen Hofmann ihre neueste Ausstellung mit Arbeiten von Dirk Baumanns, Uwe Groß und Natalie Vu. Aber: Groß und Vu studierten – und Baumanns, der jüngste unter ihnen, studiert noch – an der Offenbacher Hochschule für Gestaltung (HfG). Jedoch setzten Groß und Vu anschliessend ihr Studium an der Staatlichen Hochschule für bildende Künste, der Frankfurter Städelschule, fort, Groß als Meisterschüler von Jörg Immendorf, Vu als Meisterschülerin von Christa Näher.

Was angesichts solcher “Grenzüberschreitungen” aktuell bei Planet Vivid herauskam, kann sich weit über das Rhein-Main-Gebiet hinaus sehen lassen: eine eindrucksvolle Werk- und Leistungsschau dreier hochbegabter Künstlerinnen und Künstler aus der Region, in einer überaus gelungenen Zusammenstellung und überzeugenden Präsentationsdramaturgie von Gegensätzlichem wie einander Ergänzendem.

Uwe Groß , 1963 in Frankfurt am Main geboren, der sicherlich derzeit Arrivierteste dieses künstlerischen Dreigestirns, studierte zunächst von 1981 bis 1984 an der HfG Industriedesign und von 1989 bis 1995 Freie Malerei an der Städelschule bei Jörg Immendorff, dessen Erster Meisterschüler er 1995 wurde. Seit 2003 lehrt er als Dozent an der Freien Kunstakademie Hohenaschau. Groß stellte vielfach im In- und Ausland aus, eine Anzahl seiner Arbeiten befindet sich in öffentlichen und privaten Sammlungen.

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Serpentina in Dresden I, 2005, 42 x 59 cm, Kreide auf Papier

In seinen narrativen Arbeiten rekurriert Groß auf Themen aus der Literatur, die er mit Aspekten und Personen aus seinem eigenen Leben als Künstler verbindet. Auf diese Weise verfuhr er bereits mit dem Märchen vom “Goldenen Topf” von E. T. A. Hoffmann oder dem Lustspiel “Der zerbrochene Krug” von Heinrich von Kleist. Der jetzt bei Planet Vivid ausgestellten, zehn Arbeiten im Format 42 mal 59 cm umfassenden Serie liegt “Affe und Wesen. Ein Roman aus der Zeit nach dem Atomkrieg” von Aldous Huxley zugrunde. Obwohl es sich bei dem Zyklus “lediglich” um in Kreide ausgeführte Vorskizzen zu einer wohl wieder grossformatigen Ölmalerei handelt, die sich in Arbeit befindet, stellt er bereits ein eigenständiges, in sich geschlossenes erzählerisches Werk dar.

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Einführung, 2010, 42 x 59 cm, Kreide, Pastell auf Papier

Groß hat längst, inspiriert von seinem verehrten Lehrer und “Meister” Jörg Immendorff, in seinen wie erwähnt zumeist grossformatigen Arbeiten eine spezifische allegorische Bildsprache voll Symbolik und von besonderer Sinnlichkeit entwickelt.

“Durch die stückartig zusammengefügten Hintergründe und Farbkontraste erhält seine Malerei”, schreibt Helen Hofmann, “eine enorme Präsenz, der man sich als Betrachter nur schwer entziehen kann.”

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Gleich Mittendrin, 2010, 42 x 59 cm, Kreide auf Papier

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Ausstellungsansicht (Foto: FeuilletonFrankfurt)

Natalie Vu, 1974 in Bochum geboren, studierte nach einer Ausbildung an der Frankfurter Schule für Bekleidung und Mode sowie zahlreichen Auslandsaufenthalten von 2002  bis 2007 an der HfG Malerei, Freies Zeichnen und Illustration; 2007 legte sie ihr Vordiplom im Fach Freie Gestaltung ab. Von 2007 bis 2009 setzte sie ihr Studium an der Städelschule fort mit dem Abschluss als Meisterschülerin von Professor Christa Näher.

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Ausstellungsansicht, im Zentrum: Word in a Straight Jacket, 2010, 100 x 128 cm, verschiedene Textilien, Textilfarbe, Acryl, Garn, Ölpastelle (Foto: FeuilletonFrankfurt)

“Man möchte immer wieder Beweise dafür, dass man da gewesen ist. Auf unserem Weg sammeln wir Andenken wie Fotos, Dokumente, Videos usw. Kleine Erinnerungen für das, was gewesen ist und erlebt wurde. Beweise dafür, dass wir da waren. Das, was sofort abrufbar ist, sind die intensiven Zeiten. Das Gefühl des Glücks vergeht schnell, die Leichtigkeit ist so leicht, dass man sie kaum halten kann. Harmonische Zeit wird genossen, man zählt nicht die Minuten, wenn es einem gut geht. Aber man zählt jede Sekunde des Leidens. Ich beschäftige mich hauptsächlich mit den schwierigen Zeiten des Lebens. Mich haben sie mehr geprägt als alles andere”, erzählt Natalie Vu.

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Word in a Straight Jacket (Detail)

Einem Tagebuch vergleichbar, mit genauen Zeitangaben versehen hält die Künstlerin in “Word in a Straight Jacket” Erlebnisse, Wahrnehmungen und Befindlichkeiten fest. Das “Jacket” mag für ein Umgebendes, ein Um- und Verhüllendes stehen: Leben und Spielen, Drängen und Warten, Handeln und Verweilen, Blut und Krankheit, Versuchen, Verschwenden und am Ende Vergeblichkeit.

“The End” markiert ein von falschem Grün umgebenes Reihendoppelhaus, die menschenleere Terrasse durch ein Spaliergitter aus dem Baumarkt geteilt, diesseits eine Hollywood-Schaukel, jenseits ein Gartenkamin, Metaphern obligatorischer wie sinnentleerter Freizeitgestaltung. In Fingerabdrücken dokumentiert sie – auf eindringliche, fast bedrängende Weise – Anwesenheit, Individualität und Existenz. Fake und Fade, Schein und Vergänglichkeit, werden als Bedrohungen wahrgenommen.

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Fak ‘n’ Fade, 2010, 39,5 x 50,5 cm, Textilfarbe, Acryl, Garn

In ihren Arbeiten näht Natalie Vu Motive, Symbole und Worte, die sie, Collagen vergleichbar, zusammenfügt. “Das Nähen ist eine meditative Arbeit”, sagt sie, “die viel Zeit in Anspruch nimmt. Zeit, in der ich die gesammelten Stücke, in Gedanken, wie ein Puzzle zusammenfüge.”

In Ketten gefesselte Hände, die einander suchen, ergreifen, die geben und empfangen wollen – Ausdruck von Sehnsucht nach einer anderen, besseren Gesellschaft.

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O.T., 2010, 45,5 x 55,5 cm, Textilfarbe, Acryl, Garn

Dirk Baumanns, 1980 in Offenbach geboren, nahm 2003 das Studium (Malerei, Freies Zeichnen und Performance) an der HfG auf. 2007 legte er das Vordiplom ab, 2008 war er Preisträger des EVO-Kunstwettbewerbs “Künstler der Region” und 2009 Stipendiat der Johannes Mosbach-Stiftung. Seit 2006 stellte er in Frankfurt am Main und Offenbach sowie in Berlin, Rom, Salzburg und Zadar aus; daneben zeigte er in Frankfurt und Offenbach Performances. Baumanns lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.

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Burnout, 2010, 168,5 x 135 x 5 cm, Öl auf Leinwand

Baumanns jetzt bei Planet Vivid gezeigte, abstrakte wie auch in Ansätzen figurative, stets expressive Arbeiten erscheinen dreidimensional und muten in manchem skulptural an: Er trägt die oft lebhaft wirkenden, leuchtenden, mitunter grellen Ölfarben pastos in dicken und verschiedenfarbigen Schichten auf die Leinwand auf, die er anschliessend durch Auskratzen bearbeitet, wobei er die Schichten wieder freilegt. Manche seiner Arbeiten lesen sich, Atlanten ähnlich, wie aus grösserer Höhe aufgenommene topografische Darstellungen mit Gebirgen, Ebenen und Meeren. Meistens jedoch stehen der Mensch und seine Umwelt, die Natur in ihrer Bedrohtheit im Mittelpunkt.

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Bound together, 2009, 45,2 x 37,7 x 2,5 cm, Öl auf Leinwand

Baumanns “gekratzte ” Arbeiten wirken energetisch aufgeladen, mitunter explosiv. “Das ‘Kratzen’ “, schreibt Helen Hofmann, “ist ein Synonym für den zunehmenden Stress und psychische Überbelastung in der heutigen Gesellschaft. Bei Tieren als auch beim Menschen kann es geschehen, dass dieser emotionale Überdruck zu Selbstverletzungen durch Kratzen führt. Dirk Baumanns überträgt diese psychische und emotionale Energie auf das Medium der Malerei.”

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Peng, 2010, 45,5 x 42,3 x 2,5 cm, Öl auf Leinwand

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Vernissage: Natalie Vu, Dirk Baumanns, Galeristin Helen Hofmann und Uwe Groß (Foto: FeuilletonFrankfurt)

Galerie Planet Vivid, Frankfurt am Main, bis 31. August 2010

(Abbildungen, soweit nicht anders bezeichnet, Galerie Planet Vivid; abgebildete Werke © die Künstlerin bzw. Künstler)

Bosheiten / 8

Donnerstag, 15. Juli 2010

Manch einer fasst sich an den Kopf und greift ins Leere.

(Autor unbekannt)

Rainer Sturm

(Foto: Rainer Sturm /pixelio.de)

Hochschule für Gestaltung Offenbach: Rundgang 2010

Montag, 12. Juli 2010

Zweieinhalb Tage nur, vom 9. bis 11. Juli 2010, waren beim diesjährigen Rundgang neuere Arbeiten von Studierenden der Hochschule für Gestaltung Offenbach (HfG) zu sehen, leider viel zu kurz angesichts der Vielzahl und Vielgestaltigkeit des Gebotenen. Neben dem Hauptgebäude der HfG einschliesslich des Westflügels waren dieses Jahr das Isenburger Schloss, der benachbarte Gemeindesaal, die Ölhalle am Hafen sowie erstmals die vierte Ebene des Einkaufszentrums KOMM am Aliceplatz anzusteuern.

Ähnlich wie im letzten Jahr greifen wir wieder – in einer subjektiven Auswahl – aus dem breiten Spektrum einige Arbeiten aus den Bereichen Malerei, Bildhauerei, Experimentelle Raumkonzepte sowie Bühnenbild und Kostümentwurf heraus.

Wir möchten die gezeigten Werke unkommentiert lassen, weil sie jeweils Raum für individuelle Assoziationen und Reflexionen eröffnen sollen und sie in ihrem künstlerischen Ausdruck für sich selbst sprechen.

Zwei Künstlerinnen möchten wir jedoch besonders hervorheben: An den Anfang stellen wir einen Auszug aus einem Zyklus der Malerin Lisa Klinger, der in seiner poesivollen malerischen Erzählung unsere besondere Aufmerksamkeit und Zuwendung gefunden hat. Und am Schluss unserer Bilddokumentation beleuchten wir ausführlicher eine Arbeit von Laura Jil Fugger, die sich nicht zuletzt humorvoll-ironisch wie intellektuell mit der Ausbau- und Ausstellungssituation der – noch leerstehenden – oberen Etage des Offenbacher Einkaufszentrums KOMM auseinandersetzt.

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Lisa Klinger, Serie  “Vom Menschen, der das Schöne erst zu schätzen weiss, wenn er es verliert” (Auszug), 2010; Bereich Malerei, Professor Adam Jankowski

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Lilly Lulay, “Waffenset”, Burda Schnittmuster, Plexiglas, Holz, Stoff, Farbe; Bereich Bildhauerei, Professor Wolfgang Luy

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Sulamith Bereiter, “Klaus hat die Bahn verpasst”, “Sichselbstanschauen”, “Papa Christos”, alle Werke 2010; Bereich Malerei, Professor Adam Jankowski

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Kosta Tsobanidis, “Die Wahl”, 2010; Bereich Malerei, Professor Adam Jankowski

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Elvira Chevalier, “ohne Titel”, Styropor, Wachs; Bereich Bildhauerei, Professor Wolfgang Luy /Georg Hüter

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Laura Baginski, “Gips”; Bereich Bildhauerei, Professor Wolfgang Luy /Georg Hüter

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Alexia Garriga, “Leibniz caseras”; Bereich Experimentelle Raumkonzepte, Professor Heiner Blum

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Dirk Baumanns, “Digitale Verdrängung”, 2009 (Totale und Detail); Bereich Malerei, Professor Adam Jankowski

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Jeannine Fernandez, “Sytem Familie” (Auszug); Bereich Experimentelle Raumkonzepte, Professor Heiner Blum

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beide Arbeiten: Prae Pupiyastaporn, “o. T.”, 2010; Bereich Malerei, Professor Adam Jankowski

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Christoph Becker, “o. T.”; Bereich Bildhauerei, Professor Wolfgang Luy

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Laura Jil Fugger, “gedenkemein” (Totale und Details); Bereich Bühnenbild und Kostümentwurf, Professor rosalie

(abgebildete Werke © jeweilige Künstler;
Fotos: FeuilletonFrankfurt)