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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

53. Biennale Arte Venedig 2009 (6) – Aleksandra Mir bringt “Venezia” in die ganze Welt

Von Publikum vielfach umlagert: die zweiteilige Installation von Aleksandra Mir im Palazzo delle Esposizioni und in den Arsenale (in Frankfurt am Main ist die Künstlerin durch ihre Ausstellung “Triumph” bekannt).

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Ständer für Postkarten, Kartons auf Holzpaletten: gefüllt mit Ansichtskarten, die Rückseiten mit dem üblichen Blanko-Adressfeld bedruckt, fertig zum Verschicken. Aleksandra Mirs Installation umfasst denn auch gleich einen echten Briefkasten der Poste Italiane und einen Verkaufsstand für Briefmarken auf dem Ausstellungsgelände.

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“VENEZIA (all places contain all others)”

betitelt die Künstlerin ihre Aktion. 1 Million farbige Bildpostkarten hat sie drucken lassen, von 100 Motiven mit jeweils einer Auflage von 10.000 Exemplaren. Die Postkarten liegen in den Ständern und Kartons für die Dauer der aktuellen Biennale für die Besucher zur kostenfreien Entnahme aus. Ein jeder kann so viele Karten mitnehmen, wie er möchte.

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(Aleksandra Mir, Venezia, Digital Vision, Getty Images)

Aber was sind das für seltsame Ansichtskarten? Da stimmt doch etwas nicht. Die Motive der Karten tragen zwar alle die Aufschrift “Venezia”. Aber was hat das, was da zu sehen ist, mit Venedig zu tun?

Alle 100 Motive zeigen Situationen, die mit Wasser zu tun haben. Alle Wasser dieser Erdkugel hängen in vielerlei Weise miteinander zusammen, stehen untereinander in einem weltumspannenden Konnex. So sind auch die Kanäle Venedigs, selbst wo dies nicht unmittelbar der Fall ist, doch mittelbar über den irdischen Wasserkreislauf aus Verdunstung und Regen mit allen Meeren, mit allen Flüssen, Bächen, Seen und Teichen in allen Kontinenten verbunden.

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(Aleksandra Mir, Venezia, Andy Sotiriou/Photodisc, Getty Images)

Venedig ist, so die Künstlerin, in allen Regentropfen, in allen Wassermolekülen präsent. Die miteinander verbundenen Wasserwege sind uns ein Gleichnis für die Globalisierung.

Die Verflechtung der Wasserflächen und -wege symbolisiert weltweite Mobilität, sie steht, so Aleksandra Mir weiter, für die Erosion des Nationalstaatlichen, aus der eine neue weltweite kulturelle Identität erwächst.

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(Aleksandra Mir, Venezia, George Doyle/Stockbyte, Getty Images)

Wir haben aus den 100 Motiven auch solche ausgewählt, die uns zugleich als ein Menetekel erscheinen: beispielsweise die Bedrohung der Meere durch Ausbeutung unterseeischer Ressourssen, die Zerschneidung und Zerstörung der Umwelt durch gigantische Verkehrswegeschneisen, die Gefährdung und Verletzung der Natur durch aggressives Freizeitverhalten.

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(Aleksandra Mir, Venezia, Karl Weatherly/Photodisc, Getty Images)

Mit ihrer Aktion schreibt Aleksandra Mir den Besuchern der Biennale in Venedig eine aktive und fundamentale Rolle zu: die Million Postkarten in alle Welt zu verschicken, damit das Kunstwerk seine globale Wirkung entfalten und sich auf diese Weise vollenden kann.

Fotos: FeuilletonFrankfurt

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