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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Archive for Dezember, 2009

Botticelli-Weihnacht im Städel Museum / 1

Donnerstag, 24. Dezember 2009

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Sandro Botticelli (1444/45 bis 1510), Anbetung des Kindes (“Madonna Wemyss”), Leinwand, 122 x 80,5 cm, Edinburgh, National Gallery of Scotland, Foto: National Gallery of Scotland
© Sandro Botticelli (Alessandro Filipepi), The Virgin Adoring the Sleeping Christ Child, National Gallery of Scotland, Purchased with the aid of the Heritage Lottery Fund, The Art Fund, the Scottish Executive, the Bank of Scotland, the Royal Bank of Scotland, Sir Tom Farmer, the Dunard Fund, Mr and Mrs Kenneth Woodcock (donation made through the American Friends of the National Galleries of Scotland) and private donations 1999

Dieses Werk (nach seinem Vorbesitzer “Madonna Wemyss” benannt) stand über Jahrhunderte nicht im Fokus der kunstwissenschaftlichen Betrachtung der Arbeiten Sandro Botticellis und wurde dessem Umkreis zugerechnet. Erst 1999, als die Schottische Nationalgalerie es erwarb und restaurieren liess, wurde es als eine eigenhändige Arbeit des Meisters ausgewiesen.

Maria beugt sich, inmitten eines Gartens und vor dem Hintergrund einer dramatischen wie zugleich architektonisch geformten Felsenlandschaft, über das schlafende Jesuskind. Entgegen den Krippenszenen erfährt Joseph, dem Dogma der Jungfrauengeburt entsprechend, in der Malerei jener Epoche keine Erwähnung (erst später wieder wird Joseph als zwar alter und deshalb für eine leibliche Vaterschaft nicht in Betracht kommender, aber treusorgender Familienvater dargestellt). Die dornenlosen Rosenstöcke zur Linken und zur Rechten stehen für die “unbefleckte” Empfängnis, die Veilchen links im Vordergrund für die Demut Marias, die zugleich blühenden wie Früchte tragenden Erdbeerpflanzen vorne rechts für die Inkarnation. Die Darstellung des Kindes als schlafend verweist auf den Tod des Gekreuzigten, die Felsenformation könnte das spätere Felsengrab symbolisieren.

Eine in Komposition und Farbgebung meisterliche Arbeit.

Die Ausstellung “Botticelli” im Städel Museum Frankfurt – sie ist die erste dieser Art im deutschsprachigen Raum und zeigt eine Auswahl von weltlichen Bildnissen, mythologischen Allegorien und religiösen Darstellungen – wird bis zum 28. Februar 2010 zu sehen sein.


Weisheiten / 54

Montag, 21. Dezember 2009

Wege entstehen dadurch, dass man sie geht.

Franz Kafka (1883 bis 1924), Schriftsteller

-Grace Winter

(Foto: Grace Winter /pixelio.de)

Uta Mallin: Alles fliesst

Freitag, 18. Dezember 2009

Alles fliesst – Bilder vom Wasser

so lautet der Titel einer Ausstellung in der Frankfurter Volksbank Bad Vilbel.  Gezeigt werden Gemälde der Künstlerin Uta Mallin.

Wasser – Bedingung und Entstehungsort, Urgrund des Lebens. Nach den Lehren der antiken Philosophen Empedokles und Aristoteles eines der vier Elemente neben dem Feuer, der Luft und der Erde.

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Im Fluss, Öl auf Leinwand, 90 x 80 cm (Foto: FeuilletonFrankfurt)

πάντα ῥεῖ, panta rhei, alles fliesst.

“Alles fliesst und nichts bleibt; es gibt nur ein ewiges Werden und Wandeln” formulierte Heraklit die zentrale Aussage der Flusslehre. Platon griff sie auf.

Die Flusslehre: Sie steht für einen immerwährenden Wechsel der Stoffe und Erscheinungsformen – Metapher für eine fortlaufende Prozessualität. Das Sein ist das Werden des Ganzen, heisst es in der nachplatonischen philosophischen Betrachtung, die über das reine “Bejahen des Vergehens” eines Friedrich Nietzsche hinausgeht. Sein ist nicht statisch, sondern als ein ewiger Wandel dynamisch.

So auch das Wasser in seinen wechselnden drei Aggregatzuständen, in seinem irdischen Kreislauf von Eis und Schmelze, Verdunstung und Regen: Einheit in der Vielheit und Vielheit in der Einheit.

Im Buddhismus und im Taoismus kommt dem Wasser fundamentale Bedeutung zu; dort steht es in der Fünf-Elemente-Lehre für das Betrachten und Erfassen, für Kontemplation und Ruhe.

Wasser ist in den drei monotheistischen Religionen von grundlegender Bedeutung: in der Christenheit in der sich mit der Taufe vollziehenden Aufnahme, im jüdischen Glauben in der rituellen Reinigung und in der vorgebetlichen Waschung im Islam.

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Im Meer, Acryl auf Leinwand, 99 x 98 cm (Bildnachweis: Uta Mallin)

Wasser bedeckt heute über 70 % der Erdoberfläche. Wir denken an die aus vielen Kulturkreisen überlieferte mythische Urerfahrung der Sintflut.

Das aus der Welt der Sagen bekannte Wasser des Lebens erweckt die Toten, heilt von schwerer Krankheit, gewährt ewige Gesundheit. In der griechischen Mythologie trennt der Fluss Styx die Welt der Lebenden vom Totenreich des Hades. Im Gilgamesch umschliesst das Wasser des Todes, das von keinem Sterblichen je befahren wurde, das Land der Seligen.

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Der Augenblick, Acryl auf Leinwand, 135 x 90 cm (Bildnachweis: Uta Mallin)

In ihren neueren, jetzt in Bad Vilbel ausgestellten Arbeiten thematisiert Uta Mallin das Wasser. Missverständnisse sollten und können dabei nicht aufkommen: Es handelt sich keinesfalls um eine Art von Landschaftsmalerei. Nicht von ungefähr befasst sich Uta Mallin seit längerem mit Philosophie. Sie untersucht die Zustände von Bewegung und Ruhe, Leben und Vergehen in der Zeit. Es stellt eine Gratwanderung dar, wenn sie sich mit den Mitteln der Malerei in Momentaufnahmen, vergleichbar einem Film-Still, der Bewegung des Wassers annimmt, dieses als Metapher eines in immerwährendem Wandel befindlichen Seins.

Ihre vor diesem Hintergrund inspirierten, mal impressionistisch anmutenden, mal von expressiver Farb- und Formkraft geprägten Bilder sprechen für sich selbst.

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Schnee, Öl auf Leinwand, 50 x 70 cm (Foto: FeuilletonFrankfurt)

Das Wasser in seinem Aggregatzustand Schnee und Eis: so in sich voll”endet” und doch voller Leben, der benachbarten Vegetation winterliche Ruhe bewahrend wie auch zugleich die im kommenden Frühjahr aufbrechende Kraft.

Die Künstlerin:

“Ich male Wasser – das bedeutet für mich: Ich male Bewegung.

Ich male eine fliessende Bewegung als erstarrte, die es aber gar nicht gibt, denn nichts ist fest.

Auch der Schnee taut, gefriert, wird zu Eis, zu Wasser, zu Schnee.

Eine Darstellung von Fliessendem ist ein gemalter Augenblick, der in der Lebendigkeit schon vergangen wäre.”

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Schnee, Öl auf Leinwand, 50 x 70 cm (Foto: FeuilletonFrankfurt)

Uta Mallin verfügt bei allem über – wie es uns scheint anderenorts allzu oft unbeachtete wie verloren gegangene – geradezu altmeisterliche maltechnische Fähig- und Fertigkeiten.

Die in Aurich geborene, heute in Karben bei Frankfurt am Main lebende Künstlerin studierte in Göttingen Pädagogik mit dem Schwerpunkt Kunst /Visuelle Kommunikation. Nach ihrer Tätigkeit als Lehrerin und dem Besuch der Städel-Abendschule (Bernhard Jäger und Nicole van den Plas) arbeitet sie inzwischen als freischaffende Künstlerin. Als Dozentin lehrt sie Kunstpädagogik, Malerei und Zeichnung.

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Kielwasser, Öl auf Leinwand, 80 x 58 cm (Bildnachweis: Uta Mallin)

Uta Mallin zählt nicht zu den Künstlerinnen, die im lärmenden sogenannten Kunstbetrieb, dessen Lautstärke wir – wie unsere Leserinnen und Leser wissen – ohnehin nicht sonderlich schätzen, auf die sprichwörtliche Pauke hauen. Aber dennoch – oder vielmehr gerade deswegen – sind wir überzeugt, dass sie in die Frankfurter Galeriemeilen einiges mehr an künstlerischer Substanz einzubringen hätte, als wir dies von der einen oder anderen dort mitunter angetroffenen Position feststellen mussten. Die Galerie Wildwechsel hatte dies bereits erkannt.

Die derzeitige Ausstellung in der Frankfurter Volksbank Bad Vilbel, Marktplatz 1, (Telefon 06101/6050) läuft noch bis zum 15. Januar 2010. Den Weg dorthin empfehlen wir nicht nur uneingeschränkt, sondern durchaus nachdrücklich.

(Abgebildete Werke © Uta Mallin)

⇒ ⇒ ⇒ Uta Mallin im Frankfurter Bilderhaus

Wettervorhersage

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Wettervorhersage oder: Beim Seewetteramt Stenkelfeld

Nun: Stenkelfeld liegt im hohen Norden, sagen wir, in Küstennähe. Aber: Das Prinzip der Wettervorhersage scheint überregional zu funktionieren, auch im Hessenland. Hören wir doch am besten selbst einmal hinein (anklicken) …

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(Audionachweis: ndr2; Bildnachweis: English Wikipedia, wikimedia commons GFDL)


Das grüne Kanapee / 11

Dienstag, 15. Dezember 2009

Heute steigen wir in Frankfurt am Main auf den

Eschenheimer Turm.

Mit habust, jawohl! Und sehen, was alles passiert. Hinterher setzen wir uns dann auf das grüne Kanapee und erinnern uns an das Erlebte (Sie wissen ja, draufklicken, Windows Media Player schaltet sich ein, und schon beginnt der Hörgenuss):

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(©  habust; Foto: GearedBull wikimedia commons GFDL)