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Das Internet-Magazin von Erhard Metz

Archive for Juni, 2009

Alle Jahre wieder: Wahl- und Steuerlügen

Dienstag, 30. Juni 2009

“Quo usque tandem abutere patientia nostra?” hält der Philosoph, Literat und Politiker Cicero im Jahre 63 v. Chr. im römischen Senat dem Verschwörer Catilina vor – Wie lange noch wirst du unsere Geduld missbrauchen?

Diese Frage rufen wir wieder einmal den Oberen der Politparteien aller Couleurs in deren Wettlauf um die üblichen vorwahlzeitlichen Steuerlügen zu.

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(Foto: Peter Schmidt /pixelio.de)

Im Jahr der noch nicht absehbaren Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise, hoher Risiken bei den zig-zig-Milliarden Bürgschafts- und Kreditzusagen des Bundes, der höchsten Neuverschuldung seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland (86 Milliarden Euro Nettokreditaufnahme in 2010) und vor dem Hintergrund eines Schuldenbergs von derzeit rund 1700 Milliarden Euro ist es – gelinde formuliert – unredlich und unseriös, wenn Parteiführungen und -sprecher den Wählerinnen und Wählern vor der anstehenden Bundestagswahl die Möglichkeit von Steuersenkungen in absehbarer Zeit vorgaukeln, die es niemals geben wird und geben kann.

Jeder, der in der Lage ist, 1 und 1 zusammenzuzählen und nach weidlicher Überlegung zu dem korrekten Ergebnis 2 zu gelangen, kann sich ausrechnen, dass nach der Wahl Steuererhöhungen in nicht unbeträchtlichem Umfang notwendig und unumgänglich sein werden.

Uns selbst ärgert weniger das sattsam bekannte unglaubwürdige Steuer-Geschwätz der Parteien als solches, sondern die Tatsache, dass diese – leider bei manchen mit Erfolg – versuchen, die Wählerinnen und Wähler immer wieder und vor jeder Wahl aufs neue für dumm zu verkaufen.

So fühlt man Absicht, und man ist verstimmt (Johann Wolfgang Goethe, Torquato Tasso).

Und eine “Partei” wird, sehr zum Schaden von Demokratie und Gemeinwesen, weiter zulegen: die der parteienüberdrüssigen Nichtwähler.

53. Biennale Arte Venedig 2009 (4) – Tomas Saraceno und sein Spinnennetz-Kosmos

Sonntag, 28. Juni 2009

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Es bedarf nur weniger Schritte, und wir sind bereits mittendrin: in Tomas Saracenos Netzwerk, das er in einer der zentralen Hallen des Palazzo delle Esposizioni aufspannt. Nun, wir gehen vorsichtig einige Schritte hinein in den von elastischen Seilen durchzogenen Raum, weichen den Strippen so gut es geht aus, vermeiden es auch, auf die durchaus stabilen Verankerungspunkte am Boden zu treten, schauen uns um und bemerken überrascht, wie weit wir uns bereits in die Gefangenschaft der vom Künstler gesponnenen Verstrickungen begeben haben.

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Mal hell und licht, mal dunkel und bedrohlich wirken die Spinnennetzkugeln, phantasievolle Galaxien, die vor und über uns schweben, uns in Bodennähe den Weg versperren.

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Je tiefer wir in diese Welt eindringen, desto beschwerlicher gestaltet sich das Vorankommen. Wir müssen, ob wir wollen oder nicht, die Spinnenseile berühren. Welche Impulse lösen wir jetzt aus? Sind es die Signal- und Fangseile eines geheimnisvollen, alles verschlingenden Wesens, rast in den nächsten Sekunden ein riesenspinnengleiches Etwas auf uns zu? Wie schnell könnten wir, ohne über die gefangennehmenden Schnüre zu stolpern, zu fallen, den rettenden Ausgang erreichen?

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Nun will uns Saraceno in seiner Arbeit “Galaxies Forming along Filaments, like Droplets along the Strands of a Spider’s Web” für die aktuelle Biennale nicht mit einer Schwarzen Witwe im Riesenformat bedrohen. Vielmehr untersucht er, vor allem unter dem Aspekt innovativer und futuristischer Architektur, die Möglichkeiten neue Räume konstituierender architektonischer Strukturen. Dabei interessiert ihn, wie spinnennetzähnliche Konstruktionen unter Nutzung geometrischer Muster und Strukturen hohe Gewichte zu tragen in der Lage sind.

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Tomas Sarazeno, 1973 in Tucumán, Argentinien geboren, studierte Kunst und Architektur in Buenos Aires, zuletzt an der Escuela Superior de Bellas Artes Ernesto de la Carcova. Von 2001 bis 2003 setzte er seine Studien an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste (Städelschule) in Frankfurt am Main fort. Der Künstler lebt und arbeitet auch heute in dieser Stadt.

Saraceno stellte vielfach weltweit aus, in Deutschland vor allem in Berlin. Dem Frankfurter Publikum wurde er durch seine Ausstellungen im dortigen Kunstverein, im Portikus und in der Städelschule sowie im atelierfrankfurt bekannt.

(Installation © Tomas Saraceno; Fotos: FeuilletonFrankfurt)


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Samstag, 27. Juni 2009

Bayrisch:   Sagglzement!

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Deutsch:   Verdammt!

Bayerischer, äusserst moderater Ausdruck eines Fluches, verballhornt aus eigentlich: Sakrament!, was natürlich kein gläubiger Bayer ausrufen darf. Wird gerne bei leichteren Ärgernissen, etwa dem Stolpern über einen kleineren Stein geäussert. Deutsche blamieren sich im Freistaat unendlich, wenn sie darunter, etwa beim Einkauf in einem Baumarkt, einen “Sack Zement” verstehen.


53. Biennale Arte Venedig 2009 (3) – Die Cafeteria von Tobias Rehberger

Freitag, 26. Juni 2009

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Sie ist der Hingucker der diesjährigen Biennale Arte: die Cafeteria im Palazzo delle Esposizioni.

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Ihr Schöpfer: Tobias Rehberger, Professor und Prorektor der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste Frankfurt am Main (Städelschule). Er erhielt den Goldenen Löwen der Biennale 2009 als bester Künstler.

Der Titel seiner Arbeit: “Was du liebst, bringt dich auch zum Weinen”.

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Obwohl “vorgewarnt”, sind wir verblüfft: Zumindest beim ersten Betreten der Cafeteria und ihres Vorraums verlieren wir für Sekunden die Orientierung, suchen nach der Grenze zwischen den Wänden und dem sicheren Halt gewährenden  Grund, erkunden wir, wo und wie wir uns fortbewegen können oder sollen, wo wir uns eventuell hinsetzen könnten oder wo der Schein einer Sitzgelegenheit trügt.

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Ist hier tatsächlich die Theke mit den Speisen und Getränken? Dahinter Spiegel, die uns zum Opfer des Verwirrspiels machen. Ob Sie wohl, liebe Leserinnen und Leser, den Fotografen entdecken?

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Im Rahmen des Mottos der diesjährigen Biennale “Welten machen” schafft Rehberger eine Verfremdungs- und Verwirrlandschaft zwischen dem Mobilen und dem Immobilen. Zebrastreifen durchkreuzen schwarze und weisse Wand- und Bodenflächen, stehen in einem Dialog mit den Neon-Farben, vorzugsweise Orange, Türkis und Gelb, des Mobiliars und paraventähnlicher Raumelemente. Der Raum wiederum bricht sich in hundertfach geknickten und gefalteten Spiegelflächen.

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Der 1966 in Esslingen geborene Tobias Rehberger, Schüler der Professoren Thomas Bayrle und Martin Kippenberger, ist von Hause aus Bildhauer. Dem breiteren Publikum bekannt wurde er vor allem durch seine raumgreifenden Gross-Installationen. Seinen Arbeiten eignet zumeist eine Verschränkung zwischen Skulptur und Architektur, Malerei und Design. Bereits als Kunststudent machte er 1990 mit einer ersten grösseren, öffentlich ausgestellten Arbeit im Bonner Kunstverein auf sich aufmerksam.

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(Installation © Tobias Rehberger; Fotos: FeuilletonFrankfurt)


Die EU und der Roséwein

Donnerstag, 25. Juni 2009

Roséwein? Ist doch ganz einfach: Man schüttet roten und weissen Wein zusammen und fertig ist er – der Rosé.

Ach ja, die EU, ihre Kommission, ihre in Brüssel und anderswo politisch Tätigen (24.000 Mitarbeiter, eine richtige Stadtbevölkerung!) – sie sind uns immer wieder eine Glosse wert.

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Also die Geschichte geht so:

Seit vielen Jahren wird solcher Rosé-Mischmasch als Billigware aus dem aussereuropäischen Ausland eingeführt, es gibt Leute, die das auch tatsächlich trinken (braucht man sich da noch zu wundern, welche Wahlergebnisse zustande kommen?). Da wollte die EU-Kommission etwas Gutes tun (was sie ja immer tun will). Und den Mischmasch auch den europäischen Weinbauern gestatten. Sie hatte aber die Rechnung ohne den Wirt, sprich die zahlreichen französischen Rosé-Winzer gemacht, die um den guten Ruf ihrer Produkte fürchteten und hinter die sich auch die meisten deutschen Winzer stellten!

Das Ende vom leidigen EU-Lied: Die Kommission ruderte jüngst wieder einmal von ihrem geplanten Unfug zurück: Es bleibt beim Rosé alles so, wie es ist. Und das ist auch gut so.

À votre santé!