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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Archive for Oktober, 2009

Dieter Mulch

Sonntag, 11. Oktober 2009

Erkenntnis im Rückblick und Aufbruch: Dieter Mulch im Nebbienschen Gartenhaus

Eine kleine Siedlung südlich von Wetzlar, wenige Häuser nur in einem von Lichtungen erhellten Wald. Nach einigem Regen atmet sich die Luft kühl und frisch. Wir stehen vor einem kleinen, mit Holz verblendeten, sauber gefertigten Haus, im Giebelfeld unter dem First grosse Fenster, Dieter Mulch erwartet uns in der sich öffnenden Tür. Beim Eintreten erblicken wir einen grossen, lichtdurchfluteten Raum unter der halbseitigen Verglasung des Daches. Ein “Traum” von einem Atelierhaus, gemäss den Überlegungen des Künstlers ausgeführt.

Alles ist aufgeräumt, Pinsel, Stifte, allerlei Farbtuben liegen wohlsortiert auf dem grossen Arbeitstisch, auf der Staffelei eine der wundervollen neuesten Bleistiftzeichnungen des Künstlers. Ein Kaffee steht bereit und ein duftender, köstlicher Pflaumenkuchen (ein Pflaumenbaum trägt, auf der anderen Seite des Ateliers im weitläufigen Garten, üppig Früchte), dazu etwas Schlagsahne, versteht sich.

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Man nennt ihn den Grandseigneur der Wetzlarer Kunstszene: Dieter Mulch, der vor wenigen Wochen seinen 80. Geburtstag begehen konnte. Mit einer Korrektur: Mulch ist ein weit über Hessen und Deutschland hinaus bekannter und geschätzter Künstler. Im Anschluss an die Geburtstags-Hommage in der Wetzlarer Galerie am Dom sind seine neueren Arbeiten nun auch in Frankfurt am Main im Nebbienschen Gartenhaus des Frankfurter Künstlerclubs zu sehen.

Mulch, 1929 in Frankfurt geboren, studierte Graphik und Malerei bei Waltraut Hassenstein und später bei Beckmann-Schüler Theo Garve an der Städel-Abendschule. 1957 schloss er sein Philologiestudium an der Universität Frankfurt am Main ab. Neben seiner Lehrtätigkeit an Wetzlarer Gymnasien und weiteren Kunststudien wirkte er als Illustrator und Übersetzer englischsprachiger Literatur über Kunst und Künstler.

Seine Zeichnungen und Druckgrafiken, Tafelbilder und Collagen, Objektkästen, Objekte und Installationen waren Gegenstand zahlreicher Ausstellungen im In- und Ausland, in heimatnahen Städten wie Bad Homburg, Frankfurt am Main, Gießen, Herborn, Mühlheim, Weilburg, Wetzlar, Wiesbaden oder Zwingenberg, im ferneren Altena, Bielefeld, Bonn, Düsseldorf, Homburg/Saar und Ilmenau, im Ausland in Sintra/Portugal, in Paris, im französischen Tullins sowie in York/England.

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Zwei Gemälde aus früheren Jahrzehnten, wohl unverkäuflich, hängen an der Stirnseite seines Ateliers. Sie bewegen auch uns, scheinen Schlüsselbilder zu sein:

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Antik anmutende, burgartige Architektur, reich an symbolischen Details, entfernt an die römischen Trajansmarkthallen erinnernd, Wurzeln abendländischer Kultur.

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Der Bauwagen in einer winterlichen Szene mit halb geöffneter Tür, die Baustelle – noch – menschenleer, wir wollen Assoziationen an Edward Hopper nicht zulassen, weil sich etwas in uns sträubt, die Darstellung nicht als Verheissung für Aufbruch, Neubeginn und Zukunft zu empfinden.

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Dieter Mulch malt und zeichnet grossenteils figurativ. Weit fehl ginge indes die Annahme, seine Bilder läsen sich – im Vergleich etwa zu abstrakter Malerei – einigermassen leicht. Das Gegenteil ist der Fall, denn Mulch chiffriert Erlebtes und Durchlebtes in einem zunächst rätselhaft erscheinenden Kaleidoskop von Szenen und Gegenständen, die er zusammenfügt. Wir fühlen uns in machem entfernt erinnert an die altägyptische Hieroglyphenschrift mit ihren konkret-gegenständlichen Darstellungen, die – erst in einer Abfolge gelesen – das Mitzuteilende offenbart.

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Im Nebbienschen Gartenhaus zeigt der Frankfurter Künstlerclub mit Mulchs Gemälden, Zeichnungen und den sogenannten “Bagatellen” (kleinen dreidimensionalen Papierarbeiten in farbiger Mischtechnik auf Papiermontage in einem Rahmengehäuse) fast auschliesslich neuere Arbeiten: In “Memory” – so lautet der Titel der Ausstellung – entwickelt Mulch, rückblickend auf einen reichen künstlerischen Entwicklungs- und Schaffensprozess, Werke von suggestiver wie zugleich zärtlich-poetischer Bildsprache, die enträtselt werden möchten.

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Wir sehen Gemälde in Acryl auf Leinwand in den für den Künstler typischen rechteckigen Formaten. Das Rechteck hat seit jeher seine Tücken, steht es doch zwischen dem Dynamik vermittelnden Hoch- und dem eher statischen Querformat. Mulch komponiert kleine Stillleben miteinder zu einem grösseren. Es sind die reifen, vollen, gesättigten Farben des Herbstes, die uns begegnen, dominiert von rotbraunen Abstufungen und jenen einzigartigen, geheimnisvollen Blau- und Grüntönen; jedwedes Schrille ist gewichen, falls es jemals auf des Künstlers früherer Palette zu finden gewesen sein sollte.

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Die Bilder gleichen Ruhepunkten in einer von medialen Bilderfluten beherrschten Welt. Sie laden zum Schauen, zum Innehalten ein. Es sind die inneren Bilder des Lebens, die der Künstler zu einem gelungenen und immer wieder neu gelingenden Ganzen zusammenfügt. Einem Ganzen, das in einem reiferen Lebensabschnitt des Malenden Authentizität vermittelt.

“Während jemand als Maler seine Bilder verfertigt”, schreibt Dieter Mulch, “wird seine innere Vorstellungswelt keineswegs zum Schweigen gebracht; im Gegenteil! Gewissermaßen als Ausgleich für die Konzentration, mit der sich der Malende seiner Arbeit zuwenden muss, drängen sich ihm ständig neue Bildvorstellungen auf, die mit alternativen Möglichkeiten spielen, Variationen in Erwägung ziehen, neue Kompositionen vorschlagen und zum Erproben anderer Verfahren verlocken.”

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Die Bilder, die Chiffren sind die Sprache des Künstlers. Sie spiegeln den Reichtum eines Lebens wider, nicht sich dem Betrachter andienend, sondern ihn – einem Rebus gleich – zu teilnehmender Reflektion auffordernd.

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Die Stadt Frankfurt am Main spielt eine grosse Rolle in Mulchs Bildersequenzen. Wir lesen das Zitat des Beckmannschen Hauptbahnhofs, wir vernehmen Musik in Gestalt der Instrumente, der Stimmgabel oder der taktgebenden Metronomen, diese zugleich Symbol für den Takt und die Endlichkeit unseres Lebens. Wir fahren noch einmal im heissgeliebten Deux Chevaux unserer Studentenzeit. Und stets begegnen uns die stummen, geheimnisvollen, mit goldenem Halsband versehenen, wieder an altägyptische Darstellungen anmutenden Hunde, die reifen Äpfel, das in spätgoldenem Schatten verbleichende Laub, die im Nebel sich umblickende Krähe, und immer wieder diese Leiter …

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Dieter Mulch: “Es gilt, ein vergessenes Geheimnis der Kunst wieder zu entdecken: Wer die abstumpfende Wirkung der Gewohnheit überwinden will, muss bei einer Sache lange verweilen können.”

Die gegenständlichen Arbeiten stehen in einem spannungsreichen Kontrast zu manchen aus ihnen in logischer Konsequenz formulierten abstrakten Gemälden.

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Die quadratischen Arbeiten sind in Acryl auf Leinwand in den Formaten zwischen 30 x 30 cm und 60 x 60 cm ausgeführt.

Dieter Mulch wäre nicht Dieter Mulch, hätte er nicht – wenige Monate vor Vollendung des Achtzigsten – in einem Aufbruch zu neuen Formaten und Darstellungsformen gefunden. Seine aktuellen figurativen Bleistiftzeichnungen führen in eine Welt von Visionen und Träumen.

Es sind fragile, schwebende, im Labilen balancierende, sich auf schmalstem Fundament bewegende und am sprichwörtlichen “seidenen Faden” hängende Konfigurationen. Ausgeführt in feinster Zeichenarbeit mit dem Graphitstift, im Hochformat 65 x 50 cm auf Karton. Wieviele Träume muss man träumen und erinnern, wieviele mystische Visionen erfahren, auf welche Gipfel gestiegen sein und in welche Abgründe geblickt haben, um zu einer solchen Bildsprache finden zu können?

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Die Zeichnungen hat Mulch gewissermassen von oben nach unten entwickelt. Das Schwere verliert sein Gewicht, das Leichte erweist sich als für die Stabilität Unabdingbares. Traumsequenzen gleich kommunizieren die einzelnen Motive in surrealer Weise miteinander. Träte nur ein kleines, unwägbares Ereignis hinzu, könnte das Ganze kollabieren, ins Bodenlose stürzen. Launische Spiele des  Künstlers oder Gleichnisse für die Fragilität, die schicksalhafte Ungewissheit des Lebens, ja allen Daseins?

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Nur noch bis zum 18. Oktober 2009 ist diese bemerkenswerte Bilderschau im Nebbienschen Gartenhaus zu sehen (Dienstag bis Sonntag von 12 bis 18 Uhr).

(Abgebildete Werke © Dieter Mulch; Fotos: FeuilletonFrankfurt)


 

Das grüne Kanapee / 9

Donnerstag, 8. Oktober 2009

Mal wieder reif für’s grüne Kanapee? Aber ja, draufsetzen, anklicken (Windows Media Player meldet sich) und lauschen – wem? Na, habust natürlich, dem grossen Dichter!

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(©  habust; Foto: GearedBull wikimedia commons GFDL)

Bosheiten / 4

Mittwoch, 7. Oktober 2009

Es gibt nur zwei Wege, um auf der Welt vorwärts zu kommen: durch seine eigenen Fähigkeiten oder durch die Dummheit der anderen.

Jean de la Bruyère (1645 bis 1696), Schriftsteller

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(Foto: Stephanie Hofschlaeger/pixelio.de)


Frankfurt am Main → Museum für Moderne Kunst MMK → Jack Goldstein

Sonntag, 4. Oktober 2009

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Filme → Schallplatten → Gemälde → Texte.

Es gibt sie noch – die wirklichen (Wieder-)Entdeckungen. MMK-Direktorin Susanne Gaensheimer und Kurator Klaus Görner erweisen sich als Schatzgräber der besonderen Art. Genauer gesagt als Schatzfinder. Was sie finden? Durchaus Gold (nomen est omen): das Werk von Jack Goldstein.

Es ist eine glanzvolle Retrospektive auf einen der bedeutsamsten “Künstler-Künstler” der letzten Jahrzehnte.

Wir veröffentlichen einen kleinen “Foto-Teaser”. Er soll Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, Appetit machen auf das Grossartige, was seit Samstag im Frankfurter MMK zu sehen ist.

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(Fotos: FeuilletonFrankfurt)

Judy Ross, “Pension Rita” und die Frankfurter Galerie Maurer

Freitag, 2. Oktober 2009

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Galerien fördern, vermitteln und verkaufen Kunst: Das ist ihre Aufgabe.  Besonders bemerkenswert und erfreulich ist es, wenn eine Galerie eine Künstlerin mit einer ebenso anspruchsvollen wie sozusagen sperrigen Arbeit, hier einer raumgreifenden Installation vorstellt, welche – in Anbetracht ihrer Komplexität und allein schon räumlichen Dimension – als solche wohl kaum als marktgängig erscheint.

Brigitte Maurer, Inhaberin der Galerie Maurer in der Frankfurter Fahrgasse, leistet sich derzeit ein solches Unterfangen. Noch bis zum 17. Oktober 2009 präsentiert sie die in Berlin lebende Künstlerin Judy Ross: neben anderen Videoarbeiten mit einer in der hiesigen Galeriemeile so noch nicht gesehenen Videoinstallation namens “Pension Rita”.

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Im Mittelpunkt dieser narrativen Installation steht Chantal, Tochter von Fräulein Rita, der Inhaberein der Pension Rita. Chantal bewohnt ein kleines Zimmer, rund zweieinhalb mal dreieinhalb Meter im Geviert, es ist durch eine schmale Tür zu betreten, das kleine Fenster öffnet den Ausblick auf JUDY’S KINOBAR, ein Etablissement von zweifelhaftem Ruf.

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In Chantals Zimmer ein Bett, darauf ein an Kindertage erinnerndes Kissen, eine Decke, etwas Unterwäsche, weitere Unterwäsche und ein abgeschmustes Stofftierchen unter dem Bett, ein mit Wäsche und Garderobe behangener Stuhl, wiederum Wäsche und Garderobe an einem Wandhaken, in einer Zimmerecke auf einem Bord ein Fernsehgerät, daneben ein kleinbürgerlicher Nippes-Flamingo, darunter auf dem Boden zerknäult eine Decke, ein Nachtschränkchen mit Lampe und Radiowecker  …

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Chantal bleibt unsichtbar und begegnet uns doch in dem kleinen Verliess auf Schritt und Tritt: ihre kalkweissen Fussabdrücke laufen vom Fensterchen zum Bett, zum Fernsehapparat und wieder zurück.

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Chantals  “Familie” lernen wir nur über den Bildschirm des Fernsehgeräts kennen, eigentlich besteht sie lediglich aus ihrer Mutter, die zumeist am Empfang der kleinen Pension oder mit ihren Gästen am Kaffeetisch sitzt; dann gibt es noch deren Freund, ein Professor Geiger, sowie zwei tantenhaft wirkende weibliche Pensionsgäste, “gute Leute”, wie Rita betont. Rita errötet bei Professor Geigers Eintritt, seine unzweideutigen Komplimente veranlassen sie, ihm ihr Dekolleté noch ein wenig enger anzunähern. Dieser Professor ist eine verklemmte, unterwürfig wie schmierig wirkende Figur, den Blick meist vor sich hin gesenkt. Er mutet uns als ein Hinterzimmer-Arzt an, der von illegalen Abtreibungen lebt. Am Kaffeetisch ist von Chantal die Rede, ihrer Verschlossenheit, die zwei tantigen Pensionsgäste ziehen in spiessbürgerlicher Doppelmoral über sie her, man solle ihr doch mal einen ordentlichen Freund besorgen, Rita klagt, sie könne das viele Geld für Chantals ärztliche Betreuung nicht aufbringen, Professor Geiger murmelt düster, Chantal erscheine ihm heute besonders still, er werde mal wieder nach ihr sehen …

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Der dachlose Raum mit Wänden aus rohen Holzfaserplatten, innen tapeziert, erscheint betont als Kulisse, kulissenhaft auch die  Positionierung einer Projektionsapparatur an der Aussenwand. Vier synchron geschaltete Filme als Loops, jeweils mit einer Laufzeit von 3 Minuten 43 Sekunden, erscheinen auf dem Fernsehschirm, auf einer Wandfläche über dem Kopfteil des Bettes (Chantals fiktives Kelleraquarium mit zwei Walfischen zeigend), als Blick aus dem Fenster und – in Idee und Ausführung genial – als durch das Räumchen wandelnde Fussstapfen.

Die Künstlerin versteht “Pension Rita” als “soziale Groteske” einer der Wirklichkeit entrückten Familie, als ein “Spiel zwischen Konstruktion und Realitätsverlust”. Auf uns wirkt die Installation noch in anderer Weise bedrückend, weil sie uns an die Geschichte der über Jahre gefangen gehaltenen Natascha Kampusch und ähnliche, aus den Medien bekannte Fälle menschlicher Exzesse erinnert. Gespenstisch, wie Chantal in Gestalt ihrer Fussabdrücke zwischen Fenster und Fernsehgerät einhergeht, zum Bett schreitet und – die Füsse verschwinden – sich darauf legt. Gespenstisch, wie Professor Geiger, ebenfalls durch kalkweisse Fussstapfen vergegenwärtigt, das Zimmer betritt, sich auf das Bett zubewegt, dort innehält und seinen Arztkoffer abstellt … was wird er mit Chantal tun?

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Judy Ross arbeitet mit den Medien Sprache, Zeichnung, Fotografie, Bildhauerei, Performance, Animation und Video, die sie in raumfüllenden Installationen miteinander verknüpft. Ihr Werk ist oft von unterschwelligem Humor und feinem Sarkasmus gekennzeichnet. Ross verfolgt, wie sie schreibt, das Ziel,  “durch das Stören der eingeübten Bilder die Erwartungen des Betrachters zu irritieren und seine Sehgewohnheiten in Frage zu stellen. Ein Thema dabei ist die Unfähigkeit zur Kommunikation.”

Judy Ross, 1978 im nordrhein-westfälischen Finnentrop geboren, studierte zunächst Bildhauerei und Grafik an der Alanus Hochschule in Alfter, anschliessend Bildende Kunst an der Universität der Künste Berlin bei Professor Rebecca Horn und als Meisterschülerin bei Professor Stan Douglas. Sie erhielt zahlreiche Preise und Stipendien, unter anderem den Förderpreis für Bildende Kunst des Bundesministeriums für Bildung und Forschung sowie das Stipendium Graduiertenförderung des Landes Berlin und ein Erasmus-Stipendium an der Royal Danish Academy of Fine Arts in Kopenhagen. Ross war Artist in Residence im kanadischen BanffCentre und ist Gastdozentin an der Computerwerkstatt für zeitgenössische künstlerische Praxis an der Berliner Universität der Künste. Ihre Arbeiten präsentierte sie in zahlreichen Gruppen- und Einzelausstellungen im In- und Ausland sowie auf Filmfestivals.

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“Pension Rita”: Man sollte sich diese Videoinstallation in Brigitte Maurers Galerie – und ebenso die anderen dort gezeigten Videoarbeiten der Künstlerin – unbedingt anschauen. Mitzubringen sind einiges an Zeit und die Bereitschaft, sich auf die Kunst von Judy Ross einzulassen. Ein längerer Aufenthalt in Chantals Stübchen bleibt – davor sei gewarnt – nicht ohne Wirkung, besonders wenn man mit der Galeristin scherzt, ob man die Türe denn auch schliessen könne. Die Tatsache, dass der Schlüssel von aussen im Schloss steckt und wir das Sakko samt Handy zuvor leichtfertig in die Obhut der Galeristin gegeben hatten, lässt uns von dieser Überlegung alsbald wieder Abstand nehmen. Man kann ja nie wissen …

(Installation © Judy Ross; Fotos: FeuilletonFrankfurt)