home

FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Archiv für September, 2009

Bea Emsbach

Mittwoch, 30. September 2009

Häutungen oder: Wer hat Angst vorm Natternhemd?

Nun, wenn wir uns ehrlich, will sagen „ungeschützt“, äussern wollten, so müssten wir einräumen: Bei der Begegnung mit einem Natternhemd fühlten wir uns zunächst etwas unwohl.

Natternhemd? Ja, das Häutungshemd, die Exuvie der Häutungstiere, beispielsweise der Gliederfüsser, Schlangen oder Echsen. Eine gütige Fügung im Laufe der Evolution hat es diesen Lebewesen gegeben, von Zeit zu Zeit ihre Haut zu wechseln, die neue erwächst ihnen unter der alten, die sodann abgestossen wird, ein für das Tier oft mühsamer Prozess. Und ein gefährlicher: ist es doch in dieser Zeit meist ungeschützt und hilflos seinen Feinden ausgesetzt.

Haut: das grösste und diffizilste Organ der Geschöpfe, der Menschen. Die Haut grenzt das Innere vom Äusseren ab, sie umgibt, sie schützt die Umhäuteten vor den Einflüssen der Umwelt. Und ist doch selbst so verwundbar, verletzlich. Auch über seine Haut spricht der Mensch zu den Menschen: Haut errötet, erblasst, über sie schwitzen und frieren wir. Wehe, sie käme uns abhanden! Das Furchtbarste, was Menschen einander antun können: das Häuten. Der Heilige Bartholomäus, einer der zwölf Apostel, erlitt der Überlieferung nach auf diese Weise den Märtyrertod.

b12_07-430 Weiterlesen

Gesund in die AOK auf Probe

Sonntag, 27. September 2009

Gesund in die AOK auf Probe

von Robert Straßheim

Testen Sie die AOK Hessen“, stand auf dem Werbeplakat.

Warum nicht, dachte ich mir, teste mal richtig die Krankenkasse! Ich wurde AOK-Mitglied, für eine Probezeit von drei Monaten, mit Auslands-Zusatzversicherung.

Erstmal nahm ich mir eine Woche Urlaub. Das sollte reichen, dachte ich mir, eine Woche investiere ich mal, und die restlichen zwölf Wochen gehören dann der AOK. Weiterlesen

Absolventenausstellung 2009 der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste – Städelschule

Freitag, 25. September 2009

DUDE, WHERE’S MY CAREER?

– so titelt die am 18. September eröffnete Abschlussausstellung 2009 der Absolventinnen und Absolventen der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste – Städelschule. Melanie Ohnemus und Bernd Reiß kuratieren die Doppelausstellung an den beiden Standorten PORTIKUS und MMK  ZOLLAMT in Frankfurt am Main.

Die Namen der diesjährigen Hochschulabgänger aus den Klassen der Professoren Christa Näher, Willem de Rooij, Michael Krebber, Mark Leckey, Simon Starling und Tobias Rehberger:

Marisa Argentato, Wiebke Bachmann, David Catherall, Florencia Colombo, Simon Denny, Martin Flemming, Jorma Foth, Oleksiy Gendlin, Florian Heinke, Oliver Heinzenberger, Hanna Hildebrand, Janus Hochgesand, Simone Junker, Normann Kaiser, Klaus Kamptner, Marty Kirchner, Max Kober, Flo Maak, Stefanie Mayer, Ryan Siegan-Smith, Cristina Szilly, Rebecca Ann Tess, Christian Tonner, Siw Umsonst, Friedrich Vater, Jeronimo Voss und Natalie Vu.

Dude, where’s my Career? So lautet der Titel eines Buches – eines Art Leitfadens für Studienabgänger. Eine ironische, vielleicht ein wenig zynische Frage junger Künstlerinnen und Künstler an die Gesellschaft. Die Hochschule ist Vergangenheit, die Zukunft liegt im Ungewissen. Eine Karriere als Künstler ist weder planbar noch ergibt sie sich als Wahrscheinlichkeit. Und was ist das überhaupt, eine Künstlerkarriere? Worin manifestiert sie sich, am Ende im Geld, am sogenannten Kunstmarkt? Manche der Absolventen mögen sich zunächst einmal allein gelassen fühlen, andere werden neue Freiheiten geniessen, bis ein eher nach Graubrot als nach Kuchen schmeckender Alltag sie einholt.

Den diesjährigen, vom Verein STÄDELSCHULEPORTIKUS e.V. gestifteten, mit 2000 Euro dotierten Absolventenpreis erhielten  zu gleichen Teilen Hanna Hildebrand und Janus Hochgesand.

„Hanna Hildebrand zeigt uns“, so die Begründung der Jury, „in ‚A display with a purpose‚ überzeugend die Übertragung einer Performance in eine skulpturale Lösung. Sie destilliert das eine Medium hochkonzentriert in ein Neues.“

l1003213-650

Hanna Hildebrand, „A display with a purpose“, 2009, table, magazine, video Weiterlesen

Vincent van Gogh im Kunstmuseum Basel

Donnerstag, 24. September 2009

Zwischen Erde und Himmel –
Die Landschaften

Text: © Renate Feyerbacher

Nur noch bis 27. September – wer es einrichten kann, der sollte zu dieser aussergewöhnlichen Ausstellung noch hineilen: am besten mit Voranmeldung zur Eintrittskartenreservierung oder sich auf längere Wartezeiten an den Kassen einstellen. Aber es lohnt sich.

imgp2482-430

Eingangshalle des Kunstmuseum Basel mit bewegter Bilderschau; Foto: Renate Feyerbacher

Noch nie hat sich eine Ausstellung ausschliesslich auf die Landschaftsmalerei des Malers konzentriert und bewusst gemacht, dass sie quantitativ den weitaus grössten Teil seiner Werke ausmacht. 70 Gemälde, bekannte wie das Bild „Zypressen“ aus dem Metropolitan Museum of Art in New York und weniger bekannte wie zum Beispiel die Weizenfelderbilder, die einer breiten Öffentlichkeit bisher verborgen waren, sind in der Schau versammelt. Die meisten Exponate kommen aus der Schweiz, immerhin etwa ein Drittel aus Deutschland und der Rest aus Frankreich. Weiterlesen

Tele-Visionen und Eisenbaum

Montag, 21. September 2009

Fernrohre laden ein zum Blick in eine merkwürdige Ferne –
ein Eisenbaum lockt zum gedankenschweren Aufstieg

Es gibt – viele meiner Leserinnen und Leser kennen ihn längst – den Regionalpark RheinMain. Wir besuchten unlängst wieder einmal das Parkgebiet Hochheim / Flörsheim: genauer gesagt die „Flörsheimer Schweiz“ mit der im Jahr 1715 errichteten St. Anna-Kapelle, wobei unser Interesse – wie kann es anders sein – auch dem der Kapelle zu Füssen liegenden, gleichnamigen Weinberg galt, der kleinsten Einzellage des Anbaugebietes Rheingau. Er liefert, neben einem Rivaner, vor allem einen ordentlichen Rieslingwein, wie es sich für den Rheingau gehört. Und wo Wein wächst, kann bekanntlich die Kultur – sprich Kunst – nicht fern sein. Weiterlesen