Dem Rehkitz mit der Maske folgen … zu Xenia Lesniewski
Xenia Lesniewskis überaus sehenswerte Ausstellung im 1822-Forum der Frankfurter Sparkasse währt zwar leider nur noch bis zum 23. Mai 2009 … aber wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, auch künftig dem Rehkitz mit der Maske folgen, Ihre Schritte dorthin lenken, wo auch eine Leiter nicht fern ist, dann werden Sie der begabten Künstlerin immer wieder begegnen, da sind wir uns ganz sicher.

Die Künstlerin mit ihren Attributen vor ihrer Arbeit
“Hardcore” betitelt Xenia Lesniewski ihre erste Einzelausstellung. Die 1985 in Frankfurt am Main geborene Künstlerin widmet sich seit 2005 dem Studium der freien Kunst mit den Schwerpunkten Malerei und neue Medien an der Hochschule für Gestaltung im benachbarten Offenbach. Ihre akademischen Lehrerinnen und Lehrer sind Adam Jankowski (Malerei), Mariola Brillowska (Freies Zeichnen /Film / Video) und Heiner Blum (Experimentelle Raumkonzepte).
Die Stipendiatin der Studienstiftung des Deutschen Volkes errang bereits 2008 den “3sat-Förderpreis” bei den Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen und im Mai 2009 den 2. Preis im Wettbewerb um das beste Musikvideo. Ihre Videoarbeiten wurden für internationale Filmfestivals nominiert, unter anderem im Pariser Centre Pompidou und im Museum Reina Sofia, Madrid.
Xenia Lesniewski stellte bislang in Erfurt, Frankfurt am Main, Mainz und Offenbach, im Ausland in Ljubljana und im polnischen Sopot aus. Bundesweite Aufmerksamkeit fand sie jüngst beim Bundeswettbewerb “Galerie der Besten – Kunststudenten stellen aus” in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn.

“Schafskopf”, 2009, Acryl auf Papier, ca. 100 x 150 cm
Nicht eben wenig an Reputation und Erfolg für den Anfang – und die laufende Ausstellung im 1822-Forum unterstützt uns in der Überzeugung, dass Xenia Lesniewski ihren künstlerischen Weg erfolgreich fortsetzen wird.
In “Hardcore” begegnen wir einem Gesamtkunstwerk aus grossformatigen Zeichnungen und einem Animationsfilm. Jener ist ein integraler Bestandteil der Gesamtinstallation. Der Blick des in die Galerie Eintretenden fällt zunächst auf den gegenüber dem Eingang positionierten “Schafskopf”. Die die beiden Stirnwände des Raumes zur Gänze bedeckenden Wandarbeiten entfalten eine hohe Präsenz, ja Wucht. Schon bei deren erster Wahrnehmung überzeugt die formale wie ästhetische Komposition der figurativen und textlichen Elemente. Lesniewski fügt ihre in Acryl auf Papier in unterschiedlicher Grösse ausgeführten Zeichnungen zu Erzählungen zusammen, die jedoch immer wieder durch “harte Schnitte” unterbrochen werden.

Die Arbeit der Künstlerin trägt vermutlich nicht wenige autobiografische Züge. Sie mutet uns bei aller formalen Strenge und Geschlossenheit wie ein Wandel durch Traumwelten an, in der sich Kinderträume mit jenen der Welt der Erwachsenen ineinander verwirken.

Labyrinthische Darstellungen von allerlei Tieren und Menschen, überschrieben und durchdrungen von Worten und Wortgruppen, verdichten und verzahnen sich zu Bild-Text-Konfigurationen. Die Worte und Wortgruppen türmen sich auf zu Schranken und Gebirgen, schieben sich – wir erlauben uns, mit einem Augenzwinkern, einen Rückgriff auf die Terminologie Freuds – gleichsam als ein bedrohliches, unüberwindliches Über-Ich vor und zwischen die ersehnten Bilderbuchwelten, Wünsche, Bedürfnisse und Triebe des Ich und Es. Einst teddybärenhafte Tieraugen blicken uns mit einem Mal scharf und lauernd an. Puppen verwandeln ihre Gesichter zu Masken des Erschreckens. Illusionen finden ein abruptes Ende. Aus einem Spiel kann jäh Ernst werden.




Überzeugend das formale Spiel von Schriften und Figuration – Buchstabengruppen formieren sich zu Gestalten, Gestalten lösen sich zu Lettern auf.



Xenia Lesniewskis Attribut des maskierten Rehkitzes begegnet uns in ihren Bildern. Auch jenes andere der Leiter haben wir schon kennengelernt. Es vermittelt mit den in den Raumecken aufgestellten, wenig oder noch gar nicht bearbeiteten Papierrollen und den davor auf dem Boden ausgebreiteten Skizzenheften das noch nicht Vollendete, Prozesshafte – ein schönes Symbol für die eigene Einsicht der Künstlerin, dass Ungemaltes noch gemalt, Unformuliertes noch formuliert, Ungestaltetes noch gestaltet sein will.
1822-Forum, Fahrgasse 9, 60311 Frankfurt; noch bis 23. Mai 2009
