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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

27. September 2009, SPD: Faszination Abgrund

Der Blick in den Abgrund faszinierte den Menschen schon immer; noch mehr, sich dem Abgrund, dem möglichen Sturz in die todbringende Tiefe bis an den Rand des Schlundes zu nähern. Ein unvergleichlicher Moment, wenn der den Freitod Suchende die Brüstung des Hochhausdaches überwindet. Wenn der dem Spiel Verfallene seine letzten Münzen auf Va banque setzt. Wenn der Extremkletterer jenseits von Haken, Tritten und Leitern in der senkrechten Felswand, nur seinen Fingerkuppen vertrauend,  dem Tod so nahe ist wie dem Leben. Generationen von Schriftstellern haben ein solches Lebensgefühl in ihren Werken festgehalten.

Franz “Münte” Müntefering und die Seinen scheinen diesem verführerischen Sog erlegen zu sein. Über verschiedene Stufen des Abstiegs ist es ihnen heuer gelungen, die SPD (wenn Sie nicht wissen, was sich hinter dieser Abkürzung verbirgt, googeln Sie bitte) in der sechzigjährigen Geschichte der Bundesrepublik Deutschland zu ihrem schlechtesten Wahlergebnis zu führen. Eine respektable Leistung auf dem Weg ins endgültige Nichts.

Weiter so, kündigte “Münte” am heutigen Abend der Wahlkatasthrophe in seinem gespenstischen Auftritt vor den Kameras der Nation an, von einem Rücktritt keine Spur. Recht so, rufen wir ihm aufmunternd zu. Ein kleiner Schritt noch, und der Sprung unter die 20 %-Marke ist geschafft! Aber es gilt natürlich, die 10 %-Nähe und den Sturz ins verführerisch Bodenlose zu erreichen. Mit “Münte” wird es schon gelingen, seien wir da auch in düsteren Zeiten wie diesen ganz zuversichtlich.

Wenn da nicht ein “War da nicht etwas?” bliebe:

Hat sich nicht unlängst die SPD nach der Niederlage von Dieter Althaus in Thüringen an die Spitze derer gesetzt, die seinen zu späten Rücktritt geisselten?

Sahen wir nicht heute abend trotz fernsehgeschwächter Sehkraft unserer Augen eine Grafik, die der SPD – Vorwahlumfragen zufolge – die niedrigste Stufe an Glaubwürdigkeit der Parteien bescheinigte?

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