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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Archive for September, 2009

Missverständnis …

Samstag, 12. September 2009

Yes, we can!

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(Foto: M. Schlüter /pixelio.de)

Yes, weekend!


53. Biennale Arte Venedig 2009 (11) – Das Welttheater des Hans-Peter Feldmann

Donnerstag, 10. September 2009

“Schattenspiel”, Installation, 2002 bis 2009

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Natürlich denken wir bei Hans-Peter Feldmanns Arbeit sofort an Platons Höhlengleichnis: Die Menschen in ihrer begrenzten Wahrnehmungsfähigkeit können nur einen Schatten der gegenständlichen Welt erkennen, das wahre Seiende bleibt ihren Blicken verschlossen. Die Menschen sind aber aufgefordert, sich nicht auf das mit ihren Sinnen Wahrnehmbare ihrer weltlichen Umgebung zu beschränken, sondern das dahinter stehende Verborgene zu ergründen.

Feldmann baut in Venedig eine Reihe mit kleinen, motorisch angetriebenen Karussells, auf denen er zahlreiche Gegenstände und Figuren in Spielzeuggrösse installiert. Lichtstarke Lampen beleuchten die sich langsam drehenden Karussells und werfen die Schatten der Figuren auf die dahinter stehende Wand. Die projizierten, über die Wandfläche gleitenden Schatten überschneiden sich gemäss den Rotationen der Karussellscheiben und bilden ein ständig wechselndes, in jedem Augenblick einzigartiges, sich niemals wiederholendes Ganzes.

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Feldmann hat, teils aus seinen früheren umfangreichen Sammelsurien, vielerlei Gegenstände und Gerätschaften des häuslichen und alltäglichen Lebens zusammengestellt, allerlei Puppen und Tiere, geschnitztes Kunsthandwerkliches und Plastikkitsch, Spielzeug wie Teile von Modelleisenbahnanlagen, Pistolen, Skelette und Pizzaverpackungen, Trinkflaschen, Blumentöpfchen und farbenfrohen Nippes. Unsere Welt eben, einschliesslich Mineralwasser und Nahrungsmitteln. Alles dreht sich auf den Karussellflächen im Kreis.

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Der Betrachter sieht die Karussells wie auf einer Bühne vor sich und zugleich das geisterhaft anmutende Schattenspiel an der Wand. Die Gegenständlichkeit der realen Welt wird in bühnenhaftem Spielzeugformat gebrochen und ein weiteres Mal in ihrer Projektion. Die Schattenbilder flackern und gaukeln, wir erinnern uns der “schwankenden Gestalten” in Goethes “Faust”. Im Taumel vermählen sich die Figuren. Der gespenstische Reigen gerät zum Totentanz, wenn der Knochenmann die Hand reicht.

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Hans-Peter Feldmann, 1941 in Düsseldorf geboren, wo er bis heute lebt und arbeitet, gab 1968 die Malerei auf und wandte sich der konzeptuellen Fotografie zu. Er setzte sich kritisch mit Walter Benjamin (“Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit”), der Thematik von Original und allgegenwärtiger Möglichkeit zu dessen Reproduktion auseinander. 1980 zog er sich gänzlich von der Kunst zurück, wandte sich jedoch 1986 erneut der Fotografie zu. Immer wieder ging es ihm dabei um eine Art kollektiven Bildgedächtnisses, um die Wahrnehmung der gegenständlichen Umgebung mittels der Fotografie.

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(Installation © Hans-Peter Feldmann;
Fotos: FeuilletonFrankfurt)

Bärbel Holtkamp, Malerei, und Andreas Elliesen, Glasplastik: “Bewegung und Ruhe”

Dienstag, 8. September 2009

“Bewegung und Ruhe”

Malerei in Kontrast und in Harmonie zu Glasplastik

Im Nebbienschen Gartenhaus des Frankfurter Künstlerclubs ist derzeit ein reizvolles Wechselspiel zu erleben: Bärbel Holtkamps Malerei steht in einem spannungsreichen Diskurs mit den Glasskulpturen von Andreas Elliesen.

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“O. T.”, Acryl, Kreide, Collage auf Leinwand, 50 x 50 cm

Einer “Hexenküche” gleiche, scherzt Bärbel Holtkamp, ihre heimische Malwerkstatt. Die Künstlerin, ständig in Bewegung und auf der Suche nach Neuem, hantiert mit Leinwand, Baumwolltuch, Papier und Gaze. Sie braut aus Pigmenten, Acryl, Aquarellfarben, Kreide, Lasuren, Sand – vorzugsweise solchem aus den Ockerbrüchen im Roussillon – und Knochenleim die verschiedensten Malmittel zusammen.

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“Inmitten”, Acryl, Sand auf Gaze auf Leinwand, 60 x 60 cm

Ihre Bilder und Collagen weisen einen vielschichtigen Aufbau auf, der komplexe Bearbeitungschritte widerspiegelt. Die Malerin nimmt sich bei all ihrer künstlerischen Unrast Zeit, bis sie mit einer Arbeit so zufrieden ist, dass sie sie “in Ruhe lassen” kann. Ein Prozess, der sich nicht selten über Monate erstreckt. “Es malt”, sagt sie. Sie hält sich viel in der freien Natur auf, aus der sie Anregungen aufnimmt und Kraft schöpft.

Es entstehen, nicht ohne Einfluss der Theorie des Informel, ungegenständliche Bilder von intuitiver wie emotioneller Farbgebung und einer von Spontaneität bestimmten Prozesshaftigkeit. Einen besonderen Reiz entfalten die reliefartigen Aufbrüche der Oberflächen, die mannigfachen Assoziationen Raum geben.

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“In den Ringen der Bäume II”, Acryl, Kreide auf Papier, 49,5 x 64 cm

Bärbel Holtkamp, 1941 in Berlin geboren, absolvierte nach dem Studium freier und angewandter Kunst in Berlin eine Ausbildung zur Diplom-Werbeassistentin. Anschliessend folgte ein Studium für das Lehramt an Haupt- und Realschulen. Über ihre Tätigkeit als Grafikerin, technische Zeichnerin und Lehrerin in der Erwachsenenbildung hinaus setzt sie sich seit dem Jahr 2000 verstärkt mit der eigenen Malerei auseinander. Parallel zu weiteren künstlerischen Studien an der Frankfurter Malakademie präsentierte sie ihre Arbeiten in einer Vielzahl von Gruppen- und Einzelausstellungen.

Holtkamp ist Mitglied der Frankfurter Malakademie, des Berufsverbands Bildender Künstler BBK und des Frankfurter Künstlerclubs, dessen Kunstpreisträgerin sie ist.

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“Aufbruch”, Acryl, Aquarellfarbe, Sand, auf Gaze auf Papier, 49,5 x 63,5 cm

In reizvollem Gegensatz zu den überwiegend warmtönigen Arbeiten von Bärbel Holtkamp stehen die Plastiken und Reliefs von Andreas Elliesen.

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“Aufstrebend”, Glas, Aluminium, 39 x 31 x 4 cm

Elliesen verwendet als Material industriell hergestelltes Flachglas in verschiedenen Stärken. Die einzelnen Scheiben verbindet er mit einem speziellen Klebstoff zu räumlichen Strukturen. Die Kanten der Scheiben sind nicht geschnitten, sondern gebrochen. Diese Techniken bewirken, dass die gläsernen Gebilde im Licht in diversen Grüntönen aufscheinen.

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“Schichten 2″, Glas, Papier, 21 x 21 x 5 cm

Einige der reliefartigen Arbeiten sind als Schaukästen gestaltet, die sowohl bei frontaler als auch bei seitlicher Betrachtung ausserordentliche optische Wirkungen entfalten. Der Künstler verklebt dabei zwischen den einzelnen Glasschichten farbige Papiere, die er zuvor zum Teil selbst bearbeitete. Es entstehen landschaftsartige Strukturen mit terrassierten Abstufungen und an Täler erinnernden Einschnitten.

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“Schichten 4″, Glas, Papier, 21 x 21 x 19 cm

Elliesens Plastiken entfalten ihre Wirkung oft in Kombination des zerbrechlichen Stoffes Glas mit schweren, robusten Materialien wie Stein oder Stahl. Es entstehen dabei spannungsvolle Gegensätze und Wechselwirkungen in ihren räumlichen und transparenten Anmutungen.

Andreas Elliesen , 1943 in Halle an der Saale geboren, studierte Bauwesen, Stadtplanung und Architektur. Seit 1976 arbeitet er als Bildhauer künstlerisch mit Glas als Material. Im Mittelpunkt seiner Arbeit stehen Reliefs, Skulpturen für den Innen- und Aussenraum, architekturbezogene Arbeiten sowie Kunst am Bau.

Elliesen stellte seine Arbeiten vielfach aus, im Ausland in Lausanne und Toronto. Werke befinden sich im Besitz der Stadt Frankfurt am Main und des Museums für Kunsthandwerk in Lausanne. Er ist Mitglied des Berufsverbands Bildender Künstler BBK, des Kunstvereins Bad Homburg ARTLANDIS  und des Frankfurter Künstlerclubs.

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“Lichtspalt”, Glas, Taunusschiefer, 50 x 50 x 18 cm

Frankfurter Künstlerclub im Nebbienschen Gartenhaus, bis 20. September 2009

(Abgebildete Werke © Bärbel Holtkamp bzw. Andreas Elliesen; Fotos: FeuilletonFrankfurt)


Starke Hände, starke Frauen – Barbara Feuerbach und das Bild der Frau in ihrer Malerei

Sonntag, 6. September 2009

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(Ausschnitt-Fotos: FeuilletonFrankfurt)

Diese Hände – wem mögen sie wohl gehören? Wir verraten es: der wundervoll-schöpferischen Malerin Barbara Feuerbach – und einem ihrer weiblichen Geschöpfe, der in verschiedenen Versionen gemalten “Schönen Ulmerin” – alias Maria Magdalena.

Barbara Feuerbach – wir veröffentlichten vor längerem  in diesem Magazin eine feurige Betrachtung ihrer Arbeiten – sie hat die starken Hände einer starken Malerin und Frau. Und es sind – neben vielem anderen – solche Hände, die sie in ihrer Malerei ihren Protagonistinnen mit auf den Weg gibt, als ein Attribut von versammelter Stärke, in sich ruhendem Selbstbewusstsein, heiterer und zugleich disziplinierter Vitalität.

Auch wenn uns eine ihrer “Schönen Ulmerinnen” hier einmal nicht in pastellgrellem (ja, das gibt es tatsächlich auf Barbara Feuerbachs geheimnisvoller Palette) Rosa, Gelb, Grün, Blau oder Violett entgegensieht, sondern in verschmitzt-grünbraunem Fischgratmuster mit frech-aufsässigem, uns auf irgend eine Weise an Robin Hood erinnernden Hut unseren flanellgrauen männlichen Alltag aufmischt.

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(Bildnachweis: © Barbara Feuerbach)

Hände – es sind die frühesten Gestaltungsinstrumente einer sich in der Evolution auch durch ihrer Hände Arbeit entwickelnden Menschheit. In seinen Händen finden physische und psychische Konstitution eines Menschen durchaus adäquaten Ausdruck. Das wusste auch der von der Malerin als Vorbild verehrte Max Beckmann in seinen Arbeiten gestalterisch einzusetzen.

Neben der Frische der Farben, der Kraft und dem dynamischen Duktus des Farbauftrags, den mit unverwechselbarem Feuerbach-Blick schauenden Augen und dem charakteristisch geschwungenen übergrossen Mund, den die Malerin ihren Protagonistinnen gibt, der nonchalanten, spielerischen Choreografie eines Henri Matisse, mit der sie jene ins Bild setzt, sind es diese ebenfalls übergrossen Hände,  die Lebensfreude und Tatkraft, Gestaltungswillen und Mut vermitteln. Beschreitet der Betrachter einen Irrweg in der Vermutung, dass sich die Künstlerin unbewusst ihre eigenen Hände zum Vorbild nimmt?

Und sie spielt mit diesen Händen, diesen Fingern, man sollte letzteren durchaus Aufmerksamkeit schenken, könnte es doch sein, dass dieser oder jener Figur schon mal ein Finger an einer Hand fehlt: verborgenes Erkennungsmerkmal, Chiffre, für Unsympathisches, gar Böses?

In der Reihe “Lipsticks” dominieren – mitunter die Grenze zum Parodistischen berührend – vor Lebensfreude und Selbstwertgefühl “strotzende” Frauen: Sie treten in extravaganten, ultrakurzen Boutique-Kleidchen auf, springen über aus Designerhülsen ausgefahrere Lippenstifte, räkeln sich selbstverliebt in Hängematten oder steuern lässig-geniesserisch einen altehrwürdigen Oldtimer-Roadster (wobei “sie” selbstverständlich auch den britischen Rechtslenker beherrscht).

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(Bildnachweis: © Barbara Feuerbach)

Das Bild der Frau in ihrer Malerei – so lautete unlängst denn auch das Thema eines gutbesuchten Künstlerinnengesprächs in der Frankfurter Galerie ARTE GIANI, der unsere Titelheldin verbunden ist.

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Galeristin Claudia Giani-Leber und Barbara Feuerbach beim Künstlergespräch in der Galerie ARTE GIANI  (Foto: FeuilletonFrankfurt)

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(Bildnachweis: © Barbara Feuerbach)

Erwischt! Da ist sie: Die Lady aus der Serie “Flintenweiber” hat an ihrer Linken nur drei Finger! Warum auch trägt die “Unsympathische” eine Tellermine auf dem Kopf! In bemerkenswertem wie irritierendem Kontrast: die elegante nerzbesetzte, malerisch aufs Feinste ausgeführte Garderobe der Dame.

Aber schauen wir genauer hin: Das Bild mag in besonderer Weise für die Ambivalenz vieler Arbeiten Barbara Feuerbachs stehen, für den Antagonismus zwischen einer Ästhetik, Schönheit, Innerlichkeit, kluger Friedfertigkeit verbundenen Weiblichkeit und einer oft im martialisch-kriegerischen Gebaren verharrenden, darin immer noch maskulin bestimmten Realität. Das mit den Tellerminen – jenen heimtückischen, barbarischen Kampfmitteln – scheinbar kokettierende “Flintenweib” mutet uns deshalb nicht als Typus einer Terroristin an. Könnten die aschfahle, bläulich abgestorben erscheinende Haut, diese krallig-verkrampften Hände mit den blutigroten Fingernägeln nicht vielmehr eine Tote im Leichenschauhaus versinnbildlichen – nicht Täterin, sondern Opfer einer kampfbetonten, Tellerminen verbreitenden männlichen Welt?

Spiegelt sich das Bild der Frau in Feuerbachs Malerei zum einen unmittelbar in der Verkörperung ihrer Protagonistinnen wider, so definiert es sich zum anderen in der Darstellung der Männer.

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(Foto: FeuilletonFrankfurt)

Nahezu sorgfältig beschützend hält die mit einem – mit feiner weisser Spitze besetzten – Kleid in warmem Rot gewandte Dame einen puppenhaft verkleinerten, mit Anzug, weissem Hemd und Krawatte korrekt gekleideten Mann in ihrer Rechten. Dieser streckt seine winzige, einem Vogelfüsschen ähnliche linke Hand in Richtung des übermächtig erscheinenden, den Weg weisenden Zeigefingers der Frau. Auf seinem Gesicht ein einfältig-zufriedenes Lächeln.

Dann die der Karikatur nahe Serie der “Bestäuber”: Junge, fröhliche, mitunter androgyn anmutende Männer hüpfen und springen, mit bunten schulterfreien Wäschebodys (nannte man zu früheren Zeiten solche Art Kleidung, wenn auch in weissem Feinripp, nicht “Hemdhosen”?) angetan, in ihren Händen halten und auf ihren Schultern tragen sie riesige Blütenstände – beherrscht und beseelt von ihrer biologischen Bestimmung, ihren Samen und ihre Gene in alle erreichbaren weiblichen Welten zu tragen.

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(Foto: FeuilletonFrankfurt)

Hier gibt sich ein wiederum korrekt gekleideter Mann eine vergebliche Mühe: Seinen – noch dazu von einer Klarsichtfolie abgeschirmten – Blumenstrauss, den er wohl den Damen zugedacht hat, benötigen diese nicht, leben sie doch selbst in einem üppig blühenden Garten, den sie mit Giesskannen in ihren Händen pfleglich bewässern. Grünlich-blässlich der Mann, die Aura aus einer roten kreisförmigen Blume verstärkt seinen tragikomischen Gestus.

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(Bildnachweis: © Barbara Feuerbach)

Anders wiederum eine poetisch-zärtliche Szene: Eine junge Frau, wir vermuten sie in Schwangerschaft, ein junger Mann, sportlich mit lediglich einer Badehose bekleidet. Wie schützen wollend, dennoch hilflos-ungelenk legt er seine Linke seitlich an die Frau, diese aber hält jene fast ebenso beschützend, vielleicht zugleich abwehrend fest, ihre Hand ist grösser, dominiert. Eher verlegen, eine Barriere zwischen sich und der Frau bildend, führt der Mann seine rechte Hand an seine Brust. Skeptisch der Blick der Frau in die Zukunft, unsicher der des Mannes.

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(Foto: FeuilletonFrankfurt)

Und schliesslich die Reihe der “Dunkelmänner”: Hoffnungsvoll-siegesgewiss ergreift der Herr in dunklem Zwirn seine vermeintlich sichere weibliche Beute, ein weiterer “Dunkelmann” schaut voyeuristisch-grinsend zu. Die Dame in blumigem Rosarot vor ebenso blumigem rosarotem Hintergrund weiss um das bekannte Spiel. Blauäugig blickt sie vor sich hin – im doppelten Sinne dieses Wortes? Ihre Arme verschränkt sie in koketter Abwehr; sie kennt die Spielregeln.

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(Bildnachweis: © Barbara Feuerbach)

Mit Heiterkeit und Ironie, nie bösartig und niemals zynisch begegnet Feuerbach in ihren Arbeiten der männlichen Welt. Aber sie widerlegt entschlossen jenen Mythos, dass die Frau einst aus der Rippe des Mannes geschaffen ward.

Die Künstlerin blickt zu einer ihrer Arbeiten aus der Reihe “La belle Strasbourgeoise” auf: eine Art “schrecklich nette Familie”. Der Mann in seiner verfremdeten steinernen Monumentalität (Vorbild soll der Hl. Laurentius sein), auf seinem Gesicht spiegeln sich böse Ahnungen, die zierliche Frau, ihre übergrosse Hand auf seiner von schwerem Umhang gedrückten Schulter, scheint wissend in eine dunkle Zukunft zu blicken, an “feuerbachroter” Leine hält sie ein garstiges Bastardhündchen, dem ein Wasserspeier des Strasbourger Münsters als Vorbild dient.

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(Foto: FeuilletonFrankfurt)

Barbara Feuerbach bricht in Lachen aus, ihr wissendes Lachen steckt uns an, entfaltet Befreiendes. Es löst sich ein Etwas in unserer von grauem Flanell bedeckten Brust. So herzlich-offen, wie die Künstlerin arbeitet, macht sie uns mit ihrer Kunst zum Ahnenden, wohl gar zum Mitwisser ihrer Geheimnisse, ihrer Weisheiten. Und wir schauen auf ihre in konzentrierter Kraft versammelten, gestaltenden Hände.

(alle abgebildeten Werke © Barbara Feuerbach)

→   Wer wagt sich aufs Wasser mit Barbara Feuerbach?

“Interpretare parlando” – Kunstgenuss auf Italienisch

Donnerstag, 3. September 2009

“Interpretare parlando“

der Deutsch-Italienischen Vereinigung e.V. in Zusammenarbeit mit der Graphischen Sammlung des Städel Museums Frankfurt am Main -

in collaborazione con il Museo Städel di Francoforte, Sezione di Arti Grafiche, con visita guidata

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Giorgio Morandi (1890 bis 1964), Paesaggio di Grizzana 1932,
Acquaforte su rame, 299 x 239 mm;

Bildnachweis: Deutsch-Italienische Vereinigung

War es nicht schon immer Ihr Wunsch, liebe Leserinnen und Leser, eine Führung durch Sammlungen italienischer Kunst des Frankfurter Städel-Museums in italienischer Sprache zu erleben?

In collaborazione con il Museo Städel di Francoforte la Deutsch-Italienische Vereinigung e.V. organizza una visita alla Sezione di Arti Grafiche del museo. Il programma prevede due serate, la prima allo Städel e la seconda presso la Deutsch-Italienische Vereinigung e.V. I partecipanti avranno la possibilità unica di ammirare capolavori della grafica moderna italiana non pubblicamente esposti e acquisteranno ulteriori conoscenze sia nella lingua che nella storia dell’ arte italiana.

Wenn Sie mit Ihren Sprachkenntnissen aus dem Urlaub diesen Text – jedenfalls im Prinzip – inhaltlich verstehen, dann sollten Sie nicht zögern, den neuen Kurs der Deutsch-Italienischen Vereinigung zu buchen, der sich jetzt im September der modernen italienischen Grafik widmet. Sie werden Werke unter anderem von Giorgio Morandi, Lucio Fontana, Alberto Magnelli und Piero Dorazio aus dem Städel-Archiv sehen.

Die beiden Veranstaltungen finden am 10. und 16. September 2009, jeweils 19 Uhr statt. Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, empfielt sich eine möglichst baldige Anmeldung (Kursgebühr 60 Euro, Studenten 50 Euro, Inhaber der Museumscard jeweils 10 Euro weniger).

Deutsch-Italienische Vereinigung e.V., Arndtstrasse 12, 60325 Frankfurt am Main; Tel. 069 / 74 67 52, E-Mail: div@div-web.de