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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Archive for April, 2009

“Neu” im Frankfurter MMK: das grosse Wiedersehen

Dienstag, 21. April 2009

YELLOW AND GREEN – Positionen aus der Sammlung des MMK

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Morris Louis, First Coming, 1961, 230 x 168,5 x 4 cm
Foto: FeuilletonFrankfurt

Wir sind wieder daheim im Frankfurter Museum für Moderne Kunst – weithin bekannt als MMK. Daheim in der Sammlung dieses Hauses. Sozusagen in der Frankfurter “Gud Stubb” der internationalen kontemporären Kunst.

Vorbei ist es mit den Ausstellungs- und Event-Eskapaden eines Udo Kittelmann, der nicht müde wurde, über die zahlreiche Schar seiner Anhänger hinaus ein grosses Publikum davon zu überzeugen, dass das MMK mit diesen Kunst-Events weltweit in der allerersten Liga mitspiele, neben den Museums of Modern Art in New York und San Francisco, dem  Museum of Contemporary Art Chicago, der Tate Modern in London, um nur einige zu nennen, nicht zu vergessen die von ihm wohl etwas weniger geliebten Guggenheims dieser Welt …

Vorbei ist es mit dem mitunter atemberaubenden Ausstellungsbetrieb in diesem Haus – wir nennen hier nur Murakami und Bernard Buffet, Hans Josephsohn und Maurizio Cattelan, Andreas Slominski und Sturtevant, nicht zu vergessen Teresa Margolles oder Andy Warhol’s Time Capsules … Präsentationen, für die zumeist ganze Etagen des Museums geräumt wurden – und zwei Mal sogar das gesamte Haus.

Nun öffnen sich wieder die Magazine, und zum Vorschein kommt Bekanntes, ja Vertrautes, aber auch im Vergleich mit dem vormaligen Ausstellungsbetrieb nicht minder Spektakuläres aus der weit über 4.000 Exponate umfassenden und damit vermutlich grössten Sammlung zeitgenössischer Kunst nicht nur in Europa, sondern womöglich weltweit. Wir schauen, erkennen wieder und staunen über das, was wir alles haben vor unserer Frankfurter Haustür … Gilt der Prophet wieder im eigenen Land? Das Goethesche “Willst du immer weiter schweifen, sieh, das Gute liegt so nah” ?

Ja, lautet die Antwort.

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Andy Warhol, Green Disaster #2 (Green Disaster Ten Times), 1963, 272,6 x 201 cm
Foto: Axel Schneider

“Ein Museum ist keine Ausstellungshalle” sagt Susanne Gaensheimer, seit Jahresbeginn Direktorin des MMK. Mit Respekt, zugleich mit Liebe zu den Schätzen, die das Haus beherbergt, verweist sie auf die Verdienste ihrer Vorgänger, Jean-Christophe Ammann und Udo Kittelmann, die diesen einzigartigen Bestand, beginnend mit Werken der internationalen Kunst der 1960er Jahre, auf der Grundlage der Sammlung Karl Ströher aufgebaut und regelmässig erweitert haben. Und sie erklärt in diesem Zusammenhang, der Ankaufsetat des städtischen MMK sei mittlerweile auf den Betrag von schlichtweg 0,- EURO heruntergefahren. Da fügt es sich natürlich gut, auf einen renommierten Bestand zurückgreifen zu können. Dennoch wird sich das eine oder andere Kleinere aus Mitteln der das Haus unterstützenden Institutionen erwerben lassen. Die Direktorin wird sich aber wie ihre Amtsvorgänger nach Finanzierungsquellen umsehen, soll das Haus nicht auf den Status quo eingefroren werden – von dem sich trotz aller Quantität und Qualität nicht in alle Ewigkeit hinein leben lässt. Und dann ist da ja auch noch der seit der Ära Max Hollein wieder recht offensiv vertretene Anspruch des Städel Museums, ebenfalls herausragende Werke der zeitgenössischen Kunst zu sammeln.

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MMK-Direktorin Susanne Gaensheimer erläutert während eines Presserundgangs ihre Museumskonzeption
Foto: FeuilletonFrankfurt

Das MMK verfüge, erläutert Susanne Gaensheimer, im Unterschied zu anderen Häusern dieser Art über eine besonders dichte Sammlung in Werkgruppen. Einzigartig sei das spezifische Profil dieser Sammlung, ihre Individualität, geprägt zunächst von Karl Ströher, dann auch von Rolf Ricke und den persönlichen Vorstellungen, Überzeugungen und Visionen der Direktoren Ammann und Kittelmann. Heute gelte es, die Aufgaben eines derartigen Museums im 21. Jahrhundert zu definieren, in Abgrenzung zum Ausstellungsbetrieb sowie zum Kunstmarkt. Dazu werde sich das Haus auf den Grundstock seiner Sammlung konzentrieren, der mit Positionen der nachfolgenden Jahrzehnte in einen Dialog gebracht werde. Die Werke sollten, so Susanne Gaensheimer, in einem neuen Zusammenhang gezeigt werden, der einen gleichsam frischen Blick auf die Exponate und einen entsprechenden Diskurs ermögliche.

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Roy Lichtenstein, Yellow and Green Brushstrokes, 1966, 215 x 460 cm
Foto: Axel Schneider

YELLOW AND GREEN – Positionen aus der Sammlung des MMK – so lautet denn auch der Titel der Anfang März 2009 eröffneten Schau. Als erste Präsentation innerhalb einer neuen Reihe konzentriert sie sich auf  die bedeutenden Werke der Pop-Art und des Minimalismus aus der Ströherschen Sammlung. Das MMK setzt sie, wie bereits angedeutet, in Beziehung zu Arbeiten späterer Jahrzehnte.

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Claes Oldenburg, Bedroom Ensemble, Replica I, 1969
Foto: Axel Schneider

Robert Rauschenberg und John Chamberlain,  Roy Lichtenstein, Claes Oldenburg, George Segal und Andy Warhol gleichsam im Dialog mit Thomas Bayrle, Peter Fischli & David Weiss oder Jeff Koons. Rauminstallationen neben Einzelwerken, filmische Darstellungen neben Malerei, Texte neben Bildmedien. Über die bereits genannten Künstler hinaus Arbeiten von  – in alphabetischer Reihenfolge – Martin Boyce, Angela Bulloch, Walter De Maria , Thomas Demand, Dan Flavin, David Hockney, Donald Judd, Lee Lozano, Teresa Margolles, Aernout Mik, Blinky Palermo, Steven Parrino, Sigmar Polke, Charlotte Posenenske, Tobias Rehberger, Gerhard Richter, James Rosenquist, Fred Sandback, Santiago Sierra, Markus Sixay, Keith Sonnier, Frank Stella, Sturtevant, Armando Andrade Tudela, James Turrell, Franz West und anderen.

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Franz West, Claus Thoman Lampe, 2002, 233 cm hoch, 20 cm Durchmesser; Ohne Titel, 6 weiße Lampen, 2005, 299 cm hoch, 81 cm Durchmesser; Sturtevant, Warhol Flowers, 1990, 295 x 295 x 4 cm
Foto: Axel Schneider

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Thomas Bayrle, verschiedene Arbeiten auf Chrysler Star, 1968 bis 1970; Roter Platz, 1982/1996, 160 x 110 x 110 cm; Andy Warhol, Five Brillo Boxes (3¢ off), 1963-64, 5teilig, je 33 x 40,6 x 29,2 cm; Kellogg’s Cornflakes Box, 1964, 63,5 x 53,3 x 43,2 cm; Mott’s Apple Juice Box, 1964, 46 x 76,3 x 56 cm
Foto: FeuilletonFrankfurt

Ja, wir werden viele schöne Stunden des Sehens und Begegnens in diesem Haus verbringen – im Frankfurter Museum für Moderne Kunst. Und mit Susanne Gaensheimer sind wir auch durchaus stolz auf das, was wir haben: Beispielsweise erzielte Warhols “Green Car Crash (Green Burning Car I)” aus der Serie “Death and Disaster”, ebenso aus dem Jahr 1963 wie das oben abgebildete “Green Disaster 2″, bei Christie’s New York im Mai 2007 den Hammerpreis von 64 Mio. Dollar, das sind mit Aufgeld rund 71,7 Mio. Dollar.


Hände

Sonntag, 19. April 2009

Es gibt zwei, nein drei Typen von Menschen: Die einen halten stets ein Handy, wenn nicht am Ohr, so doch in der Hand; die anderen stets einen Pappbecher (wenn auch nicht gerade am Ohr); die dritten – diese Bevölkerungsgruppe gewinnt zunehmend an Bedeutung – halten stets beides.

Manchmal überkommen uns die merkwürdigsten Fragen: Was haben wir eigentlich in früheren Jahrzehnten mit unseren Händen gemacht? Wie konnten wir das überhaupt aushalten, diese handy- und pappbecherlose Zeit?

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(Bildnachweis: fielperson; Foto: Kigoo Images /pixelio.de)

Die Lust am Abwracken

Samstag, 18. April 2009

Abwracken (← toller Kommentar!) heisst das Gebot der Stunde – warum eigentlich nur Autos und nicht auch Fahrräder, Rasenmäher, alte Bibeln, Motorroller, Stradivari- und Guarnieri-Geigen, Gefriertruhen, Klaviere, Küchenherde, Sofas, Kinderwagen, Käthe-Kruse-Puppen, Märklin-Modelleisenbahnen – und überhaupt: alle Teddybären …

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(Foto: Adrian Ilgen /pixelio.de)

Also, wir hätten da noch eine Idee, eine wirklich ganz tolle, aber … wird sie sich realisieren lassen? Welche Idee? Na klar doch, eine Abwrackprämie auf manche:

Politiker!

ηὕρηκα – Heureka!


Weisheiten / 48

Donnerstag, 16. April 2009

Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.

Mark Twain (eigentlich: Samuel Langhorne Clemens, 1835 bis 1910), Schriftsteller

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(Foto: Gerd Altmann /pixelio.de)

Osterbotschaften 2009

Montag, 13. April 2009

“Viele derer, die Verantwortung getragen haben, werden als moralisch und ethisch korrumpiert erlebt; von einer Gier nach immer mehr infiziert, lassen sie keinerlei Solidarität mehr erkennen mit den vielen Menschen, die tagtäglich ihre Arbeit verlässlich und verantwortungsvoll tun. Man merkt, wie hier sogar die Sprache zerbricht: Das lateinische “bonus” bedeutet ursprünglich “gut” und “gerecht” und war ein Grundbegriff jeder ethischen Orientierung. Eine “Bonus-Zahlung” für jene, die das, wofür sie einmal Verantwortung übernommen hatten, heruntergewirtschaftet und sogar an die Wand gefahren haben, ist aber eindeutig “schlecht” und “ungerecht”. Wenn Verantwortungsträger sogar die Sprache korrumpieren, dann sind wir in der Realität des Jahres 2009 angekommen.”

Erzbischof Robert Zollitsch, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz

Zahllose Menschen haben sich wie die drei Frauen am Morgen des Ostersonntags aufgemacht. Sie sind auf der Suche nach einer neuen Ordnung. Sie wollen festen Boden unter den Füssen. Sie halten Ausschau nach einem Grund, der ihnen Sicherheit und Verlässlichkeit bietet, unabhängig von Geldsorgen und Wirtschaftskrise. Das Denken in kurzfristigen Gewinnerwartungen und Quartalsberichten soll abgelöst werden von langfristigen Prognosen und von nachhaltigen Strategien. Der Sinn von milliardenschweren Zahlungen für die künstliche Verlängerung einer Wirtschaftslogik, die sich als nicht tragfähig erwiesen hat, leuchtet immer weniger ein. Die Menschen fragen vielmehr nach Lebensformen und nach Ausgestaltungen wirtschaftlichen Handelns, die Nachhaltigkeit versprechen. Sie sehnen sich nach einem Wandel der Werte, nach dem Fest der Verwandlung.”

Bischof Wolfgang Huber, Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland

“Wem können wir überhaupt noch glauben? Und das sind Fragen, die weh tun, weil bestimmte Unternehmen einen guten Ruf hatten und man jetzt merkt, dass auch Experten der ganzen Finanz- und Wirtschaftswelt sich völlig geirrt haben und manche auch wissentlich gehandelt haben aus Gier heraus oder Schattenspiele inszenierten, die gefährlich sind und die auf Kosten von einzelnen Menschen und Menschengruppen, die auch auf Kosten ganzer Länder gehen … Das Erschütternde ist ja, dass wir jetzt befähigt werden sollen, unseren Konsum zu stärken, eigentlich genau die alten Regeln, die da waren: Kauft jetzt mehr – Abwrackprämie und dergleichen, es ist ja noch vieles andere, was wir machen sollen -, und dann wird es in einem Jahr schon wieder so sein, wie immer. Dann haben wir gar nichts gelernt, denn es kann nicht immer nur auf Wachstum gesetzt werden … Das heisst, wir müssen eine ganz neue Wirtschaftsordnung haben … wie können wir so wirtschaften, dass wir die Natur nicht ausbeuten, dass wir Menschen nicht ausbeuten, dass wir nicht immer neuen Schrott uns andrehen lassen …”

Bischöfin Maria Jepsen (im Interwiew mit dem Deutschlandfunk)

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(Foto: Gerd Altmann /pixelio.de)