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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Archiv für Mai, 2010

Reichlich schräg in der Frankfurter Westend Galerie: Italienische Architekturen von Siegbert Jatzko

Sonntag, 30. Mai 2010

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Ricordo di Fivizzano (Massa Carrara), 2009, 52,4 x 72,5 cm

Hat hier gerade ein Erdbeben die Horizontale verrückt? Oder hat sich bei uns nach dem Genuss einer Flasche bestem Brunello di Montalcino nebst zwei, drei Grappe di Moscato d’Asti die Optik etwas verschoben?

Nein, wir stehen in der Frankfurter Westend Galerie, kerzengerade und auf sicherem Boden vor den Zeichnungen von Siegbert Jatzko. Was wären denn, Hand auf’s Herz, diese Zeichnungen, wenn sie der Künstler der strengen Renaissance-Perspektive unterworfen hätte? Nett, aber nicht aufregend. Und was ist eines ihrer Geheimnisse, der Geheimnisse ihres Erfolgs? Ihre wundervolle perspektivische Verzeichnung, die ihnen – obgleich oder gerade weil die Szenerien menschenleer sind – eine besondere Art von Leben einhaucht. Die Baulichkeiten gewinnen eine eigene Dynamik, sie setzen sich gewissermassen in Bewegung und es scheint, als wollten sie auf uns zukommen. Weiterlesen

Christiana Protto

Donnerstag, 27. Mai 2010

Home Abroad – zu Hause in der Welt?
Christiana Protto,
das Wanderatelier und die Lebensreise

Kunst sei eine Vermittlerin des Unaussprechlichen, darum scheine es eine Torheit, sie wieder durch Worte vermitteln zu wollen, schrieb Johann Wolfgang Goethe. Ja, er hat recht. Aber ein paar Gedanken über ein hochinteressantes Œuvre einer bemerkenswerten wie begabten Künstlerin wollen wir dennoch Raum geben. Angesichts der Breite dieses Werkes müssen wir fokussieren: auf ihre Installationen, unter Verzicht auf vieles andere Wichtige, beispielsweise auf ihre fotografischen Arbeiten, auf ihre künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema Schlachtung und Fleisch oder auf ihre Tapetenarbeiten, die es zum Einzug in das Deutsche Tapetenmuseum in Kassel gebracht haben.

Wir glauben dabei nicht, dass sich die Künstlerin, entgegen dem Duktus mancher Rezension, wie er sich uns erschliesst, vorwiegend mit ihrer eigenen Nabelschau befasst, sondern dass sie uns, dem betrachtenden Publikum, etwas mitzuteilen hat, schlage oben nach bei Goethe, wenn wir ihn denn recht verstehen.

Geboren in Grossbritannien, Studium in Florenz und Paris, Atelierstipendium in London, Preise und Lehraufträge in Turin und Rom, halbjähriger Arbeitsaufenthalt in China: „Home Abroad“?

„Home Abroad“ lautet der Titel einer Werkreihe, die Christiana Protto in Zusammenarbeit mit Künstlerinnen und Künstlern aus dem europäischen Ausland begründet hat. Und noch etwas Besonderes hat sie aufgegriffen und für ihre eigene künstlerische Zeit- und Lebensreise weiterentwickelt: das schon aus dem Altertum bekannte „Wanderatelier“. „Mit dem ‚Wanderatelier‘ „, schreibt Protto, „begebe ich mich in unterschiedliche Situationen und entwickle aus der Begegnung mit dem Ort und den Personen die Heimstatt einer fiktiven Bewohnerin auf Durchreise“. Im Kern ist damit bereits alles gesagt.

Wo sie zu Hause im Sinne von Heimat sei, so fragten wir. Als konkreter Ort sei es inzwischen schon Frankfurt am Main, antwortet sie, doch könne sich das nach Kontext und Ebene ändern.

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o. T., 2003, anlässlich HautNahOst, Frankfurt am Main, Video-Projektion im Aussenraum, 60′ Loop, Videoaufnahme einer vom Wind bewegten Installation aus Tüchern Weiterlesen

Passionsspielzeit in Oberammergau / 2

Montag, 24. Mai 2010

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Skulptur gegenüber dem Passionsspielhaus Oberammergau

Wolfgang van Elst, 1962 in Unterammergau geboren, Holzbildhauer, Studium der Bildhauerei an der Akademie der Bildenen Künste München, Meisterschüler von Professor Hubertus von Pilgrim; Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen in Agatharied, Bad Soden, Dorsten, Freising, Garmisch-Partenkirchen, Kaufbeuren, München, Murnau, Nürnberg, Paris, Recklinghausen, Zürich.

(Abbildungen © Wolfgang van Elst; Fotos: FeuilletonFrankfurt)

Passionsspielzeit in Oberammergau / 1

Sonntag, 23. Mai 2010

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Skulptur gegenüber dem Passionsspielhaus Oberammergau

Barbara Lampe, geboren 1949 in Oberammergau, Töpfermeisterin; Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen in Frechen, Garmisch-Partenkirchen, Hannover, Höhr-Grenzhausen, Ludwigshafen, Moskau, München, Neuburg, Oberammergau, Rödental/Coburg, Schongau, Traisen, Veste Coburg.

(Abbildungen © Barbara Lampe; Fotos: FeuilletonFrankfurt)

Passionsspiele 2010 in Oberammergau

Donnerstag, 20. Mai 2010

Samstag, 15. Mai 2010, 14.30 Uhr: Premiere der Passionsspiele in Oberammergau, alle zehn Jahre nur finden sie statt. Bis knapp 23 Uhr dauert die Aufführung, unterbrochen von einer dreistündigen Pause. Oberammergau toppt darin Bayreuth!

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Das Passionsspielhaus in Oberammergau (Foto: FeuilletonFrankfurt)

Es regnet ununterbrochen an diesem nebelverhangenen Tag, die Temparatur liegt bei etwa 6 Grad, es sind gefühlte 2 bis 3 Grad Celsius. Das 4700 Sitze umfassende Passionsspieltheater ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Wir sitzen ganz vorn, Reihe 6, nahe der zwar grossenteils planenüberspannten, aber dennoch zugigen 70 Meter breiten Freiluftbühne. Die Kälte dringt weit in den Zuschauerraum ein. Wir wurden vorgewarnt und sind deshalb in einen Pullover, zwei Strickjacken und einen Wintermantel eingehüllt. An den Eingängen werden Vliesdecken ausgegeben – wir nehmen gerne eine, um sie um die Beine zu schlingen – in leuchtendem Rot. (Eventuelle Souvenirsammler haben da nach Vorstellungsende „schlechte Karten“.) Weiterlesen