Frankfurter Künstlerclub und Heussenstamm-Galerie beginnen das Ausstellungsjahr 2009 mit Retrospektiven
”Figuration und Abstraktion” – “Expressive Energie”: Der Frankfurter Künstlerclub und die Heussenstamm-Galerie beginnen das Ausstellungsjahr 2009 jeweils mit einer Retrospektive: auf Herm Dienz und auf Georg Dickenberger. Obgleich die beiden sehr unterschiedliche künstlerische Profile entwickelten, eignet ihnen manches gemeinsam: Dienz und Dickenberger sind im deutschen Expressionismus verwurzelt, beide erlebten die Zeit der nationalsozialistischen Ideologie mit der Verfolgung und Unterdrückung der sogenannten “entarteten Kunst”, beide durchlitten den zweiten Weltkrieg und mussten nach 1945 zu neuen künstlerischen Ansätzen finden.
Ein unmittelbarer Vergleich zwischen diesen beiden Künstlern erscheint von einigem Reiz.
Der Frankfurter Künstlerclub e. V., 1955 mit dem Ziel gegründet, Kunstschaffenden aller Sparten der bildenden wie darstellenden Künste ein Forum zu bieten, präsentiert unter dem Motto ”Figuration und Abstraktion” einen Ausschnitt aus dem Werk des Malers und Grafikers Herm Dienz, in Frankfurt am Main und in Hessen bekannt durch seine Ausstellungen im Kunstkabinett Hanna Bekker vom Rath sowie im Friedberger Wetterau-Museum.
Moseltal im Winter, 1913
Herm (Hermann) Dienz, 1891 in Koblenz geboren, fühlte sich von kleinauf zur Malerei berufen. Sein Elternhaus hielt ihn jedoch dazu an, Rechtswissenschaften zu studieren. Das Studium in München, Berlin und Bonn schloss er mit der Promotion ab. 1921 beendete er jedoch abrupt seine juristische Karriere und liess sich als freischaffender Maler und Grafiker im westerwäldischen Rossbach nieder. Er wurde Mitbegründer der Künstlergruppe “Das Boot”. “Es sind künstlerisch goldene Jahre”, schreibt Britta Klöpfer in ihrer Dissertation über Herm Dienz, “die ihm aber immer wieder den Spagat mit den finanziellen Notwendigkeiten des täglichen Lebens abverlangen”. In der Abgeschiedenheit des kleinen Westerwalddorfs, in dem er sich mit seiner Familie niedergelassen hatte, fand er die nötige Ruhe für seine Arbeit, sie inspirierte ihn zu zahlreichen Bildern, doch zum Lebensunterhalt trug sie kaum bei.
Nach einer ausgedehnten Italienreise studierte Dienz deshalb in den Jahren 1925 bis 1927 an der Düsseldorfer Kunstakademie Kunsterziehung und bekleidete anschliessend den Beruf eines Lehrers, ab 1937 den eines Professors an der Pädagogischen Hochschule in Bonn. Nach Kriegsende kehrte er in den Lehrerberuf zurück. Zugleich versuchte er in seiner figurativen, später aber auch mehr und mehr gegenstandslosen Malerei, die Greuel des Erlebten mit den ihm eigenen Mitteln zu verarbeiten. Seit 1956 widmete er sich ausschliesslich der Malerei.
Komposition Blau-Grün, 1950
Phoebus im Regen, 1950
Dienz – stets streitbar und eigenwillig – verbrachte nahezu den gesamten Tag in seinem Atelier und malte bis zum Ende seines Lebens. Nach einer Fussamputation, gegen die er sich bis zuletzt gewehrt hatte, verweigerte er jedwede Nahrungs- und Medikamentenaufnahme. Er starb hochbetagt im August 1980 in einem Krankenhaus in Siegburg.
Das weit über 2000 Werke umfassende Œuvre von Herm Dienz – neben den Ölgemälden zahlreiche Druckgrafiken und Zeichnungen – lässt sich keiner ausschliesslichen Kunstrichtung zuordnen. Angeregt zunächst durch Naturalismus, Impressionismus, Symbolismus und Jugendstil fand Dienz im deutschen Expressionismus und nach 1945, später auch unter dem Einfluss der Pop art, einen subjektiven Weg zwischen einer figurativen und einer zunehmend abstrahierender Malerei bis hin zur Collage. In der Frankfurter Ausstellung dominieren die dunkleren Töne der Palette. Ein Ständer mit zahlreichen Druckgrafiken lädt zu einer Entdeckungsreise ein.
Winterlich III, 1954
Dienz hat, so Britta Klöpfer weiter, “keiner bestimmten Schule angehört, sich keiner Richtung dauerhaft verschrieben, sondern stets sensibel auf die Strömungen seiner Zeit reagiert und sie in eine persönliche Bildsprache umgesetzt. Trotz der immer wieder auftauchenden Affinität zu anderen Malern folgen seine Arbeiten einer eigenen, originären Spur, die bis zuletzt von einem unermüdlichen Gestaltungswillen zeugt, aber auch von einer steten Unrast. Immer wieder stellt er sich und sein Werk in Frage, ohne Scheu vor den Erfahrungen der Grenzen … Von Höhen und Tiefen ist sein künstlerisches Tun geprägt, das jeweils eng mit seiner Biografie verwoben ist.”
Florentinische Collage, 1963
Obwohl ihm Streben nach Publizität und jedwedes Marketing fremd waren, fanden seine Arbeiten immer wieder in Ausstellungen, neben Bonn beispielsweise in Bielefeld, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Koblenz, Köln oder Wuppertal ein interessiertes Publikum. In Süddeutschland wurde er in Erlangen und Schweinfurth bekannt, in Frankfurt am Main bei Ausstellungen im besagten Kunstkabinett Hanna Bekker vom Rath sowie im nahe gelegenen Friedberger Wetterau-Museum. Seine Arbeiten sind in vielen Museen und Privatsammlungen anzutreffen.
Eine bemerkenswerte Ausstellung, bei der man über die mitunter mangelhaften Rahmungen hinwegsehen muss.
Die Ausstellung im Nebbienschen Gartenhaus des Frankfurter Künstlerclubs läuft bis zum 8. Februar 2009.
(Bildnachweis: © Barbara Dienz / VG Bild-Kunst)
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Die Galerie der Heussenstamm-Stiftung – einer unselbständigen Stiftung der Stadt Frankfurt am Main – , kurz Heussenstamm-Galerie, erinnert unter dem Titel “Expressive Energie” an das Werk des in Frankfurt am Main und Hessen weitbekannten Malers, Grafikers, Kritikers und Hörfunkautors Georg Dickenberger.
Studie zum Wald, 1966
Der 1913 in Frankfurt am Main geborene Georg Dickenberger hielt sich schon als Jugendlicher in den Frankfurter Ateliers auf und veröffentlichte als Siebzehnjähriger erste literarische Arbeiten. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges begann er – einer der Pioniere der Frankfurter Kunstszene der Nachkriegszeit – seine aktive Arbeit als Maler, Grafiker und Illustrator. Marksteine seines künstlerischen Weges sind die Mitgründung der Gruppe “Junge Kunst”(1946), sein Engagement im Berufsverband Bildender Künstler sowie in der Frankfurter Künstlergesellschaft. Seit 1949 war er zusätzlich als Kunstkritiker und Hörfunkautor tätig. Seine im Rundfunk ausgestrahlten Sendungen machten ihn weit über die Grenzen Hessens hinaus bekannt. Zahlreiche Studienaufenthalte führten ihn nach Nord- und Südfrankreich, Irland und Spanien. Dickenberger verstarb 2004 in Frankfurt am Main.
Sonnenaufgang, 1972
Dickenbergers Arbeiten fanden in zahlreichen Ausstellungen ein breites Publikum, über Frankfurt am Main hinaus in Bensheim, Giessen, Herborn, Ludwigshafen, Kronberg, München und Wiesbaden. Im Ausland wurden seine Werke in Boston, Dublin, Provo (Utah), San Francisco und Toronto gezeigt.
Die Stadt Frankfurt am Main, das Land Hessen, die Staatlichen Museen zu Kassel, das Oberhessische Museum in Giessen und die Städtische Kunstsammlung Ludwigshafen erwarben, ebenso wie zahlreiche private Sammler, seine Werke.
Felsenlandschaft, 1987
Dickenbergers Arbeiten liegen überwiegend Erinnerungen an Landschaften zugrunde. Erinnerungen, die er von seinen zahlreichen Reisen in sein heimisches Atelier trägt. Zumeist gestaltet er seine Bilder von einer Mitte aus, um einen Mittelpunkt herum. Es ist die Natur, die ihn fasziniert, es sind Steine und Felsen, Bäume und Wälder, Hölzer und Wurzeln, es sind die Farben und Anmutungen der Landschaften in den wechselnden Tageszeiten, von den Gebirgen bis hin zu den Dünen, die er, an die Traditionen des Expressionismus anknüpfend, in seinem Inneren verarbeitet, bewältigt und in seiner Kunst spiegelt. Mal sind die Bilder von pastoser Farbgebung, meist aber in kräftig-vitalen, leuchtenden Farben gestaltet.
Bei Westport, 1992
“Was mit der Natur möglich ist”, schreibt Friedhelm Häring über den Künstler, “zeigen seine gleissenden Sonnen, Wasserfälle, Vulkane, jahreszeitlichen Stimmungen, Berge, Schluchten, Dünenlandschaften. All dies sind nicht Ansichten, die er übernimmt, sondern Einsichten, die er aufnimmt. Vielleicht zog es ihn darum in unverstellte, unverbrauchte Landschaften, vor allem an Irlands Westküste … Und dieser Erinnerungsprozess schafft die Summe aus Energie, Vitalität und Formkraft, die sich auf dem Blatt niederschreibt.”
Erinnerung 3, 1999
Auch diese Werkschau, nicht zuletzt in ihrem reizvollen Kontrast und Wechselspiel zur vorgenannten, sollte man nicht versäumen.
Die Ausstellung in der Heussenstamm-Galerie läuft noch bis zum 6. Februar 2009.
(Bildnachweis: © Georg Dickenberger Nachlass / Barbara Dickenberger)










