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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Archive for März, 2009

Hermann Haindl

Sonntag, 22. März 2009

Das Herz, die Seele und die Bäume

“Für mich sind Bäume die Krönung der Schöpfung.”
Hermann Haindl

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Hermann Haindl in seinem Wohnhaus (Foto: FeuilletonFrankfurt)

Es wächst und wuchert, üppig voll von Lebenssaft, es strebt in die Höhe und in die Breite, es kommt auf uns zu und greift nach uns – das Es ist die grossartige, gewaltige – aber nie gewalttätige – Kraft in Hermann Haindls Bildern. Die Kraft aus Farben und Formen strömt aus den Gemälden heraus, erfüllt den Raum, umgibt uns. Ihr entziehen können wir uns nicht – und wollen es auch nicht.

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Es ist die Natur, die Haindl fasziniert, der er sich verbunden fühlt, als deren Teil er sich begreift, Jahrtausende, Jahrmillionen haben sie geformt, in ihrer urwüchsigen Gestalt, wie sie sich in besonderer Weise in Bäumen manifestiert. Bäume haben es Hermann Haindl seit jeher angetan. Fünfhundert, eintausend, fünftausend und mehr Jahre sind sie alt, wer könnte es zählen, zerklüftet und zernarbt, zerzaust und gespalten von Sonne und Regen, Erdbeben, Blitz und Donner, und doch voll nicht aufgeben wollenden Lebens. Und es sind besonders die Olivenhaine der Toskana, die Haindl verehrt.

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“Eine Baumkathedrale – tausendjährige Olive in der Toskana” (2001)

“Was wäre der Mensch ohne Bäume – jene Naturgebilde, die schon lange vor ihm waren, die seinen Entwicklungsweg über weite Zeiträume hin nährend, schützend, fördernd begleitet haben und die nach dem biblischen Mythos vom Baum der Erkenntnis auch zu Zeugen seines Bewusstseinssprungs aus der Tierheit wurden … Zeichenhaft spiegelt der Baum nicht nur das physische, sondern auch das metaphysische Sein des Menschen”, schreibt Peter Cornelius Mayer-Tasch.

Haindl hat sie gezeichnet, “Baumpersönlichkeiten” nennt er sie alle: die alte Buche im Kronberger Park, die alte Robinie im Hofheimer Wald, die alte Eiche im Reinhardswald, die alten Linden in Frauenstein, Dieburg, Kiew, die wohl fünftausend Jahre alte Grannenkiefer in Californien, die tausendjährigen Oliven in der Toskana … Er begegnet ihnen mit grosser Ehrfurcht. “Im Alter sind Menschen und Bäume einander ähnlich, denn in ihren Leibern zeichnen sich die Erfahrungen des Lebens” schreibt er.

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Haindl schaut auf sein oft genug von tödlicher Gefahr begleitetes Leben als eine Summe geglückter Erfahrungen, ein Leben als Geschenk. Er schaut mit Augen, die noch immer jung sind, die auf das Nächste blicken, neugierig Neues erwarten, die bevorstehende Reise in die geliebte Toskana etwa, eine weitere Ausstellung, den Besuch von Freunden und Gästen in seinem Haus und seinem Atelier, die nächste Veranstaltung des von ihm mit seiner Frau Erika gegründeten “Zentrums für altes und neues Wissen und Handeln” in der Hofheimer “Scheune”, seinem früheren Atelier in der dortigen Bärengasse.

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Dominierte in Haindls Baum-Gemälden, von der Zeichnung her kommend, zunächst das Figurative, wenn auch in freier Farbgestaltung, so wandte er sich in der jüngeren Vergangenheit freien Kompositionen zu: Bildern, die Kraftfeldern gleichen, die die Vitalität der Bäume in einen “Choral tönender Farben” (Friedhelm Häring) verwandeln. Bereits in diesen Bildern lässt sich eine Hinwendung zu Spektren erkennen, die, wie später vor allem die 78 mystischen Darstellungen seines weltweit berühmt gewordenen Haindl-Tarots, in den Bereich des Esoterischen weisen. Überhaupt spielen serielle Arbeiten eine grosse Rolle in Haindls Schaffen: neben der Zeichnungen-Serie “Baumpersönlichkeiten” und besagtem Tarot-Deck beispielsweise die 37 Baumgemälde im Format 1 mal 2 Meter, die 39 Bach-Blüten, Gemälde zu den Blüten des englischen Arztes Edward Bach, die zwölf Monats-Bilder, mit zwölf Kurzgedichten von Eva Demski und zwölf Kompositionen für ein Streichtrio mit Klavier von Wolfgang Biersack zu einem Musikzyklus vereint.

Haindls aktuelle, mitunter surrealistisch anmutende Gemälde – stets malte und malt er in Öl auf Leinwand – tragen Bezeichnungen wie “Pesante” und “Pastorale”, “Duetto” und “Azurro”, “Allegro con brio” oder “Fugato”. “Wir sind Teil eines Ganzen” – diese alte indianische Weisheit ist für Haindl zum Leitsatz seines Lebens geworden. “In ihm finde ich alle Antworten, die ich brauche.”

Und noch eine Maxime seines Lebens gilt es festzuhalten: “Meine Frau Erika und ich”, sagt Haindl, “sind wie die beiden Pole einer Batterie. Ohne sie wäre ich nicht der, der ich bin.”

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“Aus den titanischen Baumriesen”, schreibt Friedhelm Häring, “aus den Baumpersönlichkeiten mit ihrem Wuchs und ihren Verletzungen, ihrer Geschichte und ihren Jahrtausenden gelebten Lebens hat Hermann Haindl alles verzaubert, zu farblichen Glücksseufzern, zum grossen Klang der Weisheit.”

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Im Wohnhaus von Hermann Haindl (Foto: FeuilletonFrankfurt)

Hermann Haindl, 1927 in Berlin in einer Künstlerfamilie geboren, begann am Kattowitzer Theater eine Lehre als Theatermaler und Bühnenbildner. Kriegsdienst und die fast vierjährige russische Kriegsgefangenschaft prägten nachhaltig seine Kunstvorstellungen und seine Lebenssicht. 1948 fand er zunächst in Berlin Arbeit als Reklamemaler. Wenig später zog er zu Verwandten nach Frankfurt am Main, wo er 1950 an den Städtischen Bühnen eine Tätigkeit als Theatermaler aufnahm. 1960 wurde er dort Leiter der Künstlerischen Werkstätten und Bühnenbildner – drei Jahrzehnte lang übte er diese Tätigkeit aus. Ferner arbeitete er als Bühnenbildner am Frankfurter Volkstheater. Gastaufführungen und -ausstattungen führten Haindl an grosse Theaterhäuser, unter anderem nach Athen, Barcelona, Florenz, London und Tel Aviv sowie an das Festspielhaus Bayreuth. Haindl lehrte an der Akademie für Bildende Künste Tel Aviv und der Theaterakademie Recklinghausen. Zum 25. Jahrestag der Gründung des Staates Israel schuf er als Auftragsarbeit  zwei 150 Meter lange Gemälde für die dortige offizielle Jubiläumsausstellung.

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Hermann Haindl in seinem heutigen Atelier (Foto: FeuilletonFrankfurt)

Nach der täglichen Theaterarbeit ging er seiner Leidenschaft, der privaten Malerei nach. Er reiste zu den Indianern Nordamerikas und nach Indien und liess sich von den Religionen und Mythologien dieser Kulturen beeinflussen. Schon 1962 gründete Haindl mit Freunden die Künstlervereinigung “Hofheimer Gruppe”. Grosse Verdienste erwarb sich Haindl um die Erhaltung und Sanierung der Hofheimer Altstadt: 1979 erhielt er dafür den Deutschen Preis für Denkmalschutz, 1985 den Kulturpreis der Stadt Hofheim.

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Ernst-Dietrich Haberland, Vorsitzender des Frankfurter Künstlerclubs, und Hermann Haindl im ehemaligem Atelier, der heutigen Hofheimer “Scheune” (Foto: FeuilletonFrankfurt)

Noch bis zum 5. April 2009 stellt der Frankfurter Künstlerclub im Nebbienschen Gartenhaus Arbeiten von Hermann Haindl und dem ukrainischen Maler Petro Lebedynets, einem engen Freund Haindls, aus. Für ihre Zusammenarbeit fanden die beiden Künstler, die sich 2005 in Kiew kennengelernt hatten, das Motto: “Frieden braucht Freundschaften”.

(Bildnachweis, sofern nicht anders gekennzeichnet:  © Hermann Haindl, mit freundlicher Genehmigung des Künstlers)


Greser & Lenz zeichnen den grössten Witz der Welt

Freitag, 20. März 2009

Etwa zweieinhalb mal dreieinhalb Meter misst er – der “grösste Witz der Welt”. Gestern vormittag legten die beiden Meister der Karikatur, Greser & Lenz , bekannt aus FAZ, stern und Titanic, Hand an – im Frankfurter U-Bahnhof  Willy-Brandt-Platz.

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Zwei Schelme in ihrem Element

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Das etwas andere Plakat …

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Schülerinnen und Schüler bestaunen die Aktion

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Greser: auf der Leiter zu den Augenbrauen

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Lenz: mit “eingebauter” Leiter

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Nur noch wenige Pinselstriche …

Eine Interpretationshilfe wollen wir unseren Leserinnen und Lesern ersparen – die Karikatur spricht für sich selbst. Aber:

“Der GRÖSSTE Witz der Welt” – wie herrlich mehrdeutig unsere deutsche Sprache doch ist!

(Fotos: FeuilletonFrankfurt)

⇒    Greser & Lenz im caricatura museum frankfurt: Bedarf es noch der Worte?

KUNST / 39

Donnerstag, 19. März 2009

Kunst kommt nicht von Können, sondern von Müssen.

Arnold Schönberg (1874 bis 1951), Komponist

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(Arnold Schönberg: Blaues Selbstportrait, 1910; Arnold Schönberg Center, Wien; wikimedia commons CC)

Goetheplatz – Rathenauplatz – Rossmarkt: Basaltgraue Verschandelung in Frankfurt am Main

Mittwoch, 18. März 2009

Eigentlich hatten wir die – von Presse und Öffentlichkeit schon vor Monaten heftig gescholtene – Verunstaltung der in Frankfurt am Main einzigartigen zentralen Freiflächenanlage Rossmarkt / Goetheplatz / Rathenauplatz schon ad acta gelegt, weil diese Massnahme kaum mehr rückgängig gemacht werden kann (finanziell schon gar nicht “in Zeiten wie diesen”). Aber eine jüngst in der FAZ kolportierte Äusserung des Planungsdezernenten Edwin Schwarz, der die Verantwortung für das dort Angerichtete trägt, lässt alte Wunden wieder aufbrechen.

Frankfurter werden sich der früher als ein kleines Erholungsparadies gestalteten verbundenen Plätze wehmütig erinnern: Wo einst zum Schlendern einladende Wege durch Blumenrabatten führten, herrscht heute ein tristes, nein absolut trostloses und feindliches Basalt-Grau-Schwarz! (Schwarz: Nomen est omen?) Nein, um diese elende Steinwüste schlagen wir einen grossen Bogen, wir wenden uns ab von diesem städtebaulichen Trauerspiel.

Vor wenigen Tagen liess Schwarz seinem Gemüt erneut freien Lauf: “Je häufiger ich an dem Platz vorbeikomme, umso besser gefällt er mir.” Nun, über guten oder schlechten Geschmack braucht man nicht zu streiten, wo ersterer nicht vorhanden ist. Die Anzahl der uns bekannten Frankfurterinnen und Frankfurter – es sind gewiss nicht wenige -, die Gefallen an dieser Tristesse finden, liesse sich bequem in einem Fiat Cinquecento unterbringen. Wir aber fragen uns erneut, auf welche Weise und in welchem Personenkreis solche Fehlentscheidungen über die Gestaltung eines der wichtigsten Plätze in Frankfurt am Main zustande kommen konnten. Architekten, die zu solchen Missgestaltungen fähig sind, müsste man jahrelang in unmittelbarer Nachbarschaft ihrer ins Werk gesetzten Abstrusitäten zwangsansiedeln: Der Erfolg  solcher Bestrafung liesse nicht lange auf sich warten. Und wo eigentlich war seinerzeit eine qualifizierte Beteiligung der Frankfurter Bürgerinnen und Bürger, die diese Basaltwüste im Herzen ihrer Stadt nun tagtäglich ertragen müssen?

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↑ Platzanlage nach Norden
↓ Platzanlage nach Süden,
jeweils ganz im Hintergrund Mitte das Goethe-Denkmal

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Es gäbe eine Rache – wir setzen dazu auf die weiblichen Mitbürgerinnen: Das kleinteilige grau-schwarze Pflaster eignet sich hervorragend dazu, hochhackige Damenschuhe ihrer pfennig- (pardon) centkleinen Absätze zu berauben. Liebe Frankfurter Schuhhändler: Stöckelschuhe sind die Rettung! Verkauft sie massenweise! Tausende empörter, ihres Schuhwerks entledigter Damen könnten Herrn Schwarz ihre Schuhreparatur-Rechnungen schicken! Wenigstens eine Strafe muss sein!

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(Bildnachweis: www.queen-of-heels.de, Foto: Olivier Luma; wikimedia commons CC)

KUNST / 38

Dienstag, 17. März 2009

Ernst ist das Leben, heiter ist die Kunst.
Friedrich Schiller (1759 bis 1805)

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(Foto: Ingo Döring /pixelio.de)

Ernst ist die Kunst und heiter das Leben.
Kurt Schwitters (1887 bis 1948), Maler, Schriftsteller

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(Foto: Manfred Blanck /pixelio.de)