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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Archive for April, 2010

Land und Stadt, Licht und Schatten: Franziskus Wendels im Frankfurter Dommuseum

Donnerstag, 15. April 2010

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“Landflucht” betitelt Franziskus Wendels seine Installation im Quadrium des Dommuseums, ein Beitrag im Rahmen der Frankfurter “Luminale”. Wir könnten ebenso gut sagen, wo Licht ist, ist auch Schatten, oder – optimistischer – wo Schatten ist, muss auch Licht sein.

Deutlich wird dies im Wechsel zwischen Licht und Dunkelheit im Quadrium: Wendels inszeniert eine Umzugssituation vom Land in die Stadt, mit Umzugskisten und Koffern, Krimskrams und allerlei Sammelsurium. In diese Gegenstände arbeitet er kleine, bei Beleuchtung kaum sichtbare transparente “Fenster” sowie eine Innenbeleuchtung ein. Werden die Scheinwerfer im Quadrium abgeschaltet, erscheint in der Dunkelheit eine Art Stadtlandschaft, die an die Frankfurter Innenstadt erinnern lässt.

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Die Installation steht zugleich für die Ambivalenz des Land- und des Stadtlebens, die Sehnsucht nach der Stadt wie auch die Rückbesinnung auf ländliche Lebensformen.

“Bei Licht besehen hält die Stadt”, schreibt Museumsdirektor Professor August Heuser, “wie so oft nicht das, was sie in der Dunkelheit verspricht. Aber auch umgekehrt gilt: Die Dunkelheit verdeckt manchmal gnädig den Müll der Stadt und ihre Hässlichkeiten”.

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Franziskus Wendels, 1960 in Daun geboren, studierte zunächst in Mainz Bildende Kunst und Theologie und anschliessend in Montpellier an der École des Beaux Arts. Nach seinem Examen in den genannten Fächern schloss Wendels von 1990 bis 1996 in Berlin ein Studium der Philosophie und Kunstgeschichte an. Nach Dozententätigkeit in Wiesbaden und Mainz wurde er 2006 Dozent für Malerei an der Alanus Hochschule in Alfter.

Sein Schaffen umfasst über Malerei und Zeichnen hinaus Installationen, Animationen und Videoarbeiten. Wendels erhielt zahlreiche Preise und Stipendien und stellte vielfach im In- und Ausland aus. Der Künstler lebt und arbeitet in Köln und Daun.

(Installation © Franziskus Wendels; Fotos: FeuilletonFrankfurt)


Weisheiten / 58

Dienstag, 13. April 2010

Die besten Entdeckungsreisen macht man nicht in fremden Ländern, sondern indem man die Welt mit neuen Augen betrachtet.

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Marcel Proust (1871 bis 1922), Schriftsteller, Kritiker

Jazzlegende Emil Mangelsdorff zum 85. Geburtstag

Sonntag, 11. April 2010

Ein Frankfurter Juwel –
Jazzlegende Emil Mangelsdorff wird 85 Jahre

Text und Fotografien: Renate Feyerbacher

“Emil Mangelsdorff zählt zu den profiliertesten, vielseitigsten Solisten und Komponisten des deutschen Jazz“, so steht es im Jazzlexikon von Martin Kunzler, das 1988 veröffentlicht wurde. Und für das Fachmagazin Jazzpodium zählte er bereits in den 1950er Jahren “ohne Zweifel zu den wichtigsten Altsaxophonisten Europas”. An dieser Wertschätzung hat sich nichts geändert. Wer Emil Mangelsdorff vor drei Wochen in der Alten Oper Frankfurt bei der Feier zum 80. Geburtstag des internationalen Konzertveranstalters Fritz Rau gehört hat, fand diese Aussage bestätigt. Das Publikum hat einen Jazzer auf dem Höhepunkt seiner Karriere erlebt. Es wollte ihn nicht von der Bühne gehen lassen. Sein Feuer brennt nach wie vor.

“Seine feinziselierten Linien, getragen von einem grossen, klaren Alto-Ton, erweisen ihn als souveränen Musiker, der die gesamte Tradition, vor allem Cool-Einflüsse, mit Blues-Gefühl und Sophistication zu einer musikalisch schlüssigen Synthese zu bringen versteht”, schreibt Kunzler in seinem Jazzlexikon.

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Emil Mangelsdorff am 3. März 2010

Emil Mangelsdorff, der am 11. April 1925 in Frankfurt geboren wurde, ist ein Multitalent. Er spielt nicht nur meisterhaft Alt- und Tenorsaxophon, sondern auch Flöte und Klarinette. Zunächst aber hatte er mit dem Akkordeonspiel begonnen.

In Opposition zum NS-Regime

1939 gründeten Jugendliche den Hot Club Höchst, um Jazz-Platten zu hören. Diese “Negermusik” durfte damals nicht gespielt werden. Nach Kriegsbeginn trat Emil Mangelsdorff zusammen mit dem Trompeter Carlo Bohländer (1919 bis 2004) und dem Pianisten Hans Otto Jung (1920 bis 2009) als local heroes der Swingszene erstmals in Erscheinung. “Die eigentliche Keimzelle des Frankfurter Hot Clubs”, nennt sie Jürgen Schwab, Musiker und Autor des Buches “Der Frankfurt Sound”. Der Stadtteil Preungesheim, genauer die Ernst-May-Siedlung, in der Emil und sein jüngerer Bruder Albert (1928 bis 2005) aufwuchsen, wird als Ursprungsort genannt. Dort hörte Emil im Radio Jazzmusik und spielte sie auf dem Akkordeon nach. Er marschierte manchmal über die Gartenwege der May-Siedlung mit seinem Akkordeon, begleitet von einer Kinder- und Jugendschar. 1939 wurde der Musiker Karl Petri auf ihn aufmerksam. Die Beiden gründeten eine Band, die am Wochenende im Frankfurter Hof von Alt-Praunheim jammte. Ihre Bezahlung: Essen und Getränke. Sie boten Jazz, aber auch verjazzte Schlager, zu denen getanzt wurde. Dann zogen die Beiden nach einem generellen Tanzverbot in die innerstädtische Rokoko-Diele. Andere Musiker kamen hinzu. Bald hiess es in der Bevölkerung: “Wir gehen zu Emil”. Dieses mit rotem Plüsch und Spiegeln ausgeschmückte Lokal wurde allerdings von der Gestapo beobachtet. Da diese Herren zunächst aber durch die vorgelagerte Schwarzwaldstube und die “bayerische Bierabteilung” gehen mussten, hinter denen die Rokoko-Diele lag, wurden sie frühzeitig gesichtet. Aus dem gerade gespielten Tiger Rag wurde dann die Tigerjagd im Taunus.

Carlo Bohländer, der so gehungert hatte, dass er aus der Wehrmacht entlassen wurde, kam 1941 zur Gruppe. Seine Kenntnisse der Musiktheorie kamen den jungen Jazz-Autodidakten zugute. Er motivierte Emil, zur Klarinette zu wechseln. Dann kam Bruder Albert dazu. Emil sprach damals Horst Lippmann (1927 bis 1997) an, der später mit Fritz Rau die weltberühmte Konzertagentur Lippmann und Rau gründete. In seinem Elternhaus konnten die jungen Jazzer in einem kleinen Hinterzimmer üben.

Emil war damals noch keine 18 Jahre alt, als er in der Rokoko-Diele auftrat. Eines Tages wurde er von Gestapomann Heinz Baldauf in die Gestapo-Zentrale zitiert. Dieser schickte ihn zuerst zum Friseur und das später immer wieder. Emil durfte weiter spielen, liess sich auch nicht provozieren, als er von ihm geohrfeigt wurde, weil er sich dem “Hitler-Gruss” verweigerte. Er besuchte sogar das Dr. Hoch’sche Konservatorium, weil er Berufsmusiker werden wollte.

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Plakat zur Ausstellung “Entartete Kunst” Frankfurt am Main 1939, Jazzinstitut Darmstadt, aus Jürgen Schwab “Der Frankfurt Sound”

Es dauerte nicht lange, da wurde Emil, der aus einem sozialdemokratischen Elternhaus stammte und bewusst gegen das NS-Regime opponierte, verhaftet. Die Mutter eines Freundes hatte ihn verpfiffen. Das war Ende März 1943. 20 Tage brachte er im Frankfurter Untersuchungsgefängnis in der Hammelgasse zu. Die Eltern wussten nicht, wo ihr Sohn war. Obwohl er bereits ein Engagement als Musiker hatte, wurde er kurze Zeit später zum Reichswehrdienst eingezogen, dann zur Wehrmacht abkommandiert und an die Ostfront geschickt mit einem Schreiben, das ihm “politische Unzuverlässigkeit” bescheinigte. Erst 1949 kehrte er aus russischer Kriegsgefangenschaft nach Frankfurt zurück.

In seinen Gesprächskonzerten “swing tanzen verboten” redet Emil Mangelsdorff über diese Zeit. Sein Anliegen ist es, vor allem Jugendliche über die NS-Terrorherrschaft zu informieren.

Nach dem Krieg

Die Entwicklung des Jazz in Deutschland ist nur mit Emil Mangelsdorff und seinem Bruder Albert zu sehen. Alle Stilarten beherrschte der Ältere. Die Brüder und der Tenorsaxophonist Joki Freund bildeten 1952 die Bläsergruppe der Joe Klimm Combo, die damals mit ihrem coolen Jazz die modernste Jazzband in Deutschland war. Dann jammte Emil im Quintett von Jutta Hipp, später wieder mit dem Bruder zusammen bei der Gruppe Frankfurt All Stars, die 1958 im Jazzensemble des Hessischen Rundfunks aufging. Seit 52 Jahren ist Emil Mangelsdorff dabei mit Tenorsaxophon, Altsaxophon und Flöte. Das Team, zu dem heute auch noch Gründungsmitglied Joki Freund sowie Heinz Sauer, Christof Lauer, Günter Lenz, Ralf Hübner und andere gehören, erhielt 2009 den Hessischen Jazzpreis.

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Emil und Monique Mangelsdorff mit Janusz Stefanski nach einem Konzert im Frankfurter Holzhausenschlösschen 2008

Zeitweilig widmete sich Emil Mangelsdorff Produktionen von “Jazz & Lyrik”, auch vor nicht allzu langer Zeit zusammen mit seiner zweiten Frau Monique Mangelsdorff. Nach dem Tod seiner ersten Frau, der Sängerin Simone Mangelsdorff, hatte er sich über Jahre von der heiss geliebten Musik zurückgezogen. Auch jazzpädagogisch war Emil Mangelsdorff aktiv.

Bereits 1957 wurden die Frankfurt All Stars zum Jazzfestival ins polnische Zoppot geladen – als erste Deutsche in Sachen Kultur. Emil erinnert sich begeistert an die wunderbaren Kontakte der Künstler untereinander trotz des Kalten Krieges.

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Janusz Stefanski auf der Leinwand beim Festkonzert “Fritz Rau 80″

Wie begeistert er von den hervorragenden Musikern Polens ist, zeigt die Tasache, dass er in seinem Emil Mangelsdorff Quartet zwei polnische Miglieder hat: den Schlagzeuger Janusz Maria Stefanski, auch Träger des Hessischen Jazzpreises, und Vitold Rek, den Bassisten und Dozenten an der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst.

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Emil Mangelsdorff und Vitold Rek auf der Leinwand beim Festkonzert “Fritz Rau 80″

Der Rheinländer Thilo Wagner ist der Pianist in diesem Quartett, ein Meister der Jazz-Improvisation, “die er wie nur wenige Pianisten in Europa beherrscht” (Jürgen Schwab).

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Emil Mangelsdorff Quartet beim Festkonzert “Fritz Rau 80″


Musikbeispiel “Blues Forever”
eine Komposition von Emil Mangelsdorff, aus der gleichnamigen CD

mit dem Emil Mangelsdorff Quartet (Special Guest Bert Boeren)
hier anklicken

- alle Rechte bei R+L Records bzw. Bellaphon records -


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L+R (Lippmann und Rau) Records, Vertrieb bellaphon records (Cover-und CD-Foto: Walter H. Pehle, Foto Abbildung Emil und Albert Mangelsdorff 1987: Klaus Mümpfer, aus: Jürgen Schwab “Der Frankfurt Sound”)

Auszeichnungen über Auszeichnungen

Frankfurt am Main verlieh dem engagierten Menschen und faszinierenden Musiker die Johanna-Kirchner-Medaille und die Goethe-Plakette, das Land Hessen die Wilhelm-Leuschner-Medaille und die Goethe Plakette des Landes, der Bundespräsident dekorierte ihn mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Emil Mangelsdorff  ist Träger des Hessischen Jazzpreises (1995). Er ist einer, der diese Auszeichnungen in jeder Weise verdient hat. Auf der Ronneburg wurde er schliesslich zum Ritter des Jazz geschlagen.

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Fritz Rau und Emil Mangelsdorff nach der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes im Hessischen Sozialministerium, Wiesbaden, am 15. September 2008

Erst vor kurzem stellte Emil Mangelsdorff wieder seine Vielseitigkeit unter Beweis. Für den Film des Frankfurter Regisseurs Malte Rauch “Blues March Soldat Jon Hendricks” komponierte er die Filmmusik.

Emil Mangelsdorff und seine Mannen spielen jeden ersten Montag im Monat mit einem Special Guest im Holzhausenschlösschen. Es ist immer brechend voll.

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Emil Mangelsdorff beim Festkonzert “Fritz Rau 80″

Happy Birthday, Emil!

s. a.  Dem Jazzmusiker Emil Mangelsdorff zum 87. Geburtstag

Steuerfahndung in Stenkelfeld

Donnerstag, 8. April 2010

Steuerhinterzieher haben im Bereich des Finanzamts Stenkelfeld schlechte Karten: sie werden gnadenlos verfolgt. Woran die Stenkelfelder Steuerfahndung diese die Gesellschaft schädigende Spezies erkennt, erfahren Sie, wenn Sie auf die Steuerformulare klicken.

(Wollten die Stenkelfelder dieser rücksichtslosen Hatz entgehen, müssten sie sich in eines der zahlreichen Steuer-Hinterzieher-Paradiese begeben, wie dies zigtausend andere auch tun. Sie lebten dann dort auch heute noch bestens behütet und beschützt, wenn nicht gerade mal wieder jemand mit einer dieser CDs vorbeikommt, na ja, Sie wissen schon … )

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(Audionachweis: ndr2; Foto: FeuilletonFrankfurt)

“Das Wesen im Ding” im Frankfurter Kunstverein (3): Egill Sæbjörnsson

Mittwoch, 7. April 2010

“Das Wesen im Ding” im Frankfurter Kunstverein: Wieder einmal betreten wir einen verdunkelten Raum, dieses Mal ist es der grosse Ausstellungssaal im 2. Obergeschoss. Die Augen, soeben noch dem hellen Tageslicht verhaftet, gewöhnen sich nur langsam um. Schemenhaft werden einige Aufbauten sichtbar, deutlicher die Projektionen an den Wänden. Fünf Arbeiten des isländischen Künstlers Egill Sæbjörnsson sind es, die uns dort faszinieren.

Was ist das “Wesen” im “Ding”?

Ein “Ding”: ein Objekt, eine Sache, ein Gegenstand? Das Bild, das wir uns von ihm machen, die Vorstellung, die wir von ihm haben? Wie stehen wir, als Subjekt, dem Ding, als Objekt, gegenüber? Immanuel Kant sprach von dem “Ding an sich” als dem unabhängig vom Subjekt Seienden (Kant: “Es sind uns Dinge als ausser uns befindliche Gegenstände unserer Sinne gegeben, allein von dem, was sie an sich selbst sein mögen, wissen wir nichts, sondern kennen nur ihre Erscheinungen, d. i. die Vorstellungen, die sie in uns wirken, indem sie unsere Sinne affizieren”). Und das “Wesen”? Der Essentialismus unterstellt ein Wesen als wahre Natur, als Identität einer Sache, eines Dings also. Seit alters her bilden Vorstellungen von “Ding” und “Wesen” ein Tummelfeld der Philosophen. Heute erscheint, im Lichte quantenphysikalischer Erkenntnisse und Theorien, von Forschungen mit dem Large Hadron Collider LHC und deren mit Spannung wie auch Spekulationen erwarteten Ergebnissen, vieles von dem lediglich noch der historischen Betrachtung wert.

Wir verstehen die Ausstellung im Frankfurter Kunstverein als eine – exemplarische – Präsentation, wie sich Künstler heute mit Fragen nach einem Wesen im Ding auseinandersetzen. Nach einer – wiederum exemplarischen – Betrachtung der Arbeiten von Nina Canell und Florian Haas schliessen wir mit einer künstlerischen Position von Egill Sæbjörnsson.

Putzeimer, Besen und andere, der Reinigung dienende und damit durchaus banale Gegenstände entfalten in der Installation “Kugeln” ein erstaunliches Eigenleben:

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Kugeln, 2008, Installation mit verschiedenen Objekten, Beamer, Ton, Masse variabel, Ausstellungsansicht, Courtesy Künstler, i8 Gallery Reykjavik und Grusenmeyer Art Gallery, Deurle; Fotos: FeuilletonFrankfurt

Die genannten Gegenstände werden zu einer Art Stillleben arrangiert und einer Videoprojektion aus Filmen und Animationen ausgesetzt, die sie überlagert. Auf der Projektionsfläche an der Wand vermischen sich diese Videoprojektionen mit den Schatten und Durchleuchtungen der angestrahlten, zum Teil transparenten Gegenstände zu einer filmischen Szenerie, in der die Elemente zu einer flächig wie räumlich erscheinenden Bilderwelt fusionieren. Mit der Projektion verändert sich zugleich die Szenerie der real arrangierten – wie ausgeführt teilweise transparenten – Gegenstände. Der Betrachter nimmt somit deren körperlich vorhandene, in ihrer Anschauung sich jedoch stets wandelnde Gegenständlichkeit vor deren projiziertem, wiederum mit der eigentlichen Projektion fusioniertem Abbild auf der Wand wahr.

In ähnlicher Weise verfährt der Künstler in seiner Arbeit “The Silent Maker” mit einem Arrangement von gläsernen und damit hochtransparenten, dieses Mal auf einer sich drehenden Scheibe angeordneten Objekten. In der Durchleuchtung wiederum mittels einer spezifischen Videoprojektion erfahren die rotierenden Glaselemente eine eigentümliche Mutation. Auf der Projektionsfläche an der Wand verschmelzen sie mit dem Video zu einem kosmisch-elementar anmutenden Szenarium, das sich als ein Bildnis ihres Innenlebens lesen lässt, zu einem Ambulatorium nächtlich wandelnder Kometen und Gestirne, zu einem Tanz der Elementarteilchen. Eine Arbeit auch von ausserordentlicher, faszinierender Schönheit und Ästhetik.

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The Silent Maker (Glass Objects), 2009, Glasobjekte, bewegliche Scheibe, DVD, Beamer, Ton, Masse variabel, Ausstellungsansicht, Courtesy Künstler, i8 Gallery Reykjavik und Grusenmeyer Art Gallery, Deurle; Fotos: FeuilletonFrankfurt

In seinen Arrangements “Grey Still Life” II und III baut Sæbjörnsson kleine Bühnen, die einem aufgeklappten Notebook ähneln. Er bestückt sie mit Gegenständen des Alltags – Bällen, Kaffeekannen und Trinkbechern, Schreibpapier, Bilderrahmen und Spielzeugfiguren, Aktenköfferchen, Schalen und Vasen. Auch diese Arrangements bestrahlt er mit Videoprojektionen. Da scheinen Lampen und Lupen die aufgebauten Dinge eingehender untersuchen und ergünden zu wollen. Sie überziehen sie mit grafischen Elementen wie mit Symbolen und Chiffren. Die Dinge auf den Bühnen verändern sich unter den Projektionen, sie erscheinen in neuen Zusammenhängen und wollen sich dem Betrachter auf neue Weise mitteilen.

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Grey Still Life II, 2009, verschiedene Objekte, Videoprojektion, Ton, Masse variabel, Ausstellungsansicht, Courtesy Künstler, i8 Gallery Reykjavik und Grusenmeyer Art Gallery, Deurle; Fotos: FeuilletonFrankfurt

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Grey Still Life III, 2009, verschiedene Objekte, Videoprojektion, Ton, Masse variabel, Ausstellungsansicht, Courtesy Künstler, i8 Gallery Reykjavik und Grusenmeyer Art Gallery, Deurle; Fotos: FeuilletonFrankfurt

Sæbjörnsson untermalt das Geschehen im grossen Ausstellungssaal mit gelegentlichen akustischen Elementen, Tönen, Klängen und Sprachfetzen.

“Brown Paper” betitelt der Künstler eine grossformatige Videoprojektion, die uns in kosmische Welten führt. Aus einem Sternenhimmel fliegen an Meteoriten erinnernde Elemente auf den Betrachter zu, die jedoch alsbald auf rechteckigen Hintergründen – wir denken an Objekttische von Mikroskopen – fixiert werden. Um Untersuchen und Erkennen geht es auch hier. Zumindest um den entsprechenden Versuch.

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Brown Paper, 2010, Papierobjekte, Beamer, Ton, 255 x 455 cm, Courtesy Künstler, i8 Gallery Reykjavik und Grusenmeyer Art Gallery, Deurle; Fotos: FeuilletonFrankfurt

“Der Reiz von Sæbjörnssons Installationen besteht”, so der Frankfurter Kunstverein, “einerseits aus dem synästhetischen Zauber der zum Leben erweckten Stillleben und andererseits aus der Ruhe und Schlichtheit, die die verwendeten Gegenstände ausstrahlen”.

Egill Sæbjörnsson, 1973 in Reykjavik geboren, studierte in den Jahren 1993 bis 1997 am Icelandic College of Arts and Craft in Reykjavik sowie an der Université Paris 8 Vincennes-St. Denis. Der Künstler stellte bislang unter anderem in Gent, London, Reykjavik, Roskilde, Wien und Sydney, in Deutschland in Berlin und in Dresden-Hellerau aus. Sæbjörnsson lebt und arbeitet in Berlin.

(abgebildete Arbeiten © Egill Sæbjörnsson; Fotos: FeuilletonFrankfurt)