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Das Internet-Magazin von Erhard Metz

Archive for Februar, 2010

Eine Reise ins Innere der Mongolei (Folge 2)

Sonntag, 28. Februar 2010

Eine Reise ins Innere der Mongolei (2)

Text und Fotografien: © Ingrid Malhotra

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Und weiter geht es, über Baotou, eine “Kleinstadt”, in der gerade eine überaus wohlgeordnete Demonstration stattfindet,

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und das Lamakloster Wudanshao, das einen sehr tibetischen Eindruck macht,

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zu den Ausläufern der Wüste Gobi, den sogenannten singenden Dünen.

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Hier ist ganz schön was los! Empfangen werden wir, wie meist in Touristenzentren, von Trachtengruppen, die Tänze aufführen und generell exotisch aussehen. Dann geht es per Seilbahn auf die Dünen. Einige von uns – auch ich – müssen mit sanfter Gewalt aus dem Souvenirshop gezerrt werden, weil es dort wunderschöne Kaschmirpullover gibt.

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Jetzt schaukeln wir also über die singenden Dünen – man hört sie zwar, aber nicht singen! Eher Motorgeknatter und Freudengeschrei, denn hier rutschen die Leute mit allem den steilen Sandhang herunter, was man nur für diesen Zweck nutzen kann – mit oder ohne Motor.

Wir hingegen gehen ganz gesittet zu den Kamelen, kriegen jeder eins zugeteilt und sitzen auf. Danach reiten wir zu einer nahegelegenen Oase und fotografieren uns gegenseitig. Ausserdem haben wir Gelegenheit festzustellen, dass Kamele sehr zärtlichkeitsbedürftig sind. Ich streichle meins, und nicht nur kann es gar nicht genug kriegen und verrenkt sich gewaltig für noch mehr Streicheleinheiten, auch die Kamele davor und dahinter rücken heran und wollen etwas abhaben.

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Uns ach so erfahrene Kamelreiter bringt das schon ein wenig in Verlegenheit, aber der Kameltreiber sorgt bald für Ordnung.

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Und danach fahren wir nach Hohhot.

Hohhot? Merkwürdiger Name! Nie gehört! Wo liegt das, und was ist das? Oh, das ist die Hauptstadt des Autonomen Gebietes Innere Mongolei und hat weit über zwei Millionen Einwohner. Hohhot bedeutet “Blaue Stadt” – ich weiss aber nicht warum. Es gibt eine nette kleine Altstadtstrasse mit hochinteressanten Antiquitätenläden und, ja, dann gibt es den Tempel der Fünf Pagoden.

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Sonst hat die Stadt nicht viel zu bieten, höchstens merkwürdige kleine Läden, in denen man erstaunlicherweise hochmodische Kaschmirkleidung kaufen kann, und noch phantastischere Strassenbeleuchtungen, als man sie in China schon gewohnt ist, breite Strassen ohne Verkehr, baulichen Mischmasch,

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aber der Tempel der Fünf Pagoden entschädigt für das alles – sogar für die Lautsprecheranlage auf dem weiten Platz vor dem Hotel, die bis abends martialische Musik durch die Fenster schmetterte. Ein wunderschön harmonisches Bauwerk mit unglaublich feinen Steinmetzarbeiten

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und einer Pergola aus Schlangenkürbissen:

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Darauf sind die Mönche ganz besonders stolz!

Am nächsten Tag geht es weiter. Jetzt kommt das, was ich mir unter der Inneren Mongolei, eigentlich überhaupt unter Mongolei vorgestellt habe. Das Grasland. Hier kann man sich Attila vorstellen und die Reiterhorden des Dschingis Khan. Was sonst soll man hier auch tun als reiten? Eine endlose, leicht gewellte Hochebene voller Gras. Und noch mehr Gras. Gelegentlich wird das Gras unterbrochen von Spuren,

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einem Steinhügel zur Verehrung irgendeines Gottes

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oder einem merkwürdigen Gefährt am Strassenrand.

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Manchmal auch vom Gelben Fluss, einem einsamen Grab oder äusserst spärlichen Resten aus der Anfangszeit der Grossen Mauer.

Und irgendwann kommt das grosse Erlebnis Nummer eins: ein Bauernhof. Früher waren die Mongolen Nomaden und wohnten in Jurten. Das dürfen sie heute nicht mehr. Man hat ihnen bemerkenswert hässliche Betonhäuser hingestellt,

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in denen sie pflichtgemäss leben und ihre Gäste bewirten.

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Daneben stehen noch die Jurten – die dürfen sie während der Saison an Touristen vermieten. Sie sollen bei japanischen Hochzeitspärchen besonders beliebt sein …

Und dann kommt Höhepunkt Nummer zwei: Touristenzentrum, Reiterhof, Gaststätte? Schwer einzuordnen. Jedenfalls wird unser kleiner Bus herzlich begrüsst mit Mongolen und Mongolinnen in bunter Faschingsseide, Schnaps und Pferden.

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Auch hier gibt es Jurten. Sie stehen in Reih und Glied wie eine Reihenhaussiedlung.

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Am Rand stehen die Pferde auf grossen Koppeln. Während wir noch die Pferde begrüssen, kommen ein paar richtig grosse Busse – die werden natürlich sehr viel emphatischer begrüsst: Wilde Reiter sprengen ihnen entgegen und geleiten sie auf den Busparkplatz. Dort stehen auch monglische Touristen herum, die sich höflich lächelnd über das Schauspiel wundern.

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Drinnen im Gasthaus gibt es dann ein grosses Essen – viel Hammel, viel Schnaps – und Musikdarbietungen, die, das muss ich fairerweise zugeben, nicht flüchtig abgespult werden, sondern so dargeboten werden, dass man sich wirklich als willkommener Gast fühlt und nicht als ein Touri von Tausenden …

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Und dann fahren wir zurück nach Beijing und verstehen, warum unser Fahrer schon auf dem Hinweg in düstere Prophezeiungen ausgebrochen ist, was alles sein wird, falls wir nicht vor den Kohlelastern die Stadtgrenze passieren.

Natürlich kommen wir zu spät.

Und natürlich stehen wir bis weit in die Nacht im Kohlenstau!

→   Folge 1

“Leuchtstoff” – eine Ausstellung der Schule für Mode.Grafik.Design im Frankfurter Künstlerclub

Samstag, 27. Februar 2010

Auch in diesem Jahr stellten Studentinnen und Studenten der Offenbacher Schule für Mode.Grafik.Design ihre Semesterarbeiten im Nebbienschen Gartenhaus des Frankfurter Künstlerclubs aus. “Leuchtstoff” lautete das Thema – ausgehend von einer Modenschau der Schule zur Frankfurter “Luminale”.

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Plakat zur Ausstellung (Bildnachweis: Schule für Mode.Grafik.Design)

Die Spannweite der gezeigten Arbeiten und aufbereiteten Ideen war wieder gross: Präsentiert wurden Skizzen, Fotografien, Illustrationen und kleine Installationen zum beziehungsreichen Thema “Leuchtstoff”. Wir lassen in einer kleinen Auswahl vier Studentinnen unmittelbar selbst zu Wort über ihre Schöpfungen kommen.

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“Welchen Zweck erfüllt Kleidung”, fragt Vanessa Bechtler, “und welche Wirkung übt sie aus? Bedecken wir unseren Körper, da er uns zu real und daher beschämend erscheint?

Kleidung ist Fassade, Schutz für Geist und Seele. Sie verformt das Natürliche und betont zugleich durch Künstlichkeit. Kleidung an und für sich ist demnach Blendwerk, das sowohl der Abwehr als auch der Anziehung dient.

Licht blendet und verblendet zugleich, betont und kaschiert, weckt Illusionen und zeigt die Wahrheit – Leuchtmode.”

Julia Woisetschläger erklärt ihre Trilogie mit dem folgenden Text:

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Julia Birkenstock lässt sich von dem Film “Berlin Calling” inspirieren und ebenso von dem Thema Licht. Ihr Protagonist trägt “eine Karottenhose aus Alufolie, eine Weste, farbliche Federn (Farbpalette) als Kopfbedeckung und Schuhe ebenfalls aus den selben Farben.”

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“Ein weiterer Entwurf”, so Julia Birkenstock, “stellt einen Ausserirdischen dar, der von einem anderen Stern kommt. Er trägt einen Ganzbody, der aus kleinen Teilen Alufolie besteht, bei dem jeweils ein Ärmel und ein Hosenbein fehlt, die Haut ist blau und er hat keine ‘normalen’ Füsse und Hände.”

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Besonders überzeugten uns die Arbeiten von Susi Kallo.

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Susi Kallo erläutert ihre Arbeit

“Bei den drei Outfits zum Thema ‘Leuchtstoff ‘ für die Luminale habe ich mir”, erklärt Susi Kallo, “das Unterthema Glühwürmchen ausgesucht. Dazu habe ich mich zunächst über Glühwürmchen, ihren Körperaufbau und ihr Aussehen informiert und Skizzen gefertigt. Danach habe ich den Körper in verschiedene Formen aufgeteilt und neu zusammengesetzt, woraus zum Schluss die drei Outfits entstanden sind.”

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Die Studentin verbindet das gestellte Thema “Leuchtstoff” mit der belebten Natur, konkret dem Glühwürmchen, und überträgt dessen Körperaufbau auf ihre Entwürfe für weibliche Bekleidung. Ihre Arbeiten konkretisiert sie mit kleinen ausgeschnittenen Stoffmustern, die sie auf die Skizzenblätter aufklebt.

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An der diesjährigen Semesterausstellung der Schule für Mode.Grafik.Design beteiligten sich ausserdem die Studentinnen und Studenten Anastasia, Juliett Castineira, Anna Dorra, Steven Evans, Rebecca Günther, Verena Hohm, Chen Jerusalem, Laura Krause, Celine Kuhn, Julia Lorenzo, Katharina Mößer, Polina Oliger, Tatjana Prenzel, Judith Schneider und Tess Venier mit interessanten und beachtenswerten Arbeiten.

(abgebildete Arbeiten © jeweilige Künstlerinnen;
Fotos: FeuilletonFrankfurt)

Weisheiten / 56

Mittwoch, 24. Februar 2010

Wer will, dass die Welt so bleibt, wie sie ist, der will  nicht, dass sie bleibt.

Erich Fried

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(Quelle: NASA)

IWC-Freundschaftsball 2010 zugunsten des Städel Museums Frankfurt

Dienstag, 23. Februar 2010

Seit einiger Zeit geschieht Eigenartiges um das Städel Museum Frankfurt: So wird das “neue Städel” nicht nur gebaut, sondern es wird beispielsweise gelesen, gewonnen, gespielt, ja auch getrunken (glücklicherweise aber noch nicht geraucht). Nun, am 20. Februar 2010 wurde das “neue Städel” sogar getanzt: vom International Women’s Club of Frankfurt e. V. (IWC), bei dessem diesjährigen Internationalen Freundschaftsball.

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IWC-Präsidentin Annemarie Moritz und Städel-Direktor Max Hollein bei der Übergabe des Spendenschecks (Foto: Marion Toelle)

20.240 Euro – so lautete die Summe der Ballerlöse auf dem symbolischen Scheck, den IWC-Präsidentin Annemarie Moritz am späten Abend Städel-Direktor Max Hollein als Schirmherrn des Balls überreichen konnte. Der Löwenanteil resultierte aus der traditionellen Balltombola. Dazu gab es dieses Jahr aber noch ein echtes Schmankerl: 15 Damen des Clubs, an deren Spitze die akademische Malerin Ludmilla Wilkening, hatten in wochenlanger Arbeit ein grossformatiges Ölgemälde “Skyline von Frankfurt” geschaffen (O-Ton Max Hollein: epochaler Schritt, Meilenstein der Kunstgeschichte), das am Ballabend versteigert wurde.  Die Frankfurter Künstler-Ikone Ferry Ahrlé fungierte als Auktionator, der Hammerpreis betrug stattliche 2.500 Euro.

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Versteigert für den guten Zweck: “Skyline von Frankfurt” (Foto: FeuilletonFrankfurt)

Es war massgeblich der österreichischen Herkunft von Club-Präsidentin sowie auch Städel-Direktor geschuldet, dass der Internationale Freundschaftsball dieses Jahr ganz im Zeichen der Alpenrepublik stand: Das historische Casinogebäude der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt hatte sich – nicht zuletzt dank der Dekoration von Erhard Priewe – in einen Wiener Ballsaal verwandelt, und unter tanzmeisterlicher Leitung wurde die, wie es hiess, erste Publikumsquadrille in Frankfurt am Main getanzt, natürlich mit dem Galopp am Ende. Dass es dabei nicht ganz so geordnet zugehen konnte wie beim Wiener Opernball, versteht sich von selbst. Im übrigen bestimmte der Walzer das Geschehen auf der Tanzfläche, stilecht intoniert vom Johann Strauß-Orchester aus Wiesbaden. Manche der rund 280 Ballgäste trugen alpenländische Abendgarderoben. Auch auf der Büffet-Karte war Österreichisches zu finden: Kalbstafelspitz und Fleischpflanzerl, Palatschinken und Wiener Gulaschsuppe. Und einer der Hauptgewinne der Tombola wird dem glücklichen Losinhaber einen Aufenthalt im “Weissen Rössl” am Wolfgangsee bescheren.

Ein überaus gelungener Abend, mit dem der International Women’s Club of Frankfurt erneut auch seine soziale und kulturelle Kompetenz unter Beweis stellte: Der Ballerlös entspricht fast der Summe, die für eines der 195 runden Oberlichtfenster der künftigen unterirdischen Ausstellungsflächen unter dem Garten des Städel Museums benötigt wird.

Jahr der Stille 2010: Februar

Freitag, 19. Februar 2010

Die Stille

Hörst du Geliebte, ich hebe die Hände -
hörst du: es rauscht…
Welche Gebärde der Einsamen fände
sich nicht von vielen Dingen belauscht?
Hörst du, Geliebte, ich schliesse die Lider
und auch das ist Geräusch bis zu dir.
Hörst du, Geliebte, ich hebe sie wieder …
… aber warum bist du nicht hier.

Der Abdruck meiner kleinsten Bewegung
bleibt in der seidenen Stille sichtbar;
unvernichtbar drückt die geringste Erregung
in den gespannten Vorhang der Ferne sich ein.
Auf meinen Atemzügen heben und senken
die Sterne sich.
Zu meinen Lippen kommen die Düfte zur Tränke,
und ich erkenne die Handgelenke
entfernter Engel.
Nur die ich denke: Dich
seh ich nicht.

Rainer Maria Rilke (1875 bis 1926)

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(Foto: Richard Palmer, wikimedia commons GFDL)

Das “Jahr der Stille 2010″ lädt dazu ein, Stille begleitend in den Jahreslauf zu integrieren. Es will Aufmerksamkeit schaffen für einen Wert, dessen Wichtigkeit wir alle betonen – dessen konkrete Praxis wir aber oft vernachlässigen. Getragen wird das “Jahr der Stille 2010″ von über fünfzig Partnern – christlichen Bewegungen, Kirchen, Verbänden, Verlagen, Organisationen und Werken unterschiedlicher konfessioneller Prägung, die das Anliegen eint, das Thema Stille bewusst in ihre Aktivitäten einfliessen zu lassen.

FeuilletonFrankfurt wird das “Jahr der Stille” mit einem Beitrag zur Mitte eines jeden Monats begleiten.