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Archive for Mai, 2009

Metamorphosen, Transformationen, Hydrogenium – Fotografien von Karl Eberhard Nölke

Mittwoch, 20. Mai 2009

Unter dem Titel “Transzendente Metamorphosen” präsentiert der Frankfurter Künstlerclub im Nebbienschen Gartenhaus Fotografien von Karl Eberhard Nölke. Nölke gliedert seine ausgestellten Arbeiten in die drei Werkkomplexe Metamorphosen (Verwandlungen), Transformationen (Veränderungen) und Hydrogenium (Wasserstoff). Wir untersuchen im folgenden die beiden erstgenannten Arbeitsbereiche.

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Transformationen III (70 x 100 cm,  © Karl Eberhard Nölke)

Die in analoger Technik ausgeführten Fotografien – es handelt sich weder um Überblendungen noch um Fotomontagen – stammen aus den Jahren 2005 bis 2008. Sie sind, von gelegentlichen korrigierenden Schnitten abgesehen, nicht digital bearbeitet. Es sind zumeist Spiegelungen – Bilder in Bildern. Das zunächst im Vordergrund – nicht vordergründig – Wahrgenommene erschliesst Bilder in verschiedenen Staffelungen, die sich rasch als Reflexionsebenen darstellen. Räume, Szenerien, Situationen, Momente; Architekturen, Gegenstände und Menschen – als zufällig vorüberschreitende oder als Handlungen vollziehende Personen – durchdringen sich, verlieren und begegnen sich in neuen Sphären.

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Transformationen I (70 x 100 cm,  © Karl Eberhard Nölke)

Bei aller Komposition seiner Bilder sei er, sagt Nölke, mitunter überrascht über das, was er im Moment der Aufnahme glaubte gesehen zu haben. Andererseits seien die Bilder – in zeitlichem Zusammenhang mit dem Tod dreier nahestehender Menschen – in einem Zustand höchster Sensibilität und “Durchlässigkeit” entstanden. In diesem Erfahrungsprozess habe er in der Begegnung mit den Dingen anders, genauer zu sehen gelernt. Nölke sieht dies im Kontext zu seiner wissenschaftlichen Tätigkeit, Zusammenhänge zu ergründen und zu erklären, und seiner therapeutischen Arbeit, bei der es um das Verstehen gehe. Eine zentrale Rolle komme der Fantasie, sprich der Kreativität als einer vermittelnden Funktion zwischen Wahrnehmung und Denken zu – als gleichsam intermediärer Raum zwischen innerer und äusserer Realität. Seine Arbeiten sehe er dabei als Produkt eher einer erkundenden als einer gestaltenden, hervorbringenden Fantasie, indem sie mittels der fotografischen Technik in Verborgenes eindringe.

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Metamorphosen IV (70 x 100 cm,  © Karl Eberhard Nölke)

Nölkes fotografische Arbeiten künden von Raum- und Zeitsprüngen, Verwerfungen und Verzerrungen, von Brüchen ebenso wie von fliessenden Übergängen in ein Neues. Vorder- und Hintergründe lösen sich auf und vereinigen sich doch wieder in einem neuen Zusammenhang.  In Museumslandschaften angetroffene Figuren und Vasen der Antike transzendieren in ferne Unbestimmtheit wie zugleich in die Gegenwärtigkeit des Lebens. Diesseits und Jenseits durchdringen sich.

“Hier wird Nölke”,  führt der Maler Hubertus Wobbermin in seiner Laudatio aus, “seiner eigenen Umschreibung von Kreativität gerecht. So benannte er einmal in einem Artikel den künstlerischen Prozess im Sinne einer ‘wildgewordenen Assimilation’. Oder an anderer Stelle als eine besondere ‘Synthetisierung’, die uns etwa ermöglicht, den komplexen Aufbau einer Symphonie nicht in seinen einzelnen Bestandteilen, sondern ganzheitlich wahrzunehmen”.

Den Bildern eignet bei allem eine malerische Anmutung.

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Metamorphosen IX ( 70 x 100 cm, © Karl Eberhard Nölke)

Karl Eberhard Nölke, 1953 in Bad Hersfeld geboren, studierte in Göttingen, Marburg und Frankfurt Sozialwissenschaften und Psychologie. Nach Studium und Promotion arbeitete er über sieben Jahre in einem Forschungs- und Praxisprojekt zur therapeutischen Intensivbetreuung für deviante Jugendliche sowie in einer psychologischen Beratungsstelle. Daneben absolvierte er eine Weiterbildung in Grundlagen, Methoden und Techniken der Malerei und in Kunsttherapie sowie eine Ausbildung zum Psychotherapeuten mit anschliessender Approbation und Praxistätigkeit.

Nach Vertretungsprofessuren in Halle, Kassel und Frankfurt am Main übernahm er 2001 eine Professur an der Hochschule Darmstadt. 2008 wurde er zum Fachgutachter beim Wissenschaftsrat für Kunsttherapie berufen.

Nölkes derzeitiger künstlerischer Schwerpunkt ist über seine Malerei hinaus die Fotografie. Er stellte unter anderem in Bad Hersfeld, Hannoversch Münden, Karlsruhe, Kassel und Wiesbaden aus.

Frankfurter Künstlerclub, Nebbiensches Gartenhaus, Bockenheimer Anlage (gegenüber dem Hilton-Hotel); Öffnungszeiten:  Dienstag bis Sonntag 12 bis 18 Uhr. Die Ausstellung läuft bis zum 31. Mai 2009.


Die geheime Welt des Holzbildhauers Walter Moroder

Sonntag, 17. Mai 2009

Die geheime Welt des Holzbildhauers Walter Moroder

Text und Fotografien: © Renate Feyerbacher

Bildnachweis: © Walter Moroder

Das Sinclair-Haus in Bad Homburg widmete Anfang dieses Jahres dem Südtiroler Holzkünstler die erste Museumsausstellung, die auch im Käthe Kollwitz-Museum in Berlin zu sehen war. Moroders Figuren wurden Alberto Giacomettis Papierarbeiten gegenüber gestellt, um deren Bedeutung im Werk Moroders zu zeigen.

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Die Dunkle 2008, Acryl, Bologneser Kreide, Glasaugen, Zirbelkiefer, 175 cm

Erste Begegnung mit Walter Moroders bemalten Holzfiguren in den kühlen Räumen des Sinclair-Hauses: Die Skulpturen stehen vereinzelt, wirken von weitem abweisend, statisch. Der Gedanke an ägyptische, vergoldete Holzfiguren wie die Göttin “Selket”, die “Könige auf dem Panther” oder die “Ushebti Figuren” aus der Zeit des Tutanchamun kommt auf. Jedoch mit Ägypten haben Moroders Wesen nichts zu tun, eher mit indonesischen Toten-Figuren.

Beim langsamen Sich-Nähern gewinnen die Skulpturen an Faszination, an Lebendigkeit, an Wärme. Sie verlieren ihre Sprödigkeit. Dennoch bleibt der erste Eindruck. Widersprüchlich erscheinen sie. Fremd und doch nah, spröde und doch liebreizend, abweisend, geradezu autistisch; “Rühr mich nicht an”, scheinen sie den Betrachter anzuflehen, und sind doch zugänglich.

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Weisse Striche, 2008, Acryl, Erle, Mooreiche, Zirbelkiefer, 172 cm

Etwa 100 Holzfiguren, zwischen 167 und 183 cm gross, hat Walter Moroder, der 1963 in St.Ulrich im Grödnertal geboren wurde, mittlerweile geschaffen. Sie haben also menschliche Grösse. Der Besucher schaut ihnen direkt in die Augen, oftmals Glasaugen, die viele Skulpturen haben. Sie vermitteln das Gefühl, direkt angeschaut zu werden: Sie faszinieren und irritieren.

Den Bildhauer interessiert der menschliche Körper, aber nicht in anatomischer, sondern in psychologischer Bedeutung. Er sieht seine Figuren als Vasen, bei denen es darauf ankomme, was in diese hinein gegossen wird.

Männer-, Kinder- und Frauenfiguren sind seine Motive. Sein Hauptmotiv ist jedoch die Frau. Es geht ihm nicht darum, ein Urbild der Frau zu kreieren, sondern Gefühlswelten umzusetzen: Innen und Aussen, Nähe und Ferne. Seine Werke tragen die Titel: “Eingeschlossen”, “Inneres”, “Berührung”, “Gefühle”, “Spiegelbild”, “Tränen der Zeit”.

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Gefühle, 2003, Acryl, Glasaugen, Zirbelkiefer, 174 cm

Auf den ersten Blick scheint sich der Typus Frau zu wiederholen und nur durch die Bemalung zu unterscheiden. Erst bei intensivem Hinschauen wird die Variantenvielfalt offensichtlich. Jedes Gesicht ist anders: Jeder Mund hat einen anderen Ausdruck, keine Nase gleicht der andern. Die Augen: mal sind sie schläfrig, mal erscheinen sie wie Knöpfe, mal wie Schlitze, mal sind sie gesenkt, mal schauen sie herausfordernd an, mal wirken sie unsicher.

Die Körperhaltung ist statisch, dennoch variieren Arme, Beine und Füsse. Diese Frauen sind geheimnisvoll verschlossen, archaisch und doch modern. Sie strahlen Würde aus, wirken aber verletzlich. In ihrer Einfachheit sind sie von grosser Ästhetik.

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Tränen der Zeit, 2005, Acryl, Glasaugen, Zirbelkiefer, 176 cm

Schaffen und Zerstören

Zunächst setzt Walter Moroder die Idee zu einer Figur in einem Plastilinmodell um. Die Figur, die er realisieren will, holt er nicht aus einem massiven Stamm, sondern aus einem Block, der aus mehreren verleimten Holzbrettern entstand. Das Risiko der späteren Risse ist dadurch minimiert. Zunächst wird mit der Säge gearbeitet, dann mit feinen Werkzeugen. “Es ist ein Prozess der Erkenntnis, des Berührtseins und der Zerstörung, der das Werk vorantreibt” (Zitat Katalog). Schaffen und Zerstören wechseln sich ab.

Die heimatliche Zirbelkiefer, jenes Holz, das in 1800 Metern Höhe auf den Bergen des Grödnertals wächst, wird vom Bildhauer bevorzugt. Es zeigt mehr als andere Hölzer Wachstumsspuren. “Er kann über dieses Material sprechen wie andere über die Liebe,” schreibt der Schriftsteller Arnold Stadler, der den Bildhauer in seinem Atelier besuchte (Beitrag “Grazie” im Ausstellungskatalog).

Vom verstorbenen Vater, einem Holzschnitzer, hat er viel Zirbelholz geerbt. Gelegentlich arbeitet Moroder mit Kastanie (”Die Hockende”), mit Erle, Linde und Mooreiche. Manchmal sind die Spuren der Holzbearbeitung deutlich erkennbar.

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Die Dunkle, 2008, Acryl, Bologneser Kreide, Glasaugen, Zirbelkiefer, 175 cm

Die Skulpturen sind bemalt. Die weiblichen Figuren zieren eng anliegende Kleider, die den Körper betonen – sie verhüllen und offenbaren. Der Kulturjournalist Hans-Peter Riese, der Moroder in seinem Atelier beobachtete, erzählt, dass der Künstler die Bemalung gelegentlich auch verändert, wenn er das Gefühl habe, sie passe doch nicht zur Figur. Dann kratzt er die Farbe ab, schmirgelt die Oberfläche und bemalt die Figur neu.

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Schwangere, 2007, Acryl, Zirbelkiefer, 169 cm

Mit der Figur “Familie”, die eine Schwangere darstellt, beteiligte sich der junge Moroder vor über zwei Jahrzehnten an einem Wettbewerb der Stadt St.Ulrich (Gröden/Italien), wo er von 1977 bis 1980 die Staatliche Kunstlehranstalt besuchte. Er gewinnt den Wettbewerb. Der Vater, David Moroder, selbst Holzschnitzer, dem naturalistischen Stil verpflichtet, hatte sich ebenso daran beteiligt. Sein Kommentar zum Gewinn des Sohnes: “Die verstehen auch nichts von Kunst” – kein Lob für den Sohn, der dennoch drei Jahre im Atelier des Vaters arbeitet. Dann entschliesst er sich zu einem Studienaufenthalt in den USA und studiert anschließend fünf Jahre an der Akademie der Bildenden Künste in München. 1988 kehrt der 25jährige ins Grödnertal zurück, obwohl das Verhältnis zwischen Vater und Sohn angespannt zu sein scheint. Walter Moroder übernimmt eine Lehrtätigkeit an der Landesberufsschule für Bildhauer in Wolkenstein. Seit acht Jahren lebt und arbeitet er als freier Künstler in seinem Geburtsort St. Ulrich, wo er von einer Holzschnitzer-Industrie umgeben ist. Hans-Peter Riese, der sich mit dem Werk des Holzbildhauers intensiv auseinandergesetzt hat, sieht darin keine “billige Bodenständigkeit”, sondern vielmehr “das bewusste Annehmen eines Schicksals, in das man nun einmal hineingeworfen ist.”

Das Handwerk, das er beim Vater gelernt hat, beherrscht Walter Moroder unnachahmlich. Vom Stil des Vaters hat er sich ganz gelöst. Aber seine Holzskulpturen bleiben eng verbunden mit seiner Biografie. Er selbst sagt: “Manchmal habe ich das Gefühl, mich hinter meinen Figuren zu verstecken.”

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Die Hockende, 2007, Acryl, Kreide, Kastanie

Pointilismus nicht mit dem Pinsel, sondern mit dem Werkzeug des Bildhauers, wird in neueren Reliefs demonstriert. Gelungene handwerkliche Experimente. Moroder, der früher abstrakte Kunstwerke schuf, kann sich vorstellen, eines Tages wieder abstrakt zu arbeiten.

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Ohne Titel, 2007, Acryl, Leim, Erle, 102 x 75 cm

Inspiration und Herausforderung fand und findet Moroder, der Holzbildhauer, durch die Papierarbeiten Alberto Giacomettis (nicht durch dessen Skulpturen). Er reagiert auf sie in eigener Formensprache. Nicht nur dieKunst verbindet die beiden. Sondern auch ihre Herkunft. Beide Künstler sind Ladiner (rätoromanische Volksgruppe im Alpengebiet), der eine Schweizer Ladiner, der andere italienischer.

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Spiegelbild, 2004, Acryl, Glasaugen, Zirbelkiefer, 133 cm

In- und ausländische Galerien wie Appel in Frankfurt und Kunstmessen (Art Frankfurt) waren seine bisherigen Ausstellungsstätten. Nun haben die ersten Museumspräsentationen in Bad Homburg und Berlin die Aufmerksamkeit auf diesen bedeutenden Künstler fokussiert. Der ausgefallene Katalog “Geheime Welt – Walter Moroder – Alberto Giacometti” (Wienand Verlag Köln, 2008) mit Texten von Astrid Becker, Kuratorin der Ausstellung, Hans-Peter Riese und Arnold Stadler, Schriftsteller und Büchnerpreisträger 1999, unterstreicht die zunehmende Bedeutung dieses Bildhauers.

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Geheime Welt, 2005, Acryl, Zirbelkiefer, 170 cm; Vibration, 2003, Acryl, Glasaugen, Zirbelkiefer, 176 cm; Unschuld, 2004, Acryl, Glasaugen, Zirbelkiefer, 173 cm

“Das sind keine Weiber, sondern Erscheinungen … Am Ende stehen wir vor dieser Hoheit und könnten uns verneigen und tun wir auch, denn wir sind ja keine Kritiker, die im Indikativ Urteile formulieren,” schreibt Stadler.


Bad Bank – Good Bank ?

Freitag, 15. Mai 2009

Nun also soll sie kommen – die Bad Bank.

Herrlich – alles in Denglisch! Denglisch ist gut – verschleiert so schön die rüde Wirklichkeit.

By the way: Kriegt die Bad Bank denn auch Banker? Und wie heissen diese Leute dann: Bad Banker oder Badbanker? Will denn heutzutage überhaupt noch jemand den Bad Banker geben – oder gar einer werden?

Aber ist die neue Bad Bank nicht eigentlich eine Good Bank – soll sie doch die Banken von ihren Schrottpapieren befreien; und wenn sich jene Banken Schrottpapiere hingelegt haben, so sind sie doch im wahren Sinne die eigentlichen Bad Banks!

Ergo: Die neue Bank heisst Good Bank und rettet die alten Bad Banks. All right?

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Bad Bank (Foto: Kurt F. Domnik /pixelio.de)

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Good Bank (Foto: Gabriele Planthaber /pixelio.de)

Was für eine Begriffsverwirrung! Schade, dass das nicht mehr ein Karl Valentin oder ein Ernst Jandl erleben konnten – was hätten die beiden ihre Freude gehabt!

Dem Rehkitz mit der Maske folgen … zu Xenia Lesniewski

Dienstag, 12. Mai 2009

Xenia Lesniewskis überaus sehenswerte Ausstellung im 1822-Forum der Frankfurter Sparkasse währt zwar leider nur noch bis zum 23. Mai 2009 … aber wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, auch künftig dem Rehkitz mit der Maske folgen, Ihre Schritte dorthin lenken, wo auch eine Leiter nicht fern ist, dann werden Sie der begabten Künstlerin immer wieder begegnen, da sind wir uns ganz sicher.

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Die Künstlerin mit ihren Attributen vor ihrer Arbeit

“Hardcore” betitelt Xenia Lesniewski ihre erste Einzelausstellung. Die 1985 in Frankfurt am Main geborene Künstlerin widmet sich seit 2005 dem Studium der freien Kunst mit den Schwerpunkten Malerei und neue Medien an der Hochschule für Gestaltung im benachbarten Offenbach. Ihre akademischen Lehrerinnen und Lehrer sind Adam Jankowski (Malerei), Mariola Brillowska (Freies Zeichnen /Film / Video) und Heiner Blum (Experimentelle Raumkonzepte).

Die Stipendiatin der Studienstiftung des Deutschen Volkes errang bereits 2008 den “3sat-Förderpreis” bei den Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen und im Mai 2009 den 2. Preis im Wettbewerb um das beste Musikvideo. Ihre Videoarbeiten wurden für internationale Filmfestivals nominiert, unter anderem im Pariser Centre Pompidou und im Museum Reina Sofia, Madrid.

Xenia Lesniewski stellte bislang in Erfurt, Frankfurt am Main, Mainz und Offenbach, im Ausland in Ljubljana und im polnischen Sopot aus. Bundesweite Aufmerksamkeit fand sie jüngst beim Bundeswettbewerb “Galerie der Besten – Kunststudenten stellen aus” in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn.

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“Schafskopf”, 2009, Acryl auf Papier, ca. 100 x 150 cm

Nicht eben wenig an Reputation und Erfolg für den Anfang – und die laufende Ausstellung im 1822-Forum unterstützt uns in der Überzeugung, dass Xenia Lesniewski ihren künstlerischen Weg erfolgreich fortsetzen wird.

In “Hardcore” begegnen wir einem Gesamtkunstwerk aus grossformatigen Zeichnungen und einem Animationsfilm. Jener ist ein integraler Bestandteil der Gesamtinstallation. Der Blick des in die Galerie Eintretenden fällt zunächst auf den gegenüber dem Eingang positionierten “Schafskopf”. Die die beiden Stirnwände des Raumes zur Gänze bedeckenden Wandarbeiten entfalten eine hohe Präsenz, ja Wucht. Schon bei deren erster Wahrnehmung überzeugt die formale wie ästhetische Komposition der figurativen und textlichen Elemente. Lesniewski fügt ihre in Acryl auf Papier in unterschiedlicher Grösse ausgeführten Zeichnungen zu Erzählungen zusammen, die jedoch immer wieder durch “harte Schnitte” unterbrochen werden.

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Die Arbeit der Künstlerin trägt vermutlich nicht wenige autobiografische Züge. Sie mutet uns bei aller formalen Strenge und Geschlossenheit wie ein Wandel durch Traumwelten an, in der sich Kinderträume mit jenen der Welt der Erwachsenen ineinander verwirken.

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Labyrinthische Darstellungen von allerlei Tieren und Menschen, überschrieben und durchdrungen von Worten und Wortgruppen, verdichten und verzahnen sich zu Bild-Text-Konfigurationen. Die Worte und Wortgruppen türmen sich auf zu Schranken und Gebirgen, schieben sich – wir erlauben uns, mit einem Augenzwinkern, einen Rückgriff auf die Terminologie Freuds – gleichsam als ein bedrohliches, unüberwindliches Über-Ich vor und zwischen die ersehnten Bilderbuchwelten, Wünsche, Bedürfnisse und Triebe des Ich und Es. Einst teddybärenhafte Tieraugen blicken uns mit einem Mal scharf und lauernd an. Puppen verwandeln ihre Gesichter zu Masken des Erschreckens. Illusionen finden ein abruptes Ende. Aus einem Spiel kann jäh Ernst werden.

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Überzeugend das formale Spiel von Schriften und Figuration – Buchstabengruppen formieren sich zu Gestalten, Gestalten lösen sich zu Lettern auf.

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Xenia Lesniewskis Attribut des maskierten Rehkitzes begegnet uns in ihren Bildern. Auch jenes andere der Leiter haben wir schon kennengelernt. Es vermittelt mit den in den Raumecken aufgestellten, wenig oder noch gar nicht bearbeiteten Papierrollen und den davor auf dem Boden ausgebreiteten Skizzenheften das noch nicht Vollendete, Prozesshafte – ein schönes Symbol für die eigene Einsicht der Künstlerin, dass Ungemaltes noch gemalt, Unformuliertes noch formuliert, Ungestaltetes noch gestaltet sein will.

1822-Forum, Fahrgasse 9, 60311 Frankfurt; noch bis 23. Mai 2009

(Bildnachweis: © Xenia Lesniewski; Fotos: FeuilletonFrankfurt)

Die Frankfurter Heussenstamm-Stiftung und die Heussenstamm-Galerie

Montag, 11. Mai 2009

Frankfurt am Main ist – mit über 450 Stiftungen – die “Stiftungshauptstadt” Deutschlands. In vielen Städten und Residenzen – denken wir in Hessen beispielsweise an Darmstadt oder Kassel – hinterliessen einstige Herrschergeschlechter Schlösser und Parkanlagen, Kunstschätze und gemeinnützige Einrichtungen. In Frankfurt waren es überwiegend die Bürgerinnen und Bürger, die, mit Grossherzigkeit und von Verantwortungsgefühl für das Gemeinwesen getragen, bereits seit der Zeit der Freien Reichsstadt im Wege von Stiftungen eine Fülle wichtiger kultureller und sozialer Institutionen schufen.

Die Heussenstamm-Stiftung liefert dafür ein eindrucksvolles Beispiel. 1912 verfügte Carl Jacob Moritz Heussenstamm testamentarisch die Gründung einer städtischen “Heussenstamm’schen Stiftung” mit den beiden Aufgabenbereichen: “Unterstützung von bedürftigen Personen (Frankfurter Bürger)” und “Förderung von Künstlern und geistigen Arbeitern”. 1935 wurden das “Frankfurter Hilfswerk des Oberbürgermeisters”, 1939 die “Heimarbeiter-Stiftung” und 1941 die “Peter-Wilhelm-Miller-Stiftung” in die Heussenstamm’sche-Stiftung eingegliedert.

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Carl Jakob Moritz Heussenstamm (1835 bis 1913), Rechtsanwalt, Stadtverordneter (1873 bis 1880), Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung (bis 1880), Zweiter Bürgermeister von Frankfurt am Main (1880 bis 1899), Gründer der Heussenstamm-Stiftung (Bildnachweis: Heussenstamm-Galerie)

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm 1946 der Frankfurter Oberbürgermeister Kurt Blaum den Vorsitz der Heussenstamm’schen Stiftung. Prominente, dem Gemeinwohl verpflichtete Frankfurter Bürgerinnen und Bürger engagierten sich als Mitglieder des Stiftungsrats. 1949 wurde die für soziale, geistige und künstlerische Zwecke eingerichtete “Dr. med. Ernst-Asch-Stiftung” samt der in sie integrierten “Wilhelm- und Mary-Hill-Stiftung” – beides jüdische Einrichtungen – eingegliedert. Die Heussenstamm’sche Stiftung gab sich eine Satzung.

1963 wurde Christine Mumm von Schwarzenstein Geschäftsführerin der Stiftung. Sie organisierte alsbald erste Ausstellungen von Frankfurter Künstlern in den damaligen Räumen in der Domstrasse. Die Stiftung vergab erstmals ihren “Studienfahrtenpreis” an zwei Frankfurter Künstler. Es folgte eine erste Kunst-Studienreise nach Berlin. 1968 zog die Stiftung in die Frankfurter Rahmhofstrasse. Sie bezog in den folgenden Jahren verschiedene wechselnde Domizile, bis sie schliesslich im Jahr 2005 mit ihrer Galerie und ihren sozialen Aktivitäten ihren heutigen Sitz in der Frankfurter Kunst- und Kulturmeile Braubachstrasse fand.

Seit 1972 hat der jeweilige Kulturdezernent der Stadt Frankfurt am Main den Vorsitz des Stiftungsvorstands inne. Zur Struktur der Stiftung gehört neben dem Vorstand und der Geschäftsführung eine Jury, die die Künstler für die wechselnden Ausstellungen auswählt.

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Dagmar Priepke, Geschäftsführerin und Stellvertretende Vorsitzende des Stiftungsvorstands (Foto: FeuilletonFrankfurt)

Anfang April 2008 übernahm Dagmar Priepke von Roswitha Girst die Aufgaben der Geschäftsführerin und stellvertretenden Vorsitzenden des Stiftungsvorstands. Bald darauf setzten Vorstand und Geschäftsführung im Zuge einer umfassenden Evaluierung der bisherigen Tätigkeiten von Stiftung und Galerie eine Reihe neuer Akzente und Prioritäten für die künftige Arbeit. Mit dieser Neuausrichtung wollen sie dem gesellschaftlichen Wandel und den damit verbundenen veränderten Anforderungen an ein zeitgerechtes Management der beiden recht unterschiedlichen satzungsmässigen Aufgaben der Stiftung – Unterstützung Bedürftiger einerseits sowie Künstlerförderung andererseits – Rechnung tragen.

heussenstamm_galerie-a Die Heussenstamm-Galerie

Die Heussenstamm-Stiftung nimmt die Künstlerförderung in erster Linie mit ihrer Galerie wahr. Ferner unterstützt sie Künstlerinnen und Künstler beispielsweise mittels Materialstipendien.

Die Heussenstamm-Galerie stellt ihre Räume ausgewählten Künstlern zur Verfügung. Diese sollten durch Geburt, Wohnsitz oder Ausbildung mit Frankfurt am Main oder der Rhein-Main-Region verbunden sein und über eine abgeschlossene Ausbildung an einer Kunsthochschule verfügen. Bei ihren Entscheidungen über die Auswahl der Künstlerinnen und Künstler bewertet die Jury die jeweilige künstlerische Entwicklung der Bewerber sowie deren Eigenständigkeit und Authentizität in ihren künstlerischen Positionen. Vorgestellt werden Arbeiten aller Gattungen beziehungsweise Arten der bildenden Künste: Malerei, Grafik und Skulptur, Fotografie, Film- und Videokunst, Installationen und Cross-Over.

Die Ausstellungen haben zumeist eine Laufzeit von rund sechs Wochen. Die Galerie betreut die Ausstellungen organisatorisch und übernimmt die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Ferner bemüht sie sich um Sponsoren für die anfallenden Kosten. Die Vernissagen finden jeweils an einem Dienstag statt.

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Ausstellung “REGALE GLOBALE” August/September 2008 (Bildnachweis: Heussenstamm-Galerie)

Die Heussenstamm-Galerie sieht sich in ihrem galeristischen Umfeld, namentlich in der Frankfurter Braubachstrasse und der angrenzenden Fahrgasse, nicht in einer unternehmerischen, wohl aber in einer dem Qualitätsanspruch verpflichteten Konkurrenz zu den benachbarten kommerziellen Galerien. Der Verkauf steht deshalb auch nicht im Mittelpunkt der Ausstellungsaktivitäten, wenngleich der Verkauf einer Arbeit für einen Künstler immer auch ein Stück Anerkennung, Wertschätzung und Erfolg bedeutet.

Ein zentrales Anliegen von Stiftungsvorstand und Geschäftsführung ist es, verstärkt auch junge Menschen, sei es als Künstler, sei es als Publikum, an die Arbeit der Galerie heranzuführen. So versteht sich die Galerie als ein Element eines übergreifenden Bildungsauftrags mit einer künftig eigens ausgeprägten Galeriepädagogik. Im Zusammenhang damit steht auch eine Revision des Internetauftritts der Galerie.

Zum anderen gilt es, wie Dagmar Priepke erläutert, dem bereits erwähnten gesellschaftlichen Wandel Rechnung zu tragen, der sich in einer Stadt wie Frankfurt am Main unter anderem in einer erheblichen Fluktuation innerhalb der Bevölkerung widerspiegelt. Dem soll mit der Strategie einer institutionellen Vernetzung begegnet werden. So will die Galerie künftig verstärkt die Kooperation mit geeigneten Einrichtungen suchen, vor allem mit der Hochschule für Gestaltung in Offenbach und der Frankfurter Hochschule für Bildende Künste, der Städelschule. Zur Präsentation künstlerischer Werke arbeitet sie beispielsweise mit dem CCB Herzwerk zusammen, einem von Kardiologen gegründeten medizinischen Zentrum für gesundheitsbetontes sportliches Training. Für Ende 2009 ist eine Zusammenarbeit mit den Praunheimer Werkstätten in Frankfurt am Main geplant. Ziel einer solchen Neupositionierung, die die Stiftungszwecke der Sozialarbeit wie auch der Künstlerförderung im Idealfall vereint, ist eine Galerie, die sich als ein Teil des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens in Frankfurt am Main wie auch im umgebenden Rhein-Main-Gebiet versteht.

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Werbung für die “Künstlerküche”

In Zuge dieser Strategie will die Galerie die Idee der “Künstlerküche” der 1920er / 1930er Jahre wieder aufgreifen. War es zunächst auch ein Anliegen der Stiftung, notleidende  Künstler mit Essen zu versorgen, so wuchs die “Künstlerküche” schnell über diesen Zweck hinaus: Schon bald bildete sich ein Kreis von aufstrebenden, talentierten Menschen, die zum Mittagstisch in der “Künstlerküche” kamen, unter ihnen Journalisten, Architekten, Schauspieler, Sänger und Studenten der Städelschule. Der Geist, die Phantasie und die Schaffenskraft dieser unterschiedlichen Persönlichkeiten, die sich regelmäßig in der “Künstlerküche” versammelten und austauschten, machten damals die Einrichtung schnell zu einem Zentrum der Kommunikation und zu einem Treffpunkt für die Kreativen der Stadt.

Von Mitte Juli an bis voraussichtlich Ende September 2009 wird die Heussenstamm-Galerie wegen unter anderem brandschutztechnischer Umbaumassnahmen schliessen müssen.

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Ausstellungseröffnung in der Heussenstamm-Galerie am 5. Mai 2009 mit den Künstlern Costa Bernstein und Max Weinberg, rechts Susanne Kujer vom Frankfurter Kulturamt (Foto: FeuilletonFrankfurt)