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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Archive for Dezember, 2009

Weisheiten / 53

Montag, 14. Dezember 2009

Es gibt kluge, fleißige, dumme und faule Offiziere. Meist treffen zwei Eigenschaften zusammen.

Die einen sind klug und fleißig, die müssen in den Generalstab.

Die nächsten sind dumm und faul; sie machen in jeder Armee 90 % aus und sind für Routineaufgaben geeignet.

Wer klug ist und gleichzeitig faul, qualifiziert sich für die höchsten Führungsaufgaben, denn er bringt die geistige Klarheit und die Nervenstärke für schwere Entscheidungen mit.

Hüten muss man sich vor dem, der gleichzeitig dumm und fleißig ist; dem darf man keine Verantwortung übertragen, denn er wird immer nur Unheil anrichten.

Kurt Freiherr von Hammerstein-Equord (1878 bis 1943, Generaloberst, Ehrenritter des Johanniterordens, beteiligt am Widerstand gegen Adolf Hitler)

Anmerkung: Gilt natürlich auch für Politiker!

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(Bildnachweis: Claudia Huldi /pixelio.de)

Artists in Residence 2009: Ausstellung im ATELIERFRANKFURT

Freitag, 11. Dezember 2009

Seit 19 Jahren bereits bietet die Stadt Frankfurt am Main im Rahmen ihres Programms “Artists in Residence” Künstlerinnen und Künstlern aus den internationalen Partnerstädten Aufenthalte in ihren Gastateliers an, allein zehn an der Zahl in 2009. Zum dritten Mal nun werden deren Arbeiten in einer Jahresausstellung dem Publikum vorgestellt,   aktuell wieder im ATELIERFRANKFURT. Diese sehenswerte Ausstellung läuft noch bis zum 21. Januar 2010. Zwei künstlerische Positionen haben wir ausgewählt.

Màrta Czene hielt sich im Mai und Juni 2009 als Gastkünstlerin in Frankfurt am Main auf. Wir bilden exemplarisch zwei ihrer Gemälde ab, die sie in Aclyl und Öl auf Spanplatte ausführte. Die Künstlerin arbeitet hier in einem fast schon hyperrealistisch zu nennenden Stil und in altmeisterlich anmutender Maltechnik. Als Betrachter ist man geneigt, nahe vor diese Arbeiten zu treten, um sich zu vergewissern, dass es sich um Malerei handelt. Eine Malerei, die die fotografische Technik und das fotografische Abbild konterkariert. Schien einst die Fotografie die Malkunst überflüssig zu machen, so verhält es sich bei Màrta Czene umgekehrt – mit was für einem maltechnischen “Aufwand”!

“Ich versuche”, schreibt Màrta Czene, “den Eindruck einer Erzählung zu vermitteln, indem ich statische, voneinander unabhängige und isolierte Bilder auf den Bildgrund setze, eins neben das andere, ohne mich damit auf ein bestimmtes Ereignis zu beziehen. Die Idee dazu entstand beim Filmemachen. Ich stellte fest, dass selbst kleine Änderungen des Blickwinkels eine neue Aussage oder story evozieren können. Ich möchte so malen, dass das Bild wie ein Schnappschuss wirkt, den man aufnimmt, wenn man ein Zimmer betritt. Die Basis dieser malerischen Erzählungen sind zum Teil persönliche Geschichten, aber ich möchte nicht, dass die Betrachter herauszufinden versuchen, was daran meine Geschichte ist, sondern ich möchte, dass sie ihre eigenen Geschichten zu den Bildern erfinden”.

Die 1982 in Budapest geborene Künstlerin besuchte zunächst die Secondary School of Fine and Applied Arts, Budapest. Von 2001 bis 2007 studierte sie an der Hungarian Academy of Fine Arts, Painting Department und (2004 bis 2008) Intermedia Department. Im Rahmen des Erasmus scholarship besuchte sie ausserdem die renommierte Mailänder Accademia di Belle Arti di Brera. Über Budapest hinaus stellte sie unter anderem in Kaposvár sowie in Zürich aus.

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Elisabeth Grübl wurde 1961 in Tamsweg / Salzburg geboren. Sie studierte von 1990 bis 1996 an der Akademie der Bildenden Künste, Wien, und von 1998 bis 1999 an der Akademie der Bildenden Künste, Helsinki, 1994 zusätzlich an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. Der Schwerpunkt ihrer Arbeiten liegt auf Fotografie und Installationen sowie auf Video-, Laser- und Soundkunst. Sie stellte unter anderem in Innsbruck und Wien sowie in Nanjing, China aus.

Im März und April 2009 war sie Gastkünstlerin in Frankfurt, wo sie sich weiter ihrem Projekt “Atelier #” widmete: In entsprechend ausgewählten Künstlerateliers packt sie sämtliche vorgefundenen Gegenstände, also das gesamte Inventar samt Werken und künstlerischem Handwerkszeug, zu sauber errichteten Stapeln zusammen. Die auf diese Weise neu geschaffenen räumlichen Situationen hält sie in grossformatigen Lambda-Fotografien fest. Ihre “Opfer” während ihres Frankfurter Aufenthalts waren die Ateliers von Birgit Brinkmann (Hanauer Landstrasse) und Thomas Roth (Ostparkstrasse). Ferner räumte sie in den beiden Gastateliers (neben ihrem eigenen in demjenigen von Kim Lux) entsprechend auf. Dass die betreffenden Künstlerinnen und Künstler mit Elisabeth Grübl kooperierten, versteht sich von selbst.

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Wir erachten gerade dieses künstlerische Projekt als ausserordentlich interessant und intelligent. Was für eine Reflexion des Künstlers über sich und seine Kunst! Und es eröffnet zugleich im Betrachter der Arbeiten ungeahnte, überraschende Prozesse. Wie leben denn wir in unseren “vier Wänden”, mit was umgeben wir uns, was brauchen wir, auf was könnten, sollten wir verzichten? Welche Chancen und Möglichkeiten könnten uns “geräumte Räumlichkeiten” eröffnen? Sollten wir uns doch einmal näher mit Feng Shui befassen, der Lehre von der Harmonisierung des Menschen mit seiner – auch gerade häuslichen – Umgebung?

Doch können wir uns diesen Hinweis nicht versagen: Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, Bedarf  nach einer Neuordnung Ihrer Büro- oder Wohnverhältnisse verspüren, so wenden Sie sich am besten vertrauensvoll an die Künstlerin (vorherige Rücksprache mit Ihrem Arbeitgeber wäre in ersterem Falle sicherlich empfehlenswert, in letzterem, so könnten wir uns durchaus vorstellen, mit Ihrem Lebenspartner).

(Abgebildete Werke © Màrta Czene bzw. Elisabeth Grübl; Fotos: FeuilletonFrankfurt)

Frankfurter Kunstverein: “Bilder vom Künstler” (1) – Andreas Wegner

Mittwoch, 9. Dezember 2009

Bilder vom Künstler?  Ja, von wem denn sonst sollen Bilder kommen, etwa vom Nichtkünstler, werden Sie fragen?

Es führt ein wenig aufs Glatteis, was es da zu sehen gibt im Frankfurter Kunstverein, aber schliesslich ist es ja Winter, und kalt und glatt kann es durchaus bald werden. Aber kommen wir zur Sache:

Die Ausstellung im Frankfurter Kunstverein kreist um ein hochinteressantes Thema, nämlich die gesellschaftlichen Rollenvorstellungen vom Künstler: der Künstler als Freigeist oder Sonderling, Genie oder Zweifler, Hofnarr oder Provokateur, Lehrer oder Vermittler, Unterhalter oder Popstar oder gar als seine Geschäftsmodelle betreibender Unternehmer? Wir erkennen: Die Vorstellungen darüber, was ein Künstler ist oder sein soll, spiegeln in vielem den Zustand, die Werte und Ansprüche einer jeweiligen Gesellschaft wider. Der Künstler ist damit auch eine Projektionsfläche, kulturellen Milieus und zeitgeistigen Strömungen unterworfen. Künstler werden mit Erwartungen konfrontiert. Oft genug erfüllen sie sie. Wäre es aber nicht ihre Aufgabe, sie zu enttäuschen?

Sieben künstlerische Positionen zu diesem Thema stellt derzeit der Frankfurter Kunstverein zur Diskussion – und vielleicht auch zur Disposition.  Schauen wir uns die eine oder andere an.

Heute geht es ins Kaufhaus. In das “Le Grand Magasin” von Andreas Wegner. Wir können dort ganz real einkaufen. Wie bitte, im Frankfurter Kunstverein einkaufen? Aber ja! Schauen Sie auf das reichhaltige Angebot (zu handelsüblichen Preisen):

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“Le Grand Magasin”, im Hintergrund eine Puppe in Gestalt von Charles Fourier

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Der 1958 geborene Künstler lebt und arbeitet in Berlin. Anfang Oktober 2008 eröffnete er in der Galerie im Saalbau in der Berliner Karl-Marx-Strasse die Projekt-Ausstellung Le Grand Magasin, ein temporäres Kaufhaus, in dem exklusiv Waren von europäischen Produktivgenossenschaften – Betrieben also, in denen die Mitarbeiter zugleich Beschäftigte wie auch Eigentümer sind – ausgestellt und verkauft werden. Ein weiteres folgte in der Hermannstrasse im Berliner Bezirk Neukölln. In Frankfurt am Main installierte Wegner jetzt eine Art Dependance. Es gibt dort eine gewöhnungsbedürftige Zusammenstellung von Gegenständen, zum Beispiel Bekleidung und Haushaltsgeräte, Kosmetika und Spielzeug, Gartengeräte und Schreibartikel.

Die Idee eines genossenschaftlichen “Grand Magasin” geht auf den französischen frühsozialistischen Gesellschaftstheoretiker und Utopisten Charles Fourier (1772 bis 1837) zurück. 1944 schmolzen die Nationalsozialisten während der Besetzung Frankreichs seine Statue auf dem Pariser Place de Clichy ein. Eine – einem recht altersschwach erscheinenden – Fourier nachgebildete lebensgrosse Puppe beobachtet im Frankfurter Künstlerclub das Marktgeschen am kreisrunden Kaufhaus.

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Andreas Wegner zählt zu denjenigen Künstlern, die gesellschaftliche Handlungsfelder in ihre künstlerische Produktion einschliessen oder sogar unmittelbar zum Material dieser Produktion machen. Wir erwarten von einem Kaufhaus, dass dort Kunst, etwa in Gestalt von Design oder Architektur, allenfalls in den Dienst der Ökonomie gestellt wird. Wegner macht in seinem Kunstprojekt umgekehrt das Kaufhaus für seine künstlerischen Zwecke nutzbar. “Es geht darum”, schreibt Wegner, “sich in einem umgekehrten Akt das Kaufhaus anzueignen”. Der Künstler tritt im “Grand Magasin” als solcher oder in seiner Urheberschaft nicht hervor und stellt damit eine ihm seitens der Gesellschaft zugeschriebene Eigenschaft zur Disposition. Der Betrachter ist verunsichert, ob er einem Kaufladen oder einem Kunstwerk gegenübersteht.

Das Projekt “Le Grand Magasin” in seiner genossenschaftlichen, solidarwirtschaftlichen Erscheinung entfaltet seine besondere Aktualität und seinen besonderen Reiz (ganz im Sinne von Reizung!) in “Zeiten wie diesen” des realen Niedergangs der einst prosperierenden Warenhaus”kultur” an den Beispielen der Schieflagen und Zusammenbrüche von Karstadt, Woolworth und Quelle.

Durch das Fenster hinaus geht der Blick auf den Frankfurter Weihnachtsmarkt. Nach Ihrem vorweihnachtlichen Einkauf von Geschenken und Artikeln des Eigenbedarfs im “Grand Magasin” (der Frankfurter Kunstverein füllt die Lagerbestände des Standregals regelmässig auf) können Sie sich, liebe Leserinnen und Leser, anschliessend Bratwürsten, Lebkuchen und Glühwein zuwenden.

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(Installation © Andreas Wegner; Fotos: FeuilletonFrankfurt)

Weisheiten / 52

Dienstag, 8. Dezember 2009

Besser auf neuen Wegen stolpern als in alten Pfaden auf der Stelle treten.

Chinesisches Sprichwort

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(Foto: Grace Winter /pixelio.de)

Kunst / 49

Montag, 7. Dezember 2009

Ein Künstler, der viel Geld für seine Bilder bekommt, muss nicht unbedingt schlecht sein.

Markus Lüpertz (*1941), Maler, Grafiker, Bildhauer

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Markus Lüpertz, Daphne, 2003 (vor der Glyptothek München; Bildnachweis: Rufus46 / wikimedia commons GFDL)