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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

53. Biennale Arte Venedig 2009 (7) – Elmgreen & Dragset und der Tote im Pool

Wohl das meistfotografierte Motiv der diesjährigen Biennale:

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Eine riesige Bungalow-Villa, davor ein Gartenschwimmbad, darin ein Toter. Korrekte Kleidung: schwarze Hose und weisses Hemd, jedoch Hosenbeine und Ärmel aufgekrempelt, dunkle Socken und schwarze Schuhe am Beckenrand geordnet abgelegt. Der Tote treibt bäuchlings auf dem Wasser, die Arme über den Kopf erhoben, eine hilflose, fast flehentliche Gebärde. Oder eine ins Groteske überhöhte Karikatur?

“Tod in Venedig”? Nun, so respektlos wollen wir mit Thomas Manns Meisterwerk nicht umgehen.

Aber ein Zeichen unserer Zeit, ein Zeichen der Finanz- und Wirtschaftskrise könnte es schon sein: Freitod eines gescheiterten Börsenspekulanten? Eines bankrotten Investmentbankers? Oder steckt nicht gar die Kunst, zumindest der Kunstbetrieb in der Krise? Also der Freitod eines Kunsthändlers, der seine “Blue chips” nicht mehr an den millionenschweren Mann bringen kann? Eines Galeristen, der sich an dem, was er für marktträchtige Kunst hielt, verhoben hat?

Michael Elmgreen und Ingar Dragset inszenieren den Tod im Pool als Teil einer Gemeinschaftsausstellung im Pavillon Dänemarks sowie im benachbarten Pavillon der drei nordischen Länder Finnland, Norwegen und Schweden. “The Collectors” lautet beziehungsreich ihr Titel. Und wir dürfen daher etwas sicherer in der Annahme gehen, dass es dem Künstler-Duo durchaus um zeitgenössische kulturell-ökonomische Phänomene geht.

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Elmgreen & Dragset – die beiden treten mit dem Firmen-”&” auf – verwandelten in Kooperation mit 24 Künstlern, Designern und entsprechenden Kollektiven den nordischen Pavillon in den Luxusbungalow eines homosexuellen Kunstsammlers. Eine grosszügige Wohnlandschaft ist ebenso wie eine Schlaflandschaft in die um einige Stufen erhöhte Hauptgebäudeebene eingesenkt. Eine futuristische Kücheneinrichtung beschränkt sich auf das Notwendigste. Dafür zieren verschiedene Kunstwerke meist homoerotischen Sujets den Raum und die Wände.

Auf dem Schreibtisch des verlassenen Grossraums eine Ablage, gefüllt mit zahlreichen Kopien dieses Blattes: der Entwurf eines Plots, Titel: Der erotische Autor, eine autobiografische Novelle.

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Der Tote im Pool: Ein Ende im hedonistischen Überdruss, in der Apokalypse der Dekadenz, im – purgatorischen? – Freitod. Menetekel? Vision? Ach ja, wir befinden uns ja auf der Biennale 2009 in Venedig, mitten im alleraktuellsten Kunstbetrieb (wäre da nicht noch der einwöchig zeitgleiche Messe-Markt der Art Basel).

Michael Elmgreen und Ingar Dragset, ersterer in Dänemark, letzterer in Norwegen geboren, leben und arbeiten in Berlin, seit 1995 in einer künstlerischen Kooperation. Das Duo Elmgreen & Dragset, weltweit bekannt für seine Installationen und Performances, entwarf das “Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen”, das im Mai 2008 in Berlin, nahe dem “Denkmal für die ermordeten Juden Europas”, enthüllt wurde.

(Installationen © Elmgreen & Dragset; Fotos: FeuilletonFrankfurt)


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