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Das Internet-Magazin von Erhard Metz

Archive for April, 2009

Kunst / 40

Mittwoch, 29. April 2009

Die Fälschung unterscheidet sich vom Original dadurch, dass sie echter aussieht.

Ernst Bloch (1885 bis 1977), Philosoph

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Gut gefälschte Mona Lisa

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Schlecht gefälschte Mona Lisa

(Bildnachweis: STUPIDEDIA – Die Enzyklopädie ohne Sinn)


DOUBLE – ein Ausstellungskabinett im Frankfurter Museum für Moderne Kunst

Dienstag, 28. April 2009

DOUBLE

40 Jahre Kabinett für aktuelle Kunst, Bremerhaven

Ausstellungsreihe des MMK in Zusammenarbeit mit Gregor Schneider und Moritz Wesseler

Erinnern wir uns: Jürgen Wesseler, Jahrgang 1938, ein “Seiteneinsteiger” in Sachen Kunst, Vorsitzender des Kunstvereins Bremerhaven und einer der Väter des dortigen Kunstmuseums, gründete 1967 in einem 33 qm grossen Ladenlokal in der Bremerhavener Innenstadt das “Kabinett für aktuelle Kunst” als private Ausstellungsplattform für avantgardistische Künstler. Grosse Namen verbinden sich mit dem Kabinett: Bernd und Hilla Becher, Hanne Darboven, Isa Genzken, On Kawara, Blinky Palermo, Sigmar Polke, Gerhard Richter oder Andreas Slominski. 2001 installierte Gregor Schneider in dem Kabinett seine bekannte Ausstellung “N. Schmidt”, die das MMK im Jahr 2003 samt dem Nachbau – einem Double also – des Kabinetts erwarb.

DOUBLE nennt das MMK seine Anfang März dieses Jahres begonnene Ausstellungsreihe, die bis in den Herbst 2010 hinein fortgeführt werden soll. Das Museum rekonstruiert in enger Zusammenarbeit mit Gregor Schneider neun historische Ausstellungen des Bremerhavener Kabinetts. “Im Rahmen von Double nimmt sein Kunstwerk damit die zusätzliche Funktion eines Ausstellungsraumes an, der zu einem Doppelgänger seiner selbst wird und damit Fragen nach Endgültigkeit und Einzigartigkeit aufwirft” verlautet aus dem MMK.

Den Auftakt bildeten Reiner Ruthenbecks “Umgekippte Möbel”, eine Arbeit, die der Künstler 1971 unter dem Titel “Objekte” erstmals im Bremerhavener “Kabinett für aktuelle Kunst” realisierte. Das MMK erwarb 1993 die Konzeptarbeit als Frankfurter Version unter dem bereits genannten Titel.

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(Reiner Ruthenbeck, “Umgekippte Möbel”, Frankfurter Version 1993; Foto: FeuilletonFrankfurt)

Eine Chaiselongue, drei Stühle, ein runder und ein rechteckiger Tisch liegen, scheinbar chaotisch verstreut, umgedreht beziehungsweise umgekippt auf dem steinernen Boden des Raumes, der uns von der Schneiderschen Installation her als ein Hauseingang bekannt ist, der zu einem Treppenaufgang führt. Ist das Mobiliar “Opfer” eines Zufalls? Einer destruktiven Handlung? Wohl kaum, auch in funktionsgerechter Aufstellung lüden die Gegenstände kaum zum Verweilen, gar zum Wohnen ein.

Es scheint sich um ein bewusstes Arrangement zu handeln, das den Funktionen der Möbel wie auch sachgerechten, “bürgerlichen” Vorstellungen über deren Sinn und Gebrauch zuwiderläuft. Die Szenerie wirkt komponiert, statisch. Statisch wie der “white cube” des Raums, aus dem alle Bewegung gewichen ist. Das zunächst veritable Mobiliar ist zu einem Artefakt mutiert, der Betrachter in seiner Wahrnehmung des Gegenständlichen verunsichert. Nicht nur Sehgewohnheiten werden hinterfragt.

Gebrochen wird diese Wahrnehmung zudem durch die Erkenntnis, dass es sich um ein reinstalliertes, kopiertes Kunstwerk in einem ebenfalls kopierten Raum handelt. Erinnerungen an die grosse Sturtevant-Ausstellung des MMK werden wach.

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(Bildnachweis MMK; Mario Kramer, Jürgen Wesseler, Gregor Schneider und Moritz Wesseler vor der Arbeit von Reiner Ruthenbeck “Umgekippte Möbel”; Foto: Axel Schneider)

Reiner Ruthenbeck, 1937 in Velbert geborener Bildhauer und Konzeptkünstler, studierte nach einer Ausbildung zum Fotografen Bildhauerei bei Joseph Beuys. Ruthenbeck war weltweit an zahlreichen, zum Teil spektakulären Ausstellungen beteiligt, in Deutschland unter anderem an der documenta 5 (1972), 6 (1977), 7 (1982) und 9 (1992) in Kassel. 1976 bespielte er zusammen mit Beuys und Jochen Gerz den deutschen Pavillon der Biennale in Venedig.

Vom 5. Mai 2009 an zeigt das MMK im Kabinett die rekonstruierte Wandmalerei von Lawrence Weiner “towards a reasonable end”. Der 1942 in New York geborene Künstler und Autor gilt ebenfalls als ein bedeutender Vertreter der konzeptuellen Kunst. Bekannt wurde Weiner unter anderem durch seine Wandinstallationen wie durch seine Film- und Videokunst, durch Performances sowie grafische Arbeiten und Skulpturen. Er war bei der Kasseler documenta 5, 6 und 7 vertreten.

⇒  Das Museum für Moderne Kunst Frankfurt im Jahr 2010
⇒  Liebe im Frankfurter Museum für Moderne Kunst
⇒  Blütenstaub: Wolfgang Laib im MMK-Double

Das grüne Kanapee / 7

Sonntag, 26. April 2009

Nun – es wird Zeit, hohe Zeit sogar, für ein neues Gedicht von habust. Sie alle, liebe Leserinnen und Leser, kennen habust – Klarname: Hans-Burkhardt Steck – von seinen tollen TSG-Songs. Nun also ein neues Gedicht, es geht um – Sport! Genauer gesagt um einen Purzelbaum. Aber hören Sie selbst: Setzen Sie sich auf das grüne Kanapee, indem Sie es anklicken, und dann kommt er, der Purzelbaum, rezitiert vom Dichter persönlich …

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(©  habust; Foto: GearedBull wikimedia commons GFDL)


Rot-schwarz / Schwarz-rot oder: das Marienkäferchen

Samstag, 25. April 2009

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(Bildnachweis: Chris Thomas / Miltoncontact ; wikimedia commons GFDL)

Mal Hand auf’s Herz, liebe Leserinnen und Leser, ist Ihnen dieses Marienkäferchen nicht auch lieber als die Schwarz-rote Berliner Koalition?

Nun krabbelt es von links nach rechts: Wie ist das von der politischen Farbenlehre her zu verstehen? Als Vorschau auf das Ergebnis der kommenden Bundestagswahl?


Klaus Kreuzer: Städte am Wasser und Flusslandschaften

Donnerstag, 23. April 2009

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Klaus Kreuzer im Atelier: “Paris”, 110 x 90 cm; alle (auch nachfolgenden) Bilder in Öl-Spartel-Technik auf Leinwand

“Das Hauptanliegen meiner Malerei ist die Darstellung der Bewegung der Farben in der Atmosphäre; Spiegelungen im Wasser, Spiegelungen in der Luft, das Flimmern der Atmosphäre”: So lautet das künstlerische Credo des Frankfurter Malers Klaus Kreuzer.

Derzeit stellt der Frankfurter Künstlerclub im Nebbienschen Gartenhaus Kreuzers neuere Arbeiten in dessen spezieller Öl-Spachtel-Technik aus.

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Stadtlandschaft New York , 100 x  60 cm

Klaus Kreuzer blickt auf ein über mehr als drei Jahrzehnte währendes künstlerisches Schaffen. Über verschiedene Maltechniken, insbesondere mit Aquarell- und Ölfarben oder Ölkreide, und über die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Themen und Motiven, beispielsweise aus der Welt der Tiere – ornamentale Darstellungen mit symbolischem Charakter, festen Konturen und kontrastreich  voneinander abgesetzten Farben -, gelangte er zu seiner selbst entwickelten Technik, bei der er den Pinsel gegen den feinen Spachtel tauschte. Als Malgrund dienen Leinwand, als Malmittel breiige Ölfarben in diverser Konsistenz.

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Herbstlich – Schloss Heusenstamm, 100 x  60 cm

Kreuzers heutige Arbeiten erinnern zunächst an den Impressionismus, namentlich den Pointilismus eines Georges Seurat, Paul Signac oder Camille Pissarro um die Wende zum 20. Jahrhundert. Allerdings sind bei näherer Betrachtung solche Ähnlichkeiten nur oberflächlich und vom Künstler – auch dort, wo er plein air malt -  nicht beabsichtigt, noch will er diese Stilrichtungen oder Maltechniken zitieren. Ging es im Impressionismus wesentlich um die Spontaneität, die Flüchtigkeit einer Situation, um die Wirkungsweise des natürlichen Lichts auf einem Objekt, ein oft nur wenige Minuten währendes Licht- und Schattenspiel, im Pointilismus um eine Farbwahrnehmung durch die additive Farbenmischung auf der Basis der damals neu oder besser gesagt wieder entdeckten Erkenntnisse der Farbenlehre, so thematisiert Klaus Kreuzer heute die “Bewegung der Farben” in der Atmosphäre, die “Dynamik des Transferprozesses” mittels des Farbauftrags. Das bewegte Farbenspiel löst Formen und Flächen auf, diese verlieren sich im Unendlichen. Erst aus einiger Entfernung lassen sie sich wieder als solche wahrnehmen.

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Domburger Strandimpression, 50 x  36 cm

Kreuzer setzt seine Bilder aus – teilweise winzig – kleinen Farbfeldern zusammen. Er benutzt wie schon angedeutet nicht den Pinsel, um kleine Farbpunkte zu markieren, sondern er trägt die Ölfarbe als filigrane dreidimensionale Elemente mittels feiner Spachtel auf den Malgrund auf. Es bilden sich reliefartige Oberflächenstrukturen. Die aufstehenden “Farbberge” reflektieren das Licht je nach dessen Einfall und Auftreffen unterschiedlich. Farbwahrnehmung und Bildeindruck ergeben sich dem Betrachter erst bei einem grösseren Abstand und wechseln je nach dessen Standort.

Der Künstler wendet sich mit seiner Technik verschiedenen Themen- und Motivkomplexen wie Globalisierung, Städteporträts, Landschaften oder gesellschaftlichen Belangen zu. In der derzeitigen Frankfurter Ausstellung stehen, ihrem Titel gemäss, Motive am und mit Wasser im Mittelpunkt.

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Im Atelier: Industriepark Höchst, 100 x  60 cm

Sehr viel Arbeit, sehr viel Lebenszeit “investiert” Klaus Kreuzer mit seiner ins Kleinste ausdifferenzierenden Spachtel-Technik in sein Werk. Eigentlich scheinen seine Arbeiten – wollte man betriebswirtschaftliche Massstäbe anlegen – kaum bezahlbar. Wir bewundern nicht nur deshalb den Enthusiasmus des Künstlers. Kreuzer verfolgt und realisiert einen malerischen Anspruch, der in seiner Stringenz und Konsequenz überzeugt.

Klaus Kreuzer, 1938 in Luckenwalde geboren, lebt seit 1963 in Frankfurt am Main. Von 1965 bis 1968 studierte er Malerei und Gebrauchsgraphik. 1984 und 1990 folgten jeweils Kollegabschlüsse  – in den Sparten Kunst und Moderne Kunst – in Frankfurt am Main.

Kreuzers Arbeiten wurden in zahlreichen Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen im In- und Ausland (unter anderem in New York und Dallas, Frankfurt am Main, Mannheim und Köln) präsentiert. 1999 erhielt er den Studienfahrtenpreis der Frankfurter Heussenstamm-Stiftung. Kreuzer ist Mitglied der Frankfurter Künstlergesellschaft von 1857  und des Frankfurter Künstlerclubs.

Die Ausstellung im Nebbienschen Gartenhaus ist von Dienstag bis Sonntag von 12 bis 18 Uhr geöffnet; sie läuft bis zum 3. Mai 2009.

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Im Atelier: Frankfurter Abendstimmung, 60 x 40 cm, vor: Allein über Frankfurt am Main, 140 x 100 cm

(Bilder © Klaus Kreuzer; Fotos: FeuilletonFrankfurt)