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Das Internet-Magazin von Erhard Metz

Archive for November, 2009

Peter Roehr – Werke aus Frankfurter Sammlungen

Montag, 30. November 2009

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Peter Roehr, Frankfurt 1965, Nachlass Peter Roehr, Berlin, Foto: Nachlass Peter Roehr

Was wäre, wenn …

… der Frankfurter Künstler Peter Roehr nicht Mitte 1968 im Alter von nur 23 Jahren verstorben wäre? Wohin hätte sich sein künstlerisches Schaffen weiterentwickelt? Welche Beziehungen, welche Wechselbezüglichkeiten hätten sich zwischen ihm und künstlerischen Zeitgenossen, beispielsweise einem (wenn auch eineinhalb Jahrzehnte älteren) Andy Warhol entwickeln können? Welche – vielleicht auch im Bereich des Individuellen wie Sentimentalen zu suchende – Auswirkungen hat sein allzu früher Tod auf die heutige Rezeption seines rund 600 Arbeiten umfassenden Œuvres, namentlich durch ein breiteres Ausstellungs-Publikum?

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Peter Roehr, Ohne Titel (FR-14), 1962, Reiskörner und Lackfarbe auf Holz, 46,5 x 46,5 cm, Museum für Moderne Kunst Frankfurt, Foto: Axel Schneider, Frankfurt
Zu sehen im MMK

Und nun: Peter Roehr hat, gewissermassen posthum, eine mittelgrosse Sensation im Frankfurter Kulturleben bewirkt: Eine von MMK-Direktorin Susanne Gaensheimer und Städel-Direktor Max Hollein zusammen eröffnete Gemeinschaftsausstellung der beiden Häuser: “Peter Roehr – Werke aus Frankfurter Sammlungen”. Das wäre unter vormaligen Chefs dieser Museen kaum vorstellbar gewesen.

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Susanne Gaensheimer und Max Hollein in der Pressekonferenz, Foto: FeuilletonFrankfurt

Hat Frankfurt am Main, nach Simonetta Vespucci und Giuliano de’ Medici, etwa ein weiteres “Traumpaar”?

Wohl kaum, betonten doch in der gemeinsamen Pressekonferenz beide Direktoren sehr selbstbewusst die Kompetenz ihrer jeweiligen Häuser in der Bewahrung und Präsentation dieses besonderen Frankfurter Erbes. Zwar hütet das MMK mit 28 Arbeiten den gegenüber dem Städel Museum quantitativ grösseren Teil des besagten Schatzes. Aber die Tatsache, dass das Städel im vergangenen Jahr Roehrs “Opus magnum”, die zehn “Schwarzen Tafeln” erworben hat, wird sich keines ausgeprägten Wohlgefallens im Haus an der Domstrasse erfreuen können.

Und doch, oder gerade deswegen, ist diese Gemeinschaftsausstellung der beiden grossartigen Museen, von der Zeitung “vor den klugen Köpfen” im Sommer 2008 voreilig bereits für den Beginn der Amtszeit der neuen MMK-Direktorin angekündigt, ein Glücksfall für Frankfurt und für die Rezeption des Werkes eines ihrer bedeutsamsten Künstler in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Und ein in dieser Konstellation reizvoller “Brückenschlag” über den Main – wenn auch kaum für Wiederholungen geeignet, denn das MMK soll und muss nicht nur in Konzeption und Präsentation seiner Ausstellungen uneingeschränkt autonom bleiben, sondern sein spezifisches Profil gegenüber den anderen Frankfurter Häusern herausstellen und weiter schärfen.

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Peter Roehr, Ohne Titel, (OB-ohne Nummer -no number), 1964/65, Bierdeckel auf Pressspanplatte, 57 x 57 cm, Museum für Moderne Kunst Frankfurt, Foto: Axel Schneider, Frankfurt
Zu sehen im Städel Museum

Wir bezogen 1967 eine Studentenbude in der Frankfurter Goethestrasse und erinnern uns gut an das im folgenden Winter im nahegelegenen Holzgraben 9 eingerichte bizarre Underground-Lädchen “Pudding-Explosion”, einen sogenannten Headshop mit wildem Sortiment, den Peter Roehr, nachdem er – seiner unheilbaren Krankheit gewiss – seine Arbeiten nicht mehr an die Öffentlichkeit bringen wollte, zusammen mit seinem Freund, Förderer und Nachlassverwalter Paul Maenz eröffnete. Wir stöberten damals in dem marxistischen und maoistischen Krimskrams herum, bis der Räucherstäbchendunst uns wieder hinaus an die frische Luft trieb, und ohne dass wir uns genauer darum kümmerten, was es mit den beiden Eignern dieses Etablissements auf sich hatte. Wir können uns nicht mehr erinnern, ob wir Peter Roehr damals im Holzgraben unmittelbar begegnet sind. Denn sehr viel mehr beschäftigten uns in jenen Monaten das Desaster des Vietnam-Krieges, der Verdruss über die Kiesinger-Kanzlerschaft, die Notstands-Gesetzgebung und der aufsteigende Stern des Visionärs Willy Brandt.

Deshalb macht uns unsere heutige Begegnung mit dem Werk Peter Roehrs  in einer besonderen, ganz persönlichen Weise betroffen, weil wir als sein fast nachbarlicher Zeitgenosse versäumten, es kennenzulernen (obschon wir es in seiner Tragweite damals wohl garnicht hätten erfassen und verstehen können).

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Peter Roehr, Ohne Titel (FO-116), 1965, Papier auf Karton, 38 x 35 cm, Sammlung Dr. J. Lindenberger, Frankfurt, © Foto: Günter Maniewski-Atelier
Zu sehen im MMK

Will man sich heute dem Werk Peter Roehrs nähern, stehen dafür fachkundige Beiträge von Martin Engler und Corinna Dirting in dem hervorragend gestalteten Ausstellungskatalog zur Verfügung, dessen Erwerb ein “Muss” ist (spätestens als Geschenk unter dem Weihnachtsbaum). Auch sollten wir vor allem auf das Zeugnis von Paul Maenz hören, Roehrs engstem Freund und Nachlassverwalter. Er hält fest, das Werk des Künstlers sei letztlich das eines eigenständigen Einzelgängers, das sich auch heute immer wieder neu erschliesse. Die Kunstwissenschaft unternahm vielerlei Versuche, Roehr mal der Pop Art oder dem Nouveau Réalisme, mal dem Zero-Umkreis, mal der Minimal Art oder der Konzeptkunst zuzuweisen. Wie auch immer – als Künstler blieb Roehr zu Lebzeiten in der Öffentlichkeit nahezu unbekannt, aber er erwies sich der Nachwelt als ein kunsthistorisch überaus bedeutsamer, Wege weisender “Künstler-Künstler”. Bereits 1972 in der documenta 5 widmete Harald Szeemann dem Werk Roehrs einen eigenen Ausstellungsraum. Jean-Christophe Ammann erwarb Arbeiten Roehrs für das aus der Taufe gehobene MMK und präsentierte sie zur Eröffnung des Hauses 1991 ebenfalls in einem dem Künstler vorbehaltenen Raum.

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Peter Roehr, Ohne Titel (OB-149), 1967, Metall auf Holz, 165 x 165 cm, Klassik Stiftung Weimar, Neues Museum Weimar, Foto: Stefan Renno
Zu sehen im Städel Museum

Roehr verfolgte in seinen Arbeiten ausnahmslos die Idee der seriellen Wiederholung. Aus allerlei gefundenen oder für ihn gesammelten, “armen” Alltagsmaterialien, aus Fotografien und Texten fertigte er Collagen und Assemblagen. Auf eine vergleichbare Weise entstanden seine Ton- und Film-Montagen. Aus dem Jahr 1962 datieren Andy Warhols berühmte “Campbell’s Soup Cans”, 48 in vier übereinander angeordneten Reihen abgebildete, unterschiedlich beschriftete Konservendosen der Firma. Aber erst zwei Jahre später sah Roehr, so schrieb Paul Maenz, in einer Zeitschrift zum ersten Mal die seriellen Bilder dieses Künstlers, die er jedoch als “Abbildungen” und als eine “romantische Verfassung von Kunst” ablehnte.

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Peter Roehr, Ohne Titel (OB-28), 1966, Goldfarbene Pappbuchstaben auf Karton, 61 x 55 cm, Sammlung Dr. J. Lindenberger, Frankfurt, Foto: Axel Schneider, Frankfurt
Zu sehen im MMK

Roehr verzichtete in seinen Arbeiten auf jede inhaltliche Aussage und auf eine künstlerische Handschrift. Nie trat er als eine Art Autor in den Vordergrund. Als Künstler beschränkte er sich vielmehr darauf, dass er die Dinge lediglich noch auswählte und benannte.

Peter Roehr: “Die Aussage ist der Gegenstand: Inhalt und Form sind deckungsgleich (identisch)”. “Meine Bilder umfassen Bereiche, die sich ausserhalb von Aktivität und Passivität befinden”. “Das Bild hat keinen Ereignisort, es ereignet sich überall”.

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Peter Roehr, Ohne Titel (OB-61/2), 1966, Papier auf Karton, 24,7 x 23,7 cm, Museum Wiesbaden, Leihgabe aus Privatbesitz, Frankfurt, Foto: Ed Restle, Museum Wiesbaden
Zu sehen im MMK

Peter Roehr, 1944 in Lauenburg/Pommern geboren, kam mit seiner Mutter 1955 von Leipzig nach Frankfurt am Main. Nach dem Besuch der Grundschule und der Lehre in einer Schildermalerei studierte er bis 1965 an der Wiesbadener Werkkunstschule mit dem Abschluss als Meisterschüler in der Malereiklasse. 1962 entstanden seine ersten Arbeiten. Neben Paul Maenz war er unter anderem Charlotte Posenenske und Thomas Bayrle freundschaftlich verbunden. Im August 1968 starb Roehr an seiner bereits 1966 diagnostizierten Erkrankung Lymphdrüsenkrebs.

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Peter Roehr, Schwarze Tafeln (OB-124 bis OB-133), 1966, Pappe auf Metall, je 119 x 119 cm, Städel Museum, Eigentum Städelscher Museums-Verein e.V., Foto: Peter McClennan, © VG Bild-Kunst Bonn 2009
Zu sehen im Städel Museum

Zum 1. Advent 2009

Samstag, 28. November 2009

Neues aus Stenkelfeld: Weihnachtsbeleuchtung

Sonntag, 1. Advent, 10.00 Uhr:

In der Reihenhaussiedlung Önkelstieg läßt sich die Rentnerin Erna B. von ihrem Enkel Norbert drei Elektrokerzen auf der Fensterbank ihres Wohnzimmers installieren. Vorweihnachtliche Stimmung breitet sich aus, die Freude ist gross.

10 Uhr 14:

Beim Entleeren des Mülleimers beobachtet Nachbar Ottfried P. die provokante Weihnachtsoffensive und kontert umgehend mit der Aufstellung des 10armigen dänischen Kerzensets zu je 15 Watt im Küchenfenster. Stunden später erstrahlt die gesamte Siedlung Önkelstieg im besinnlichen Glanz von 134 Fensterdekorationen.

19 Uhr 03:

Im 14 km entfernten Kohlekraftwerk Sottrup-Höcklage registriert der wachhabende Ingenieur einen vermeintlichen Defekt der Strommessgeräte für den Bereich Stenkelfeld-Nord, ist aber zunächst arglos.

20 Uhr 17:

Den Eheleuten Horst und Heidi E. gelingt der Anschluss einer Kettenschaltung von 96 Halogen-Filmleuchten durch sämtliche Bäume ihres Obstgartens ans Drehstromnetz. Teile der heimischen Vogelwelt beginnen verwirrt mit dem Nestbau.

20 Uhr 56:

Der Discothekenbesitzer Alfons K. sieht sich genötigt, seinerseits einen Teil zur vorweihnachtlichen Stimmung beizutragen, und montiert auf dem Flachdach seines Bungalows das Laser-Ensemble “Metropolis”, das zu den leistungsstärksten Europas zählt. Die 40 Meter hohe Fassade angrenzender Getreidesilos hält dem Dauerfeuer der Nikolausprojektion mehrere Minuten stand, bevor sie mit einem hässlichen Geräusch zusammenbricht.

21 Uhr 30:

Im Jubel einer Weihnachtsfeier im Kohlekraftwerk Sottrup-Höcklage verhallt das Alarmsignal aus Generatorhalle 5.

21 Uhr 50:

Der 85jährige Kriegsveteran August R. zaubert mit 190 Flakscheinwerfern des Typs “Varta Volkssturm” den Stern von Bethlehem an die tiefhängende Wolkendecke.

22 Uhr 12:

Eine Gruppe asiatischer Geschäftsleute mit leichtem Gepäck und sommerlicher Bekleidung irrt verängstigt durch die Siedlung Önkelstieg, nachdem zuvor eine Boeing 747 der Singapore Airlines mit dem Ziel Sydney versehentlich auf der mit 3000 Neonröhren gepflasterten Garagenzufahrt der Bäckerei Broermeyer niedergegangen war.

22 Uhr 37:

Die NASA-Raumsonde Voyager 7 funkt vom Rande der Milchstrasse Bilder einer angeblichen Supernova auf der nördlichen Erdhalbkugel, die Experten sind ratlos.

22 Uhr 50:

Ein leichtes Beben erschüttert die Umgebung des Kohlekraftwerks Sottrup-Höcklage, der gesamte Komplex mit seinen 30 Turbinen läuft mit 350 Megawatt brüllend jenseits der Belastungsgrenze.

23 Uhr 06:

In der taghell erleuchteten Siedlung Önkelstieg erwacht Studentin Bettina U. und freut sich irrtümlich über den sonnigen Dezembermorgen. Um genau 23 Uhr 12 betätigt sie den Schalter ihrer Kaffeemaschine.

23 Uhr 12 und 14 Sekunden:

In die plötzliche Dunkelheit des gesamten Landkreises Stenkelfeld bricht die Explosion des Kohlekraftwerkes Sottrup-Höcklage wie Donnerhall. Durch die stockfinsteren Ortschaften irren verwirrte Menschen, Menschen wie du und ich, denen eine Kerze auf dem Adventskranz nicht genug war.

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(Foto: Kurt /pixelio.de)

(Nachweis: NDR2, Geschichten aus “Stenkelfeld”; krippen.de)

Eva Schwab, Niklas Klotz, Eun-Joo Shin: Drei künstlerische Positionen im ATELIERFRANKFURT

Donnerstag, 26. November 2009

Wieder einmal gaben die jüngsten “open doors” – mit zwei Nachmittagen leider eine viel zu kurze – Gelegenheit, sich in allen fünf Etagen des ATELIERFRANKFURT umzuschauen. Wir haben keine Auswahl getroffen – wie könnten wir das angesichts der beachtlichen künstlerischen Bandbreite in den 45 Ateliers auch tun -, sondern wir sind einfach hier und da “hängengeblieben”, bei Eva Schwab zum Beispiel, obwohl die Künstlerin gerade in Österreich weilte.

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Eva Schwab, Epilog, 2009, Wachs / Öl auf Nessel, 120 x 100 cm

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Eva Schwab, Der lange Marsch, 2009, Wachs / Öl auf Nessel, 120 x 100 cm

Eva Schwab,

1966 in Frankfurt am Main geboren, wo sie auch heute lebt und arbeitet, malt in Öl auf wachsdurchtränkter Leinwand und in Aquarelltechnik auf Papier. Das Blättern in Familienalben führt sie in eine Welt der eigenen Bilder und Erinnerungen, denen sie in sogenannten “Nachbildern” malerisch Ausdruck gibt. Vor dem Hintergrund historischer fotografischer Festhaltungen von Milieus, familiären, gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen, die bis in die Grosselterngeneration zurückreichen, formuliert Schwab Vorstellungen über Vergangenes, aus denen Orientierung in der Gegenwart erwächst. Das Material Wachs schafft eine ganz eigene, weichzeichnende, die Dinge entrückende und doch wiederum transparente Ästhetik.

Schwab studierte an der Düsseldorfer Kunstakademie als Meisterschülerin Malerei bei Professor Markus Lüpertz. In Frankfurt ist sie durch zahlreiche Ausstellungen, vor allem im hiesigen Kunstverein, im KunstBlock sowie in der Ausstellungshalle 1 A bekannt.

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Niklas Klotz, Esther, 2008, Marmor, Wachs, Holz, Glasaugen, 35 x 35,5 x 7 cm

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Niklas Klotz, o. T., 2009, Marmor, Wachs, Holz, Glasaugen, 31 x 42 x 7 cm

Niklas Klotz,

1968 in Brandenburg / Havel geboren, arbeitet ebenfalls mit Wachs: Den bearbeiteten Marmor seiner Skulpturen und Halbreliefs färbt er mit Wachs und Pigmenten und ergänzt ihn mit Accessoires aus Buchensperrholz. Klotz arbeitet mit Computermodellierungen, mit denen er die seinen Plastiken zugrunde liegenden Porträts entfremdet. Es entstehen hyperrealistische Darstellungen bestimmter Grundtypen, beispielsweise der “Esther”. Die veränderten Mimiken wie die eingesetzten Glasaugen verstärken einen surrealistischen Ausdruck der Gesichter. “Esther” eignen etwas Hexenhaftes, dem an Niki Lauda erinnernden Mann ein überhöht Entrücktes.

Klotz studierte nach seiner Ausbildung zum Steinmetz an der Hochschule für Bildende Künste Dresden Bildhauerei und war Meisterschüler bei Professor Eberhard Bosslet. Der Künstler lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.

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Eun-Joo Shin, Im selben Boot II, 2009, Öl auf Leinwand, 190 x 150 cm

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Eun-Joo Shin, o. T., 2009, Öl auf Leinwand, 190 x 150 cm

Eun-Joo Shin,

1968 in Woenju, Südkorea geboren, ist dem Frankfurter Publikum vor allem durch ihre jüngste Ausstellung im Februar / März 2009 “Fremde Bekannte” in der Heussenstamm-Galerie geläufig. Sie studierte Koreanische Malerei an der Chu-Gye University of Arts, Seoul und absolvierte an der Seouler Se-Jong University den Masterstudiengang. In Deutschland studierte sie anschliessend Freie Grafik an der Staatlichen Akademie der bildenden Künste in Stuttgart. Eun-Joo Shin lebt und arbeitet wie Eva Schwab und Niklas Klotz ebenfalls in Frankfurt am Main.

Die Künstlerin malt mit Ölfarben, doch erscheinen ihre Arbeiten aquarellhaft transparent. Oft dominieren weissliche Bildflächen, um die herum sie Landschaften und vor allem Personen gruppiert. Eun-Joo Shin vereint Elemente traditioneller ostasiatischer und westlicher Seh- und Malweisen. Ihre jüngsten Arbeiten haben, wie nicht nur ihre Titel zeigen, einen deutlicheren politisch-gesellschaftlichen Bezug.

(abgebildete Arbeiten © jeweilige Künstler; Fotos: FeuilletonFrankfurt)


Blick nach innen, Schritt nach draussen: Inge Kersting – Malerei

Dienstag, 24. November 2009

Geburt, Leben, Tod – dies seien, sagte Andreas Slominski, die Themen des Künstlers. Seine Themen jedenfalls.

“Inge Kersting – Malerei” benennt Inge Kersting ihre neue, in Frankfurt am Main aber erste Ausstellung mit Gemälden. Ihre dort im Rahmen einer kleinen Auswahl gleich rechts am Eingang des Ausstellungsraums gehängte Arbeit zeigt eine Art “Gebärlandschaft” – Sie haben richtig gelesen (und natürlich richtig gesehen) – einer Frau.

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Eine ungewöhnliche Darstellung, auch für jemanden, der schon mannigfach die verschiedensten weiblichen Akte hat betrachten können (und zuweilen “müssen”). Eine Arbeit, die uns auf den ersten Blick erschreckt: Aus leber- und nierenfarbigen Ovarien und Brüsten fliesst Blut – sofort kommt uns das nur schwer erträgliche Gedicht des expressionistischen Lyriker-Arztes Gottfried Benn “Mann und Frau gehen durch die Krebsbaracke” in den verstörten Sinn.

Aber das Bild ist in seiner an naive Malerei erinnernden Anmutung zugleich von einer berührenden Lauterkeit, ja Reinheit, Schönheit. Selbst wenn, so wagen wir zu sagen, dieser Leib verkrebst wäre. So weicht der Schrecken, den der erste Eindruck erzeugt haben mag, einer gelösteren Betrachtung. Was auch für die folgenden Bilder gilt, die sich in ihrer behutsamen Darstellung von Weiblichkeit und Männlichkeit von selbst erschliessen.

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Es sind die Fruchtbarkeit, der Beginn eines jeden Lebens, denen Inge Kersting in den zarten, pastellenen Farben ihrer in diesem Schaffensabschnitt bevorzugten Palette Ausdruck gibt. Auch in einer gewissen Rauschhaftigkeit. Vielleicht dürfen wir hier spekulieren, dass die Künstlerin dem Glück erst in einem fortgeschrittenen Lebensalter geschenkter Geburten ihrer heute erwachsenen Söhne nachspürt.

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Es sind das erstaunliche Prinzip der Zellteilung, das auch in unserer heutigen naturwissenschaftlichen Erkenntnis bis in alle Molekularbiologie hinein in seinem Ursprung und Sinn doch letztendlich kaum verstandene Wachstum der Zellen bis hin zum intelligenten Wesen, die die Künstlerin, in ihrer selbsterfahrenen eigenen Leiblichkeit, zu bewegen und zu faszinieren scheinen.

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Bilder also von Vitalität, Wachstum und Kraft, im Kleinen dem grossen “Urknall” vielleicht vergleichbar.

Und es treten neue Motive hinzu: hier die Schlange. Jenes geheimnisvolle, im alten Ägypten als Gottheit verehrte, im antiken Griechenland heilige, im Orient Erleuchtung und Weisheit symbolisierende, noch heute den Äskulapstab zierende, am Anfang der biblischen Paradiesgeschichte jedoch als teuflisch-verführerisch gebrandmarkte und deshalb wohl in allen Jahrhunderten des Abendlandes von vielen Menschen bis heute sinnlos gefürchtete Wesen.

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Ein lustiges, farbenfrohes, in manchen der früheren Bilder bereits erahnbares Schuppenkleid hat es angelegt, das Schlangenwesen. Und wir erkennen deutlicher, was uns Inge Kersting anvertraut hat und was schon in ihrem zu Anfang betrachteten “Schlüsselbild” eine grosse Rolle spielt: das so unvergleichlich im Licht spielende, grünlich-türkis-bläuliche Wasser der Lagune von Venedig. Die Künstlerin hat es von Kindesbeinen an erlebt und geliebt. Und sehen wir nicht im obigen Bild mit der Schlange wahrhaftig den Canal Grande?

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Inge Kersting, 1949 im niedersächsischen Coppenbrügge geboren, studierte an der Universität Bonn Kunstpädagogik mit dem Staatsexamen als Abschluss. Anschliessend absolvierte sie an der Freien Universität Berlin und an der Universität Marburg ein Aufbaustudium der Heil- und Sonderpädagogik mit dem Schwerpunkt Kunst. Es folgten künstlerische, kunstpädagogische und kunsttherapeutische Tätigkeiten in verschiedenen Institutionen in Bonn, Berlin und Frankfurt am Main. In Berlin nahm Kersting an einer künstlerischen Weiterbildung im Atelier Kantstraße und im Atelier Tiergarten teil. Nach Frankfurt zurückgekehrt, setzte sie ihre Studien an der Abendschule der Staatlichen Hochschule für bildende Künste – Städelschule – bei den Dozenten Nino Pezzella und Michael Siegel fort.

Inge Kersting malt seit mehren Jahrzehnten, parallel zu ihrer beruflichen Arbeit, in der sie schwerbehinderte und schwersttraumatisierte Kinder und Jugendliche im Wege der Kunsttherapie betreute. Sie stellte ihre eigenen Gemälde (Acryl auf Leinwand in verschiedenen Formaten) in mehreren Gruppenausstellungen in Bonn und Berlin aus. Seit 2005 lebt und arbeitet sie als freischaffende Malerin in Frankfurt am Main.

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Und es geht in einer sich emanzipierenden Farbigkeit weiter: Die wachsenden Zellkerne von einst formen sich zu sehenden, die Welt beobachtenden Augen, noch vom schützenden Schuppenkleid der Schlangen umgeben.

Geburt und Leben – wir erinnern uns an Andreas Slominski. Der Tod möge sich, so hoffen es die Menschen, noch ein wenig Zeit lassen.

“Inge Kersting – Malerei” im Kunstraum Lalibela, Klingerstrasse 2-4, 60313 Frankfurt am Main. Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag 13 bis 23 Uhr, Freitag und Samstag bis 24 Uhr. Weitere Informationen: Tel. 069/567843 und 069/293831. Die Ausstellung läuft bis zum 4. Dezember 2009.

(Abgebildete Werke © Inge Kersting; Fotos: FeuilletonFrankfurt)

Die dolle Personensuchmaschine

Montag, 23. November 2009

Na, das ist ja eine dolle Sache, diese Personensuchmaschine 123people … google bringt’s an den novemberlich-trüben Montag …

Da machen  diese Witzbolde doch einen Erhard Gurke aus mir: Klasse Leistung, voll cool, Glückwunsch! Hätte glatt die “Saure Gurke” unter den Personensuchmaschinen verdient.

Hier der Beweis:

Erhard Gurke – Deutschland – E-Mail, Adresse, Telefonnummer und

FeuilletonFrankfurt. Herzlich willkommen! Das Internet-Magazin von Erhard Metz “Saure Gurke” 2008 … Die Saure Gurke wird verliehen für Beiträge,
www.123people.de/s/erhard+gurke

Na ja, Bilder von mir im web gibt es keine, sagt das schlaue 123people. Aber da scheint es denn doch wirklich wohl einen Erhard Gurke zu geben, in Fritzlar soll er ansässig sein, dolle Sache, dieses 123people, was es so alles gibt im www …

Übrigens: die Domains erhardgurke.de oder erhard-gurke.de sind noch verfügbar, sagt 123people, also nichts wie hin!