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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Archive for Mai, 2009

“The Making of Art” – Das Kunstmachen – in der SCHIRN Kunsthalle Frankfurt

Sonntag, 31. Mai 2009

Irgendwie hatten wir wohl die richtige Vorahnung – zur Präsentation der Ausstellung “The Making of Art” in der SCHIRN Kunsthalle Frankfurt hatten wir auf die Krawatte verzichtet; sie hätte (auch wenn Direktor Hollein sie pflichtbewusst trug) in der Tat nicht so recht zur systemkritischen wie zwanglosen Werkstattatmosphäre der Ausstellung gepasst.

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Direktor Max Hollein und Kuratorin Martina Weinhart in der Pressekonferenz

Kunst, Kunstherstellung, Kunstvermarktung, kurzum Kunstbetrieb als mehr oder weniger kritisch traktierter Gegenstand von Kunst  – nicht neu. Aber die Ausstellung in der SCHIRN Kunsthalle präsentiert eine etwa 150 Arbeiten umfassende Auswahl entsprechender Werke in einem neuen, gerade “in Zeiten wie diesen” durchaus aktuellen Kontext.

Lädt John Waters, 1946 in Baltimore/Maryland geboren und auch heute dort lebend und arbeitend, mit seiner Aufforderung “Study art” zu einem Künstlerdasein ein?

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John Waters, Study Art Sign, 2007, Acryl-Urethan auf Holz und Aluminium, , 142,2 x 106,7 x 11,4 cm, Vanmoerkerke Collection, Belgien

Was lehrt uns der 1966 geborene New Yorker Künstler Tom Sachs mit seiner Arbeit “Kreativität ist der Feind” über das künstlerische Wesen?

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Tom Sachs, Creativity is the Enemy, 2008, Farbe, Holz, 97,8 x 149,2 x 12,7 cm, Vanmoerkerke Collection, Belgien, Courtesy Galerie Thaddaeus Ropac Paris/Salzburg

Was sagt uns Dieter Hacker, 1942 in Augsburg geboren, wenn er seine Holzkiste öffnet und eine “Buchstabenarbeit” auf dem Boden ausbreitet?

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Dieter Hacker, Wollt Ihr die Kunst als Schlafmittel oder als Wegweiser? Entscheidet Euch!, 1970, Holz, 50 x 50 x 35 cm, Textlänge ca. 500 cm, ZKM Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe

Vielleicht war früher ja alles einfacher, als es den Künstler und sein Kunstwerk und dann noch den Betrachter gab, der natürlich gerne auch als Käufer, gar Sammler willkommen war, denn der Künstler will und muss ja vom Verkauf leben, auch wenn sich Kunst schon seit jeher vielfach als brotlos erwies. Dann traten mehr und mehr die Akteure und Aktivitäten dessen hinzu, was nicht frei von Euphemismus als Kunstbetrieb bezeichnet wird: als da sind Kuratoren, Galeristen, Kritiker; Museen, Biennalen, Ausstellungen – und die von manchen als deren schlimmste Form empfundenen Kunstmessen samt ihrer spassgesellschaftlichen Lifestyle-Party-Betriebsamkeit. Zwischen all diesen Erscheinungen hat sich unter den Bedingungen eines mehr und mehr allein der Kommerzialisierung unterworfenen Kunstmarktes ein Beziehungsgeflecht entwickelt, in dem der Künstler heute – zwischen den Polen Opportunismus bis hin zu Resignation und  Verzweiflung – um seine Position zu ringen sucht.

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Ausstellungsansicht: Thomas Struth, The Consolandi Family, Milan, 1996, C-print, 178 x 216,3 cm, Art Collection Deutsche Börse

Schon in Arbeiten der 1960er Jahre begegnen wir der sogenannten institutionskritischen Kunst. Kunstwerke und die Position des Künstlers in der sich ständig wandelnden Gesellschaft werden im gestaltenden künstlerischen Akt hinterfragt. Zwei Jahrzehnte später werden Institutionen wie Museum, Galerie, Sammler oder Kunstmesse wie auch der gesamte institutionelle Rahmen des Kunstwerks im künstlerischen Handeln reflektiert. Es geht mitunter witzig und ironisch, sarkastisch und zynisch zu. Natürlich macht diese kritische Auseinandersetzung auch vor der materiellen Situation der verschiedenen Akteure und Institutionen des Kunstbetriebs nicht halt. Dabei werden jedoch stets die immanenten Widersprüche dieser Herangehensweise deutlich. Darauf werden wir noch zurückkommen.

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Marcin Maciejowski, Picasso’s “Boy with a Pipe”, 2004, Öl auf Leinwand, 130 x 120 cm, Sammlung Kirkland, London

Aspekte der Globalisierung treten hinzu. Der 1956 in Kinto M’Vuila / Demokratische Republik Kongo geborene Chéri Samba malt auf seine Arbeit: “Welche Zukunft hat unsere Kunst in einer Welt, in der die meisten lebenden Künstler unterdrückt werden? Die einzige Lösung ist, Anerkennung in Frankreich zu finden. Wer in Frankreich als Künstler anerkannt wird, findet wahrscheinlich ganz automatisch auf der ganzen Welt Anerkennung. Und wer Frankreich sagt, meint das Musée d’art moderne. Ja, aber … ist das Museum für  moderne Kunst nicht rassistisch?”

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Ausstellungsansicht: Chéri Samba, Quel avenir pour notre art? Triptychon 1/3 und 2/3, 1997, jeweils ca. 130 x 194 cm, Acryl, Glitter auf Leinwand, Courtesy C.A.A.C. – The Pigozzi Collection, Genf

Uns mangelt es bei dieser künstlerischen Institutionskritik freilich in manchem an Glaubwürdigkeit: Wo bleibt beispielsweise eine Schelte über denjenigen Teil des Kunstmarktes, der von der “Nachfrage” neureicher wie banausischer Oligarchen zwielichtigen Reichtums lebt, die ihre Emissäre aussenden, nicht selten gegen Schwarzgeld-Bares das weltweit Teuerste an Kunst (oder besser gesagt was sie dafür halten) zu erwerben? Wo die Schelte über diejenigen Künstler, die sich, derartigen Marktoppunitäten willig andienend, entsprechend marktkonform verhalten und bei näherem Hinsehen Belangloses wie Unterwertiges unter dem Deckmantel Kunst vertreiben, dabei selbst zu Millionären werdend? Wo die Schelte über diejenigen Galerien und Auktionshäuser, die sich an einem solchem Marktbetrieb nicht nur die Hände wärmen, sondern ihn Hype auf Hype generierend im Jahres-, wenn nicht Monatsrhythmus strategisch preistreibend aufheizen? Was kann eine Ausstellung wie diese, letztendlich selbst Bestandteil des Kunstbetriebs, unter diesen Aspekten überhaupt leisten?

So kommen wir doch noch auf Piero Manzoni zurück, der 1961 die berühmten 90 durchnummerierten Konservendosen mit jeweils 30 Gramm seiner eigenen Exkremente verfüllte, viersprachig etikettierte  – wir bleiben hier höflicherweise und auf schwachnervige Leserinnen und Leser Rücksicht nehmend bei der italienischen Bezeichnung “Merda d’artista” – und diese Dosen zum tagesaktuellen Preis von Gold gleichen Gewichts verkaufte. Alle 90 Exemplare wurden, teils von renommierten Galerien, Sammlungen und Museen, erworben, zum Preis von, soweit uns bekannt, bis zu 80.000 US-Dollar das Stück. Nun hat der früh im Alter von 30 Jahren verstorbene Künstler wohl nicht den ganz dicken Reibach mit seinem “Produkt” gemacht, das fiel aber mit Sicherheit allerlei Kunsthändlern, Spekulanten, Galeristen und Auktionatoren gold- und dollarschwer auf die Füsse.

Uns hat einmal ein Frankfurter Museumsdirektor auf die Frage geantwortet, auf welche Weise man ein finanziell erfolgreicher Künstler werden könne: Indem man sich in einem entsprechenden gesellschaftlichen Umfeld etabliert. So wird es wohl sein.

Die Ausstellung ist ein Muss für alle, die sich mit Glanz und Elend des Kunstbetriebs auseinandersetzen wollen. Nehmen Sie, liebe Leserinnen und Leser, Ihren Weg auf den Römerberg; die Krawatte können Sie dabei gerne zu Hause und auch das Kleine Schwarze im Kleiderschrank lassen. Es geht durchaus zwanglos zu in der aktuellen Ausstellungswerkstatt der Frankfurter SCHIRN Kunsthalle.

Bildnachweis: SCHIRN Kunsthalle Frankfurt; © bei den jeweiligen Künstlern; Fotos: FeuilletonFrankfurt


Das Museum – die Architektur – das Wandgemälde: Sarah Morris im Frankfurter Museum für Moderne Kunst

Mittwoch, 27. Mai 2009

Das Museum: weltweit bekannt. Der Architekt: Hans Hollein. Die Wandmalerei im Treppenhaus: Günther Förg.

Am kommenden Freitag, 29. Mai 2009,  eröffnet das MMK eine umfassende Einzelausstellung “SARAH MORRIS – GEMINI DRESSAGE”, unter anderem mit derem bislang grössten Wandgemälde in Europa “Chimera (Origami)”. In faszinierender und einzigartiger Weise tritt es in einen Dialog mit der Holleinschen Architektur des Hauses wie auch den von Günther Förg bemalten Wänden des Treppenhauses.

Hier eine Vorschau:

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(Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main; Fotos: FeuilletonFrankfurt)

“Triumph”: 2529 Pokale – Aleksandra Mir stellt sie in der SCHIRN Kunsthalle aus

Samstag, 23. Mai 2009

Habent sua fata pocula … Auch wir vergewaltigen jenen berühmten Satz des Terentianus Maurus, um mit all den um Bedeutung ringenden Rezensenten und Autoren mithalten zu können.

Dabei warnte Matthias Ulrich, Kurator der besagten Ausstellung in der SCHIRN Kunsthalle, vor dem Versuch, eine Bedeutung in jene hineinzulegen. Und SCHIRN-Chef Max Hollein riet dazu, das Kunstwerk primär als eine Projektionsfläche zu betrachten. Obwohl gerade dies dem schauenden Kunstkonsumenten eine Leistung abverlangte, um die er sich – wohlversehen mit von hochrangiger Stelle gelieferten Erklärungsmustern – gerne gedrückt hätte. Wir wollen deshalb nichts überhöhen und Assoziationen etwa an den Abendmahlskelch oder den Heiligen Gral der Artussage nicht weiter strapazieren.

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“Triumph” also in der SCHIRN Kunsthalle: 2529 Pokale in einem Raum. Absurd? Mal sehen.

Jeder Pokal hat eine Geschichte. Ein jeder Pokal trägt seine Geschichte in sich. 2529 Geschichten also, mit allen Emotionen verbunden. Aleksandra Mir kennt sie grossenteils, hat sie mit den einzelnen Pokalen gesammelt, archiviert, aber sie erzählt sie nicht, nicht verbal. Die Pokale könnten sie erzählen, wenn sie erzählen könnten. Aber – vielleicht können sie das ja?

2529 Pokale mit ihren Geschichten in einem Raum. Immer noch absurd?

Es sind Geschichten von Menschen, über Menschen. Pokale werden gewonnen, feierlich überreicht, für erbrachte Leistungen, für erworbene Verdienste. In allen Erscheinungsformen des Sports, aber auch auf nahezu unendlich vielen anderen Gebieten des gesellschaftlichen Lebens: Da gibt es Kleingärtner und Kanarienvogelzüchter, Briefmarkensammler und Brieftaubenverschicker, Böllerschützen und Modellraketenflieger, Feuerwerker und freiwillige Feuerwehrleute, Biergärtner, Rebenzüchter und Blaukreuzler, Steilwandfahrer und Rotkreuzhelfer, Karnevalisten und Kirmesburschen, Heilsarmisten und Karl-May-Festspieler …  es gibt Zünfte und Gilden, Vereine und Bruderschaften, Clubs und Gesellschaften, Korporationen und Genossenschaften … und sie alle vergeben aus allerlei Anlässen Pokale.

Immer sind es grössere oder kleinere Triumphe, die sich mit Pokalen verbinden. Stolz sind wir darauf, wenn wir auf dem Treppchen stehen, bei Gold, Silber und Bronze mit von der Partie sind, aus anderen Gründen eine Ehrung empfangen. Dann tragen wir die Trophäen nach Hause, wo sie irgendwann in Vergessenheit geraten oder ob ihres kitschigen Aussehens gar lästig werden. Und wir vernachlässigen sie, lösen, trennen uns von ihnen … und was wird aus den Geschichten?

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Pokale: einst …

… und später

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Die Leserinnen und Leser des “Il Giornale di Sicilia” werden nicht schlecht gestaunt haben, als sie Aleksandra Mirs Anzeige mit der Bitte entdeckten, ihr Sportpokale zuzusenden – gegen jeweils fünf Euro das Stück. Aus logistischen Gründen wählte die heute in Palermo lebende Künstlerin dieses Blatt für ihre Aktion. 2529 Exemplare erhielt sie innerhalb weniger Wochen.

Mir untersucht unter anderem das Spannungsverhältnis zwischen der zumeist kitschigen Massenware – Pokale werden in aller Regel aus einer Vielzahl standardisierter Teile entlang einer im Inneren tragenden Metallstange zusammengeschraubt – und der Individualität des einzelnen, mit Namen, Datum und Verleihungsgrund gravierten Exemplars, den jeweils mit dem Einzelstück verknüpften Geschichten und Schicksalen. Sie interessiert der mit der Überlassung der Pokale an sie jeweils verbundene Trennungsprozess, das Loslassen, das Weggeben eines derartigen Objekts im Zuge einer inneren wie äusseren Neuorientierung des vormaligen Besitzers.

Und sie zieht Parallelen aus der Welt des Sports zum Kunstbetrieb. Wir zitieren Aleksandra Mir aus ihrem Interview mit Matthias Ulrich: ” Die Ähnlichkeit von Sport und Kunst auf der Ebene ihrer jeweiligen gesellschaftlichen Inszenierung ist offensichtlich. Künstler werden von ihren inneren Dämonen genauso angetrieben wie von den Beziehungen zu ihren gegenwärtigen und früheren Kollegen. Die Biennale hat die Olympischen Spiele zum Vorbild – die Preisverleihungen sprechen für sich selbst.”

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Pokale: auf Säulen stolz präsentiert …

… und auf der Halde

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Aleksandra Mir, 1967 in Lublin / Polen geborene, schwedisch-amerikanische Künstlerin, studierte in New York und Göteborg Medien, Kommunikationswissenschaften, Kunst und Kulturanthropologie. Sie nahm an über 150 internationalen Ausstellungen teil.

Auch bei der bevorstehenden 53. Biennale in Venedig werden wir ihrem Werk begegnen. Frage: Was tut sie, wenn sie dort am Ende selbst einen Pokal gewinnt – in Gestalt des begehrten Leone d’Oro?

(Bildnachweis: SCHIRN Kunsthalle Frankfurt; © Aleksandra Mir; Fotos: FeuilletonFrankfurt)


Hans Traxler zum 80. Geburtstag

Donnerstag, 21. Mai 2009

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“Herrn Löhleins Katze hat einen starken Charakter” (Bildnachweis: caricatura museum frankfurt; © Hans Traxler)

FeuilletonFrankfurt übermittelt Hans Traxler seine herzlichen Glückwünsche!

Hans Traxler, am 21. Mai 1929 geboren: Was wären Frankfurt am Main, was die Neue Frankfurter Schule – mit ihren berühmtesten Mitstreitern F. W. Bernstein, Robert Gernhardt, Chlodwig Poth, Friedrich Karl Wächter – ohne ihn?

Hans Traxler – einer der ganz grossen Karikaturisten unserer Zeit. “pardon”, “Titanic” – wir erinnern uns an unsere Studentenzeit – wären ohne ihn nicht denkbar, und jene besagte Studentenzeit nicht ohne diese Magazine.

Wer hätte F. W. Bernsteins “Die schärfsten Kritiker der Elche waren früher selber welche” kongenialer visualisieren können als Traxler?

Was alles verdanken “ZEIT”, “Frankfurter Allgemeine Zeitung” und “Süddeutsche Zeitung” Traxlers Cartoons!

Und: Kann man sich Altbundeskanzler Helmut Kohl ohne die Karikaturen von Hans Traxler und Peter Knorr – den Erfindern der “Birne” – überhaupt vorstellen?

Traxler gelingt es immer wieder, mit wenigen Strichen, mit einem, höchstens zwei Sätzen eine aktuelle gesellschaftliche Befindlichkeit auf den Punkt hin zu formulieren, in einen öffentlichen Fokus zu stellen und bewusst zu machen. Dass dies für den Betrachter und Leser, auch wenn er sich auf eine gewisse Weise ertappt und entlarvt fühlen muss, dennoch mit einigem Lustgewinn verbunden ist, verrät Traxlers hohe Meisterschaft.

Der “Deutsche Karikaturenpreis” und der “Göttinger Elch” schmücken sich mit dem Namen ihres Preisträgers Hans Traxler. Dieser aber schreibt in Selbstbescheidenheit: “Ich bin Karikaturist. Als solcher denke ich mir Bilder und dazugehörige Texte aus, mit denen ich komische Wirkungen zu erzielen hoffe. Nicht unbedingt das brüllende Gelächter …”

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(Bildnachweis: caricatura museum frankfurt; © Hans Traxler)

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(Bildnachweis: caricatura museum frankfurt; © Hans Traxler)

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“Noch sind sie eine Seltenheit – Schweizer Bettler in unseren Innenstädten. Aber sie sind ein Alarmzeichen!” (Bildnachweis: caricatura museum frankfurt; © Hans Traxler)

Dank gebührt der Stadt Frankfurt am Main, die im Jahr 2006 rund 7000 Originalzeichnungen von F.W. Bernstein, Robert Gernhardt, Hans Traxler und Chlodwig Poth erwarb und dem caricatura museum frankfurt zur Verfügung stellte.

Zum 80. Geburtstag beschert das Museum (O-Ton seines Chefs Achim Frenz: “das schönste Museum der Welt”) dem Künstler eine Ausstellung, die vor allem dem Cartoonisten Traxler gewidmet ist. Daneben zeigt es kleinformatige Ölgemälde, “ganz ohne Pointenzwang”, die zumeist erstmals ausgestellt werden, sowie Skizzen- und Ideenbücher. Ein fantastisch bebilderter, 384 Seiten starker Katalog ist zu einem – im Blick auf die Ausstattung nur als symbolisch zu bezeichnenden – Preis von 20 Euro erhältlich. Er gehört in jeden Frankfurter Bücherschrank. Die Austellung, ein “Muss” für alle Liebhaber der anspruchsvollen Karikatur, läuft bis zum 26.Juli 2009.

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Und noch einmal Herrn Löhleins Katze: als lebensgrosse Installation © Henner Drescher / Hans Traxler im caricatura museum frankfurt (Foto: FeuilletonFrankfurt)



Metamorphosen, Transformationen, Hydrogenium – Fotografien von Karl Eberhard Nölke

Mittwoch, 20. Mai 2009

Unter dem Titel “Transzendente Metamorphosen” präsentiert der Frankfurter Künstlerclub im Nebbienschen Gartenhaus Fotografien von Karl Eberhard Nölke. Nölke gliedert seine ausgestellten Arbeiten in die drei Werkkomplexe Metamorphosen (Verwandlungen), Transformationen (Veränderungen) und Hydrogenium (Wasserstoff). Wir untersuchen im folgenden die beiden erstgenannten Arbeitsbereiche.

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Transformationen III (70 x 100 cm,  © Karl Eberhard Nölke)

Die in analoger Technik ausgeführten Fotografien – es handelt sich weder um Überblendungen noch um Fotomontagen – stammen aus den Jahren 2005 bis 2008. Sie sind, von gelegentlichen korrigierenden Schnitten abgesehen, nicht digital bearbeitet. Es sind zumeist Spiegelungen – Bilder in Bildern. Das zunächst im Vordergrund – nicht vordergründig – Wahrgenommene erschliesst Bilder in verschiedenen Staffelungen, die sich rasch als Reflexionsebenen darstellen. Räume, Szenerien, Situationen, Momente; Architekturen, Gegenstände und Menschen – als zufällig vorüberschreitende oder als Handlungen vollziehende Personen – durchdringen sich, verlieren und begegnen sich in neuen Sphären.

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Transformationen I (70 x 100 cm,  © Karl Eberhard Nölke)

Bei aller Komposition seiner Bilder sei er, sagt Nölke, mitunter überrascht über das, was er im Moment der Aufnahme glaubte gesehen zu haben. Andererseits seien die Bilder – in zeitlichem Zusammenhang mit dem Tod dreier nahestehender Menschen – in einem Zustand höchster Sensibilität und “Durchlässigkeit” entstanden. In diesem Erfahrungsprozess habe er in der Begegnung mit den Dingen anders, genauer zu sehen gelernt. Nölke sieht dies im Kontext zu seiner wissenschaftlichen Tätigkeit, Zusammenhänge zu ergründen und zu erklären, und seiner therapeutischen Arbeit, bei der es um das Verstehen gehe. Eine zentrale Rolle komme der Fantasie, sprich der Kreativität als einer vermittelnden Funktion zwischen Wahrnehmung und Denken zu – als gleichsam intermediärer Raum zwischen innerer und äusserer Realität. Seine Arbeiten sehe er dabei als Produkt eher einer erkundenden als einer gestaltenden, hervorbringenden Fantasie, indem sie mittels der fotografischen Technik in Verborgenes eindringe.

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Metamorphosen IV (70 x 100 cm,  © Karl Eberhard Nölke)

Nölkes fotografische Arbeiten künden von Raum- und Zeitsprüngen, Verwerfungen und Verzerrungen, von Brüchen ebenso wie von fliessenden Übergängen in ein Neues. Vorder- und Hintergründe lösen sich auf und vereinigen sich doch wieder in einem neuen Zusammenhang.  In Museumslandschaften angetroffene Figuren und Vasen der Antike transzendieren in ferne Unbestimmtheit wie zugleich in die Gegenwärtigkeit des Lebens. Diesseits und Jenseits durchdringen sich.

“Hier wird Nölke”,  führt der Maler Hubertus Wobbermin in seiner Laudatio aus, “seiner eigenen Umschreibung von Kreativität gerecht. So benannte er einmal in einem Artikel den künstlerischen Prozess im Sinne einer ‘wildgewordenen Assimilation’. Oder an anderer Stelle als eine besondere ‘Synthetisierung’, die uns etwa ermöglicht, den komplexen Aufbau einer Symphonie nicht in seinen einzelnen Bestandteilen, sondern ganzheitlich wahrzunehmen”.

Den Bildern eignet bei allem eine malerische Anmutung.

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Metamorphosen IX ( 70 x 100 cm, © Karl Eberhard Nölke)

Karl Eberhard Nölke, 1953 in Bad Hersfeld geboren, studierte in Göttingen, Marburg und Frankfurt Sozialwissenschaften und Psychologie. Nach Studium und Promotion arbeitete er über sieben Jahre in einem Forschungs- und Praxisprojekt zur therapeutischen Intensivbetreuung für deviante Jugendliche sowie in einer psychologischen Beratungsstelle. Daneben absolvierte er eine Weiterbildung in Grundlagen, Methoden und Techniken der Malerei und in Kunsttherapie sowie eine Ausbildung zum Psychotherapeuten mit anschliessender Approbation und Praxistätigkeit.

Nach Vertretungsprofessuren in Halle, Kassel und Frankfurt am Main übernahm er 2001 eine Professur an der Hochschule Darmstadt. 2008 wurde er zum Fachgutachter beim Wissenschaftsrat für Kunsttherapie berufen.

Nölkes derzeitiger künstlerischer Schwerpunkt ist über seine Malerei hinaus die Fotografie. Er stellte unter anderem in Bad Hersfeld, Hannoversch Münden, Karlsruhe, Kassel und Wiesbaden aus.

Frankfurter Künstlerclub, Nebbiensches Gartenhaus, Bockenheimer Anlage (gegenüber dem Hilton-Hotel); Öffnungszeiten:  Dienstag bis Sonntag 12 bis 18 Uhr. Die Ausstellung läuft bis zum 31. Mai 2009.