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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

“Saure Gurke” 2009

Nein, es geht nicht wieder einmal um EU-Richtlinien (Gurken!), eher um: “Gib ihm Saures …”, wie Kurt Tucholsky einst titelte.

Am vergangenen Sonntag war es endlich wieder soweit: Die Medienfrauen von ARD, ZDF und ORF verliehen zum Abschluss ihres 32. Herbsttreffens in Baden-Baden die diesjährige “Saure Gurke”, den beliebtesten (Wander-) Fernsehpreis des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

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“Saure Gurke” (Bildnachweis: Medienpreis “Saure Gurke” Manuela Schönberg)

Also sie ist schon saumässig sauer, diese Gurke, das haben alle gemerkt, die bislang mehr oder weniger beherzt – oder besser gesagt wohl oder übel – in sie hineinbeissen mussten.

Wofür man sie bekommt? Für Sendungen besonders frauenfeidlichen Inhalts, in denen, so lautet die Ausschreibung, Frauen nicht vorkommen, in denen Frauen über ihren Körper definiert werden oder die den Zuschauerinnen und Zuschauern überidealisierende Rollenmodelle aufdrängen.

Erneut traf es die ARD, dieses Mal genauer gesagt den Hessischen Rundfunk, und ausgerechnet eines der Leuchtfeuer der sonntagabendlichen Unterhaltung: einen “Tatort”. Der hiess “Architektur eines Todes”, ausgestrahlt am 6. September 2009 (Buch: Judith Angerbauer, Regie: Titus Selge, Redaktion: Inge Fleckenstein). Wir selbst haben ihn nicht gesehen, denn wir sehen sonntags abends nicht fern, sondern immer nur nah, vorzugsweise in ein Buch (und schon gar nicht den “Tatort”!).

Hier die Begründung der Jury:

“Das wollen wir sehen – Sofias Welt: eine international erfolgreiche Frau, die ganz in ihrer Arbeit aufgeht, bestens vernetzt mit anderen erfolgreichen Frauen, mit einer schönen Geliebten und einem Rücken freihaltenden Ehemann samt wohlgeratener Kinder. Bevor uns nun aber der Neid packt und alle hoch hinaus wollen, erkennen wir: Sofia eignet sich nicht als Rollenmodell. Nach 90 Minuten ist die Geliebte tot, der Mann ein Mörder, die Kinder verstört.

Wieder einmal konfrontiert uns der ‘Tatort’ spannend, unterhaltend und aktuell mit gesellschaftlicher Realität!”

Au weh, noch etwas Senf zur Gurke gefällig?

Aber das ist noch längst nicht alles, denn es gibt – gewissermassen als Trostpreis – die “lobende Erwähnung”: In diesem Jahr gilt sie einem Beitrag aus der ZDF-Reihe “Wetten dass .. ?”, ausgestrahlt am 7. November 2009 mit dem Titel “Models für Wette gesucht! Bewerben Sie sich als Mitwirkende bei Wetten, dass..?”

Die Begründung der Jury:

“Nur einer kann gewinnen – aber der ‘Wetten, dass…’- Redaktion gebührt für die Sendung vom 7. November 2009 eine lobende Erwähnung für ihren Mut, Frauenkörper fragmentarisch, dafür aber um so detailgetreuer vorzuführen. Wer hätte gedacht, dass sich Frauen auch an ihren blau besprühten Hinterteilen erkennen lassen!”

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(Foto: Thomas Jüling /pixelio.de)

Herzlichen Glückwunsch an Preisträger und lobend Erwähnte, kann man da nur sagen! Weiter so!

Verstehen Sie, liebe Medienfrauen und Leserinnen, dass wir nicht nur den “Tatort” nicht sehen, sondern auch “Wetten dass ..?” meiden?

→  “Saure Gurke 2008
→  “Saure Gurke 2007

Ein Kommentar zu ““Saure Gurke” 2009”

  1. Ursula Günther
    18. November 2009 14:14
    1

    Nein, ich teile Ihre Abneigung gegen “Tatort” und “Wetten, daß..” nicht! – Ich multipliziere sie!
    Danke für die Präsentation, lieber Herr Metz! U. Günther

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